Kriminalfälle – Kinder und Jugendliche

Gewaltorientierung in der Gesellschaft, auch fehlendes Unrechtsbewusstsein

Dass Kinder kriminell werden, ist äußerst selten. Meist sind Kinder selbst Opfer häuslicher Gewalt. Dann hat das Jugendamt die Möglichkeit, sie in seine Obhut zu nehmen. Auch das kommt nur selten vor. Kinderkriminalität ist ein aktuelles wie auch schwer zu behandelndes Problem für Eltern, Schulen, Jugendämtern und Kinderpsychologen. Im September 2012 haben drei minderjährige Kinder, die ursprünglich aus Rumänien stammten und in Dortmund gemeldet waren, in Dorsten versucht, eine 82-jährige Seniorin zu berauben, die gerade Geld am Bankautomaten abgehoben hatte. Die Möglichkeiten von Einrichtungen wie dem Sozialen Dienst der Stadt, auf kriminelle Kinder und Jugendliche zu einzuwirken, sind begrenzt.
Die Polizei konnte die minderjährigen Räuber aus Dortmund (11, 13 und 17 Jahre) festnehmen und dem Jugendamt in Obhut übergeben. Die Kinder bzw. die Jugendliche hatten sich bewusst mit dem Zug von Dortmund nach Dorsten auf den Weg gemacht, um Menschen zu berauben oder zu bestehlen. Ein Mitarbeiter des Jugendamts Dorsten zur damals noch in Dorsten erscheinenden WAZ: „Das ist leider eine übliche Masche und im Ruhrgebiet inzwischen weit verbreitet. Die Polizei warnt auch davor. Die Jugendhilfe weiß darauf nur begrenzt Antworten.“
Die Polizei hat versucht, die Kinder zu befragen. Aber alle Kinder konnten kein Deutsch sprechen. Ein Dolmetscher musste angefordert werden. Die beiden Jüngeren, nach dem Gesetz strafunmündig, wurden in die Obhut des Jugendamtes übergeben, da die Erziehungsberechtigten nicht bereit waren, die Kinder abzuholen. Sie wurden in eine offene Wohngruppe nach Marl gebracht. Bereits nach zwei Stunden waren sie dort wieder verschwunden. Das ältere Mädchen blieb in Haft, wurde aber beim Haftprüfungstermin am andern Tag wieder freigelassen. Die Beweislage war zu dünn und es gab eine Meldeadresse in Dortmund. Auch die 17-Jährige hat die Hilfe des Jugendamts nicht in Anspruch genommen. Nach zehn Minuten ergriff auch sie die Flucht aus einer Wohngruppe in Gelsenkirchen, wo sie nach dem Haftprüfungstermin untergebracht wurde. In einem anderen Fall hat 1988 in Wulfen ein Siebenjähriger einen Vierjährigen gesteinigt.

Gründe für Kinder- und Jugendkriminalität

Niemand wird kriminell geboren. Kinder- und Jugendkriminalität ist auch Ausdruck des Zustandes einer Gesellschaft. Die kriminologische Forschung ist vielen Hypothesen nachgegangen. Trotz zahlreicher und vielfältiger Untersuchungen bleibt die Frage nach „den“ Ursachen der Jugendkriminalität und ihrer spezifischen Entwicklung offen. Man geht heute davon aus, dass Jugendkriminalität nicht eine oder wenige isolierbare Ursachen hat, sondern dass hier viele Faktoren und Bedingungen eine Rolle spielen. Zu den Faktoren, die häufig genannt werden, zählen u. a.: Zerrüttete Familienverhältnisse, Werteverfall der Gesellschaft, Falsche Vorbilder oder Medieneinflüsse, Konsumverhalten aufgrund reißerischer Werbung, breitere Gelegenheiten für kriminelle Aktivitäten (z. B. Computerkriminalität) allgemeine Gewaltorientierung in der Gesellschaft oder fehlendes Unrechtsbewusstsein.

Jugendkriminalität und Schule / Importierte Gewalt

In der Schule lässt ein Großteil der jugendlichen Gewalttäter seinen Aggressionen freien Lauf oder übt in Form eines Gruppenzwanges Gewalt an anderen aus. Doch neben den Prügeleien sind Belästigungen jeglicher Art, hauptsächlich gegenüber Mädchen, und sogar Erpressung schon beinahe an der Tagesordnung auf den Schulhöfen. Leider werden diese Vorkommnisse von den betroffenen Schulleitern häufig heruntergespielt, um die Schule nicht in ein schlechtes Licht zu rücken. Die Jugendkriminalität in Deutschland war eigentlich auf dem Rückzug. Doch plötzlich stiegen die Zahlen wieder. Liegt es an den Flüchtlingen? Eine vom Bund bezahlte kriminologische Studie bestätigt den Verdacht.

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11-Jähriger von Jugendlichen in Barkenberg überfallen. Ein 11 Jahre alter Junge wurde an einem Nachmittag im Januar 2020 an einem Jugendtreff an der Straße Alter Garten in Barkenberg von zwei Jugendlichen überfallen. Einer der Täter sprühte dem 11-Jährigen Deo ins Gesicht und raubte ihm sein Taschenmesser. Mit dem Messer bedrohte der Jugendliche dann den 11-Jährigen und forderte ihn auf, niemandem von dem Vorfall zu erzählen. Der 11-Jährige wurde durch den Angriff nicht verletzt. Er lief dann weg.

Jugendlicher Opfer eines Überfalls. Ein 15-jähriger Dorstener war Ende Januar 2020 auf der Straße Am Holzmarkt in Richtung Bahnhof unterwegs, als er von zwei unbekannten jungen Männern angesprochen wurde. Die beiden forderten von dem 15-Jährigen Bargeld und schlugen dann auf ihn ein. Dabei stahlen sie ihm Geld und flüchteten. Beide Täter waren 15 bis 17 Jahre alt.

13-Jährige versuchten Gleichaltrigen zu berauben. Opfer eines Überfalls wurde im Januar 2017 ein 13-jähriger Holsterhausener. Das Kind stieg gegen Mittag an der Haltestelle Pliesterbecker Straße/Fasanenkamp aus dem Bus und wollte nach Hause gehen. Etwa in Höhe der Sporthalle an der Juliusstraße wurde er von zwei anderen Jugendlichen angegriffen. Laut Auskunft der Polizei sprang einer der Jugendlichen den 13-Jährigen von hinten an und versuchte, ihn am Rucksack auf den Boden zu ziehen. Der andere Jugendliche boxte den Holsterhausener ins Gesicht und verletzte ihn. Dem 13-Jährigen gelang die Flucht. Nach der Beschreibung des Überfallenen Kindes waren die beiden Täter ebenfalls erst 12 bis 13 Jahre alt.

Siehe auch: Steinigung eines Vierjährigen in Wulfen
Siehe auch: Messerstecher auf dem Schulhof
Siehe auch: Jugendkriminalität – „Kurve Kriegen“


Quellen: Ludger Böhne in WAZ-Dorsten vom 12. Sept. 2012. – DZ vom 27. Aug. 2019.

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