Volkshochschule

Vom Volksbildungswerk zum modernen Bildungszentrum

Eingangsbereich Volkshochschule, Foto: JF

Vorgänger der heutigen VHS war das 1948 gegründete Volksbildungswerk Dorsten, das seine Tradition auf die schon 1890 entstandenen Bildungsvereine jegliche Art bezog. Nach dem Ersten Weltkrieg stieg der Hunger nach Bildung und Kultur und es entstanden überall Erwachsenen-Volksbildungswerke, die 1933 verboten wurden, nach 1945 aber wieder auflebten. 1948 schuf Stadt- und Amtsdirektor Dr. Banke in Dorsten zusammen mit Bürgern und Bürgerinnen das Volksbildungswerk Dorsten, das der Kulturausschuss mit den Aufgaben billigte, den Volkshochschulgedanken umzusetzen, berufsbegleitende und berufsfördernde Bildungsarbeit sowie Kulturpflege zu leisten. 1948/49 entstanden 23 Arbeitsgemeinschaften mit 316 Teilnehmern, 1950 beteiligten sich schon 595. Allein der Vortrag von Prof. von Weizsäcker (Göttingen) über das „Weltbild der heutigen Physik“ hatte 350 Hörer. Das Konzertleben nahm einen beachtlichen Aufschwung und Tourneetheater traten in den Schlüssellichtspielen auf.

Im Semester rund 550 Kurse mit 13.000 Teilnehmern

Logo der VHS Dorsten

Logo der VHS Dorsten

Neue Richt- und Leitlinien zur Entwicklung der kommunalen Volkshochschulen gab ab 1975 das 1. Gesetz zur Förderung und Ordnung der Weiterbildung in NRW. 1977 bekam die VHS im Bildungszentrum Maria Lindenhof ein eigenes Gebäude – bis dahin einzig im Kreis. Außer dem zentralen Angebot gab es Stadtteilarbeit in den nördlich gelegenen Stadtteilen. Zu Sprachkursen, die Anfang der 1980er-Jahre noch 94 Prozent aller Angebote ausmachten, kamen verstärkt die Bereiche Politik, Recht, Erziehung, Religion, Musik, Medien sowie Studienreisen, Zielgruppen orientierte Arbeit und berufliche Weiterbildung dazu. Die Volkshochschule ist das kommunale Weiterbildungszentrum der Stadt Dorsten. In der Homepage der VHS steht:

 „Unter demselben Dach arbeiten das Kulturbüro, die Stadtbibliothek und das Stadtarchiv, die 1997 mit der VHS zum Amt für Kultur und Weiterbildung zusammengefasst wurden. Im Jahr 2008 wurde das Amt um die Musikschule und die Pelz-Anfelder-Stiftung erweitert. So entwickelt sich an der Schnittstelle zwischen den Siedlungsschwerpunkten der Stadt ein lebendiges Forum für Weiterbildung und kulturelle Interessen, für Begegnung und Kommunikation.“

Zu den Werten und Zielen ihrer Arbeit der Volkshochschule ist in der Homepage weiter zu lesen:

„Die VHS verpflichtet sich zu Qualität, Zuverlässigkeit und Kontinuität. Weltanschauliche Offenheit, Toleranz und Chancengleichheit werden als Voraussetzungen der Zusammenarbeit in gemeinsamen Bildungsprozessen gesehen. Als kommunales Weiterbildungszentrum sprechen wir insbesondere Menschen in der Stadt Dorsten und der umliegenden Region an. Unser Programmangebot richtet sich an alle Interessierten ab 16 Jahren unabhängig von ihrer sozialen und nationalen Herkunft. Spezielle Zielgruppen-Angebote wie z.B. für Kinder, Jugendliche, Familien, Seniorinnen und Senioren sowie zur Integration von Migrantinnen und Migranten ergänzen das Programm… Bei der Planung unseres Weiterbildungsangebots sind wir bestrebt, gesellschaftliche Bedarfe und Entwicklungen sowie Teilnehmerbedürfnisse verantwortlich und schnell aufzugreifen und umzusetzen, um die persönlichen, beruflichen und gesellschaftlichen Handlungskompetenzen der Teilnehmenden bestmöglich zu fördern. Programminhalte, Kundenservice und Öffentlichkeitsarbeit werden so gestaltet, dass sie sowohl die bereits aktiven Teilnehmerinnen und Teilnehmer an die Einrichtung binden als auch neue Interessenten zum Besuch der VHS anregen. Unsere Planungs- und Arbeitsprozesse sollen sich durch ein hohes Maß an Transparenz auszeichnen und einer aktiven Qualitätskontrolle unterliegen. Unser Ziel ist es, ein Höchstmaß an Kundenzufriedenheit zu erreichen und dabei gleichzeitig den Anforderungen der Wirtschaftlichkeit zu entsprechen.“

Derzeit belegen rund 13.000 Volkshochschüler/innen etwa 550 Kurse. Nach den Herren Franz-Josef Stevens und Schmidt leitet seit 2013 Sabine Podlaha die Volkshochschule und den gesamten Bereich Kultur und Bildung, dem das früher selbstständige Kulturamt, die Stadtbücherei und das Stadtarchiv zugeordnet ist. „Multitasking und Organisieren liegen mir im Blut”, sagte sie in einem Interview mit der WAZ.

Es muss gespart werden. Der städtische Haushalt-Sanierungsplan (HSP) zwingt die Stadt zu sparen. Daher werden auch die VHS-Gebühren 2014 erhöht, um Mehreinnahmen von 8100 Euro zu erzielen. 2016 sollen die Gebühreneinnahmen dann nochmals um 16 600 Euro wachsen.

Paradoxe Entwicklung. Klaus-Dieter Krause meint in der DZ vom 6. November 2013: „Das mutet geradezu paradox an. Denn bereits 2012 standen Honorar- und Nebenkosten von 305 000 Euro Einnahmen durch Teilnehmergebühren in Höhe von 406 000 Euro gegenüber. Ein Kostendeckungsgrad von 133 Prozent! […] Die Gemeindeprüfungsanstalt habe daher 2010 in einem Gutachten der Dorstener VHS ausgeprägtes Kostenbewusstsein bescheinigt.“

Personalabbau und mehrere Ausfälle. Die absoluten Einnahmen seien seit 2007 durch anhaltenden Personalabbau und Wiederbesetzungssperren mit längeren krankheitsbedingten Ausfällen dreier Mitarbeiter zusammen fielen entstanden Daher reduzierte die VHS ab 2011 das Veranstaltungsangebot, was wiederum zu weniger Einnahmen führte. „Dazu kommt die sinkende Nachfrage. Gerade jüngere Menschen sind, auch durch die zunehmende Konkurrenz privater Anbieter, schwer zu gewinnen. Ein Kurs-Buchungs-Rückgang von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr war 2012 die Folge“ (siehe Dorstener Volksbildungswerk, siehe Wulfener Bildungswerk).


Siehe auch:
Maria Lindenhof


Quellen:
Heinrich Krauel in „700 Jahre Stadt Dorsten“, Dorsten 1951. – Homepage der VHS Dorsten (2012).

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