Schafholen

Dorstener Schützen holten sich das Tier in Kirchhellen auch mit Gewalt

1988 errichtetes Denkmal „Schaf-Bürger-Bauer“ in der Essener Straße, Foto: JF

In der Essener Straße erinnert das von der Hannoveraner Künstlerin Ulrike Enders 1988 geschaffene bronzene Denkmal „Schaf-Bauer-Bürger“ an einen Brauch des Schafholens, der aus Nachbarschaftshilfe im 16. Jahrhundert entstanden ist. Als 1585 der wegen seines Übertritts zum Protestantismus abgesetzte Erzbischof Gebhard Truchseß von Waldburg mit seinen Söldnern das Vest unsicher machte und in Kirchhellen plünderte, kamen Dorstener Stadtschützen den Bauern zu Hilfe und vertrieben die Soldaten. Dafür verpflichteten sich die Bauern, den Dorstenern alle sieben Jahre ein Schaf zu liefern. Allerdings vergaßen die Bauern ihre Dankbarkeit schnell, was dazu führte, dass die Dorstener Schützen das Schaf nicht immer gewaltfrei abholten. 1752 musste die Stadt für die Schützen einen Prozess führen, nach dessen Urteil Gewaltanwendung beim Schafholen verboten wurde; es sollte gütlich übergeben werden. 1788 nahmen die Schützen einen Notar mit, der den Unwillen der Kirchhellener Bauern zu Protokoll nehmen sollte. Von 31 angesprochenen Bauern gaben nur drei ein Schaf her, 15 erklärten, keins geben zu wollen und die anderen sagten, sie hätten keine Schafe. Daraufhin holten die Schützen die Schafe mit Gewalt ab. 1804 verbot die arenbergische Regierung auf Grund von Beschwerden der Kirchhellener Bauern das Schafholen. Die Dorstener Altstadtschützen belebten den Brauch 1970. Das Schaf wird seitdem friedfertig von der Kirchhellener Bürger-Schützen-Gesellschaft übergeben.

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