Nienhaus-Köster, Familie

In Rhade Jahrhunderte lang Bauern, Gastwirte, auch Kolonialwarenhändler

Wirtschaft 1891; das Kind auf dem Arm ist Lina Köster, geb. 1891; Fotos: Archiv Bernd Nienhaus

Von Wolf Stegemann – Die Familie Köster, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts namentlich zu Nienhaus gewechselt, ist eine der ältesten Rhader Familien. Seit Jahrhunderten waren sie Bauern. Erwähnt sind sie auch als Gastwirte in einer Urkunde der Herren von Lembeck aus dem Jahr 1540. In den Rhader Kirchenbüchern taucht der Name Köster zum ersten Male am 25. September 1680 auf, als Pfarrer Bernard Pennekamp eine Elisabeth Köster taufte. Der Name kann von zwei Quellen hergeleitet werden, wie der Heimat- und Familienforscher Bernd Nienhaus darstellt: Durch die im norddeutschen Sprachraum übliche Lautverschiebung -ö- mit dem -ü-. Daher wurden beispielsweise Kirchenküster oft als Köster bezeichnet. In alten Urkunden, so Bernd Nienhaus, tauche im Zusammenhang mit der Gaststätte des Öfteren der Name „Hormann“ auf, wie auf einem Waffeleisen aus dem 17. Jahrhundert, das noch im Besitz der Familie Nienhaus sei. Einer dieser Hormanns könnte Küster in Rhade gewesen sein. Die Rhader Kirchenbücher liefern dafür jedoch keinen Beweis. Daher kommt Bernd Nienhaus zu dem Schluss, dass eine weitere These wahrscheinlicher sei: Im 16. und 17. Jahrhundert waren die Niederländer, die damals die „Geldrischen“ genannt wurden (kommend aus der Provinz Geldern), sowohl überseeisch wie im nahen Grenzbereich als Kaufhändler tätig. Im Westmünsterland nannte man die holländischen Gewürzhändler „Köster“ oder „Ceuster“. Es war durchaus nicht ungewöhnlich, dass sich einer dieser Händler in Rhade ansiedelte und seinem Gewerbe als Händler bzw. Kolonialwarenhändler nachging. Beide Erklärungsversuche, so Bernd Nienhaus, seien Hypothesen. Da der Hof Köster-Nienhaus 1949 nahezu vollständig abbrannte, gingen die meisten Familien-Dokumente, darunter auch alte Urkunden, verloren.

Gerhard Nienhaus übernahm den vetterlichen Hof Köster

Heinrich Nienhaus, 1846-1916

Ab 1791 war der Ackersmann, Gastwirt und Colon (Ansiedler) Heinrich Köster Bauer auf dem Colonat Köster in Rhade. Erhalten geblieben ist eine Urkunde, die er im Jahre 1835 auf dem Hof Köster durch eine Gerichtsdeputation aus Dorsten aufstellen ließ. Darin wurde die Übernahme des Hofes durch einen Gerhard Nienhaus sowie die Altersversorgung des Vorbesitzers, dessen Ehefrau und deren Sohn samt Ehefrau bis zu deren Lebensende festgelegt. Wie auf der Urkunde ersichtlich, waren nur die Männer Heinrich Köster, Bernard Heinrich Köster und der neue Hofbesitzer Gerhard Nienhaus des Schreibens kundig. Die Frauen unterschrieben mit drei Kreuzen. Überschrieben wurde der Hof deshalb, weil Heinrich Kösters Sohn Bernard, verheiratet mit Anna Catherina geborene Korte, der die zum Hof gehörende Gastwirtschaft betrieb, kinderlos geblieben war. Somit bestand die Gefahr, dass nach seinem Ableben das Colonat Köster (nicht gutsherrlicher Hof) an den Grafen Merveldt auf Schloss Lembeck ging. So wurde Gerhard Nienhaus aus Erle der zukünftige „Kösters-Buur“.

Vom Ackerknecht in Erle zum eigenständigen Bauern in Rhade

Johannes NIenhaus, 1913-1988

Obwohl ab 1835 der Namen Nienhaus den Namen Köster nominell abgelöst hatte, hießen die Nienhaus-Kinder bei den Rhadern immer noch Köster – teils bis in die Gegenwart. Man nannte die Nachkommen von Gerhard Nienhaus nie mit deren Familiennamen, sondern  Kösters Heini, Kösters Berta oder Kösters Lina und sagte: „He schriff sick Näinhuus.“ Der neue Hoferbe Gerhard Nienhaus war ein Köster-Vetter aus Erle, Sohn von Henricus und Mechtildis Nienhaus. Für den väterlichen Hof in Erle war er nicht erbberechtigt, da er einen älteren Bruder hatte. Von Beruf war er Ackerknecht, wahrscheinlich auf dem elterlichen Hofe. Verheiratet war er mit der 1810 aus Erle stammenden Anna Catharina Schellerhoff, die wenige Jahre nach der Hochzeit starb. Um schnellstmöglich Kinder als Erben zu bekommen, heiratete er Maria Catharina Piethane, genannt Matz, Tochter von Albert Piethane gt. Matz und Maria Margaretha Matz. Das Ehepaar hatte drei Kinder: Heinrich Johann Nienhaus, geb. 1846 und Hoferbe, Josefine Nienhaus, geb. 1849 (verheiratete Wiefhoff-Küper) und Elisabeth Nienhaus, geb. 1851 (verheiratete Krampe, Erle).

Eine der ältesten münsterländischen Gaststätten im Famlienbesitz

Gaststätte Nienhaus heute in der Schützenstraße

Neben dem Hof Köster-Nienhaus entwickelte sich die Wirtschaft Köster-Nienhaus, die es heute noch an der Schützenstraße in Rhade gibt und von dem Ehepaar Ingrid Nienhaus-Venhoff und Klemens Venhoff betrieben wird. Ingrid Nienhaus-Venhoffs Tante Berta Schlüter, eine geborene Nienhaus, betrieb im Elterhaus in die 1960er-Jahre noch einen kleinen Kolonialwarenladen. Der Landwirt und Besitzer des Bauernhofes und der Gaststätte, Johannes Nienhaus, lebte ebenfalls bis zu seinem Tod dort. – Urkundlich nachgewiesen ist die Gastwirtschaft unter dem Namen Köster erstmalig im Jahr 1752. Somit ist sie eine der ältesten durchgehend in einer Familie betriebenen münsterländische Gastwirtschaften. Vermutlich war sie schon länger in Familienbesitz, denn er Hof Köster ist rund 200 Jahre älter. Nachweisbar ist das nicht mehr, denn bei dem erwähnten Brand von 1949 wurden viele alte Urkunden vernichtet.
Schon im 17. und 18. Jahrhundert taucht die Gaststätte immer wieder in Urkunden und Aufzeichnungen auf: Der Graf von Merveldt auf Schloss Lembeck gebot beispielsweise dem „Schildwirt to Roo“ anlässlich des Schützenfestes 1752 den Ausschank des Biers zu limitieren, denn der Arbeitseifer seiner Untertanen könne ansonsten Schaden nehmen. Auf diese Urkunde bezieht sich auch der Rhader Schützenverein bei seiner Altersdatierung. Heiratswetten wurden bei „Kösters“ begossen (1795), Bier wurde im alten Brauhaus (1953 abgebrochen) im Ostteil des Hofes gebraut und von alters her vor und nach dem sonntäglichen Hochamt Schnaps und Bier getrunken. Manchmal – zu des jeweiligen Pfarrers Leidwesen – auch während des Hochamts.

Siehe auch: Christa Nienhaus-Rekers


Quellen: Gekürzt und umstrukturiert nach Bernd Nienhaus „Gastwirtschaft Nienhaus-Venhoff“ und „Wie die Rhader Nienhäuser zu Ihrem Namen Köster kamen“ (online). – Ludger Böhne „Wir sind ja kein Szenelokal“ in der WAZ vom 24. Mai 2013. – Auskunft Maria Nienhaus-Nagel.

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone