Bechter, Hugo

Seit Jahrzehnten ehrenamtlich auf Gemeinde- und Diözesanebene tätig

Seit Jahrzehnten ehrenamtlich aktiv: "Dorsten kennt Hugo Bechter"; Foto: Maria nienhaus

Seit Jahrzehnten ehrenamtlich aktiv: „Dorsten kennt Hugo Bechter“; Foto: Maria Nienhaus

Sitzt er einem gegenüber, dann schöpft er im Gespräch aus einem reichhaltigen Erfahrungsschatz seines Lebens, was sich in seinem Gesicht abzeichnet wie bei einem alten Seemann, der – wettergegerbt – ebenfalls aus einem solchen Schatz von Lebenserfahrung plaudern könnte. Das ist im übertragenen Sinne zu verstehen, denn Hugo Bechter (73) setzt sich dem Wind, wenn überhaupt, nur auf dem Fahrrad aus, da mag er mehr den Rückenwind. Seit 40 Jahren ist der pensionierte Berufsschullehrer Hugo Bechter in kirchlichen Gremien der Stadt und der Diözese unterwegs. Da bekam er des Öfteren auch mal Gegenwind zu spüren, wiederum im übertragenen Sinne des Wortes zu verstehen, aber auch Auszeichnungen. Für sein ehrenamtliches Engagement für Senioren verlieh ihm Bundespräsident Horst Köhler 2005 die Verdienstmedaille des Verdienstsordens und Dorstens Bürgermeister Tobias Stockhoff neun Jahre später die „Silberne Ehrennadel“ der Stadt für 40 Jahre Gemeindearbeit.

Studiert bei Hans Küng und Joseph Ratzinger in Tübingen

In diesen vierzig Jahren stecken viel Arbeit, Ideen und Organisationsvermögen, Hilfsbereitschaft, Menschenannahme, Visionen und Glaube, eben der ganze Hugo Bechter. Er und seine Frau Karin, frühere Lehrerin, kamen 1972 nach Dorsten. Vorher wohnten sie im Münsterländischen; von heute rund 70 Jahre zurückgerechnet im schwäbischen Allgäu, wo Hugo Bechter  1941 in dem 200-Einwohnerdorf Molpertshaus nahe dem Bodensee geboren wurde. Seine Eltern hatten einen kleinen Bauernhof, nur 12 Hektar groß, und schwere Arbeit. Sie vertrauten den kleinen Hugo der Kirche an, schickten ihn ins Internat des Salvator-Kollegs in Bad Wurzach. Er erinnert sich mit Grimm an seine Klostererziehung. „Damals war man richtig eingesperrt, das hat mich sehr belastet!“ Seine Lieblingsfächer waren Griechisch und Latein. „Später wurde auch noch Englisch und Französisch angeboten!“

Danach studierte er in Tübingen und München Theologie. Er sollte Priester werden, was er eigentlich nicht wollte und schaffte rechtzeitig den Studienwechsel zum Lehramt. Heute erinnert er sich: „Ich wurde in der Klosterschule ständig unter Druck gesetzt, Priester zu werden.“ In Tübingen lernte er nicht nur seine Frau kennen, die er heiratete, sondern auch die Theologen Joseph Ratzinger, den späteren Papst Benedikt XVI., und dessen Kollegen Hans Küng, die Bechter als Professoren hatte. Beide waren damals noch enge Freunde im Glauben, erinnert sich Bechter, bis sie sich aus Dogma-Gründen entzweiten. Ratzingers Vorgänger, Papst Johannes Paul II. entzog u. a. wegen des Unfehlbarkeitsdogmas Hans Küng die Lehrbefugnis. Hugo Bechter nicht ohne Stolz: „Ich habe mein Studium bei Küng und Ratzinger mit Zwei bestanden!“ Und weiter sagt er: „Als Ratzinger Papst wurde, habe ich ihn beglückwünscht und die Nuntiatur hat sich bei mir bedankt!“

Bezirksbeauftragter für Religionsunterricht

1968 kam Bechter als Referendar an die Berufsbildenden Schulen (heute Berufskolleg) nach Münster, was seinen Einstieg in die Diözesanarbeit bedeuten sollte. Weitere Berufsstationen waren Burgsteinfurt und Recklinghausen. Leopold Vennemann holte ihn 1972 an das heutige  Paul-Spiegel-Kolleg, zwei Jahre später erstand das Ehepaar auf der Hardt ein Reihenhaus. Hugo Bechter lehrte Religion, Politik und Deutsch und begann, sich ehrenamtlich in das kirchliche Gemeindeleben von St. Nikolaus einzubringen, wo er u. a. 25 Jahre lang Vorsitzender des Jugendausschusses war. Auf Diözesanebene vertrat er seinen Berufsstand als Religionslehrer. So war er Bezirksbeauftragter für Religionsunterricht, Vorstandsmitglied  für Jugendarbeit an Berufsbildenden Schulen in Regierungsbezirk Münster, gehörte dem Diözesankomitee der Katholiken in Münster an, als Diözesanvorsitzender dem Katholischen Religionslehrerverband der Berufsschullehrer ganze 23 Jahre lang. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen.
Fast unüberschaubar ist die Liste der Tätigkeiten in den katholischen Bereichen in der Stadt Dorsten, im Dekanat und vor allem in seiner Gemeinde St. Nikolaus. Sein Engagement war und ist so vielfältig, dass man es hier bei der Aufzählung belassen muss: Gemeinderat, Kinder- und Jugendarbeit, Gründung des von mehreren Familienkreisen in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre. Damals war er es, der zusammen mit anderen Institutionen die „Aktion Solidarität“ ins Leben rief, aus der die „Dorstener Arbeit“ entstand. Auch richtete er Kleiderkammern und die Tafel ein. Später, als sich Hugo Bechter selbst zu den Senioren rechnete, wechselte er von der Jugendarbeit zur Seniorenarbeit. Gefragt, wie er denn das alles so schafft und dabei auch noch anhaltend erfolgreich ist, lacht er und meint: „Ich habe immer nach Lösungen von Problemen gesucht, und erst dann mit einer Arbeit begonnen, wenn ich sie gefunden hatte.“ Da zeigt sich Hugo Bechter als einer, dem die praktische Arbeit am Herzen liegt und nicht das Reden vieler anderer! In den 1980er-Jahren schrieb er häufig Artikel für die Zeitschrift „Christen der Gegenwart“ und hielt in seiner Gemeinde an Karneval Büttenreden. Es ist nicht übertrieben, wenn jemand sagte: „Dorsten kennt ihn!“

„Gegenwartsängste werden durch den Glauben überwunden“

Hat er bei dieser breiten Palette ehrenamtlichen Schaffens auch noch Zeit für sich? „Ja“, sagt er. Zu seinen Hobbies gehören die Gartenarbeit und das Fahrradfahren. Auch schaut er gern Geschichtsdokumentationen im Fernsehen an, aber auch Krimis. Und er liest gerne. Dazu gehören Karl Rahners Schriften. Viel bedeutet ihm auch der Roman Gertrud von le Forts „Die Letzte am Schafott“ (1932). Daraus lernte Hugo Bechter für seine aus seiner Kindheit her belastete Person: „Ängste überwinden durch den Glauben.“ Denn der Glaube ist Bechters Lebensinhalt. „Mein Glaube an Gott bedeutet, dass ich das mache, was in meinen Möglichkeiten ist, nämlich Mut und Vertrauen zu haben ohne zu wissen, was daraus wird!“ Und er ergänzt: „Das entscheidet dann Gott!“ In der praktischen Umsetzung seines Glaubens ist Hugo Bechter also ein Gegenwartsmensch, bei dem allerdings das neue Leben nach dem Tod ein zentrales Glaubenmotiv ist. Und: „Gegenwartsängste werden durch den Glauben überwunden!“

Werdern seine Tätigkeiten manchmal zu viel für ihn? Er nickt. „Ja, manchmal komme ich in Stress!“ Doch das hält ihn nicht ab, weiterzumachen. Seit acht Jahren leitet er als Moderator so genannte Themenabende in der Gemeinde St. Nikolaus, die jetzt wieder zu St. Agatha gehört, was ihm, wie andere Gemeindefusionen auch, gar nicht gefällt. An diesen Abenden werden dann Bücher intensiv gelesen und darüber auch kritisch diskutiert wie beispielsweise über Ratzingers neues Jesus-Buch. Weitere Themen sich Das Glaubensbekenntnis, die Freude am Evangelium  und derzeit sind es die Kindheitserlebnisse von Jesus nach Lukas. Teilnehmer sind nicht nur kirchlich gebundene Gemeindeglieder, sondern auch Außenstehende, wenn auch selten.

Von der Jugendarbeit zur Seniorenbegleitung

Weitere Tätigkeitsfelder von Hugo Bechter in der Altenarbeit ist der Seniorentanztee in St. Nikolaus, Aufbau und Betreuung der Gruppe Seniorenbegleitung und stellvertretender Vorsitzender im Seniorenbeirat. Er ist auch Gründungsmitglied und Vorsitzender im Förderverein des Seniorenstifts St. Elisabeth. Dort können er und seine Frau sicherlich auch im höheren Alter ein Unterkommen finden. Doch daran denkt Hugo Bechter jetzt nicht. Wie gesagt, er ist ein Gegenwartsmensch und weiß glaubensfroh, dass nach dem Tod neues Leben beginnt.

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