Ökumenischer Geschichtskreis

Geschichte und Geschichten Holsterhausens in Büchern veröffentlicht

Aufd er Lippefähre in Holsterhausen

Mitglieder des Geschichtkreises auf der Lippefähre “Baldur” (2006)

Würde man die Lebensjahre der Mitglieder des „Ökumenischen Geschichtskreises Holsterhausen an der Lippe“ zusammenzählen und das Durchschnittsalter ermitteln, käme man auf eine Zahl, die sich jenseits der mittlerweile von Politikern hinausgeschobenen Grenze des Rentenalters befindet. Jeder anderen Gruppierung in einer solchen angespannten Alterszusammensetzung würde dies wegen gewisser Unbeweglichkeiten zum Nachteil gereichen, doch bei dem kleinen Geschichtskreis unter dem großen Dach der Martin Luther-Gemeinde überwiegen die Vorteile, weil Grundlage deren Arbeit eine in den Mitgliedern selbst verankerte und ausgeprägte Erinnerungskultur ist. Auf dieser Grundlage bauen die Mitglieder des 1993 gegründeten Geschichtskreises ihrer Geschichtsforschung über ihren Stadtteil und einer professionellen Darstellung der Ergebnisse in Wort und Bild auf. „Holsterhausener Geschichten“ heißt die bebilderte Buchreihe, die mittlerweile viele Anhänger und Leser gefunden hat.

Auch NS-Zeit aufgearbeitet und publiziert

Band 2

NS-Zeit in Holsterhausen, Band 2

NS-Zudem gibt die freie Gruppierung Holsterhausener Bürger sporadisch Sonderbücher zu zusammengefassten Themen heraus, wie zuletzt das zweibändige Werk „Holsterhausen unterm Hakenkreuz“ (2007 und 2009). Zuvor befasste sich das Buch „Holsterhausen im Umbruch. Kaisers Krieg und Weimars Not“ (2007) mit den Jahren zwischen verlorenem Krieg und Hakenkreuz. 2011 schenkte der Geschichtskreis den beidem Holsterhausener Schulen im Pliesterbecker Schulzentrum jeweils Klassensätze der drei Geschichtsbände für den Unterricht. Seit 2014 muss man, will man von dieser Tätigkeit des Geschichtskreises schreiben die Vergangenheitsform wählen. Denn 2013 stellte der Ökumenische Geschichtskreis wegen Überalterung seine Herausgeberschaften ein. Denn möglich war dem Geschichtskreis diese publizistische Arbeit deshalb, weil er 2006 den Dorstener früheren Zeitungsredakteur Wolf Stegemann gewinnen könnte, der die konzeptionelle und redaktionelle Arbeit übernommen hatte. Die veröffentlichten Forschungsarbeiten sind oft begleitet mit auch dinglicher Erinnerung vor Ort.

Holsterhausen in den 1920er-Jahren

Holsterhausen in den 1920er-Jahren

So brachte der Geschichtskreis 2007 am Waldfriedhof in Holsterhausen eine Gedenktafel für den im Dritten Reich zum Tode verurteilten Artur Kramm an, der als „Zeuge Jehovas“ den Kriegsdienst verweigerte; seit 2009 erinnert eine Informationstafel an der früheren Bahntrasse in Holsterhausen an den Tod von über 70 meist jugendlicher Soldaten, deren Zug 1945 dort bombardiert wurde. Diese Aktion wurde vom WDR begleitet. – Der Beginn der Tätigkeiten liegt aber weiter zurück. Anlass der Gründung des Geschichtskreises war die 70 Jahr-Feier der evangelischen Kirche in Holsterhausen 1993, zu der der damalige Pfarrer der Gemeinde, Wolf-Dietrich Rienäcker, eine Dokumentation als Kirchenbau-Festschrift veröffentlichte. Durch diese Arbeit installierte sich der Geschichtskreis. Eine weitere Dokumentation zum gleichen Thema folgte fünf Jahre später. Als erstes Heft mit dem Titel „Holsterhausener Geschichten“ erschien 1999, drei Jahre später kam das zweite Heft heraus, wiederum drei Jahre danach der dritte Band. Das vierte und fünfte Buch erschienen  2007, der sechste Band 2009, der siebte 2011 und der achte und letzte Band 2012.

Holsterhausener Geschichten, Bd. 5

Holsterhausener Geschichten, Bd. 5

In den professionell aufgemachten „Holsterhausener Geschichten“ wurde die breite Palette Holsterhausens Vergangenheit und Gegenwart dokumentiert: Personen und Familien, Zeche und „Kolonien“, Firmen und Vereinen, die den Ort geprägt haben. Stoff gab es genug, den die Mitglieder des Geschichtskreises zusammengetragen und die auf das gut bestückte Fotoarchiv von Walter Biermann zurückgreifen konnten. So manche Anekdote, die Gregor Duve zusammengetragen hatte, war Anlass zum Schmunzeln und zum Nachdenken. Mit dem 2013 erschienenen 8. Band hat der Geschichtskreis die Herausgabe der Bände eingestellt. Der Ökumenische Geschichtskreis befasste sich aber auch mit heimatkundlichen Arbeiten anderer Art. So wurde von Zeit zu Zeit zu Schnatgängen eingeladen, um die ehemaligen Ortsgrenzen zu Nachbargemeinden abzugehen, es werden Bänke in Ruhezonen aufgestellt und mit Heimatvereinen anderer Stadtteile und Gemeinden reger Kontakt gepflegt. – Ökumene war in dem mit diesem Attribut bezeichneten Geschichtskreis kein Thema. Denn die Männer und Frauen bemerkten in ihre Zusammenarbeit um die Vergangenheit ihres Stadtteils, in der die Kirchen eine unterschiedlich wichtige Rolle spielten, nicht, ob sie nun katholisch oder evangelisch waren.

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone