Sozialdemokratische Partei Deutschlands

In der Nachkriegszeit paktierte die Partei mit den Kommunisten

Zukunftsweisend andeutend: Willy-Brandt-Haus Berlin; Foto: Wolf Stegemann

Zukunftsweisend hindeutend: Willy-Brandt-Haus Berlin; Foto: Wolf Stegemann

Die Anfänge der Sozialdemokratie gehen auf Aktivitäten zugezogener sächsischer Bergleute mindestens auf das Jahr 1894 zurück, als der Landrat als Polizeibehörde auf sozialdemokratische Agitation von zwei Bergleuten („Kostgänger“) aufmerksam wurde. Um 1900 soll bereits eine sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft bestanden haben. Ende 1918 rief in Dorsten der „Sozialdemokratische Wählerverein Dorsten“ zur öffentlichen Kundgebung in das Hotel Escherhaus („Schwarzer Adler“) auf und in den Bergbaugemeinden bildete sich ein „Sozialdemokratischer Verein – Filiale Hervest-Dorsten und Holsterhausen“, der öffentlich zur Frauenversammlung einlud.

1919 der Sozialdemokratische Bezirksverein gegründet

Wahlplakat 1920; Bundesarchiv

Wahlplakat 1920; Bundesarchiv

Bereits 1904 hatte es in Holsterhausen eine organisierte Partei gegeben, deren Gründungsurkunde verloren ging. Daher nimmt die heutige SPD-Holsterhausen das Jahr 1894 als ihr Gründungsjahr an. 1919 wurde der „Sozialdemokratische Bezirksverein für die Stadt Dorsten und die Gemeinden Hervest und Holsterhausen“ in Holsterhausen gebildet, zu dessen Vorstand Buchdruckermeister Fattroth (Dorsten), die Bergleute Massopust, Alex, Pohl (Holsterhausen) und Weber, Rosinski und Hütterath (Hervest-Dorsten) gehörten, was als Gründung des heutigen Stadtverbandes angesehen wird. Große Teile der SPD-Mitglieder wanderten in den 1920er-Jahren zur KPD ab. Schon bald wurden die sozialdemokratischen Organisationen wie Arbeiterwohlfahrt (1923), sozialistische Arbeiterjugend „Die Falken“ (SAJ) und der Arbeiter-Samariterbund gegründet. In der Gaststätte Haus Rose in Hervest hatte die Arbeiterwohlfahrt ein Zimmer als Heim zur Verfügung. Abends fanden Nähkurse statt und die Frauen nähten für Bedürftige, unterstützten deren Familien und besorgten die Wäsche in Krankheitsfällen, betreuten Alte und veranstalteten in den Ferien Zeltlager für Kinder und Jugendliche. Der Arbeitssportbund unterhielt eine Turnabteilung und eine Fußballmannschaft. Die Turner trafen sich in einer Steinbaracke am Standort der heutigen Josefskirche. Zwischen der SPD in Dorsten und den Sozialdemokraten in Gladbeck und Bottrop bestanden enge Verbindungen. Bis 1932 feierte die SPD den 1. Mai mit Ausflügen oder geselligen Zusammenkünften im Haus Rose in Hervest. Dafür mussten die Teilnehmer einen Tag Urlaub bzw. schulfrei nehmen. Ab 1. Mai 1933 wurde der Tag offiziell Feiertag der nationalen Arbeit.

Sozialdemokraten wurden in nationalsozialistischer Zeit verboten

Wahlpklakat 1946

Wahlpklakat 1946

Am 30. Januar 1933 wählte der Reichstag mit Mehrheit Adolf Hitler zum Reichskanzler, nur die SPD stimmte dagegen. Am 15. Januar 1933 hatten die Hervest-Dorstener und am 21. Januar die Holsterhausener SPD ihre letzten Mitgliederversammlungen einberufen. Die Parteizeitung „Volksfreund – Organ der SPD für das nördliche Industriegebiet“ erschien letztmalig Ende Februar 1933 und am 22. Juni erfolgte das Verbot der SPD und ihrer Parteiorganisationen. Funktionäre wurden verhaftet und in Konzentrationslager gebracht. Jahrelanger Vorsitzender der Hervester SPD war Karl Dubiel, Gemeinderatsmitglied und gleichzeitig Betriebsratsvorsitzender der Zeche sowie Gerichtsschöffe. Er wurde verhaftet, drei Tage im Kommissariat Holsterhausen festgehalten und dann mit der schikanösen Auflage entlassen, sich täglich dreimal, später einmal bei der Polizei zu melden, natürlich verlor er seinen Arbeitsplatz. Fast alle führenden Sozialdemokraten wurden arbeitslos, KPD-Mitglieder wurden fristlos entlassen und kamen auch länger und häufiger in Konzentrationslager als SPD-Mitglieder. Während einige KPD-Mitglieder nach ihrer Entlassung sich noch konspirativ trafen, regte sich nach 1933 in der SPD kein Widerstand mehr.

Neugründung der Partei nach 1945 – Heute Mitgliederschwund

Wahlplakat 1954

Wahlplakat 1954

Nach 1945 waren Sozialdemokraten und Kommunisten die Männer der ersten Stunde. Unmittelbar nach dem Einmarsch der Amerikaner trafen sich Kommunisten und Sozialdemokraten unter Führung von Gustav Ossa, der vor 1933 KPD-Vorsitzender gewesen war. Im Juli 1945 wurden die SPD-Ortsvereine Hervest-Dorsten, Holsterhausen und der Ortsverein Dorsten wiederbegründet und ein provisorischer Stadtverband unter Gustav Emmerich aus Holsterhausen gebildet. In der ersten Nachkriegszeit gab es etliche Bereiche, in denen SPD und KPD zusammenarbeiteten, wobei die KPD den stärkeren Mitgliederzulauf hatte, doch bei Wahlen geringfügig schwächer war. Die SPD holte gegenüber der KPD auf, weil diese es nicht verstanden hatte, die ihr zuerst zuströmenden Menschen zu halten, die in dieser Partei einen Hoffnungsträger sahen, während vorwiegend junge Menschen in der SPD eine politische Heimat fanden. 1988 gründeten Sozialdemokratinnen unter dem Motto „Mehr Frauen in die Politik“ die „Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen“ (AsF). Auf Stadtverbandsebene bildete sich 1996 die Arbeitsgemeinschaft „60 plus“ für Senioren und Seniorinnen. Der SPD-Kreisverband Recklinghausen zählte Mitte 2011 nur noch 7.800 Mitglieder. In den 1970er Jahren waren es doppelt so viele, im Jahr 2000 waren es noch 14.000, fünf Jahre später nur noch 10.200 und im Jahr 2008 rund 8.500 Mitglieder. In Dorsten ist der Mitgliederstand, derzeit um 300, seit Jahren eingebrochen.


Quellen:
Wolf Stegemann „Dorsten nach der Stunde Null“, Dorsten 1986. – Willi Risthaus „Politisch waren wir tot. Bei den Sozialdemokraten regte sich nach 1933 kein Widerstand mehr“ in „Dorsten unterm Hakenkreuz. Der gleichgeschaltete Alltag“, Bd. 3, Dorsten 1995. – Hans Löns „95 Jahre SPD in Holsterhausen 1894-1989“, Dorsten 1989.

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone

Dieser Beitrag wurde am veröffentlicht.
Abgelegt unter: , Parteien