Stapenhorst, Heinrich

Erster eigener Pfarrer der evangelische Kirchengemeinde Dorsten

1847 in Brochterbeck bis 1933 in Osnabrück; evangelischer Pfarrer. – Er war der erste eigene Pastor der evangelischen Gemeinde Dorsten, die von 1854 bis zu seiner Wahl im Jahre 1873 von Pfarrverwesern geleitet wurde. Seite diesem 20-jährigen Bestehen als Gemeinde hat sie sich durch das Anwachsen der evangelischen Einwohner im traditionell katholischen Dorsten zu einer festen Gemeindeform entwickelt. Daher beschloss das Presbyterium, im Jahr viermal eine Abendmahlsfeier zu halten, nämlich am 1. Weihnachtstag, an Karfreitag, Pfingsten und am Erntedankfest und einen eigenen Pfarrer anzustellen. Denn die evangelische Gemeinde Horst (heute zu Gelsenkirchen) wurde von Dorsten aus mitbetreut. Da laut Ministerialverfügung ein selbstständiger Pfarrer mindestens 600 Taler verdienen sollte, konnte dies die Gemeinde Dorsten nicht aufbringen. Aus einem Schreiben an die Regierung geht hervor, dass die damalige Gemeinde 250 „Seelen“ hatte, die zum größten Teil Arbeiter, Handwerker und dem niederen Beamtenstand angehörten Nur fünf Mitglieder der Gemeinde besaßen ein eigenes Haus, alle anderen waren ohne Haus- und Grundbesitz. Da der Bau der Venlo-Hamburger Eisenbahn auf dem Dorstener Gebiet beendet war, zogen etliche evangelische Arbeiter wieder mit dem Bauunternehmen wieder weg, was die Steuerkraft der Gemeinde minderte. Zudem musste sich die evangelische Kirche an den steuern für die Stadt beteiligen: 100 Prozent Kommunalsteuer, einer Schulsteuer von 26 Prozent, einer Kirchensteuer von 30 Prozent. Daher stellte die evangelische Gemeinde an die Kirchenoberen in Westfalen das Gesuch um finanzielle Unterstützung, um den Pfarrer gemäß der Ministerialverfügung bezahlen zu können. Dem entsprach der Evangelische Oberkirchenrat 1875 mit 3000 Mark.

Die betreute ev. Gemeinde Horst zur Selbstständigkeit verholfen

Ev. Kirchensaal, Recklinghäuser Straße

Die evangelische Gemeinde (Gelsenkirchen-)Horst wurde von Dorsten aus betreut. In den Jahren nach 1870 betreuten nacheinander die Pfarrer Hesselmann und Nordmeyer und vor allem Stapenhorst die kleine Gemeinde. Damals nahm die Zeche, die zeitweilig stillgelegt war, einen neuen Aufschwung. Neue Arbeiter wurden gewonnen, vor allem wieder Evangelische aus Ostpreußen. Um 1880 zählte Horst bereits über 300 „Seelen“. Der kleine, unfreundliche und enge Schulraum genügte den Anforderungen nicht mehr. Pfarrer Stapenhorst bemühte sich um die Verselbstständigung der Gemeinde und die Erbauung einer Kirche. Mitte 1882 erreichte Stapenhorst die Abtrennung der  „Evangelischen Kirchengemeinde Horst“ von Dorsten und deren Selbstständigkeit durch das königliche „Erektionsdekret“ vom 17. April 1882. Die Gemeinde blieb aber zunächst weiterhin mit Dorsten verbunden. Gleichzeitig kam auch die Genehmigung zum Bau der Kirche, die im Februar 1883 eingeweiht werden konnte.

Seine Pfarr-Stationen: Lüdenscheid, Dorsten, Brochterbeck

Über Heinrich Stapenhorst, der die Dorstener Gemeinde von 1873 bis 1886 leitete, gibt es nicht viele Informationen. Ursprung der Familie ist das Gut Stapenhorst bei Lengerich/Westfalen. Die Familie stellte im Laufe der Jahrhunderte Regierungsbeamte, Landräte, Politiker und seit Generationen vor allem evangelische Pfarrer, die sich in Westfalen, Niedersachen und am Niederrhein verteilten. Der Familienzweig Heinrich Stapenhorsts war im Dorf Brochterbeck/Tecklenburger Land (heute Stadtteil von Tecklenburg) ansässig, das damals rund 1100 Einwohner hatte. Sein Vater, Christian Friedrich Stapenhorst (1808-1886), war dort Pfarrer und noch auf dem Familiengut Stapenhorst geboren, das es heute noch gibt. Der Sohn studierte in Münster und kam danach nach Lüdenscheid und 1873 nach Dorsten. 1886 ging er zurück in seinen Geburtsort Brochterbeck, wo er noch 19 Jahre Pfarrer an der dortigen evangelischen Dorfkirche war und mit 68 Jahren pensioniert wurde. Heinrich Stapenhorst, Dorstens erster evangelischer Pfarrer, starb 1933 in Osnabrück.

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