Wiethoff, Herbert

Das Anschaffen von Babynotarztwagen ist sein Lebenswerk

Geboren 1939 in Dorsten; ehrenamtlicher Landesbeauftragter der Björn-Steiger-Stiftung. – 1967 gründete Herbert Wiethoff das Immobilienbüro an der Hühnerstraße in Dorsten. Zunächst erlernte er den Beruf des Industriekaufmanns, arbeitete bei zwei großen Unternehmen und machte sich dann im Immobilienfach selbstständig. Das siebenköpfige Unternehmen (Stand 2012) vermarktet pro Jahr 150 bis 170 Einheiten zwischen Norderney und Barcelona. Seit 1967 wurden über 30 Azubis ausgebildet. Mit Tochter Ines Ferfers-Wiethoff ist als Mitgesellschafterin und Prokuristin mittlerweile die zweite Generation ins Unternehmen nachgerückt.

...... Wiedhoff bei der Ordensverleihung im Kreishaus (2. v. r.)

Herbert Wiethoff im Kreishaus mit Landrat Soberkrüb (r.) und Bürgermeister Lütkenhorst (l.) (2. v. r.)

Todesfall in der Familie war der Beginn seiner zweiten Tätigkeit

Als 1975 sein Sohn Jochen kurz nach der Geburt starb, war dies ein Wendepunkt im Leben des Vaters. Dieser nahm den traurigen Vorfall in der Familie zum Anlass, sich intensiv mit dem Krankentransport von Kleinkindern  zu befassen, die schnelle Hilfe brauchen. Wiethoff erfuhr, dass sein Neugeborenes mit einem alten Krankentransporter, der mit Lkw-Federung ausgestattet war, in die Kinderklinik Datteln gebracht worden war. Wiethoff 2012 in einem Interview mit der Dorstener WAZ:

„Das Kind in einer Reisetasche, kein Arzt im Wagen und keine Krankenschwester. Aus Datteln wurde das Kind noch mit einem Hubschrauber nach Düsseldorf geflogen. Vergebens. Jochen starb. Als kleines Kind. So, wie auch zwei seiner Neffen.“

Erster Kontakt mit Fahrzeugkonstrukteur in Süddeutschland

Herbert Wiethoff kam in Süddeutschland mit einem Autokonstrukteur zusammen. Beide entwickelten nun die Inneneinrichtung eines „Baby-Notarztwagens“, die Dorstener Firma Enning stellte ein Fahrzeug zur Verfügung und Spenden förderten den Umbau zu einer „fahrenden Intensivstation“ für Säuglinge. 1979 konnte Wiethoff den ersten Babynotarztwagen der Dattelner Kinder- und Jugendklinik übergeben. In den darauf folgenden vier Jahrzehnten, in denen Wiethoff nun innerhalb der privaten Björn-Steiger-Stiftung ehrenamtlich als Landesbeauftragter tätig war, folgten fünf weitere Fahrzeuge. Das letzte übergab er 2012 bei seinem Ausscheiden aus der Björn-Steiger-Stiftung an die Kinderklinik in Datteln. Der Rettungsdienst Björn-Steiger-Stiftung wurde im Juli 1969 mit Sitz in Winnenden gegründet. Anlass war der Unfalltod des Namensgebers der Stiftung: Bei schnellerer medizinischer Versorgung hätte der Neunjährige gerettet werden können. Die Eltern Ute und Siegfried Steiger stellten ihre Stiftung ganz in den Dienst der Notfallhilfe, die sich mit eigens dafür konstruierten Fahrzeugen vor allem um Neugeborene kümmerte. 2001 kam die Aktion „Kampf dem Herztod“ dazu, die sich für eine flächendeckende Verbreitung von Defibrillatoren einsetzt.

2012 aus Altersgründen nach 35 Jahren Ehrenamt niedergelegt

Herbert Wiethoff mit dem Motorsportler Michael Hakkinen

Herbert Wiethoff mit Michael Hakkinen

Jeder der Babynotarztwagen musste nach etwa zehn Jahres ausgemustert werden. Daher folgte 1988 der zweite, 1997 der dritte. Diese drei Wagen absolvierten rund 20.000 Einsätze und haben wohl Tausende von Kleinkindern das Leben gerettet. Wagen vier und fünf sind in Münster und Gelsenkirchen im Einsatz. 450.000 Euro kostet ein Rettungswagen der jüngeren Generation. Im Jahre 1992 wurde Herbert Wiethoff im Rathaus von Figueras/Spanien als Dank für seine langjährige Aufbauhilfe im Rettungswesen in der Bahia mit der Überreichung des „Bürgermeisterstabs“ in Anwesenheit des deutschen Generalkonsuls geehrt. Der Stab mit Silberknauf und einer Länge von einem Meter ist mit einer roten Kordel verziert und mit den spanischen und deutschen Nationalfarben versehen. IM Stab ist eine Widmung eingraviert. Es war das erste Mal, dass ein ausländischer Bürger in dieser Weise geehrt wurde.

2012 legte Herbert Wiethoff nach nunmehr 35 Jahren seine ehrenamtliche und erfolgreiche Tätigkeit als Spendensammler aus Altersgründen nieder. Im Mai 2012 erhielt er im Kreishaus das Bundesverdienstkreuz aus den Händen von Landrat Cay Süberkrüb – vor allem für sein Engagement für den Babynotarztwagen. Die WAZ schrieb bei der Bestandsaufnahme seines Lebenswerks eine kritische Anmerkung an die Adresse der Behörden:

„Dass diese besonderen Fahrzeuge bis heute nicht zum Standard von Rettungswachen gehören und nur durch Spenden zu finanzieren sind, versteht der alt gediente Feuerwehrmann (Wiethoff trat 1956 in den Löschzug Hervest 1 ein) bis heute nicht. Gespräche mit Politikern, Behörden, Würdenträgern hat er viele geführt. Doch öffentliches Geld für dieses Anliegen? Herbert Wiethoff: ,Versprochen hat man mir in all den Jahren viel. Gekommen ist nie etwas.’ Verlassen konnte er sich indes immer auf die vielen Spender.“


Quellen:
Website der Björn-Steiger-Stiftung (2012). – Nach Ludger Böhne „Ein Lebenswerk für das Leben“ in WAZ vom 26. April 2012. – Gespräch mit Herbert Wierhoff 2012.

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