Altendorf-Ulfkotte

Die beiden Ortsteile trennt der Bindestrich und der Rapphofs Mühlenbach

Altendorf-Ulfkotte aus der Vogelschau; Foto: Archiv Biermann

Altendorf-Ulfkotte aus der Vogelschau; Foto: Archiv Biermann

Hervorgegangen ist der Ort aus Höfen, die teils dem Stift Xanten (Höfe Gut Bonekamp 13. Jahrhundert, Middendorp, Hagemann) und dem Reichshof Dorsten (Höfe Kuckelmann 13. Jahrhundert) abgabepflichtig waren, teils an Kurköln (Höfe Breil 1545, Schulte Kellinghausen und Nachbarschulte) und an die Abtei Essen und Werden (Gut Bellendorf). Im Jahr 1255 tritt ein „Bertoldus de Kellinchusen“ in Recklinghausen als Gerichtsschöffe auf. Der Hof Wieskamp war nach Urkunden aus dem 16. Jahrhundert Eigentum der Familie von Westerholt.

Ev. Gemeidezentrum Altendorf-Ulfkotte, Foto: JF

Zum Stift Xanten gehörten das Gut Bonekamp, im 15. Jahrhundert Middendorp, seit 1907 Dönnebrink genannt, sowie zwei Höfe Hagemann, getrennt durch „ein Essensches Gut, das Ulfkotte bewohnt“ (1545). Einen der Höfe hatte 1401 Naldo von Ulfkotte, 1545 Claes ten Haeghen unter, der 1563 an die Familie Wulf gekommen ist. Auch die Höfe Schulte Kuckelmann (im 13. Jahrhundert „scultetus Kukelem“), seit 1895 im Besitz von Schulte Hemming, und Besten hatten an den Reichshof Dorsten Abgaben zu entrichten, während das Gut Bellendorf („belinctorppe“), das um 1500 an die Familie Föcker (Vöcking) überging, von Werden lehnrührig war. Der mit Tönsholt heute 1.232 Hektar große Stadtteil ist aus zwei Bauerschaften hervorgegangen. Sie gehörten zur Pfarrgemeinde St. Agatha, während Altendorf-Ulfkotte 1837 zum Amt Marl gekommen ist. Als 1837 die Stadt Dorsten infolge der in Kraft getretenen preußischen revidierten Städteordnung von 1831 aus dem Verband der Bürgermeisterei Dorsten, zu der seit 1820 die Bürgermeisterei Marl gehörte, ausscheiden musste, verblieb Altendorf-Ulfkotte – die beiden Ortsteile trennt der Rapphofs Mühlenbach – mit der ehemaligen Bürgermeisterei Marl bei der Verwaltung Dorsten-Land. Die endgültige Trennung erfolgte 1844. Aus der Verwaltung wurde das Amt Marl.

Ehrenmal Altendorf-Ulfkotte, Foto: JF

Bei der kommunalen Neuordnung kam Altendorf-Ulfkotte 1975 als Stadtteil zu Dorsten. Die Einwohnerzahl ist 1850 bis 1928 auf 849 angewachsen. Heute hat der Stadtteil rund 2.000 Einwohner. Das ländlich strukturierte Altendorf-Ulfkotte hat eine katholische und evangelische Kirche, die „Kardinal von Galen“-Grundschule sowie eine Mehrzweckhalle. Der Schützenverein wurde schon 1652 gegründet. 1965 entstand die Siedlung „Rote Erde“.Seit Jahrzehnten hat Altendorf-Ulfkotte massive Bergschäden zu verzeichnen, die auch nach Einstellung des Abbaus unter Altendorf-Ulfkotte Anfang 2009 anhalten. Seit 1979 sank die Dorfmitte etwa um 1,30 Meter; extreme Bergsenkungen im Außenbereich liegen bei 11,50 Metern.

Bergsenkungen: Seit etlichen Jahren Probleme mit dem Erdbach

Wegen der durch Bergsenkungen verursachten geänderten Fließrichtung musste der Erdbach verlegt werden, um künftig bereits weiter südlich in Rapphofs Mühlenbach zu münden. Die Arbeiten dafür haben Ende 2010 begonnen und wurden 2012 fertiggestellt. Die Kosten in Höhe von 3,4 Millionen Euro trug die Ruhrkohle AG. Die 1.800 m lange neue Bachtrasse führt südlich und östlich an Altendorf vorbei. Ein Pumpwerk war nötig geworden, um das Wasser des Erdbachs an seiner Mündung in den Rapphofs Mühlenbach zu heben, bis dieser voraussichtlich 2016 vertieft wird. Durch Bergsenkungen ist der Erdbach in der Dorfmitte in eine so genannte Sattellage geraten, das heißt, er fließt von seiner höchsten Stelle in beide Richtungen ab. Der Grundwasseranschluss reicht hier nicht mehr aus, damit der Bach dauerhaft Wasser führt. Derzeit wird durch ein von der Ruhrkohle betriebenes Pumpwerk Wasser in den Lauf gepumpt, der nach der Verlegung der Haupttrasse keine Bedeutung mehr als Bach im eigentlichen Sinne hat. Im Juni 2016 diskutierte die Stadt mit den Altendorfern über die künftige Sanierung des Erdbachs.

Neues Wohnbaugebiet auf einer Freifläche an der Altendorfer Straße?

Lange ruhte das Thema Wohnbaugebiet zwischen Gräwingheide, Altendorfer Straße und Am Erbach in der Verwaltung und den Medien. Im ersten Quartal 2016 ist auf Initiative von Altendorfer Bürgern wieder Bewegung aufgekommen. Es hat Gespräche zwischen Grundeigentümern, der Stadt, einem Planungsbüro sowie möglichen Erschließungsträgern gegeben. In dem o. g. U-förmigen Bereich sollen auf 40 Baugrundstücken etwa 75 Wohneinheiten entstehen, zumeist Ein- und Zweifamilienhäuser. Mit der Realisiserung ist eng verknüpft mit der Planung, wie künftig der Erdbach-Mittellauf, der das Baugebiet begrenzt, gestaltet wird. Noch ist alles in der Schwebe.

Wetterschacht-Gebäude wurden abgerissen und die Fläche wird begrünt

Die Ära des Steinkohlenbergbaus in Deutschland ist vorbei – und bald wird auch der Schacht in Altendorf nichts mehr zu sehen sein. Anfang 1919 wurde er abgebrochen. Der 1967 abgeteufte und 1970 in Betrieb genommene Schacht Altendorf der ehemaligen Zeche Westerholt (und damit des späteren Bergwerks Lippe) befindet sich unweit des Dorfes an der Altendorfer Straße/Polsumer Weg. Er hat eine Teufe (Bergbau-Ausdruck für Tiefe) von rund 1215 Metern und diente als Wetterschacht, nachdem sich der Kohleabbau von Herten aus in Richtung Polsum und Altendorf bewegt hatte. In einem untertägigen Teilbereich wurde der Schacht zusätzlich zur Seilfahrt von Personen und zum Materialtransport genutzt. Nach der Stilllegung des Bergwerks Lippe Ende 2008 war der Schacht Altendorf, der vor allem zur Be- und Entlüftung gedient hatte, überflüssig geworden. Im Jahr 2009 wurde er mit Beton verfüllt. Zurückblieben zehn Gebäude (Schacht- und Lüftergebäude, Absauganlage, Silos, Trafohaus etc.), die in den nächsten sechs Monaten dem Erdboden gleich gemacht werden. Die 2,8 Hektar große Fläche soll lt. RAG Montan-Immobilien nicht für Gewerbezwecke verwendet, sondern begrünt werden.

2018 mit neuer Wirtin von der „Gaststätte Erwig“ zum „Goldenen Bullen“

Ana Simic, neue Pächterin

Die Traditionsgaststätte „Erwig“ wurde Ende Juli 2018 mit neuem Namen und neuer Pächterin wiedereröffnet. Die Gaststätte heißt jetzt „Zum Goldenen Bullen“, die 37-jährige Gastwirtin Ana Simic. Die aus Kroatien stammenden Eltern von Ana Simic waren Gastronomen, sie betrieben das damalige Löwenpark-Balkan-Restaurant in Westerholt, wo Ana Simic schon als 15-Jährige regelmäßig ausgeholfen hatte. Zuvor arbeitete sie im Steakhaus „Argentina“ in Gelsenkirchen-Buer. Neben dem Restaurant- und Hotel-Bereich im „Goldenen Bullen“ läuft der Gaststätten-Betrieb mit Stammtischen, Fußballübertragungen, Kegelbahn und Schützen-Lokal wie gehabt weiter.

Fahrbahn-Erneuerung der Altendorfer Straße deutlich minimiert

Eigentlich wollte „Straßen.NRW“ die Fahrbahn der Altendorfer Straße (L 601) im Brückenbereich des Rapphofs Mühlenbach zwischen Einmündung Polsumer Weg und Hof Schulte-Hemming auf einer Länge von 230 Metern neu zu asphaltieren – doch daraus wird nichts, verkündete die Behörde im August 2019. Die Landstraße wird lediglich nun lediglich auf einem 25 Meter langen Teilstück erneuert. Der Grund: Die Straße müsste 18 Monate lang voll gesperrt werden. Dagegen hatten sich 2017 Altendorfer Bürger erfolgreich gewehrt, weil Berufspendler Richtung Marl und Landwirte einen mehrere Kilometer langer Umweg über Polsum hätte fahren müssen.

Wappen: Der schwarzgrundige Schild ist diagonal mit einem silbernen, gewellten Balken geteilt. Im linken oberen Feld ist eine silberne Hülsekrabbe und im rechten unteren eine Pflugschar zu sehen. Beide Symbole der 1987 auf einen Leserwettbewerb der „Ruhr-Nachrichten“ zurückgehenden Wappenfindung dokumentieren den ländlichen Charakter des Stadtteils.


Siehe auch:
Stadtteile

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