Wiesweg, Kim

hulsozialarbeiterin, Stadträtin und neue Gleichstellungsbeauftragte

W. St. – Geboren 1997 in Coesfeld. Schulsozialarbeiterin der Gemeinde Reken, zog 2018 von Reken nach Dorsten zu, wo sie seit 2021 im Stadtrat die Partei „Bündnis 90/Die Grünen“ vertritt, deren Bundestagskandidatin 2021 sie im Wahlkreis Bottrop-Recklinghausen III war und beachtlichtliche aber nicht ausreichenden 10,3 Prozent se Atimmen bekam. Im Wahlkampf vertrat Kim Wiesweg u. a. die Forderung nach konsequentem Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit. „Diese beiden Komponenten schließen sich nicht aus, sie gehören unbedingt zusammen. Ich kämpfe für mehr Aufenthaltsqualität in unseren Städten und eine Gesellschaft, in der jeder Mensch gleichberechtigt teilhaben kann – frei von Diskriminierung, Hass und Gewalt. Wir müssen dafür sorgen, dass jedes Kind die gleichen Chancen und Perspektiven bekommt. Reichtum haben wir erst dann erreicht, wenn jedes Kind frei von Armut ist.“ Im August 2021 wurde Kim Wiesweg als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Dorsten mit Amtsantritt im November eingestellt, was die SPD in persona Friedhelm Fragemann noch vor der Bundestagswahl veranlasste, die Grüne Kim Wiesweg öffentlich zu beleidigen.

Mit Sport erholt sie sich von der sozialen und politischen Arbeit

Von 2003 bis 2007 besuchte Kim Wiesweg die Antoniusschule in Reken, danach bis 2015 das  Gymnasium der Marianhiller Missionare Maria Veen. Sie studierte an der Westfälischen Hochschule Bocholt das Fach Wirtschaft, wechselte 2016 zur Steinbeis Hochschule NRW, die sie 2019 mit „Bachelor of Social Management“ abschloss. Von 2016 bis 2019 arbeitete Kim Wiesweg neben ihrem Studium als Studentische Hilfskraft bei der Caritas in Bocholt. Nach dem Studium war sie ein Jahr lang als Sozialarbeiterin im Bereich der ambulanten Familienhilfe im Unternehmen „Freiraumwohnung GmbH“ in Schermbeck tätig. Seitdem ist sie als Schulsozialarbeiterin der Gemeinde Reken sowie als Verfahrenspflegerin für das Amtsgericht Gladbeck tätig. Schulsozialarbeit ist eine professionell durchgeführte soziale Arbeit mit den Menschen, die in einer Bildungseinrichtung lernen oder dort arbeiten. Als historisch jüngste und intensivste Form der Kooperation auf Augenhöhe zwischen Schülern, Lehrern und Eltern ist sie zu einem wichtigen Bestandteil einer modernen Jugendhilfe geworden. Im März 2021 wurde Kim Wiesweg Sprecherin der Ortsverbandes Dorsten der Partei Bündnis 90/Die Grünen und einen Monat später rückte sie für Natalia Garro de Fraund in den Stadtrat nach. Kim Wiesweg fühlt sich in Dorsten wohl. Beim Sport in der CrossFit37-Box erholt sie sich von der Arbeit und der Politik. Auch liebt sie die Wälder rund um Dorsten, die sie bei Spaziergängen oder mit dem Mountainbike erkundet. Zudem macht sie Yoga, singt und reist gerne.

Wahlausgang: „Wir haben das Ergebnis gegenüber 2017 in etwa verdoppelt!“

Kim Wiesweg erhielt im Wahlbezirk 125 (Bottrop-Kreis Recklinghausen III) 10,3 Prozent. „Der Wahlkampf war eine aufregende, spannende Zeit“, zitiert die „Dorstener Zeitung“ Kim Wiesweg. „Natürlich auch sehr stressig, weil ich die ganze Zeit auch Vollzeit gearbeitet habe. Das würde ich beim nächsten Mal sicherlich anders organisieren. Wir haben das Ergebnis gegenüber 2017 in etwa verdoppelt, aber das ist nicht unbedingt nur mein Verdienst. Was ich sehr schön fand: dass man sich unter den demokratischen Parteien zu schätzen weiß und fair miteinander umgeht, auch wenn man politisch manchmal sehr weit auseinander ist.

Gleichstellungsbeauftragte – noch nicht im Amt, geriet sie in SPD-Kritik

Die SPD-Fraktion in Dorstener Stadtrat kritisierte die Besetzung der Gleichstellungsstelle mit der grünen Ratsfrau Wiesweg aus lokalpolitischen und vielleicht auch aus wahlkampftaktischen Gründen. Fraktionsvorsitzender Friedhelm Fragemann: „Der schwarz-grüne Kuschelkurs der letzten Monate entpuppt sich als personalpolitisch motivierter Schachzug!“ Die Stadtverwaltung wies dies zurück. Aufgrund normierter Verfahren bei der Einstellung aller Beschäftigten der Verwaltung könne es sich nicht um einen politischen Schachzug handeln. Rund 30 Bewerbungen seien auf die extern ausgeschriebene Stelle eingegangen, acht Bewerberinnen habe man zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, an denen der Bürgermeister sowie Vertreter des Personalrats, der Personalabteilung und die Gleichstellungsbeauftragte teilgenommen hatten. Fragemann mischte sich auch kritisierend in die Zusammensetzung der Grüne-Fraktion im Rat der Stadt ein: Der Wechsel Wieswegs in die Verwaltung und das damit einhergehende Ausscheiden aus dem Stadtrat schwäche die Frauenquote der Grünen, da für Wiesweg ein Mann in den Rat nachrücke.

Die Grünen forderten von Fragemann eine öffentliche Entschuldigung

Für seine öffentliche und haltlose Kritik an der Besetzung der Gleichstellungsstelle im Rathaus bekam Fragemann Gegenwind: Die Grünen forderten eine öffentliche Entschuldigung. Fragemann verkenne, so die Grünen, dass es sich bei der Stelle der Gleichstellungsbeauftragten nicht um ein politisches Amt handele und die Stadtverwaltung nach dem Prinzip der Bestenauslese handeln musste: „Mit diesen haltlosen Unterstellungen wirft Fragemann nicht nur der Stadtverwaltung rechtswidriges Verhalten vor, er diskreditiert auch völlig die fachliche Eignung von Kim Wiesweg.“

Fragemann: Wer’s nicht glaubt, „glaubt auch an den Weihnachtsmann“

Der Streit um die Besetzung der Gleichstellungsstelle in Dorsten ging weiter. Friedhelm Fragemann entschuldigte sich nicht und hielt an seiner Kritik fest. „Für eine Entschuldigung besteht für mich keinerlei Anlass“, betonte Fragemann in einer schriftlichen Stellungnahme und wiederholte den Vorwurf, dass diese Personalie ein schwarz-grüner Kuschelkurs sei. „Wer glaubt, dass die Besetzung der Gleichstellungsstelle ohne vorherige diesbezügliche Kontakte erfolgt ist, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.“
Daraufhin wollten sich die Grünen vorerst nicht mehr an einen Tisch mit der SPD setzen. Kim Wiesweg: „Wir sehen derzeit keine Grundlage für eine Zusammenarbeit…!“

Ausriss aus der Dorstener Zeitung vom 2. September 2021

  • Ob Fragemann ein tiefgehendes „Grünen-Trauma“ habe? Eine solche Frage, auch als Behauptung, wurde während der Auseinandersetzung Fragemanns mit den Grünen wegen der Anstellung Kim Wieswegs als Gleichstellungsbeauftragte online gestellt. Mit „Grünen-Trauma“ war eine weitaus heftigere Auseinandersetzung Friedhelm Fragemanns mit den Grünen aus den Jahren 1994/95 gemeint. Im Oktober 1994 ließ sich Fragemann mit den Stimmen der Grünen zum Bürgermeister wählen, denn die Stimmen der SPD reichten nicht aus. Damit die Grünen ihn auch wählten, gingen Absprachen politischer Inhalte voraus. Dazu gehörte der Baustopp des Wittenberger Damms (K 6n). Die Grünen wählten daraufhin Fragemann zum Bürgermeister. Doch dann konnte Fragemann sein Wahl-Versprechen nicht halten, da auch SPD-Mitglieder gegen den mit den Grünen versprochenen Baustopp stimmten. Daher warfen die Grünen Fragemann „Wortbruch“ vor und stellten den Antrag auf Ablösung Fragemanns als Bürgermeister, was dann auch geschah. Im März 1995 wurde mit den Stimmen der Grünen und der CDU Stadtdirektor Dr. Zahn (CDU) zum Bürgermeister gewählt. So musste Fragemann nach vier Monaten und einigen Tagen seinen Bürgermeister-Schreibtisch räumen.

Siehe auch: Gleichstellungsbeauftragte
Siehe auch: Bündnis 90/Die Grünen


Quellen: Homepage Kim Wiesweg (Aufruf 2021). –  DZ vom 2., 7. und 9. Sept. 2021. – Gespräch W. Stegemann mit Kim Wiesweg (Sept. 2021).

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