Merveldt, Familie von

1708 durch Heirat in den Besitz von Schloss Lembeck gekommen

Gräfliche Familie im Vierspänner

Im Schlosshof: Gräfliche Familie bei der Ausfahrt im Vierspänner

Auch Schreibweisen Meerveldt oder Merfeld überliefert. Stammsitz der adligen Familie ist Merfeld bei Dülmen. Die Familie gehört zu den ältesten Adelsgeschlechtern in Westfalen. Als erster nachweisbarer Angehöriger der Familie erscheint urkundlich im Jahre 1169 der Ministeriale Henricus de Mervelde. Die gesicherte Stammreihe beginnt mit dem in Urkunden „ministerialis beati Pauli“ genannten Hermannus de Mervelde ab 1227, Ministerialer der Bischöfe von Münster. Bernd und Hermann von Merveld, ab 1251 urkundlich erwähnt, waren bischöflich-münstersche Burgmannen zu Dülmen.

Ausbreitung und Linien der Familien im Kurland und im Münsterland

Wappen der Merveldts

Wappen der Merveldts

Die Enkel des Stammvaters Hermann begründeten drei Linien. Die erste von Johannes, Ritter und Schenk des Bischofs von Münster, abstammende Linie nannte sich später nur Schenk und war noch bis 1400 um Dülmen ansässig. Hermann, Burgmann zu Stromberg, begründete die zweite Linie, die 1691 erlosch. Die dritte, noch heute blühende Linie, begründete Heinrich, Ritter und – wie sein Bruder – Burgmann zu Stromberg. Ein aus dieser Linie abstammender Zweig wurde später auch in Kurland ansässig. Zahlreiche Mitglieder der Familie blieben in bischöflich-münsterschen Diensten und wurden Domherren im Hochstift Münster. Später gelangten sie aber auch in die Domkapitel von Hildesheim, Osnabrück und Paderborn. In St. Mauritz und Xanten waren sie Stiftsherren. Weibliche Mitglieder der Familie traten als Stiftsdamen im Kanonissenstift Überwasser in Münster, Borghorst und im St. Bonifatiusstift in Freckenhorst auf.

Bischof belehnte die Familie mit Wolbeck

Bischof Heidenreich von Münster belehnte den Marschall Heinrich von Merveldt 1389 mit Wolbeck. Dort besaßen die Herren von Merveldt bis zur Säkularisation das Amt des Drosten. Eine angestrebte Reichsstandschaft wurde wegen Streitigkeiten in der Familie und durch Eingriffe des bischöflichen Landesherrn verhindert. Durch sein mäßigendes Auftreten war Hermann von Merveldt am Abschluss des Kranenburger Vertrages (1457) zur Beendigung der münsterschen Stiftsfehde (1450 bis 1457) beteiligt. Während der Täuferunruhen in Münster traten die Herren von Merveldt auf die Seite des Bischofs von Münster. Dietrich von Merveldt (gestorben 1564), Drost zu Wolbeck, unternahm 1532 einen vergeblichen Versuch, mit einem Bauernaufgebot die Ordnung in der Stadt wieder herzustellen. Dietrich Hermann von Merveldt (gestorben 1658) war kurkölnischer Oberhofmarschall und Gesandter auf den Reichstagen in Regensburg. Graf Ferdinand Dietrich von Merveldt (1681 bis 1765) war kurkölnischer Geheimrat und münsterscher Obermarschall. Graf Maximilian Friedrich von Merveldt (1764 bis 1815), österreichischer Feldmarschall-Leutnant und Regimentschef, nahm 1813 an der Völkerschlacht bei Leipzig teil und wurde später Botschafter in London.

Mit dem Boot auf der Schloss-Gräfte (1890)

Mit dem Boot auf der Schloss-Gräfte (1890)

Schloss Lembeck kam 1708 durch Heirat mit Maria Josefa von Westerholt, Tochter von Dietrich Conrad Adolf, mit dem 1702 die Lembecker Linie erlosch, in den Besitz des Wolbecker Drosten Ferdinand Dietrich Freiherr von Merveldt zu Westerwinkel (Grafenstand 1726). Die Familie von Merveldt ist heute noch Besitzerin der Anlage und auch des Schlosses Westerwinkel. Durch Adoption in den 1950er-Jahren in der Familie blieb der Name Merveldt bis heute erhalten.

Besitz im 19. Jahrhundert

Während des 19. Jahrhunderts gehörten zum Besitz der Familie die Rittergüter Lembeck, Ostendorf und Hagenbeck im Kreis Recklinghausen, Steinhaus in Werne, Burg Geinegge in Bockum-Hövel und Schloss Westerwinkel bei Ascheberg-Herbern im Kreis Lüdinghausen, Wolbeck bei Münster (heute Ortsteil), Huxdiek und Seppenhagen im Kreis Beckum, Freckenhorst im Kreis Warendorf, Empte im Kreis Coesfeld und das Gut Füchtel in Vechta (Niedersachsen). Von 1717 bis 1923 bestand ein Familienfideikommiss.

Ferdinand Graf von Merveld

Ferdinand Graf von Merveld, derzeitiger Chef der Familie

Standeserhebungen

Schon früh wurde den Herren von Merveldt das Amt des Erbmarschalls im Bistum Münster übertragen. Dietrich Hermann von Merveldt (1624 bis 1688), Drost zu Wolbeck, wurde 1658 von Kaiser Leopold I. in den Reichfreiherrenstand erhoben. Goswin Hermann Otto von Merveldt (1661 bis 1727) war 1721 bis 1727 Großprior des Johanniterordens „in deutschen Landen“ und als solcher Reichsfürst von Heitersheim. 1726 wurde Ferdinand Dietrich von Merveldt und alle seine Nachkommen von Kaiser Karl VI. in den Reichsgrafenstand erhoben.

Das Stammwappen zeigt in Blau ein goldenes Gitter, bestehend aus zwei aufgerichteten und einem gestürzten Sparren. Auf dem Helm ein wie der Schild bezeichnetes Schildchen vor zwei mit drei schrägrechten bzw. schräglinken goldenen Balken belegten blauen Straußenfedern. Die Helmdecken sind blau-golden. Ferdinand Graf von Merveldt, geboren 1951 in Lembeck, Sohn von Johannes Freiherr von Twickel (1903 bis 1989) und Maria Josepha Gräfin von Merveldt (1922 bis 1993); verheiratet seit 1983 mit Freiin Catherine von Pitteurs von Budingen (geboren 1960 in Namur); Kinder: Elisabeth (1984), Valerie (1987) Lorenz (1989), Johann Heinrich (1992) und Tassilo (1993). In der Rangliste von 1972 wird die Lembecker gräfliche Großgrundbesitzer-Familie von Merveldt als „außerordentlich reiche Leute“ eingestuft, die sehr früh in der Geschichte zur Vermögensbildung kam. Ihr Grundbesitz in NRW ist mit 6.600 Hektar bedeutend.


Quelle:
Nach Wikipedia, Online-Enzyklopädie.

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