Schulenburg-Archiv, städtisch

In einem Gebäude auf den Zechengelände im Spätsommer 2021 eröffnet

Um das Andenken und das Lebenswerk der Künstlerin und Ehrenbürgerin Elisabeth (Tisa) Gräfin von der Schulenburg zu bewahren, die als Schwester Paula von 1950 bis zu ihrem Tod 2001 im Dorstener Ursulinenkloster lebte, wurde auf dem Zechengelände ein „Tisa-Archiv“ eingerichtet. Betreiber ist die 1990 gegründete städtische Tisa von der Schulenburg-Stiftung. Bei dem Gebäude handelt sich um das 2006 errichtete Gebäude der Ruhrkohle-Wasserhaltung im Schatten des benachbarten Fördergerüsts. Nach (Teil-)Verfüllung der beiden Schächte ist Dorsten nur noch ein Sicherungsstandort im neuen RAG-Grubenwasserkonzept. Bis auf Trafo-Bereiche und einen Mitarbeiter-Raum konnte die Ruhrkohle AG deshalb der Dorstener Tisa von der Schulenburg-Stiftung das Rest-Gebäude zur Verfügung stellen. Da es unter Bergaufsicht steht und deshalb umzäunt bleiben muss, wird es nur bestimmten Nutzergruppen und zu bestimmten Besuchszeiten zugänglich sein. Es sind rund 500 Quadratmeter Nutzfläche. Das Gebäude hat fünf Räume, Büros, Küche, Toiletten und einen großen Zwischenraum (in dem früher eine Fördermaschine stand) mit hohen Decken und beeindruckendem Blick auf den Förderturm. Hier sollen Ausstellungen mit Werken der Künstlerin oder von den bisherigen Trägern des von der Stiftung verliehenen Tisa-Preises gezeigt werden. Das Haus soll auch außerschulischer Lernort werden, an dem sich Kinder und Jugendliche mit dem Leben von Tisa von der Schulenburg und auch mit Bergbau-Themen beschäftigen sollen.

Über 2500 Schulenburg-Exponate

In Regalen, Schränken und Schubladen lagern mehr als 2500 Grafiken, dazu Reliefarbeiten, auch die Original-Kupferplatten der Werke, die Tisa für den Kreuzweg der Halde Prosper-Haniel erschaffen hat. Dazu viele Skulpturen, zum Teil aus schwerem Metall, wie beispielsweise die Musikanten, die „Tisa“ im Auftrag der Stadt für die Außenwand des alten Musikschulgebäudes entworfen hatte.  Der Bestand des „Tisa-Archivs“ wurde und wird durch etliche Privat-Sammlungen ergänzt. Das Ursulinen-Kloster gab ihren umfangreichen Tisa-Bestand als Leihgabe an die Stiftung weiter wie auch die Stadt Dorsten und die Ruhrkohle AG. In dem Gebäude entstanden auch einige Seminarräume für Künstler und Räume der Begegnung. Gezeigt werden immer auch einige Exponate. Die Zusammenführung der Exponate aus unterschiedlichen Quellen am neuen Standort bietet kunstinteressierten Besuchern ebenso wie Wissenschaftlern künftig die Möglichkeit, einen großen Teil ihrer Arbeiten an einem Ort einzusehen. Auch die Aufgaben der Stiftung lassen sich an der neuen Stätte noch besser organisieren und durchführen. – Das Foto zeigt Lambert Lütkenhorst, den Vorsitzenden der Stiftungs-Kuratoriums.

In ihr vereinigen sich intensiv Kunst, Bergbau und der Glaube

Die Idee, eine Tisa von der Schulenburg-Halle in Verbindung mit dem Erweiterungsbau des jüdischen Museum zu erstellen, hatte der Dorstener Journalist Wolf Stegemann bereits 1992 in der „Denkschrift über den Bau einer Kunsthalle zur Präsentation von Werken von Tisa von der Schulenburg und der Sammlung Glasmalerei“ veröffentlicht. Ministerpräsident Johannes Rau, der Regierungspräsident Münster, der Landrat, die NRW-Stiftung äußerten sich positiv, auch einige Lokalpolitiker, andere nicht. Einer schrieb, der Auro solle „weiterträumen“. Die Stadt befürwortete zwar die bauliche Erweiterung des Museums, zu der es dann auch kam, aber ohne Tisa-Halle, die abgelehnt wurde. Etliche Jahre später wurde die Idee wieder aktuell. Bernd Tönjes, aus Dorsten stammender Vorstandsvorsitzender der RAG-Stiftung, welche die Einrichtung des Tisa-Archivs für drei Jahre mit 80.000 Euro pro Jahr für Personal, Sach- und Betriebskosten gefördert hatte, machte die Idee 2018 öffentlich und die Ruhrkohle übernahm den technischen Umbau des Gebäudes auf dem Zechengelände. „In keiner anderen Person vereinigen sich Kunst, Bergbau und der Glaube so intensiv wie bei Tisa von der Schulenburg“, zitierte dien DZ Bernd Tönjes. „Wir freuen uns ganz besonders, dass wir der Stiftung nun ein neues Zuhause überreichen können.“ Geplant war die Eröffnung des „Tisa-Archivs“ an ihrem 20. Todestag Tisa von der Schulenburg am 8. Februar 2021. Wegen Verzögerungen bei der Bauplanung und Behördenabstimmungen sowie durch die Corona-Krise musste die Eröffnung verschoben werden. Es wurde am 22. August 2021 in kleinem Kreis mit einer Ausstellung der letzten Tisa-Preisträgerin Johanna Tiedtke (2018) eröffnet. – Das Foto zeigt die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes durch die damalige Ministerin Angela Merkel 1990 in der Lohnhalle der Zeche Fürst-Leopold.

Mitglieder von Vorstand und Kuratorium bei der Bildübergabe: Petra Somberg-Romanski, Dr. Fenne, Gisela Löns, Wolf Stegemann, Dr. Heinz-Werner Voß, Lambert Lütkenhorst, Schwester Barbara, Bernd Heeck, Michael Sagenschneider, Bürgermeister Tobias Stockhoff und Friedhelm Fragemann. Foto privat

Drucke mit Bergbaumotiven für Tisa von der Schulenberg-Stiftung

Die Tisa-Stiftung setzt auf Kontinuität: Dr. Heinz-Werner Voß und Dr. Michael Schulte bleiben Vorsitzende der Tisa-Stiftung. Sie wurden auf der Vorstands- und Kuratoriumssitzung im November 2021 erneut zum Vorsitzenden und Stellvertreter gewählt. Die Geschäftsführung dagegen wechselte am Jahresende von der scheidenden Ingrid Sommer-Brinkamp, die in den zurückliegenden drei Jahren den Aufbau des Archivs und die Geschicke der Stiftung leitete, zur Leiterin der Stadtagentur, Sabine Fischer, die im Rahmen ihrer Tätigkeit bei der Stadt Dorsten die Geschäftsführung der städtischen Tisa-Stiftung übernahm. Im Anschluss an die Wahlen begrüßte Lambert Lütkenhorst Gisela Löns, die Witwe des 2012 verstorbenen, stellvertretenden Bürgermeisters von Dorsten, Hans Löns. Aus dem Nachlass ihres Mannes hatte sie drei limitierte Drucke mit Bergbaumotiven von Tisa mitgebracht. Die drei Werke werden jetzt in das Archiv der Stiftung überführt. Überführt wurde auch das umfangreiche private Schulenburg-Archiv des Journalisten Wolf Stegemann mit rund 1000 Zeitunsartikeln, 480 Fotos und 100 persönliche bzw. handschriftliche Schreiben. Franz-Josef Kuhn, der das Archiv übernahm, übergab es im Oktober 2021 der städtischen Schulenburg-Stiftung (siehe Schulenburg-Archiv, privat).

Kohlebrocken ziert nun den Vorplatz des Tisa-Archivs in Hervest

Mitte 2021 hat der künstlerische Kohlebrocken namens „Schwarzes Gold“ (allerdings aus Plastik) eine neue Heimat gefunden. Er ziert als kunststoff-ummanteltes Bergbau-Symbol nun den Vorplatz des Tisa-Archivs in Hervest. Denn Tisa von der Schulenburg (Sr. Paula) war den Bergarbeitern stets künstlerisch zugeneigt – sowohl in ihre Exilzeit in Großbritannien als auch in ihrer späteren Klosterzeit in Dorsten. Der Kohlebrocken hing 2010 als Dorstener Kunstwerk im „Kulturhauptstadtjahr-2010“ im Kubus am Recklinghäuser Tor.

Siehe auch: Tisa von der Schulenburg
Siehe auch; Schulenburg-Stiftung
Siehe auch: Schulenburg-Archiv, privat
Siehe auch: Schulenburg (Artikelübersicht)


Quelle: Michael Klein in DZ vom 6. Febr. 2021. – Foto oben  Bludau (DZ), darunter Eggert (DZ).

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone