Kunst im öffentl. Raum

Stein- und Stahlskulpturen zeugen von regem Miteinander – ein Überblick

Wandgestaltung an der Volkshochschule, Foto: JF

Von Wolf Stegemann. – Kunst im öffentlichen Raum ist der Sammelbegriff für Kunstwerke unterschiedlicher Epochen und Stile, die im kommunalen öffentlichen Raum (Parks, Straßen. Plätzen) von jedermann als Kultur zu erleben sind. Allerdings unterscheidet sich die „Kunst im Öffentlichen Raum“ von der „Kunst am Bau“. Obgleich beide Begriffe einige Schnittstellen haben, lassen sich diese beiden Arten der öffentlich sichtbaren Kunst sehr genau differenzieren. Die Übergänge sind teils fließend. Daher kann der Betrachter eine Zuordnung kaum vornehmen. Teilweise werden die beiden Begriffe auch synonym gebraucht.

Gesetzliche Richtlinien für Kunst am Bau werden oft nicht eingehalten

Glasfenster von Karl Korte im alten Petrinum-Gebäude

Glasfenster von Karl Korte im alten Petrinum-Gebäude

Schon seit den 1920er-Jahren wird in Deutschland beim Bau oder der Sanierung staatlicher Bauten ein bestimmter Anteil – meist zwischen 0,5 und 1,5 Prozent der Baukosten – für „Kunst am Bau“ aufgewendet. Diese Kunstwerke verschwinden dann im Inneren staatlicher Bauwerke oder stehen sichtbar auf der zum Bauwerk gehörenden Freifläche. Kunst am Bau wirkt oft recht unmittelbar auf den öffentlichen Raum, befindet sich aber im Regelfall auf einem Privatgelände. In den 1970er- und 1980er-Jahren, als in Dorsten größere städtische Bauvorhaben realisiert wurden (Bildungszentrum, Gymnasium Petrinum, Krankenhaus u. a.) wurde das Thema im Rat der Stadt des Öfteren kontrovers diskutiert, wobei die Befürworter von Kunst am Bau oft zu einsamen Rufern in der Wüste wurden. Dagegen konnte auch der angesehene Architekt Manfred Ludes trotz Anstrengungen nichts ausrichten. Die Richtlinien des Bundes für „Kunst am Bau“ sind in sechs Punkten knapp zusammengefasst („Richtlinie für die Durchführung von Bauaufgaben des Bundes im Zuständigkeitsbereichs der Finanzbauverwaltungen (RBBau, Abschnitt K 7). Spezielle Baubereiche sind von „Kunst am Bau“ ausgenommen wie spezifische Arten von Hochbauten des Bundes oder Bauten des Verteidigungsministeriums. Daher stehen in Kasernen oft Panzer oder Kanonen auf Sockeln und keine Kunstwerke.

Private Finanzierung der Kunst im öffentlichen Raum über Vereine

Glockenspiel am Markt

Glockenspiel am Markt

„Kunst im öffentlichen Raum“ kann von staatlicher Seite nicht betrieben werden, da der öffentliche Raum im Regelfall im Eigentum der Städte und Gemeinden steht. Der Begriff „Kunst im öffentlichen Raum“ wird ohne Rücksicht auf die Art der Finanzierung der Kunstwerke gebraucht. Kunstwerke im „öffentlichen Raum“ wurden und werden dennoch von staatlichen Stellen (Gebietskörperschaften, staatliche Museen), aber auch und vor allem von privaten Museen, Galerien, Unternehmen wie Banken oder Energieversorgern, Fördervereinen oder einzelnen Mäzenen bezahlt, was die öffentlichen Kunstwerke in der Stadt dokumentieren. In Dorsten haben die Kreissparkasse im Vest und die Volksbank Dorsten Kunst im öffentlichen Raum stets gefördert.

Vielfältige Werke in Dorsten

In diesem Überblick sind lediglich Werke aufgeführt, deren künstlerische Gestaltung eindeutigen Vorrang vor der Funktion (z. B. Brunnen, Glockenspiel) hat. Diese können  einzeln über die Suchfunktion oder im alphabetischen Register aufgerufen werden. Nicht aufgeführt sind auch künstlerisch gestaltete Erinnerungstafeln und Denkmale sowie Wandbilder im öffentlichen Raum, die von Schulklassen oder Amateur-Künstlergruppen gefertigt wurden.

„Stühle am Schölzbach“

Stühle am Schölzbach; Foto: privat

Stühle am Schölzbach; Foto: privat

Stühlerücken, die „Reise nach Jerusalem“, der „Heilige Stuhl“ und der Spruch „jemanden den Stuhl vor die Tür setzen“ hat alles etwas mit Stühlen zu tun, doch nichts mit Kunst. Mitte 2012 setzte der Kunstverein „Virtuell-Visuell“ Stühle an den Schölzbach – doch die haben etwas mit Kunst zu tun. Das mag irritieren und gleichzeitig neugierig machen. Kunst bewegt Räume und auch Menschen. Die Künstlerin Billie Erlenkamp hat die Stühle im Auftrag von „Virtuell-Visuell“ an den Bachrand gesetzt. An sechs Standorten entlang des Schölzbachs, zwischen Bahnlinie in der Feldmark und Mündung in die Lippe, hat die Künstlerin in lockerer Gruppierung jeweils zwei oder drei der hölzernen Sitzgelegenheiten installiert. Weitere sechs Standorte sollen folgen. Die Künstlerin in der DZ vom 17. Juli 2012:

„Es sind nicht unbedingt die Orte, an denen es am schönsten ist, doch die Ausblicke geben Einblicke – und damit die Möglichkeit, sich über die Veränderungen Gedanken zu machen, die der Bach in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat. Früher war der Schölzbach wichtig für Dorsten, trieb Mühlen an, speiste den Stadtgraben, war Grenzbach zwischen Rheinland und Westfalen. Heute fließt er unbeachtet durch die Innenstadt, hinter Mauern, Hecken, zwischen Häusern und Garagenhöfen, teils verrohrt, um schließlich durch einen Düker unter den Kanal hindurchzutauchen und sich durch ein Rohr und ein Betonbecken in die Lippe zu ergießen.“

Mitte August hat sich die Stiftung des Kuratoriums des St. Elisabeth-Krankenhauses gemeldet, die mit der Aufstellung der Stühle am Schölzbach einverstanden gewesen war, nun aber darauf gedrungen hatte, drei Stühle zu entfernen. Der Stiftung gehört das Gelände bis zur Mitte des Bachlaufs, das verpachtet ist. Der Pächter sprach sich gegen die Stühle aus. Grund waren Sicherheitsbedenken: Wenn Senioren die Stühle nutzen, könnten sie am Ufer ausrutschen und in den Bach fallen, die Durchfahrt für die Feuerwehr sie zu schmal, zudem lüden die Stühle zu Saufgelagen von Personen ein, die sich dann unberechtigt auf dem Grundstück aufhielten. Der Kunstverein ließ die drei Stühle wieder entfernen und stellte sie nahe des Klimawaldes an der Gladbecker Straße/Kirchhellener Allee auf.

Adlerschwingen am Flugplatz auf kubischem Sockel

Skulptur am Flugplatz; Foto: Wolf Stegemann

Skulptur am Flugplatz; Foto: Wolf Stegemann

Seit Anfang der 1980er-Jahre steht im Eingangsbereich des Dorstener Flugplatzes eine von dem Unternehmer Albert Stewing anlässlich des Abschlusses der 13 Jahre andauernden Erneuerungsarbeiten für den Flughafenplatz gesponserte Metallplastik auf einer hohen Steinsäule, die die Kraft des Fliegens symbolisiert. Künstler ist der Berliner Bildhauer Prof. Brandenburg. In seiner Einweihungsrede sagte Albert Stewing, dass es schwer sei, in der heutigen Zeit der ständigen Wirtschaftlichkeitsberechnungen ein Denkmal zu begründen. Die Metallplastik assoziiert mit seinen zwei kräftigen Formen Flügel: der waagerechte die Erde und der senkrechte das sich in die Luft Schwingende. Dazu der Kontrast des kubischen Sockels, der die Spannung herstellt, der ein Flieger stets ausgesetzt ist: freier Flug und Festigkeit der Erde.

Edelstahlskulptur am Recklinghäuser Tor

Stahlskulptur am Recklinghäuser Tor

Stahlskulptur am Recklinghäuser Tor

„Die Skulptur soll zum Nachdenken anregen, ein kommunikativer Ort sein und vielleicht der Aufhänger für alle möglichen Gespräche“, sagte der Bildhauer Martin Steiner. Diesen Anspruch erfüllte sein zeitgenossisches Kunstwerk bereits, als es im Dezember 2004 am Recklinghäuser Tor aufgebaut wurde. Das 2,2 Tonnen schwere stählerne Gebilde finanzierte die Sparkasse Vest mit 150.000 Euro komplett, die das Kunstwerk anlässlich der 750-Jahrfeier im Jahr 2001 der Stadt zum Geschenk machte. An dem halb ineinander verschobenen gleichgroßen Quadern aus acht Millimeter starkem Edelstahl entzündeten sich sofort heftige kontrovers geführte Diskussionen, die lange anhielten. Je nach Perspektive der Betrachtung der Skulptur ändern sich die Größenverhältnisse der Quader und im Material bricht sich das Licht. Die Fertigung dauerte drei Monate. Die Meinungen der Passanten über dieses Kunstwerk sind unterschiedlich: schroffe Ablehnung mit bösen Kommentaren und ohne Diskussionsbereitschaft bis hin zur Zustimmung mit Gesprächsfreude hielten und halten sich die Waage. Gegen Schmierereien, die nicht ausbleiben, wurde die Skulptur mit einem Schutzmittel bestrichen.

„Zueinander – Miteinander“ am Rathaus

„Zueinander – Miteinander“ heißt die Edelstahl-Skulptur des Bildhauers Hans Kloss aus Süddeutschland, der die Skulptur für die seit 1979 tätige Dorstener Kinderferienstiftung des Dorsteners Manfred Przybylski  schuf. Sie wurde 2010 vor dem Rathaus aufgestellt. Finanziert hat sie die Sparkasse Vest, die sich schon bei der Finanzierung anderer Skulpturen in der Stadt hervorgetan hat.

Zehn Steinblöcke stehen für das Miteinander in Barkenberg

Skulpturengruppe, Foto: JF

Zwei Monate lang wurden 2011 zehn Steinblöcke, die zur geplanten Bürgerskulptur am Handwerkshof in Barkenberg gehören, von den freiwilligen Akteuren unter Anleitung von Steinbildhauer Rainer Kühn, bearbeitet. Jeder Stein steht für ein anderes Thema. So spiegeln sich zum Beispiel die Themen Brücken, Begegnung von Menschen, Natur oder abgerissenen Hochhäuser der Dimker Allee hier wieder. Auch die unterschiedlichen Bürger mit ihren Nationalitäten sind in Schriftzügen diverser Sprachen dargestellt. Die zehn Steinskulpturen wurden auf einer Grundfläche von acht mal acht Metern in Spiralform auf dem Vorplatz am Handwerkshof (Dimker Allee/Ecke Himmelsberg) aufgestellt. Die Idee war im Zuge der Neugestaltung der Ladenzeile-Handwerkshof entstanden. Die Skulptur stellt den östlichen Gegenpol zur Stele der Erinnerung dar, die 2008 von Jugendlichen erstellt wurde (siehe Barkenberg-Gründung; siehe Neue Stadt Wulfen).

Steinsäule vor dem Ursulinenkloster

Vor dem Ursulinenkloster steht eine künstlerisch bewegte Säule, die der Bildhauer Christoph Wilmsen-Wiegmann schuf. Das Kunstwerk ist ein Geschenk des Kunstvereins an das Kloster anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Kunstvereins (siehe Kunstverein Dorsten).

Antonio Filippins „Die Gebärende“ in Waschbeton

An der Düppelstraße in Holsterhausen steht ein Werk aus Gießbeton des Künstlers Antonio Filippin, der „Die Gebärende“ bei seiner Auswanderung 1996 auf die Seychellen in Dorsten zurückließ. Eine ähnliche Skulptur Filippins ist in der Nähe des Gemeindedreiecks zu sehen (siehe Filippin, Antonio (I)).

Ignatius Johann Strackes Muttergottes am Marktplatz

st-stracke-marienfigur am markt-stegemannDie Muttergottes-Steinskulptur am Giebel eines Hauses an der Nordseite des Markplatzes stammt von dem Bildhauer Ignatius Johann Stracke, der 1790 in Dorsten geboren und in St. Agatha getauft wurde. Er begründete mit seinen Söhnen und deren Nachkommen eine Bildhauer-Dynastie, die von Dorsten aus in vielen Städten und Ländern, vor allem am Niederrhein und in den Niederlanden wirkte (siehe Stracke, Künstler-Familie).

(Kein Anspruch auf Vollständigkeit)

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone

Dieser Beitrag wurde am veröffentlicht.
Abgelegt unter: , Kunstwerke