Kohlebrocken „Schwarzes Gold“

Das Kunstwerk erinnerte nur kurz an die Kohlenregion - dann Entsorgung

Illuminiertes Kunstwerk im Jahr 2010 erregte bundesweit Interesse; Foto: DZ-Archiv

Im Kulturhauptstadtjahr „Ruhr 2010“ wurde im April auf Einladung des Kunstvereins   „Virtuell-Visuell“ ein etwa 360 Kilogramm schwerer und etwa drei Meter hoher künstlicher „Kohlebrocken“ aus Stahl und Fieberglas am Platz der deutschen Einheit aufgehängt. Unter dem Titel „Schwarzes Gold“ erinnerte das Kunstwerk weit sichtbar an die Kohlenregion und den einstigen „Gahlener Kohlenweg“. Künstler des schwebenden und illuminierten Kohlebrockens war das Ehepaar Kirsten und Peter Kaiser. Mitwirkende des Happenings waren u. a. die Ten Sing-Gruppe, die Trommler der Dorstener Musikschule sowie etliche Kunstvereine aus dem Ruhrgebiet im Verbund „GrenzGebietRuhr“, dem zwölf Kunstvereine und zwei Künstlerhäuser angehören. Das Dorstener Kunstwerk erregte über das Fernsehen bundesweit Aufsehen. Selbst die „Sendung mit der Maus“ berichtete über den Kubus mit dem goldenen Förderturm auf der Spitze.

Als Kunstwerk entsorgt, vergessen und vom Moos überwuchert

Lange hat er seinen Standort und auch die Anerkennung der Stadt Dorsten nicht überlebt. Bereits im April 2011 wurde das Kunstwerk wieder abgenommen und entsorgt. Michael Klein titelte zehn Jahre später die Geschichte des Kohlebrockens in der Dorstener Zeitung zutreffend mit „Vom Aufstieg, Fall und der ungewissen Zukunft des Riesen-Kohlebrockens“. Gegenwärtig – und das schon zehn Jahre lang – liegt das Kunstwerk irgendwo im Außenbereich der Hauptfeuerwache in Dorsten (Stand: Januar 2021). Es ist mittlerweile mit Moos bewachsen und verdreckt (Foto Bludau). So ähnlich sehen auch andere Kunstwerke in der Stadt aus, die im Besitz der Stadt Dorsten sind, wie beispielsweise die beiden Betonskulpturen, die Antonio Filippin 1996 der Stadt geschenkt hatte, als er auf die Seychellen auswanderte. Sie bedürfen einer regelmäßigen Säuberung. Auch wurden in den letzten zwanzig Jahren – fast systematisch anmutend – mehrer künstlerisch gestaltete Brunnen entfernt. Wer in den letzten zwanzig Jahre diese Szene verfolgte, stellt fest, dass Dorsten sich immer wieder teure Kunstwerke schenken und dann aufstellen lässt, dann aber die Folgekosten nicht aufbringt.

Das Kunstwerk wieder öffentlich zu zeigen, scheiterte bislang

Das bleibt natürlich nicht unbemerkt. Im Fall des Kunstwerks „Schwarzes Gold“, das in Vergessenheit geraten war, hatte Angela Krumat als damalige Vorsitzende des Kunstvereins „Virtuell-Visuell“ die Stadt angeregt, einen neuen Standort zu suchen. Daraufhin stellte die CDU im Jahr 2015 einen Antrag an den Kulturausschuss und versuchte damit, „den Brocken ins Rollen zu bringen“, so die DZ.  Der Kohlebrocken (Foto vor der städtischen Entsorgung als Müll) sollte im damals neuen Kreisverkehr auf dem alten Zechengelände neben der Maschinenhalle aufgehängt werden. Der Bergbauverein als Nutzer der Halle zeigte sich aber skeptisch, auch die Stadt winkte aus Kostengründen und Sicherheitsbedenken ab. Es  hatte dann in der kulturell interessierten Bürgerschaft weitere Überlegungen gegeben, wie und wo der Kohlebrocken der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden könnte: im Bürgerpark Maria Lindenhof oder in einem Ruhr-Museum. Ein konkreter Vorschlag kam auf Vermittlung der Künstlerin Kirsten Kaiser aus Hamm, wo der Kohlebrocken als „Schwarzes Gold“ an einem großen Platz aufgehängt werden sollte. Die finanzielle Kaufsumme war bereits ausgehandelt, als sich die Sache aus bürokratischen Gründen zerschlagen hatte. Auch Parteipolitiker regten sich. Ein weiterer Versuch eines Dorstener CDU-Mitglieds, anlässlich der Schließung der letzten deutschen Zechen im Jahr 2018, den Kohlebrocken zu reaktivieren, verlief in Dorsten im Sande. SPD-Fraktionschef Friedhelm Fragemann hatte unterdessen angekündigt, das Thema Kunstwerk „Schwarzes Gold“ auf die Tagesordnung des städtischen Kunstbeirats zu bringen. Auf Anfrage der DZ erklärt die Stadt: „Für konkrete Anfragen ist die Stadtverwaltung selbstverständlich offen, Dorsten ist schließlich eine Stadt mit großer Bergbautradition.“ – Davon war in Sachen dieses Kunstwerks bislang nichts zu bemerken. Vielleicht auch, weil es – wie es scheint – in der Verwaltung weitgehend am Kunstverständnis fehlt.

Christel Briefs ergriff 2021 die Initiative für eine Wiederaufstellung

Dass das Kunstwerk einfach so verschwunden ist und vergessen wurde, ließ Christel Briefs, zweite Bürgermeisterin und Vorsitzende des Kulturausschusses, keine Ruhe. „Denn das Kunstwerk ist ein Symbol für über 100 Jahre Bergbau in Dorsten.“ Und so begann sie sich dafür einzusetzen, dass das Kohle-Kunstwerk „Schwarzes Gold“ wieder als solches Gezeigt wird. Brigitte Briefs stieß auf offene Ohren, sowohl in Dorstener Kunstvereinen wie auch bei ihren CDU-Parteikollegen, die bereits – wie oben erwähnt – 2015 das Kohlekunstwerk in einem Hervester Kreisverkehr aufstellen zu lassen. Auch die Tina von der Schulenburg-Stiftung, die ihr Domizil mittlerweile auf dem ehemaligen Zechengelände in Hervest gefunden hat, wäre nicht abgeneigt, das Kunstwerk künftig „als Erinnerungsstück an den Bergbau“ zu beherbergen. Jedenfalls würde „Schwarzes Gold“ besser auf das Zechengelände passen als Tisa von der Schulenburgs Reste ihren abgebauten Marktbrunnens. Christel Briefs hart Überlegungen und Gespräche initiiert. Bleibt abzuwarten, mit welchem Ergebnis.

Siehe auch: Ruhr 2010
Siehe auch: Kunst im öffentlichen Raum


Quelle: Nach Michael Klein „Vom Aufstieg, Fall und der ungewissen Zukunft des Riesen-Kohlebrockens“ in DZ vom 30. Dez. 2020. – Gespräch W.Stegemann mit Christel Briefs (Febr. 2021). – M. Klein in DZ vom 16. Febr. 2021.

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