Schulenburg-Stiftung

Ab 1993 werden Kunstpreise im Namen der Ehrenbürgerin vergeben

Neuer Stiftungsvorsitzender Dr. Heinz Werner Voß (seit 2018); Foto: Anke Klapsing-Reich (DZ)

1990 errichtete die Stadt die kommunale Tisa von der Schulenburg-Stiftung, mit der sie einerseits die Ehrenbürgerin ehrt und andererseits junge Künstler aus dem bildnerischen Bereich fördert, die sich mit der Arbeits- und Sozialwelt des Ruhrgebiets befassen, insbesondere mit der des Bergmanns. Das Stiftungskapital von 100.000 DM wurde durch die Städtische Galerie am Brunnenplatz (mittlerweile nicht mehr existent) um rund 112.000 DM Mobilienwert erhöht, sowie mit der städtischen Schulenburg-Kunstsammlung und Zustiftungen aufgestockt. Aus den Erträgen der Stiftung wird alle drei Jahre ein mit 5.000 Euro dotierter Kunstpreis vergeben, den bislang Rüdiger Kramer aus Düsseldorf (1993), Dag Seemann ebenfalls aus Düsseldorf (1997), Birgit Brenner aus Berlin-Kreuzberg (2004; sie ist inzwischen Professorin in Stuttgart), Karin Felbermayr (2007) aus Berlin/Wien und 2011 die 41-jährige Video-Künstlerin und Fotografin Joanna Schulte aus Hannover erhielten. – Inzwischen wurde ein allerdings nicht vollständiges Werksverzeichnung der Arbeiten von S. Paula erstellt. Von 2010 bis 2018 war Bernd Tönjes Kuratoriumsvorsitzender, danach Dr. Heinz-Werner Voß.

Antonia Low aus Berlin – Preisträgerin 2014

Preisträgerin Antonia Low 2014Die Gewinnerin des Tisa von der Schulenburg-Preises 2014 ist die britische Künstlerin Antonia Low aus Liverpool, derzeit in Berlin. Bei ihrem ersten Besuch in Dorsten im Mai 2014 lernte sie mögliche Ausstellungsorte für ihre Installationen. Favorisiert werden dabei Räumlichkeiten im Bereich der Dampfmaschine im Umfeld des Kreativquartiers auf dem Zechengelände Fürst Leopold und das Gebäude des alten Dorstener Bahnhofs. Antonia Low wurde 1972 in Liverpool geboren, wuchs in Bonn auf und studierte in Münster an der Kunstakademie und an der University of London. – Mit großem Einfühlungsvermögen untersucht die Künstlerin Räume und Gegenstände des Alttags und ihre Wahrnehmung. Die optischen und sinnlichen Elemente an der Oberfläche stehen dabei ebenso im Blickpunkt wie die Spuren im Verborgenen. Ähnlich wie eine Archäologin legt sie Spuren frei, die Geschichten erzählen und historische Abläufe veranschaulichen. Die Installationen und Objekte der Künstlerin ziehen den Betrachter in eine andere räumliche und zeitliche Dimension, ohne den eigenen Stadtpunkt zu verlieren. Der Mensch und die Spuren seines Schaffens bleiben im Blickpunkt ihrer Arbeiten und schaffen so Vertrautheit und Nähe zu den zunächst befremdlichen Themen.

Johanna Tiedtke aus Berlin – Preisträgerin 2017

Die neue Trägerin des mit 5000 Euro dotierten Kunstpreises der Dorstener „Tisa von der Schulenburg-Stiftung“ in Kooperation mit dem Kulturbüro der Stadt ging 2017 an die 36-jährige Künstlerin Johanna Tiedtke aus Berlin. Sie wurde von der Jury unter 89 Bewerbungen aus dem ganzen Bundesgebiet ausgewählt. Johanna Tiedtke wurde in Eckernförde geboren und lebt in Berlin. Sie hat nach Master-Studien in Hamburg und New York ihre Arbeiten in Ausstellungen gezeigt. Sie konnte schon eine Reihe von Stipendien gewinnen und arbeitet in einem Studio-Programm einer New Yorker Stiftung. Johanna Tiedtke arbeitet in vielen Techniken, die von der Malerei, der Collage, diversen Druckverfahren bis hin zu rauminstallativen Werken reichen. Mithilfe digitaler Technik erweitert sie diese oft auf eigenwillige Art und Weise und verschmilzt dabei Reales und Virtuelles.

Warum wurde Dorstener Kunstpreis Preis in Essen verliehen?

Da die Künstlerin bis Mai 2018 in New York arbeitete, konnte ihr der Pres erst im Juli 2018 übergeben werden. Dazu lud die kommunale Dorstener Stiftung auf den RAG-Campus im Zollverein Essen ein. In den dortigen neuen Räumen der RAG und RAG-Stiftung seit Ende des Steinkohlebergbaus dessen Erbe verwaltet. Viele wunderten sich darüber, dass die Dorstener zuständige Behörde diesen an Dorsten gebundenen Preis in Essen verleiht, in einer Stadt, zu der weder Tisa von der Schulenburg eine Verbindung hatte noch die Preisträgerin eine hat. Die Verbundenheit der Dorstener Künstlerin Tisa von der Schulenburg zur Kohle-Industrie und vor allem zu den Bergarbeitern kann ja auch in Dorsten herausgestellt werden. Denn Dorsten ist mit seinen Stadtteilen Hervest-Dorsten-, Holsterhausen und Wulfen ebenso eine Bergbaustadt. Daher sorgte die Verleihung des Förderpreises der kommunalen Dorstener Stiftung in der Stadt Essen bei etlichen Koratoren, Ratsmitgliedern und Tisa-Freunden für Unmut. Die städtische Stiftung, so war zu hören, sollte ihre Preisverleihung doch auch in der Stadt Dorsten vornehmen. Und wenn die Verleihung im Bergbau-Milieu stattfinden soll, so gebe es dieses auch in Dorsten. Schließlich würde die Stadt Berlin, um ein Beispiel zu nennen, ihren Bären auch nicht in Bremen verleihen! Die Ratsfrau Petra Somberg-Romanski brachte das Thema auch in den Rat der Stadt ein. Bleibt zu hoffen, dass die nächste Kunstpreisverleigung der Stiftung wieder am Sitz der kommunalen Stiftung stattfindet wird.

Tisa-Archiv wird auf dem Zechengelände vorbereitet

Die Stadt bemüht sich um Landesmittel für die Aufbewahrung der Archivalen Tisa von der Schulenburgs. Zuerst wollten Stadtspitze und Tisa von der Schulenburg-Stiftung das Tisa-Archiv im ehemaligen Kesselhaus der Zeche Fürst Leopold in Hervest-Dorsten unterbringen und dort auch ein kleines „Tisa-Museum“ einrichten. Dortige Eigentümerin des denkmalgeschützten Kesselhauses ist die private „Ruhrland-Stiftung“ (Tempelmann). Im Mai 2014 haben Stadt und Schulenburg-Stiftung den heruntergekommenen Dorstener Bahnhof für das Tisa-Archiv mit dann allerdings abgespecktem Tisa-Museum favorisiert. Darüber gab es Streit zwischen der „Ruhrland-Stiftung“ und der Stadtspitze. – Beide Standorte hatten eine Berechtigung: der Bergbau war Tisa von der Schulenburgs thematischer Wohlfühlort („Meine dunklen Brüder“). Da sich die Künstlerin aber auch dem Judentum eng verbunden fühlte, käme den Besuchern des Jüdischen Museums Westfalen ein Tisa-Museum in der Nähe  entgegen. Die Entscheidung fiel schließlich für den Bergbau. Mit erheblicher finanzieller Zuwendung des Bergbaus wird in einem RAG-Gebäude neben dem Förderturm auf dem ehemaligen Zechengelände ein „Tisa-Archiv“ eingerichtet, um das künstlerische Vermächtnis von Dorstens Ehrenbürgerin – zumindest in großen Teilen – aufzubewahren und zu zeigen. Ursulinen-Schwester Barbara Austermann, die Sr. Paulas künstlerischen Nachlass im Kloster verwaltet, hat bereits mit dem Dorstener Hans-Josef Leiwen diesen Nachlass sortiert und in Kisten für den Umzug ins „Tisa-Archiv“ verpackt. Etliches bleibt natürlich im Ursulinenkloster.

Tisa-Archiv wird Ende 2020/Anfang 2021 auf dem Zechengelände eröffnet

Die ursprüngliche Idee, für die Darstellung und Aufbewahrung der Kunst von Sr. Paula eine Gebäude zu errichten, hatte der Journalist und Mitbegründer des Jüdischen Museums Westfalens. 1993 veröffentlichte er die Idee in der „Denkschrift über den Bau einer Kunsthalle zur Präsentation von Werken von Tisa von der Schulenburg und der Sammlung Glasmalerei“. Seine Idee war es, bei dem notwendigen Erweiterungsbau des Museums eine solche Tisa-Halle zu errichten. Ministerpräsident Johannes Rau, der Regierungspräsident Münster, der Landrat, die NRW-Stiftung, Dorstener Lokalpolitiker und andere äußerten sich dazu positiv. Der Erweiterungsbau erfolgte Jahre später. Schade nur, dass man beim Erweiterungsbau des jüdischen Museums eine Tisa-Halle nicht integriert hat, wie dies Wolf Stegemann in seiner Denkschrift vorausschauend vorgeschlagen hatte. Die Idee, ein Tisa-Archiv einzurichten, ergriff dann – wiederum Jahre später – Bernd Tönjes, aus Dorsten stammender Vorstandsvorsitzender der RAG-Stiftung mis 2018. Da Schwester Paula seit ihrer Zeit in England dem Bergbau verbunden war und sich immer den Belangen der Kumpel verpflichtet fühlte, sollte ihr Erbe auf dem Areal der Schachtanlage (für deren Erhalt sie lange demonstriert hatte) der Nachwelt erhalten bleiben. Über die Überlassung des künstlerischen Nachlasses für das Archiv hat die Stiftung mit dem Ursulinen-Orden in Dorsten einen Vertrag abgeschlossen. „Die Werke bleiben im Besitz des Klosters, werden der Stiftung aber kostenlos als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.“ Geregelt ist aber auch, dass Werke in Einzelfällen ans Kloster zurückgegeben werden.

Neuer Kuratoriumsvorsitzender kommt auch aus dem Bergbau

Das Kuratorium der städtischen Stiftung hat seit Oktober 2018 mit Dr. Heinz Werner Voß einen neuen Vorsitzenden. Voß lebt in Dorsten und ist sowohl der Namensgeberin der Stiftung wie auch dem Bergbau verbunden. Acht Jahre lang verbrachte der Dipl.-Ingenieur auf der Zeche Fürst Leopold/Wulfen. Nach Bergbaustudium und Promotion an der Technischen Universität Clausthal startete der gebürtige Marler 1986 in Dorsten: Von 1986 bis 1988 als Steiger/Reviersteiger unter Tage, danach als Fahrsteiger und Obersteiger, bis er im Juni 1992 Grubenbetriebsführer wurde. Zum 1. Januar 1995 wechselte er dann als Betriebsdirektor nach Essen zum Bergwerk Ewald/Schlägel & Eisen, dann Ewald-Hugo und später als Bergwerksdirektor nach Prosper Haniel in Bottrop. Derzeit ist er Geschäftsführer des Bergwerks Anthrazit in Ibbenbüren. – Vostandsvorsitzener ist Alt-Bürgermesiter Lambert Lütkenhorst und Geschäftsführerin Ingrid Sommer-Brinkamp.

Siehe auch: Tisa von der Schulenburg (Artikelübersicht)
Siehe auch: Bernd Tönjes


Quellen: DZ vom 6. Nov. 2018. – Michael Klein in DV vom 7. Nov. 2020.

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