TheaterZeitReise

Die ganze Stadt war toll und voll - 750 Jahre an einem Tag

Literatur-Salon der Maria Lenzen; Foto: Wolf Stegemann

Dorstenerinnen tauchen als Biedermeier-Damen in die Welt der Dichterin Maria Lenzen ein; Foto: Wolf Stegemann

Die im Jahre 2001 begangene 750-Jahr-Feier der Stadt Dorsten war ein spektakuläres Ereignis, an dem sich die Bürgerschaft aktiv beteiligte. Sie dürfte mit dem nächsten Jubiläum im Jahre 2026 nicht so leicht zu übertreffen sein. Die Stadt bildete die Bühne, deren Vorhang am 16. September aufging. Gassen, Straßen, Plätze und Grünanlagen gaben die Kulisse für die Zeitreise in die vergangenen 750 Jahre. Schauspieler, Komparsen, Kostümbeschaffer und Zuschauer waren Bürger, Vereine und Nachbarschaften. Regisseur des Ganzen war der damalige VHS- und Kulturamtsleiter Franz-Josef Stevens, Produzent das „Forum Inter Art“ aus Dortmund und Finanzier vor allem die Volksbank Dorsten mit 200.000 DM. Das Stück hieß „TheaterZeitReise“, das zwei Jahre lang vorbereitet, geprobt und geübt wurde, geschneidert, getextet und inszeniert. Es war ein Fest von und für Bürger und man hatte den Eindruck, alle machten mit. Die ganze Stadt war toll und voll.

Bösewichte in Ketten, Pestkranke auf Bahren

750 Jahre Geschichte einer Stadt – das war der Stoff des Theaterstücks. Da sah man Spielleute des Mittelalters aufspielen, bewaffnete Landsknechte den verbliebenen Rest der Stadtmauer stürmen und Stadtknechte Hühnersuppe auf offenem Feuer kochen. Bauern und Patrizier lagen sich freundschaftlich in den Armen, schöne Damen in Rokokogewändern oder in offenherzigerer klassizistischer Mode schlenderten zwischen groben Bäuerinnen mit Dreschflegeln, tapsigen Nonnen, Stadtnarren und Stadträten, wobei nicht immer der Unterschied auszumachen war. Ausgelassene Musikanten flöteten und trommelten, Bösewichte lagen in Ketten und Pestkranke auf Bahren. Da sah man das Kaffeekränzchen des 19. Jahrhunderts mit dichtenden Damen an einem Tisch sitzen und Napoleonische Soldaten durch die Stadt marschieren. Kinder und Greise sprangen ebenso behände wie kraftstrotzende Jünglinge und verschämte Juffern. Geistliche spendeten Segen und Wein und Nonnen tanzten wie Derwische. Da konnte sich auch Petrus diesem Theaterstück nicht verschließen und ließ als Beleuchter die Sonne kräftig auf die Bühne, sprich Stadt, scheinen.

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