Schützenverein Altstadt 1488

Ältester Dorstener Verein hält die Tradition jahrhundertelang aufrecht

Noch zu Kaisers Zeiten auf dem Dorstener Markt

Die „Allgemeine Bürger-Schützen-Verein Dorsten“, umgangssprachlich auch Altstadtschützen genannt, ist der mit Abstand älteste Schützenverein in Dorsten. Er ist der Folge-Verein der Schüttengilde, deren Existenz in der Stadt Dorsten mit einer Rechnung des vestischen Rentmeisters zu Dorsten aus dem Jahr 1488 belegt ist. Darin sind Ausgaben für die Stadtschützen insbesondere für den Schützenvogel vermerkt ist.

Bürgermeister reorganisierte 1826 die Bürgerschützen-Compagnien

Ältester Beleg aus dem Jahr 1488

Dorstens Bürgermeister und Bürgerkommandeur Luck reorganisierte 1826 das Schützenwesen und vor allem die Feiern der Schützen und erließ folgenden Befehl: „Die ganze Bürgerschaft ist nach der laufenden Haus-Nummer in 3 gleiche Teile getheilt. Diese 3 Abteilungen sollen den Namen Bürger-Compagnien führen, und gehörig organisiert, so wohl zu Vagabunden-Jagden und sonstigen Verrichtungen der Bürgerschaft gebraucht werden, als auch die Einrichtung und Ausfüh­rung öffentlicher Aufzüge erleichtern. Zu Bür­gerhauptleuten habe ich ernannt: für die 1. Compagnie den Kaufmann Baumann, für die 2. Compagnie den Kaufmann Wilkes, für die 3. Compagnie den Postmeister Rive. Das übrige commandierende Personal soll heut von der Bürgerschaft selbst gewählt und von mir nach Befinden bestätigt werden… Sobald die Wahl von mir bestätigt ist, müssen die ernannten Personen, in ihrer Eigenschaft dergestellt respectiert werden, daß Unfolgsa­me bei ernstlichen bürgerlichen Verrichtungen obrigkeitlich Strafe, bei freiwilligen Aufzügen und Feierlichkeiten aber Entfernung aus der Gemeinschaft zu gegenwärtigen haben. Was die Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Königs betrifft, ist es der allgemeine Wunsch, daß dieselbe am 6. d. k. M. durch einen festlichen Aufzug zum Vogelschießen erhöhet und ausgezeichnet werde. Hierzu werden die Compagnien hiermit eingeladen. Lusttragende wollen sich daher Gewehre verschaffen, und in der letzten Woche auf Trommelschlag den Abend-Übungen fleißig beiwohnen…“

In den Befehlen zum Schützenfest 1826 sind bereits die Abläufe und Strukturen des Dorste­ner Schützenwesens in der heutigen Zeit er­kennbar. So ist das Schützenbataillon des All­gemeinen Bürger-Schützen-Vereins Dorsten ebenfalls in drei Kompanien unterteilt. Heute jedoch ist die Mitgliedschaft in einer der drei Kompanien altersabhängig und in der Satzung des Vereins entsprechend festgelegt.

Zeitgenössischer Zeitungsbericht über das Schützenfest 1901

Sappeure mit dem Schützenvogel

Wie gefeiert wurde, darüber mag ein Bericht in der Lokalzeitung vom 23. Juli 1901 Auskunft geben: „Getreu seiner alten Devise: Ordnung, Einigkeit, Frohsinn! ist auch das diesjährige Schützenfest verlaufen. Zur Vorfeier des Festes fand am Samstag ein Zapfenstreich statt, dem ein Concertim Fest­zelte sich anschloß. Am Sonntag Morgen schon in aller frühe zog die erste Compagnie auf Wache bei den vorgesetzten Offizieren. Nach dem Gottesdienste fand auf dem Marktplatze die große Parade statt, die so glänzend verlief, daß die ausgedienten Soldaten Ehre gemacht haben würde. Der Herr Oberst Drecker brachte bei der Parade das Kaiserhoch aus. Am Nach­mittage fanden auf dem Festplatze Vogelschie­ßen und Volksbelustigungen statt, während­dem die Festkapelle concertierte. Der Festball am Abend war sehr gut besucht. Am Montag Morgen trat das Bataillon zum Königsschießen an. Der Vogel fiel um halb 1 Uhr und Herr Dr. Röper wurde feierlich zum Schützenkönig proclamiert. Auf den Schultern seiner Getreu­en wurde Se. Majestät zum Throne getragen und dort feierlich mit den Insignien der schützenköniglichen Würde bekleidet. Er erkor zu seiner Königin Fräulein Leonie Reckmann. Gegen halb 6 Uhr  fand der feierliche Zug des Königspaares mit den Hof- und Ehren­damen, dem Thronadjutanten, den Offizieren, und dem ganzen Korps statt. Der Krönungs­ball war so zahlreich besucht, daß das Zelt kaum alle Theilnehmer fassen konnte. Das während der Polonaise am jenseitigen Lippe­ufer abgebrannte Feuerwerk war brillant und hatte Hunderte von Zuschauern hinausge­lockt. Erst mit dem Anbruche des Tages endigte der Ball und damit das Fest, ohne daß auch nur ein Mißton die Feier getrübt hätte. Somit schließt auch das Schützenfest 1901, das erste im neuen Jahrhundert sich würdig seinen Vorgängern an.“

Schützenvereine um Dorsten, nach 1975 in Dorsten

Zu dieser Zeit gab es in den Dörfern bei Dors­ten bereits „eigene“  Schützenvereine. Diese sind die noch heute existierenden Vereine Allgemeiner Bürgerschützenverein Alten­dorf-Ulfkotte 1652, Bürgerschützen­verein Rhade (gegr. 1752), Allgemeiner Bürgerschützenverein Holsterhausen-Dorf  (gegr. 1773), Allgemeiner Bürger­schützenverein Wulfen  (gegr. 1833) und der Allgemeine Bürgerschützenverein Lembeck (gegr. 1876). Andere Vereine wurden später gegründet: Allgemeiner Bürgerschützenverein Dors­ten-Hardt (gegr. 1908), Allgemeiner Bürgerschützenverein Hervest-Dorsten (gegr. 1913), Allgemeiner Bürgerschützen­verein Dorsten-Feldmark I u. II (gegr. 1921), Allgemeiner Bürgerschützenverein Deuten (gegr. 1922), Allgemeiner Bür­gerschützenverein Dorf-Hervest (gegr. 1949), Bürgerschützenverein Dorsten-Holsterhausen 1953  und schließlich der Schützenverein St. Marien Dorsten (gegr. 1975).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schützenwesen wieder belebt

Zu allen Zeiten im Gleichschritt

In den Jahren des Nationalsozialismus wehten bei den Auftritten der Schützen neben der Schützenfahnen heftig auch die mit dem Hakenkreuz. Dass die Altstadtschützen bis in die heutige Zeit bestehen, ist dem Traditionswillen der Dorstener zu verdanken, die dann, wie – wie die anderen Dorstener Schützenvereine auch – nach dem Zweiten Weltkrieg die Schützentradition wieder aufleben ließen. Im Jahr 1950 gehörten 14 Dorstener Altstädter zu den Männern der ersten Nachkriegsschützen-Stunde, die teils auch schon vor dem Krieg Schützen waren: Paul Schürholz, Ernst Bellendorf, Dr. Josef Bergmann, Hans Funke, Hans Garriß, Hans Hantrop, Heinrich Kiekenbeck, Friedrich-Wilhelm Koepe, Dr. Alex Meinken, Heinrich Nattler, Karl Pasterkamp, Josef Schelle, Robert Sögtrop, Franz Springenberg und Bernhard Wehling. Sie brachten das Schützenwesen in der Stadt wieder in Schwung. So konnten die Altstädter 1987 das große 500-jährige Festjubiläum des „Allgemeinen Bürger-Schützen-Vereins Dorsten“ feiern und bejubeln. Im Rahmen einer großen Festwoche fanden u. a. das Schafholen mit den Kirchhellener Schützen, ein Kinder­schützenfest in der Innenstadt, ein Schützen­umzug unter Teilnahme aller Dorstener Schüt­zenvereine und der angrenzenden Dörfer und Städte und ein Kaiserschießen aller noch lebenden Schützenkönige der Altstadt statt. Auch wurde eine umfassende Dokumentation „500 Dorstener Altstadtschützen“.
Im Jahr 2001 machte das Königsschießen Schlagzeilen. Eine davon lautete: „England hat eine Königin aber Dorsten hat einen englischen König“. Denn der britische Militär-Chefkoch Les Watkins, erst seit 1997 Vereinsmitglied, holte den Vogel von der Stange. Und der britische Schützenkönig nahm sich dann die Dorstenerin Sabine Janich zur Königin. Als Ann Watkins vier Jahre später Königin wurde, berichtete die britische Zeitschrift „Priority Issue“ darüber den englischen König in Dorsten und widmete dem ihm sogar das Titelbild (siehe nebenstehendes Foto).

Warum sich die Feldmärker 1921 von den Altsstadtschützen trennten

Es gibt eine Anekdote, wie sich 1921 der Schützenverein Feldmark von den Altstädtern abgespalten hatte: Die Feldmark war früher Weideland, das zur Stadt Dorsten gehörte, wo die so genannten Ackerbürger wohnten. Ein solcher Ackerbürger der Feldmark wollte auf dem Schützenfest in der Stadt die Königswürde erringen. Daraufhin schnauzte ihn der Schützenmajor mit den Worten an: „Hier kommt kein Bauer auf den Thron!“ Das. So sagt man, sei dann der Anlass gewesen,  1921 einen eigenen Schützenverein in der Feldmark zu gründen und fortan einen eigenen Schützenkönig zu ermitteln – auch mit einem Bauern als König.

Historisches Schmuckstück überdauerte die vielen Jahrzehnte

Die historische Schützenkette der Altstadtschützen stammt aus dem 15. Jahrhundert und hatte noch 1755 heute nicht mehr vorhandene 61 so genannte Königsmünzen. Daher besteht die Königskette heute aus 58 Königsmünzen und Königsschildern. Aus der Königskette wurde die heutige Königinnenkette herausgenommen, das eigentliche historische Schmuckstück. Auf einer von Girlanden umgebenen silbernen Scheibe ist der hl. Nikolaus als ehemaliger Stadtpatron dargestellt. Daneben sind die Wappen von Kurköln und Dorsten zu sehen. Auf der Rückseite ist als älteste Jahreszahl 1544 eingraviert. Heute trägt die Schützenkönigin das Kleinod am grünen Band. Der König legt entweder die kleine Kette mit einer besonders schönen Plakette an, die an den Ersten Weltkrieg erinnert, oder zusammen mit ihr die große Kette mit den Königsmünzen und Königsschilden, der älteste von 1827.

Alle 13 Schützenvereine bilden eine Arbeitsgemeinschaft

Nachdem 1975 die umliegenden Gemeinden als Stadtteile Dorsten eingegliedert worden waren, hatten sich alle 13 Schützenvereine 1976 in der „Arbeitsgemeinschaft der Dorstener Schützen­vereine zusammengeschlossen. Sie dient als Sprachrohr und vertritt die Interessen der Schützen gegenüber den Behörden und stimmt die Schützenfest-Aktivitäten der Ver­eine untereinander ab. Sie ist es auch, die in unregelmäßigen Abständen Dorstener Schüt­zentage durchführt, so zuletzt im Rahmen des 52. Westfälischen Schützentages 2001 in Dorsten. Wie schon 1976 im Rahmen der Feier zum 725-jährigen Bestehen der Stadt Dorsten, fand am Anfang des Jahrtausends ein Stadtkönigs- oder auch Stadtkaiserschießen zwischen allen amtie­renden Dorstener Schützenkönigen statt. Als Stadtkaiser ging Ludwig Klapheck aus der Feldmark hervor. Er löste somit Johannes Heiming als Stadtkönig bzw. Stadtkaiser ab, der den Vogel bereits 1976 von der Stange holte. Ein weiterer Dorstener Schützentag fand, in Form eines großen Umzuges durch die Stadt, im Rahmen des 500-jährigen Jubiläums des Allgemeinen Bürger-Schützen-Vereins Dorsten e. V. im Jahr 1987 statt. Damals nahmen auf Einladung der Altstadtschützen alle 13 Schüt­zenvereine Dorstens und die Vereine aus der Umgebung (Erle, Altschermbeck und Kirchhel­len) teil an der großen Parade wie auch 2012 beim 525. Bestehen des Allgemeinen Bürger-Schützen-Vereins Dorsten“.

Siehe auch: Schützenwesen Dorsten (Essay)
Siehe auch: Schafholen
Siehe auch: Schützenverein Feldmark I und II
Siehe auch: Schützenkampf
Siehe auch: Friedrich Koepe
Alle Artikel zum Thema Schützen: Schützen-Artikel, Übersicht


Quellen: Informationen nach Artikel in Vereinszeitung „mit uns“. – Chronik, Mitteilungen von Fest zu Fest Nr. 7, 2009.

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