Duve, Gregor

Geschichtenschreiber und „Holsterhausens lebendes Lexikon“

Gregor Duve und seine Frau Anne im Jahr 2018; Foto: Wolf Stegemann

1937 in (Dorsten-)Holsterhausen bis 2019 in Dorsten; waschechter Holsterhausener. – Der Name Duve hat im Dorstener Stadtteil Holsterhausen einen guten Klang. Die Duves gehören zu den Alteingesessenen, waren Handwerker, Gast- und Landwirte und irgendwie immer mit der Kirche verbunden. Einer von ihnen lief Anfang des 20. Jahrhunderts zu Fuß nach Jerusalem und bekam auf dem Rückweg vom Papst in Rom eine Audienz. Über die Duves gäbe es viel zu erzählen, wie auch über Gregor Duve, dessen Leben von Kindheit an in Holsterhausen kirchlich und heimatkundlich geprägt war.
Seine Eltern waren bereits 17 Jahre lang verheiratet und noch immer stellte sich kein Kind ein. Doch dann, 1937, kam Gregor zur Welt. Aus Dankbarkeit Gott gegenüber und aus Freude baute der Vater Leo, von Beruf Maurer, die Bonifatius-Wegekapelle im Emmelkamp. So wuchs der kleine Gregor in sein katholisches Leben hinein, las am 10. November 1945 als Achtjähriger das erste Mal die Messe in Latein und brauchte dafür Nachhilfe von der Pfarrhelferin. Von 1955 bis 1972 war er Messdiener an St. Antonius, besuchte die Antoniusschule und später die Wilhelmsschule in Holsterhausen. Bis zur Rente arbeitete Gregor Duve als Hausmeister bei der Nato in Erle und seine Freizeit widmete er viele Jahrzehnte dem Taubensport. Als er in seinem Garten an der Martin-Luther-Straße ein Schwimmbasin ausheben ließ, stießen die Arbeiter auf einen Teil des Grenzwall eines römischen Lagers, was die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe inspizierten und dokumentierten.

Verblüffend ist Gregor Duves genealogisches Gedächtnis

Die „Dorstener Zeitung“ titelte anlässlich seines 79. Geburtstags den Artikel mit „Holsterhausens lebendes Lexikon“. Denn besonders verblüffend war Gregor Duves genealogisches Gedächtnis. Er kannte Verwandtschafts- und Wohnverhältnisse von vielen Alteingesessenen in Holsterhausen, wobei er auch immer den Unterschied zwischen dem Dorf, der Kolonie und dem Emmelkamp zu machen verstand, zwischen Katholiken und Evangelischen, zwischen Alteingesessenen und Zugezogenen. In einer Zigarrenkiste bewahrte Duve dicke Packen mit Sterbebildchen von Holsterhausenern auf. Da fanden sich viele Familien des Dorfs Holsterhausen wieder. Denn etliche „Dörfler“ sind mit Duves verwandt.
Eine Anekdote erzählt er immer gern: Die Fronleichnamsprozession 1950 führte auf einem schmalen Weg entlang an Weiden, auf denen Kühe standen und die  Prozession neugierig beäugten. Die Messdiener-Jungs waren mit ihren roten Messdienergewändern dabei. Gemessenen Schrittes sangen die Gläubigen das Kirchenlied „Kommt her ihr Kreaturen all“. Und die kamen dann auch, was die Singenden aufschreckte und durcheinander brachte. Denn die Bullen auf der Weide, gereizt vom Rot der Messgewänder, stürmten heran und wurden gerade noch vom Weidezaun aufgehalten.
1966 heiratete Gregor Duve Anne. Die Hochzeitsreise ging nach Fatima in Portugal. Nach seinem Ausscheiden aus dem Berufsleben war er Mitbegründer des „Ökumenischen Geschichtskreises Holsterhausen“, dem er über 20 Jahre angehörte. In den vom Geschichtskreis herausgegebenen „Holsterhausener Geschichten“ wurden seine Geschichten und humorigen Anekdoten immer wieder gern gelesen. Die Hefte stellte der Geschichtskreis mit der 8. Ausgabe 2013 ein. Gregor Duve starb mit 82 Jahren Ende September 2019 in einer Dorstener Seniorenresidenz in Hervest.

Siehe auch: Anton Duve
Siehe auch: Duve, Gaststätte
Siehe auch: Bombardierung Soldatenzug


Quellen: DZ vom 18. April 2007. – „Kirche und Leben“ vom 3. Febr. 2019.

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