Feuerwehr Altendorf-Ulfkotte

Bauer Föckers Pferd zog den Spritzenwagen zum Brandherd

Bei Gründung 1909 wählten die 30 angetretenen Feuerwehrmänner Theodor Schulte-Heming zum ersten Brandmeister. Als dieser 1913 starb, wurde Adolf Ulfkotte sein Nachfolger. Eine Feuerspritze gab es bereits, die vor Gründung der Wehr jeder Bürger im Brandfalle bedienen konnte, so er den Verstand dazu hatte. Außerdem gab es eine Menge Eimer, mit denen dem Feuer zu Leibe gerückt wurde. 1912 bekam Altendorf das erste Spritzenhaus in der Nähe des heutigen Feuerwehrgerätehauses. Zugleich auch für 1.000 Mark eine neue Brandspritze, die vom Pferd des Bauern Föcker zum Brandherd gezogen wurde. Die Feuerwehrmänner eilten entweder zu Fuß zur Brandstelle oder mit dem Pferdefuhrwerk. Später karrte ein Lastwagen Männer und Gerät zur Feuerstelle.

Feuerwehrgerätehaus Altendorf-Ulfkotte

Feuerwehrgerätehaus Altendorf-Ulfkotte

Als das neue Spritzenhaus und die neue Spritze angeschafft worden waren, gab es – fast wie bestellt – einen Großbrand in Altendorf: Es war an einem schönen Sonntag des Jahres 1912, als Alarm mit dem Blashorn gegeben wurde. Das Wohnhaus Schulte-Ekel stand in Flammen. Kaum war das Feuer gebändigt, da kam die nächste Alarm-Meldung „Feuer bei Lordieck-Hetfeld“, wo der Schweinestall brannte. Nachdem die Altendorfer Wehr auch diesen Brand gelöscht hatte, löschten sie müde und abgekämpft ihren eigenen Durst. Da platzte die dritte Nachricht in die Runde: „Das Wohnhaus Beckmann brennt lichterloh!“ Drei Brände an einem Tag in der kleinen Gemeinde – das war verdächtig. Ein Brandstifter wurde bald entdeckt. Es handelte sich um einen herumvagabundierenden Arbeitslosen.

1938 eine Motorspritze angeschafft, die bei Kriegsende verschwand

„Bei Übungen“, erinnerte sich einer beim 75-jährigen Jubiläumsfest 1984, der 1926 in die Feuerwehr eingetreten war, „exerzierten wir ein bisschen, spielten dann ausgiebig Karten, tranken und die Älteren von uns sangen sogar Lieder. Wir hatten immer viel Spaß“. Im Ersten Weltkrieg fielen vier Feuerwehrleute für Kaiser und Reich. Erst 1932 erhielt das Altendorfer Gerätehaus einen Steigeturm. Zwei Jahre später wurde die bis dahin selbstständige Gemeindewehr neu organisiert und der Amtsfeuerwehr Marl zugeordnet. Das steigerte die Einsatzkraft der Altendorfer Wehr erheblich. 1938 bekam die Feuerwehr eine Motorspritze, die bei Kriegsende verschwand. Erst 1953 wurde eine neue angeschafft und drei Jahre später das heutige Feuerwehrhaus mit Wohntrakt gebaut. Mit finanziellen Mitteln aus dem Konjunkturprogramm II bekam der Löschzug ein neues Feuerwehrgebäude, das 2012 fertig gestellt wurde, worüber sich der Feuerwehrchef Jan Scheffler, hauptberuflich Brandmeister bei der Essener Wehr, freute, denn er hat nun im Gebäude der Altendorfer Feuerwehr mit ihren vier Fahrzeugen ein eigenes Büro.
Der Löschzug hat 43 aktive Feuerwehrmänner, davon sind fünf parallel bei einer Berufsfeuerwehr beschäftigt. Der Löschzug Altendorf-Ulfkotte wurde 2018 zu insgesamt 27 Einsätzen gerufen, an denen im Durchschnitt 14 aktive Einsatzkräfte des Löschzugs teilnahmen. – Der Löschzug Altendorf-Ulfkotte wird von Jan Scheffler und Klaus Kremerskothen geleitet (Stand 2019).

Von Tieffliegern erschossene Kühe geborgen

Abgesehen von jenem Sonntag im Jahr 1912, als es dreimal brannte, war das Leben der Altendorfer Feuerwehr zu keiner Zeit besonders aufregend gewesen. Selbst im letzten Krieg nicht, als das nahe Hydrierwerk Scholven und das aufgebaute Scheinwerk in Ulfkotte ständiger Bombardierung ausgesetzt waren. An Bränden gab es „nur das Übliche“: mal eine Scheune, ein Bauernhof, eine Mühle. Und wenn Tiefflieger Kühe auf der Wiese abschossen, dann rückte die Feuerwehr aus, um das tote Vieh zu bergen.


Siehe auch:
Feuerwehren (Artikelübersicht)

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