Maler und Modell II

Franziskanerbruder Elias Büsken aus Raesfeld malte den Bürgermeister

Das Modell: Dorstens Bürgermeister Alexander de Weldige-Cremer (Ausschnitt)

Im so genannten Kunstbesitz der Stadt Dorsten befinden sich unter vielen anderen zwei Gemälde, die im übertragenden Sinne besonders mit Lokalkolorit versehen sind. Gerd Baukhages „Marktplatz 1890“ und Elias Büskens Porträt des Bürgermeister Alexander Wilhelm Napoleon de Weldige-Cremer. – Wer das Bild der Bürgermeisters sieht, versteht schmunzelnd, was sich in den verbindenden Vornamen dieses Mannes aus der westfälischen Provinz verbirgt bzw. was ihm sein Vater bei der Geburt 1805 damit angetan hat: Das  kriegerische Europa des beginnendes 19. Jahrhunderts: Zar Alexander, Kaiser Napoleon dun Preußens König Wilhelm. Das nur nebenbei. Alexander de Weldige-Cremer war nicht kriegerisch. In seinen letzten Jahren als Bürgermeister wuchs ihm die zunehmende Modernisierung und Industrialisierung der Stadt den 70-Jährigen über den Kopf und er schied 1873 aus seinem Amt, das er seit 1848 ausübte. In seiner Amtszeit gründete er die „Dorstener Actiengesellschaft für Gasbeleuchtung“, die 1866 die Stadt im hellen Licht erstrahlen ließ. De Weldige starb 1874, ein Jahr nach seinem Rücktritt. Seine Tochter Cornelia hatte bei ihrer Hochzeit mit dem Apotheker Brinkmann in Borken dieses Ölbild mit in die Ehe gebracht, wo es bei den Brinkmann-Nachfahren verblieb. Diese haben das inzwischen restaurierte Bild 2012 der Stadt übergeben, so dass Bürgermeister Alexander Wilhelm Napoleon de Weldige-Cremer in seiner gerahmten Große von 55 x 80 Zentimetern heute im Alten Rathaus am Markt, angetan mit Orden und Uhrkette, mit amtsernstem Blick auf die Brautleute schaut, wenn sie dort getraut werden.

Als Ordensbruder ein eifriger und unverdrossener Maler

Der Maler: Elias Büsken

So saß er wohl um 1850 dem Maler Elias Büsken Modell. Die Ursulinen wie die Franziskaner hatten ihre künstlerisch Tätigen: Die einen aktuell Schwester Paula (1903 bis 2001) und die anderen ihren Franziskaner-Bruder Elias, der rund 100 Jahre vor Sr. Paula lebte. Er wurde 1816 in Rasfeld geboren. In seiner Jugend lernte er das Maler- und Anstreicherhandwerk, arbeitete als Geselle in Bocholt, wo er als lustiger Streichemacher auffiel. Auch in der Ordenskutte begleiteten ihn Humor und Schalkhaftigkeit sein Leben lang. Überliefert ist, dass er in seinen Späßen nicht immer „ganz einwandfrei“ gehandelt hatte, was ihm nicht immer bewusst gewesen war. Wann er Franziskaner wurde ist nicht bekannt, er tauchte erstmals als Novize 1845 in Warendorf auf, besuchte in den 1850er-Jahren die Düsseldorfer Kunstakademie und wurde neben seinen Ordenstätigkeiten ein eifriger und unverdrossener Maler und verstand etwas von Farbenharmonie. Er malte viel und war im Orden als Künstler anerkannt und unterwegs, was dann schließlich auch Dorstens Bürgermeister de Weldige auffiel, der ihm Modell saß.

Währnd des „Kulturkampfes“ im belgischen und niedreländischen Exil

Büskens sakrale Gemälde, darunter meist Heiligenbilder aber auch Kreuzwege, sind in Kirchen, Kapellen und Klöstern zu sehen. So in Düsseldorf, den Kreisen Rietberg und Warendorf. Wiedenbrück. Mit zunehmendem Alter ließ Elias Büskens Augenlicht immer mehr nach, bis er schließlich ganz erblindete und 1889 in Harreveld starb. Harreveld gehörte mit Brunssum/Holland zu den sechs Exil-Orten der Sächsischen Franziskanerprovinz in den Niederlanden und in Belgien, in die Angehörige der Sächsischen Franziskanerprovinz, zu der Dorstener gehörte, während des preußischen „Kulturkampfes“ (1875-1887) in Exil gehen mussten.

Siehe auch: Maler und Modell I – Marktplatz 1890/Gerd Baukhage
Siehe auch: Franziskanerkloster Dorsten
Siehe auch: Alexander de Weldige-Cremer


Quelle: P. Heribert Griesenbrock (Hg): „500 Jahre Franziskaner“ 1988.

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