Kriminalität 2010/16

2016 weniger Straftaten im Kreis Recklinghausen - mehr Wohnungseinbrüche

Im Jahr 2010 registrierte die Polizei  6.493 Straftaten, rund 1.000 weniger als im Jahr zuvor. Die Aufklärungsquote mit 51 Prozent war die höchste seit zehn Jahren. Die Diebstähle (2,893) gingen um 16 Prozent zurück, wobei die Spezies Wohnungseinbrüche (175) und Taschendiebstähle (110) Spitzenwerte erreichten. Auch wenn die Kriminalität in Dorsten  zurückgegangen ist, so ist die statistisch berechnete „Kriminalitätshäufigkeitszahl“ (8.399 Taten auf 100.000 Einwohner) die vierthöchste der letzten zehn Jahre in Dorsten und die zweithöchste im Kreis Recklinghausen. Den besten Wert erreichte Waltrop mit 6.566 Straftaten.

(Symbolbild)

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Gewalt hat in der Statistik abgenommen

Deutlich nachgelassen hat die Straßenkriminalität mit 2.195 Delikten. Gestohlen wurden 585 Fahrräder (2009 noch 1.100), Diebstähle aus Autos sind von 557 auf 369 gesunken. Die Sachbeschädigungen auf Straßen und Plätzen stieg von 138 auf 250 an, an Autos von 316 auf 435, Graffiti-Schmierereinen nahmen von 27 auf 71 zu. Die Zahl der schweren Fälle von Straßenkriminalität gingen zurück: Im letzten Jahr gab es einen sexuell motivierten Überfall, 41 (Vorjahr 39) Raubtaten und 75 (102) gefährliche oder schwere Körperverletzungen auf Straßen und Plätzen. Die Anwendung von Gewalt hat ebenfalls abgenommen. 205 Taten sind der niedrigste Wert seit zehn Jahren, darunter waren 131 gefährliche oder schwere Körperverletzungen und 67 Raubtaten. Laut Statistik gab es eine Straftat gegen das Leben, sechs Vergewaltigungen und 55 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung.

Insgesamt wurden 2.194 Tatverdächtige ermittelt – 630 davon waren unter 21 Jahre alt, 101 sogar jünger als 14 Jahre. Über 60 Jahre waren 142. Herausragend im Jahr 2010 war der Erfolg der Ermittlungskommission „Bike“, die organisierte Fahrraddiebe aufklärte. Ab September 2009 stieg der Drahteselklau in Dorsten steil an. Gestohlen wurden gezielt neue Räder ab einem Wert von 500 Euro. Im Visier der Ermittler standen zunächst sechs Verdächtige im Alter von 18 bis 27 Jahren, alle wohnhaft in Dorsten. Bis zum Abschluss der Polizeiarbeit im Mai wurden etliche weitere Täter ermittelt. Ihnen konnten 357 Raddiebstähle und eine Reihe weiterer Straftaten wie Einbrüche nachgewiesen werden. Die Räder wurden zunächst in Dorsten untergebracht und dann am Autokino Essen an polnische Aufkäufer verhökert. Die Aufklärungsquote für Fahrraddiebstähle stieg durch diesen Erfolg von 3,3 auf über 92 Prozent.

Fahrraddiebstähle und Wohnungseinbrüche haben zugenommen

Im Jahr 2011 gingen die Straftaten laut Kriminalitätsstatistik in Dorsten von 6.500 im Vorjahr auf 6.300 zurück, während die Aufklärungsquote gesunken ist. Die Diebstähle allerdings stiegen von 2.900 auf 3.220. Die Straßenkriminalität hatte abgenommen: Sachbeschädigungen an Autos um 37 Prozent und Körperverletzung um 28 Prozent. Dagegen haben Fahrraddiebstähle von 635 im Vorjahr auf 610 zugenommen. Zugenommen haben kreisweit und auch in Dorsten Wohnungseinbrüche von 175 auf 213. Die Aufklärungsquote lag bei 12 Prozent, anders als bei den zunehmenden Taschendiebstählen, wo in 92 Prozent der Fälle die Täter ermittelt werden konnten. Auch Ladendiebstähle nahmen zu. 2011 gab es ein aufgeklärtes Tötungsdelikt, acht angezeigte Vergewaltigungen (Vorjahr sechs); insgesamt gingen Sexualdelikte von 55 auf 46 zurück. In der Statistik sind noch 36 Stalkingfälle, 22 Umweltvergehen und 138 Rauschgiftdelikte (25 Prozent mehr als im Vorjahr) verzeichnet. Der Rückgang der Kriminalität hat Dorsten 2011 bei der Kriminalitäts-Häufigkeitszahl (errechnete Fälle pro 100.000 Einwohner) ihren negativen zweiten Platz hinter Recklinghausen abgeben und befand sich mit einem Wert von 8206 im Mittelfeld der Kriminalität des Kreises Recklinghausen (siehe Fahrraddiebe).

Jugendkriminalität deutlich gesunken

In Dorsten ist die Jugendkriminalität deutlich gesunken. Seit zehn Jahren liegt die Anzahl der straffällig gewordenen Jugendlichen unter 400. Auch die Fallzahlen haben sich von 614 Straftaten im Jahr 2009 auf 514 reduziert. Das geht aus dem Bericht der Jugendgerichtshilfe für 2010 hervor. Mit 31,7 Prozent kamen Gewaltdelikte am häufigsten vor, gefolgt von Diebstählen (28,1 Prozent) und Drogen-Verstößen (5,5 Prozent). Bei der Herkunft der jugendlichen Täter liegen die Stadtteile Hervest mit 10,8 Prozent, (gesamtstädtischer Durchschnitt: 6,1 Prozent) und die Altstadt mit 8,3 Prozent vorne, Schlusslichter sind Deuten mit 2,7 Prozent und Altendorf-Ulfkotte mit 2,6 Prozent. Bei diesen Zahlen liegt ein gesamtstädtischer Durchschnittswert von 6,1 Prozent zugrunde. In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass Hervest mit 132 Straftätern vor Wulfen mit 101 führt. Am Ende rangieren Östrich mit elf und Deuten mit sechs jugendlichen Straftätern. Der Anteil deutscher Straftäter war dabei nur halb so hoch wie derjenigen mit Migrations-Hintergrund.

Den Rückgang der Jugendstraftaten führt die Polizei vor allem auf die „Sicherheitspartnerschaft“ am Omnibusbahnhof zurück. In diesem Bereich sind deutlich weniger Gewaltdelikte vorgekommen. Auch das Problem der Intensivtäter sei auf Grund der Zusammenarbeit von Staatsanwaltschaft, Schulen und Jugendämtern im Arbeitskreis Kriminalprävention nicht mehr so herausragend. Die CDU bewertete diesen für Dorsten positiven Trend der Jugendkriminalität in ihrer Funktionsträgerkonferenz: „Die Erziehungs- und Strafmaßnahmen und die Bemühungen von Jugendgerichtshilfe, Jugendamt, Ordnungsamt und Amtsgericht Dorsten scheinen zu funktionieren.“

Aufklärungsquote gesunken

2013 scheint es weniger Kriminalität in Dorsten gegeben zu haben. Allerdings sank auch die Aufklärungsquote. 2011 betrug sie für Dorsten noch 12,21 Prozent, 2012 lag sie dann nur noch bei 8,88 Prozent. Bevorzugte Beute der Täter waren Geld und Schmuck. Wie der Sprecher der Polizei mitteilte, sei Hoch-Zeit für Einbrecher nach wie vor die Urlaubszeit. Und auch die dunkle Jahreszeit im Spätherbst und Winter biete Einbrechern einen natürlichen Schutz vor dem Entdecktwerden. 2013 gab es in Dorsten 5385 Straftaten (Aufklärungsquote 41,41 Prozent), 2014 gab es insgesamt 5596 Straftaten, von denen 51,97 Prozent aufgeklärt wurden.
Die Bilanz der Polizei sagt aus, dass in Dorsten die Gesamtkriminalität 2015 deutlich zurückgegangen ist. Allerdings sind die Wohnungseinbrüche deutlich gestiegen. Die Statistik  weist für 2015 die niedrigste Zahl an Gesamtstrafen seit zehn Jahren auf. Ausgewiesen sind insgesamt 5.127 Delikte, darunter 2416 Diebstähle, 865 Vermögens- und Fälschungsdelikte, 130 Gewalttaten, 10 Umweltstraftaten, 1536 Straßendelikte und 41 Straftaten gegen sexuelle Selbstbestimmung. Die Aufklärungsquote lag insgesamt bei 47,61 Prozent, Das sind 4,36 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Kriminalitätsstatistik 2016: Erheblich mehr Zuwanderer-Kriminalität

Die Kriminalstatistik des Bundesinnenministeriums weist für 2016 einen erneuten Anstieg der Zuwanderer-Kriminalität aus. Die Zahl der tastverdächtigen Zuwanderer ist 2016 um 52,7 Prozent auf 174.438 gestiegen. Das heißt, dass 8,6 Prozent aller Tatverdächtigen Zuwanderer, die bei bestimmten Delikten besonders auffielen: Taschendiebstahl (35,1 Prozent) Wohnungseinbrüche (11,3 Prozent), gefährliche und schwere Körperverletzung sowie Vergewaltigung  und sexuelle Nötigung jeweils 14,9 Prozent. Zur Gruppe der Zuwanderer zählen Asylbewerber, Geduldete, Kontingent- oder Bürgerkriegsflüchtlinge. Ihr Anteil an den gesamten Tatverdächtigen in der Bundesrepublik von 8,6 Prozent ist damit höher als der Anteil, den Zuwanderer plus Asylbewerber an der Gesamtbevölkerung haben.

Im Kreis Recklinghausen 2016 weniger Straftaten

Dem im März 2017 veröffentlichten Kriminalitätsbericht des Jahres 2016 der Polizei zufolge gab es im Kreis Recklinghausen Jahr deutlich weniger Straftaten. Der Polizei wurden knapp 54.000 Fälle gemeldet: Das war der niedrigste Stand seit 15 Jahren. Es konnten auch mehr Straftaten aufgeklärt werden, statistisch gesehen mehr als jede zweite Tat. Die Aufklärungsquote war  damit so hoch wie seit 1983 nicht mehr. Einen großen Anteil daran hatten die vielen Zeugenhinweise aus der Bevölkerung, die zum Beispiel gerade bei Wohnungseinbrüchen geholfen haben. Der Polizeibericht wies aber auch negative Trends auf. Die Zahl der Vergewaltigungen und sexuellen Missbräuche ist gestiegen und auch Polizisten sind im vergangen Jahr häufiger Opfer von Angriffen geworden. Nach wie vor gab es viele Wohnungseinbrüche. 2016 wurden der Polizei 2.700 Fälle gemeldet – etwa genau so viele wie 2015. Die Polizei wird den Kampf gegen Einbrecher deshalb weiter verstärken, so die Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen. Laut Kriminalitätsstatistik gab es 2016 auch mehr Taschendiebstähle, Dafür wurden weniger Fahrräder gestohlen.

Unfallfluchten in Dorsten erheblich angestiegen

In Dorsten stieg die Zahl der Verkehrsunfallfluchten mit Sachschäden um 21 Prozent. Im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums sogar um 26 Prozent. Aus Dorsten wurden der Polizei 397 Unfallfluchten gemeldet. Im Jahr zuvor waren es noch 328. Allein in zwei Wochen im März 2017 wurden aus Dorsten 14 Unfallfluchten mit einem geschätzten Gesamtschaden von 14.000 Euro gemeldet, heißt es im Verkehrsunfallbericht 2016. Die Menschen hätten heutzutage weniger Respekt vor anderen Menschen oder Sachgütern. Das drücke sich nicht nur in der Aggressivität gegenüber Polizisten oder Rettungskräften aus, sondern auch darin, dass sich viele Leute nach einem von ihnen verschuldeten Unfall mit Blechschaden aus dem Staub machten, so Polizeioberkommissar Wieland Schröder gegenüber der „Dorstener Zeitung“.

Einbrüche mit Schaden in Millionenhöhe

Die ansteigenden Zahlen von Wohnungs-, Firmen- und Kneipeneinbrüchen waren der Grund einer so genannten kleinen Anfrage der FDP im NRW-Landtag. Allein im Bereich des Regierungspräsidiums Recklinghausen, zu dem Dorsten gehört, haben diese Einbrüche einen Schaden von 11,5 Millionen Euro verursacht. Zu den 2.505 Wohnungseinbrüchen kamen noch 2.446 „sonstige Einbrüche“ hinzu. Die Aufklärungsquote lag im Vergleich niedrig bei 12,12 Prozent (2010) bzw. 12.18 (2013). Dabei stiegen in NRW die Wohnungseinbrüche von 44.769 in 2010 auf 54.953 in 2013.

Kleinkriminelle werden jetzt in beschleunigten Verfahren verurteilt

Im Kreis Recklinghausen werden immer mehr Kleinkriminelle kurz nach ihrer Straftat verurteilt. Möglich ist das durch so genannte beschleunigte Verfahren. An den Amtsgerichten  hat es zum Ende 2016 zwölf schnelle Urteile gegeben.  Die schnellen Urteile sollen Täter abschrecken und ihnen klar machen, dass sie nach einer Straftat keine Schonfrist bekommen,  sondern im Extremfall direkt im Gefängnis landen. In Recklinghausen zum Beispiel klaute ein Mann aus einem Supermarkt Kuchen, Likör und Wodka. Zwei Tage später schickten ihn die Richter für vier Monate ohne Bewährung hinter Gitter. Die Härte der Strafe richtet sich unter anderem nach eventuellen Vorstrafen des Täters. In Marl wurde ein Mann mit 600 Euro bestraft. Einen Tag vorher hatte er Kosmetikartikel gestohlen.


Quellen:
Nach Ludger Böhne (teilweise wörtlich übernommen) „Fast tausend Straftaten weniger“ in WAZ vom 14. März 2011. – Michael Klein „Jugendkriminalität sinkt in Dorsten“ in DZ vom 27. September 2011. – dpa vom 24. April 2017.

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