Feuerwehr Hervest

Das Sprötenhüsken wurde mehrmals durchs Dorf getragen

Umsetzung des Feuerwehrhauses in Dorf Hervest

Im Jahr 2000 wurde das alte Feuerwehrgerätehaus umgesetzt und durch das Dorf transportiert

Vor Gründung im Jahr 1912 ließen sich die Hervester 1836 von dem Kupfer-Handwerker Bröckerhoff eine Feuerspritze bauen, die 223 Taler kostete Auch das vor 1780 bestehende alte Spritzenhaus ist ein Beweis dafür, dass die Hervester auf Brandschutz bereits schon früh achteten. Als Begründung für den Bau wurde aber auch der Zweck als polizeiliche Arrestzelle angeführt: „Von wegen die neue Spritze, aber auch nachts das Diebsgesindel festzumachen.“ Das Spritzenhaus stand ursprünglich im östlichen Teil des Dorfes, heute der Friedhofsvorplatz, und wurde auch zur Verwahrung von Missetätern durch den Dorfgendarmen benutzt. Betrunkene Hervester mussten im Spritzenhaus ihren Rausch ausschlafen und konnten am andern Morgen von ihren Ehefrauen wieder abgeholt werden. 1929 trugen die Hervester das Häuschen zum Betriebsgelände Hütter, wo es bis 1945 als Spritzenhaus diente und danach als Garage und Stall. Irgendwann wurde der Schuppen abgerissen. Grundpfeiler und Balken überstanden den Abriss. Im Jahr 2000 bauten die Hervester (Heimatverein, Feuerwehr, Schützen- und Junggesellenverein) das Haus auf dem Hof Schulte-Tendrich denkmalgerecht wieder auf. Die benötigten 30.000 DM kamen durch Spenden herein. 60 starke Hervester trugen das „Sprotenhüsken“ wieder durchs Dorf, so, wie ihre Großväter es einst taten.

47 Mitglieder unterstützten die Wehr monatlich mit Pfennigbeiträgen

In der Gründungsversammlung am 1. Dezember 1912 wurde der Gastwirt und Zimmermann Hubert Grütering zum Chef gewählt. Die Wehr bestand damals aus vier Abteilungen: Retter- und Steigerabteilung, Bedienungsabteilung der Spritze, Abteilung für das Herbeischaffen des Wassers und eine Ordnungsabteilung – insgesamt 47 Mitglieder. Sie unterstützten die Feuerwehr mit einem Monatsbeitrag von zunächst 20, dann 50 Pfennigen. Die Chefs der Feuerwehr bzw. des Löschzugs Hervest-Dorf waren bis zur Nachkriegszeit: Hubert Grütering (1912-15), Fritz Einhaus (1915-19), Johann Bullerkotte (1919-21), Konrad Wiemeyer (1921-34), Heinrich Funke (1934-39), Heinrich Risthaus (1939-44), W. Focken-Kremer (1944-46), wiederum H. Funke (1946-54) und Wilhelm Westrich (1954-62). 1945 war das Gerätehaus des Löschzugs auf den Hof Heiming ausgelagert. Ein Einsatzbuch gibt Auskunft, wo die Feuerwehr in Hervest zum Einsatz kam (Auszug): Bauer Wemhof in der Wenige 1913, Großbrand bei Bullerkotte 1925, Großeinsatz in der Erler Heide 1925, Hof Funke 1929, ungezählte Einsätze in den Kriegsjahren 1939 bis 1945, Bauer Einhaus und gleichzeitig Bauer Fischer 1949. Aus jüngerer Zeit sind Einsätze bekannt auf Gut Hagenbeck, in der Teppichfabrik Schürholz, im Spanplattenwerk an der Halterner Straße, auf dem Hof Schrudde, in der Polsterei Engel, am Amtsgericht und bei der Firma Duesberg.

Gerätehaus an der Marienstraße

1929 bekam die Hervest-Dorstener Wehr ein neues Gerätehaus an der Marienstraße. Die Einweihung gestaltete sich zu einem wahren Volksfest mit 400 Feuerwehrmännern aus Dorsten und der Herrlichkeit, Bürgern aus allen Stadtteilen und Vertreter der Behörden. Es gab Paraden, Festansprachen und Übungsstücke der Feuerwehr. Das neue Gebäude entsprach den neuzeitlichen Anforderungen, die man an eine solche Einrichtung hatte. Kurz nach der Übergabe des Gerätehauses meldete die „Dorstener Volkszeitung“, dass auch die Dorstener Wehr im Lippetal ein neues Feuerwehrgerätehaus erhallten wird. – Heute gibt es eine 2011 neuerbaute Hauptwache der Stadt in Hervest, die zuvor im Lippetal war. Im Jahr 2016 rückte der Löschzug 90 Mal aus. Dabei leisteten die 49 Mitglieder des Löschzugs I insgesamt 1376 Stunden ehrenamtliche Arbeit.


Siehe auch:
Feuerwehren

 

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