Kyrill 2007

Orkantief ließ Feuerwehr in Dorsten über 450 Mal ausrücken

„Kyrill“ heißt der Orkan, der am 18./19. Januar 2007 das öffentliche Leben in weiten Teilen Europas beeinträchtigte und in Böen Windgeschwindigkeiten bis zu 232 km/h erreichte. Er forderte 47 Todesopfer, davon 13 in Deutschland, und führte zu erheblichen Sachschäden. Über eine Million Menschen waren an diesem Donnerstag zeitweilig ohne Strom, es mussten Flüge gestrichen, Fährverbindungen eingestellt, Straßen gesperrt und der Bahnverkehr nahezu vollständig eingestellt werden. Somit ging das Orkantief „Kyrill“ als stärkstes flächendeckendes Sturm- bzw. Orkanereignis für Deutschland seit mindestens 20 Jahren in die Geschichte ein.

2007 umgeknickte Bäume überall

Abgebrochene Bäume in den Wälder rund um Dorsten und anderswo

Bäume geknickt und Stromleitungen gekappt

Der Orkan „Kyrill“ knickte in Dorsten und Umgebung nicht nur Bäume um und riss Dachziegel herunter, er verdrehte auch so manche Sat-Anlage. Techniker waren anderntags im Dauerstress und versuchten nach und nach die Antennenanlagen wieder zu richten. Eine 20 Meter hohe Eiche stürzte auf den Stall des Bauern Heinrich Fuest am Wedenhof und begrub ein Dutzend Kälber unter sich.  Ein Tier war tot, die anderen wurden anderntags durch die Feuerwehr über das eingestürzte Dach ins Freie gebracht. Feuerwehrmänner der Dorstener Wehr sperrten Straßen und Fußwege, zersägten umgestürzte Bäume, entfernten lockere Ziegel von den Dächern, pumpten überflutete Keller leer. Mehr als 450 Mal rückte die Dorstener Feuerwehr in den zwei Sturm- und zwei Nachfolgetagen aus. Zwei Wehrleute mussten mit Knochenbrüchen ins Krankenhaus gebracht werden. Der städtische Bauhof unterstützte die Wehr mit zehn Mitarbeitern, der Entsorgungsbetrieb spülte fast bis Mitternacht verstopfte Gullys frei und durchstach Straßengräben, um Überflutungen zu verhindern. Die Feuerwehr Schermbeck fuhr mit drei Zügen und 60 Leuten 67 Einsätze. In ganz NRW rückte die Polizei zu 13.500 und die Feuerwehren zu 41.000 Einsätzen aus.

Das Forstamt Recklinghausen hatte das Betreten sämtlicher Wälder vorerst aus Sicherheitsgründen verboten und einen Verstoß als Ordnungswidrigkeit eingestuft. Der Stadtwald Barloer Busch und der Naturpark Hasselbecke (Judenbusch) wurden sofort gesperrt. Nur Jäger und Forstarbeiter durften noch Dorstens Wälder betreten. Der Schaden reichte von abgeknickten Baumkronen und kleineren Baumgruppen, die umgeworfen wurden, bis hin zu kompletten Fichtenwäldern, die der Sturm auf einem Hektar Fläche völlig verwüstet hatte. Besonders unangenehme Folgen bescherte Kyrill den Anwohnern am Besenkamp in Lembeck-Beck. Sie mussten der idyllischen Lage ihrer Häuser im Wald Tribut zollen. Denn der Sturm kappte die Stromleitung und schnitt neben dem Telefon auch die Wasserversorgung ab.

Zehn Prozent des Waldbestandes zerstört

In Nordrhein-Westfalen allein starben bei den Aufräumarbeiten in den betroffenen Wäldern bis Mitte Januar 2008 weitere sechs Menschen, mehr als 700 Unfälle mit Verletzten wurden gezählt. Der Gesamtschaden für die „Deutsche Versicherungswirtschaft“ (GVW) belief sich bei 2,3 Millionen Schadensmeldungen auf 2,1 Milliarden Euro. Katastrophale Folgen hatte der Orkan für die Forstbestände. In Deutschland fielen rund 37 Millionen Kubikmeter Holz dem Sturm zum Opfer. Die größten Schäden entstanden in den Wäldern von Nordrhein-Westfalen, wo mit 12 Millionen Kubikmetern oder 25 Millionen Bäumen etwa die Hälfte des deutschen, sowie ein Drittel des europäischen (30 Mio. Kubikmeter) Verlustes auftraten. „Kyrill“ zerstörte zehn Prozent des Waldbestandes des Regionalverbandes Ruhr. 150.000 Festmeter Bruchholz sind durch den Sturm angefallen. Das ist eine größere Menge Holz, als sonst im Durchschnitt in einem Jahr geschlagen wird. Besonders betroffen waren die Üfter Mark (Schermbeck), die Hohe Mark und die Haard im Landkreis Recklinghausen.

Bilanz der Landesregierung nach zehn Jahren

2017, zehn Jahre nach dem Orkan, haben sich die Wälder in NRW zunehmend erholt und zeigen heute ein anderes Gesicht. Gegen weitere Stürme haben sich die Waldbauern mit dem Anpflanzen von Mischwäldern gewappnet. Waren es vor „Kyrill“ noch 7 Prozent Laubbäume in dem sturmverwüsteten Gebiet, so sind es nach zehn Jahren 47 Prozent.
„Kyrill“ war mit 2,1 Milliarden Schaden  der teuerste Sturm der vergangenen 20 Jahre. Zum Vergleich: „Ela“ (2014) kostete 440 Millionen Euro „Niklas“ (2015) 750 Euro. Anfang Januar 2017 raste das Sturmtief „Axel“ mit Orkanböen und Sturmfluten an der Küste und Schneefall in höheren Lagen über Deutschland. Und dann wurde noch im Januar 2017 von den Wetterdiensten vor dem Tief „Egon“ gewarnt, der mit Schnee, Eis und Böen NRW hemsuchen würde. Doch aus „Egon“ wurde dan ein „Egonchen“. – Mit Stürmen wie „Kyrill“ ist statistisch alle 10 bis 20 Jahren zu rechnen, heißt es im Abschlussbericht der NRW-Landesregierung. Zuvor wütete 1999 „Lothar“ vor allem in Süddeutschland, „Wiebke“ fegte 1990 in den Mittelgebirgsregionen.


Quellen:
DZ vom 19. Januar 2007. – Website Lembecker.de. – Wikipedia, Online-Enzyklopädie.

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