Feuerwehr Wulfen

1933 musste der Jude Josef Lebenstein die Wehr verlassen

In der Wirtschaft Altegoer (Jägerhof) gründeten am 1. Dezember 1907 acht Männer die Wulfener Feuerwehr. Lehrer B. Bartmann war der Brandmeister, Sattlermeister H. Schürmann der Führer der Ordnungsmannschaft, Stellmacher W. Fleige leitete die Steigermannschaft und Sattlermeister F. Schürmann hatte die Spritzenmannschaft unter sich. Eine Feuerspritze, die früher den Bauerschaften des Wulfener Dorfes gehörte, wurde von der Feuerwehr übernommen. Die Uniformen für die Feuerwehrmänner (Röcke, Helme, Gurte, Beile, Leinen, Spanten, usw.) konnten erst drei Jahre später, 1910, bei der Firma Meyer in Hagen für rund 700 Mark gekauft werden.

Fahne des Löschzugs Wulfen

TRaditionsfahne des Löschzugs Wulfen

1924 bekam die Wehr ein Spritzenhaus. Schnell machte sich bei Übungen und Einsätzen bemerkbar, dass die Spritze zu schwerfällig war, um in allen Situationen den Anforderungen gerecht zu werden. Daher wurde 1925 der Hertener Feuerwehr eine Saug- und Druckspritze abgekauft. Auch dieses Gerät war nicht optimal für eine schnelle und effektive Brandbekämpfung geeignet. Für 4.200 Mark wurde schließlich 1927 eine starke Motorspritze erworben, die in der Minute 600 Liter und mehr verspritzen konnte. Um sie zu ziehen, musste auch ein Mannschaftswagen angeschafft werden: 1931 ein alter DIXI. Im Jahre 1933, als die Feuerwehr nach nationalsozialistischer Ideologie gleichgeschaltet wurde, musste der damalige Schriftführer, der Jude Josef Lebenstein, die Feuerwehr verlassen. Im Krieg kam auf die Wulfener Feuerwehr eine große Belastung zu. Neben der Sicherung des Brandschutzes in Wulfen musste die Wehr auch öfters zu Großeinsätzen in Essen, Dortmund, Hamm und Bochum ausrücken. 1942 wurde dann eine HJ-Feuerwehr mit 17 Jugendlichen aufgestellt. Für sie war der größte und gefährlichste Einsatz 1944, wo sie viele Tote und Verletzte aus einem von englischen Fliegern bombardierten Zug retten mussten. Als 1945 der Krieg zu Ende war, nahmen englische Truppen das Löschfahrzeug mit, das den Krieg überstanden hatte. Dieses tauchte später in Hamm (Westfalen) wieder auf, konnte aber nicht wieder nach Wulfen zurückgeholt werden.

Johannes Dehling baute nach dem Zweiten Weltkrieg die Feuerwehr in Wulfen wieder auf. Immer mehr Feuerwehrmänner, die in Gefangenschaft geraten waren, kamen zurück in die Heimat. Einen offenen Mannschaftswagen mit Pumpe, sowie Uniformen aus englischen Armeebeständen konnten noch 1945 beschafft werden. Im Laufe der Jahre gab es neue Geräte und Uniformen. 1964 wurde zur ersten Jahreshauptversammlung in der Nachkriegszeit eingeladen.

Junge Feuerwehrmänner legten in einem halben Jahr 37 Brände

Im Jahre 2010 verurteilte das Amtsgericht zwei 19 und 20 Jahre alte Mitglieder der Wulfener Feuerwehr zu Gefängnisstrafen von zwei Jahren und zehn Monaten, weil sie 2008/09 im Norden der Stadt 37 Brände gelegt und damit die Bevölkerung ein halbes Jahr lang in Angst und Schrecken versetzt hatten. Zudem mussten sie 300.000 Euro Schaden ersetzen. Sowohl der Staatsanwalt, der 44 Monate gefordert hatte, wie auch die Angeklagten, denen das Urteil zu hoch erschien, gingen in Berufung. Das Berufungsgericht beim Landgericht Essen hob die Urteile auf, reduzierte die Freiheitsstrafe auf jeweils zwei Jahre und setzte sie zur Bewährung aus. Die Verurteilten müssen außerdem monatlich 300 Euro für den noch nicht endgültig ermittelten Schaden in Höhe von mehreren hunderttausend Euro zahlen. – Ein Großbrand vernichtete Anfang Mai 2011 im Wulfener Gewerbegebiet „Im Köhl“ eine erst ein Jahr alte Produktionshalle, in der Holz für eine Hausbau-Fertigteilproduktion gelagert war. Menschen kamen nicht zu Schaden, der finanzielle Schaden belief sich allerdings auf 3,5 Millionen Euro. 100 Feuerwehrmänner waren im Einsatz. – 2015 absolvierten die 54 aktiven Feuerwehrmänner 90 Einsätze. Der Alters- und Ehrenabteilung gehör(t)en 20 Männer an.


Siehe auch:
Feuerwehren

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