Kompa, Wilhelm

Kaplan von St. Agatha verging sich 1941 an Minderjährigen

1912 in Recklinghausen bis 1945; Kaplan. – Die Priesterweihe bekam er 1937. Der Seminarpriester kam am 15. Juli 1939 für den scheidenden Kaplan Bernhard van Heyden, der Pfarrrektor in Holsterhausen wurde, nach Dorsten. Fünf Jahre nach dem spektakulären Missbrauchsfall des Geistlichen Josef Veldtrup, Kaplan  an St. Agatha in Dorsten, verging sich im Jahre 1941 Kaplan Hermann Kompa in Dorsten an Minderjährigen. Er konnte keine durch Kriegsgefangenschaft zerrütteten Nerven für mildernde Umstände anführen, wie es noch Veltrup erfolgreich tat. So traf ihn die ganze Härte der damaligen Rechtsprechung. In der Berufungsverhandlung wurde Kompa zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Informationen darüber sind spärlich. Im Landesarchiv Düsseldorf gibt es über den Prozess keine Gerichtsakten. Lediglich eine Eintragung Pfarrer Westhoffs in der Agatha-Chronik unter dem 24. August 1941 schildert den Fall.

„Fall des Kpl. Kompa. Es wurde ein Schreiben von der Kanzel verlesen: Die weltliche Strafbehörde befasst sich mit einem der Kapläne. Wir warten ihr Urteil in Ruhe ab. Falls das wahr ist, was da gesprochen wird, verurteilen wir das Vorgekommene auf das Schärfste. Die Verfehlungen Einzelner können nicht der Kirche zur Last gelegt werden. Der Bischof selbst, der den im Krankenhause liegenden Pastor besuchte, hatte diese Verkündigung veranlasst. Der Erfolg war, dass über die traurige Angelegenheit  in der Bürgerschaft kein Wort mehr verloren wurde. K. bekam 22 Monate Gefängnis. Als er Berufung einlegte, wurde das erste Urteil kassiert und in 8 Jahre Zuchthaus, H[aft] beginnend mit Friedensschluss, umgewandelt. Für Kpl. Kompa kam als Vertreter der eifrige Südseemissionar P. Hövekamp von den Hiltruper Herz-Jesu-Patres.“

Kaplan Kompa brauchte die Zuchthaushaft nicht antreten. Er verstarb 1945.

Missbrauch von Messdienern heute

Der Missbrauchsbeauftragte der Diözese Münster, Hans Döink, präzisierte Opfer- und Täterzahlen. Danach sind von den 56 bis zum Jahr 2001 Beschuldigten 27 verstorben. 29 Fälle seien von der Kommission untersucht, 17 davon an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden. In 12 Fällen sei dies auf Wunsch der Opfer unterblieben. Von den 106 Opfern zwischen 1948 und 2001 waren laut Döink 84 männlich und 22 weiblich; 84 Prozent waren zwischen 14 und 17 Jahre alt. „Die Taten fanden im Umfeld von Messdienerarbeit, bei Ferienfreizeiten oder im Pfarrhaus statt“, erläuterte der Kommissionsleiter. Dabei habe es sich zu 90 Prozent um Betrachten oder Berühren und zu 65 Prozent um Onanie gehandelt.

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