Feuerwehr Altstadt

Wehrmänner feierten fröhlich, als das Spritzenhaus abbrannte

Das Geburtsjahr ist 1876, als unter der Führung des damaligen Bürgermeisters Geissler und des Gymnasialprofessors Heissing aus dem lose zusammen gewürfelten „Lösch-Compagnien“ die erste straff geleitete Dorstener Wehr entstand. Das erste Spritzenhaus stand in unmittelbarer Nähe der Agathakirche in der Wiesenstraße. Führer der Wehr war der Schornsteinfegermeister Scheiterer, der 1888 zwei damals hochmoderne Handdruckspritzen anschaffte, die bis 1930 in Betrieb waren. Nach Scheiterer führte in den 1890er-Jahren Schreinermeister Einhaus die Wehr, die zu dieser Zeit am Friedensplatz ihr Spritzenhaus hatte. Sein Nachfolger war Schneidermeister Krebs.

Feuerwehr Dorsten-Altstadt; Pressebild

Die Feuerwehrkommandanten mit Bürgermeister Lappe (2. v. l.)

Zuerst Orden angelegt, dann Feuer gelöscht

In diese Zeit fällt auch eine heute amüsant anmutende Episode. Ein Bürger beschwerte sich beim Bürgermeister, dass die Wehrmänner bei Alarm zu lange benötigten, bis sie bei der Brandstelle ankamen. Die Feuerwehrleute nämlich, so die Beschwerde, dekorierten sich erst noch mit ihren Orden, bevor sie ausrückten, um den Brand zu löschen und eventuell Leben zu retten. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Wehr neu organisiert. Brandmeister war damals Gustav Reckmann, der die Wehr mit ihren 48 Männern in vier von der Regierung vorgegebenen und für alle Wehren verbindliche Trupps aufteilte: Steigertrupp, Löschtrupp, Wassertrupp und Absperrtrupp (Ordnung).

Erste Motorspritze wurde in Dorsten stationiert und kostete 34.000 Mark

Liederbuch 1925Als 1929 die Hardt nach Dorsten eingemeindet wurde, traten der Dorstener Wehr etliche Mitglieder der aufgelösten Hardter Feuerwehr bei, darunter der spätere Brandmeister Paul Kaltenborn. Somit erreichte die Wehr eine Stärke von 60 aktiven Männern, was eine erneute Aufteilung erforderlich machte. Es entstanden zwei Löschzüge unter Leitung von Oberbrandmeister Gustav Reckmann mit den Zugführern Wilhelm Bröckerhoff und Gustav Groß-Blotekamp. Die erste Motorspritze kam 1926 nach Dorsten. Sie kostete 34.000 Mark. Ihre Feuertaufe erhielt sie beim Brand in der Schnapsbrennerei Tappehorn (heute Hotel am Kamin), wo sie auch stationiert war. Noch heute hält sich das Gerücht, dass die Feuerwehrmänner den Brand ihres eigenen Geräteschuppens wegen der feuchtfröhlichen Einweihung der neuen Spritze zu spät bemerkt hätten. Das tat aber der Geburtstagsfeier zum 50-jährigen Bestehen der Wehr im gleichen Jahr keinen Abbruch, zu der im Jahr 2.000 Feuerwehrleute aus nah und fern nach Dorsten kamen. Zwei Jahre später wurde das Feuerwehrgerätehaus im Lippetal fertig gestellt und eine Brandsirene installiert. Das Ende der Selbstständigkeit  der „Feuerwehr der Stadt Dorsten“ kam 1934, als eine Feuerwehr für das Amt Hervest-Dorsten aufgestellt wurde. Nunmehr waren die Dorstener – wie alle Wehren der umliegenden Gemeinden – nur noch ein „Löschzug“, wenn auch der älteste unter den vier anderen Löschzügen.

Im Dritten Reich wurde aus der Feuerwehr die grüne Feuerschutzpolizei

Feuerpolizei Dorsten beim Bombeneinsatz in der Barbarastraße 1942

Feuerpolizei Dorsten beim Bombeneinsatz 1942

Ab 1939 hieß die Feuerwehr „Feuerschutzpolizei“, Oberbrandmeister Bröckerhoff war somit Hilfspolizeibeamter, die roten Fahrzeuge wurden grün lackiert. Im Bombenhagel des Krieges hatte die „Feuerschutzpolizei“ rund um die Uhr Bereitschaft. Am Ende des Krieges waren das Löschfahrzeug und Teile der Ausrüstung „verschwunden“. Daher musste 1946 kurzerhand ein Fahrzeug beschlagnahmt werden. – Ab 1950 ging es wieder aufwärts. 2002 fiel die Grundsatzentscheidung für einen Neubau, da das Gebäude an der Marienstraße zu eng geworden war. 2007 explodierten die Kostenschätzungen von 8,5 auf 12,5 Mio. Euro. Doch am Ende der darauf folgenden 39 Planungssitzungen konnten die Kosten um anderthalb Millionen Euro auf 11,2 Mio. Euro gesenkt werden. 2010 wurde das neue „Spritzenhaus“ der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr bezogen. 2014 wurde der Löschzug 63-mal zu einem Einsatz gerufen. Dabei leisteten die aktiven Mitglieder über 2.480 Stunden ehrenamtliche Arbeit.

Einzige Taucherstaffel im Kreis Recklinghausen

Tauchergruppe der Feuerwehr; Foto: WAZ

Tauchergruppe der Feuerwehr; Foto: WAZ

Im Kreis Recklinghausen verfügt die Dorstener Feuerwehr als einzige über einer Taucherstaffel. Daher ist ihr Einsatzgebiet entsprechend groß. Die Dorstener Gewässer sind der Blaue See in Holsterhausen, der Wesel-Datteln-Kanal, die Lippe und der Barkenberger See in Wulfen. Im Einsatz ist die Dorstener Tauchstaffel aber auch in Gebieten, die über die Kreisgrenzen hinausgehen. In drei Wachabteilungen sind derzeit 24 ausgebildete Feuerwehrtaucher beschäftigt. Der Dienstplan sieht vor, dass mindestens vier von ihnen stets in der Feuerwache anwesend sein müssen. Bei ihren Einsätzen müssen sie viel mit sich herumschleppen. Denn die Grundausrüstung wiegt über 17 Kilo. – 2015 waren die 49 aktiven Mitglieder der Altstadt-Feuerwehr 69-mal im Einsatz.


Siehe auch:
Feuerwehren

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