aRTPARK Hoher Berg

Wie aus einem Kälberstall ein magischer Kunstpavillon mit Park wurde

Hella Sinnhuber und Bernd Caspar Dietrich; Foto: DZ entnommen

Nach wenigen Jahren ist am Hohen Berg 15 in Schermbeck ein Kunstprojekt entstanden, das in gleichem Maße Kunstliebhaber wie auch Naturfreunde begeistert. Skulptur trifft auf Natur. Die einstige WDR-Journalistin Hella Sinnhuber und der Künstler Bernd Caspar Dietrich sind inzwischen verheiratet und hatten lange Zeit in Dorsten gelebt und gewirkt. Jetzt leben sie am Hohen Berg in Gahlen. Der Gründung des dortigen aRTPARKs 2014 (Eintrag ins Handelsregister) lagen der Wunsch und die Idee zugrunde, nicht nur Kunstliebhaber zu begeistern, sondern auch Menschen zu erreichen, die sich nicht unbedingt zu moderner Kunst und Museen hingezogen fühlen. Dieses Ziel ist absolut gelungen und gleichzeitig ist dieser besondere Garten ein wunderbarer Ort zum „Entschleunigen“. Zurzeit sind Werke von A. R. Penck, Gottfried Bräunling, Goncalo Mabunda, Ruta Jusionyte, Stefan Marienfeld, Bernd Caspar Dietrich und Reiner Seliger zu sehen. Dank seiner charakteristischen Topographie ist das Gelände hervorragend geeignet, um bei der Betrachtung von Kunst neue Sichtweise in lebendiger Natur zu eröffnen. „Man hat hier mehr Möglichkeiten und Freiheiten beim Aufstellen großer Skulpturen“, beschreibt der Düsseldorfer Galerist Matthias Kellermann. Zur Realisierung ihrer Vorstellungen holten sie sich dann auch noch Partner, wie Heiner Nachbarschulte und Norbert Hürland, beide ebenfalls Dorstener.  Auf der weitläufigen Grünfläche des aRTPARKs sind wechselnde hochkarätige Skulpturensammlungen ausgestellt, die Werke namhafter Künstler der Moderne und Gegenwart umfassen – natürlich allesamt auch zu erwerben. Der zu einem Ausstellungs- und Arbeitsraum umgewandelte Schafstall präsentiert sich als heller Raum mit ausgeklügelter Lichttechnik, mit abgewetztem Steinboden, sowie offengelegtes Gebälk mit einer weißen Decke. Der Raum hat eine Leichtigkeit, der viele Möglichkeiten und Entfaltung für die Ausstellungsstücke lässt.

Bernd Caspar Dietrich: „Künstler inszenieren Kunst für sich selbst“

„Wir inszenieren Kunst nicht für ein Bildungsbürgertum“, so Bernd Caspar Dietrich in der „Dorstener Zeitung“. „Künstler inszenieren Kunst für sich selbst.“ Kultur habe den Vorteil, „Dinge wertneutral reflektieren zu können. Wir wissen, wann in Timbuktu ein Reissack umfällt, aber nicht, was wir damit anfangen sollen.“ Gleichzeitig gehe der persönliche Austausch verloren, was man etwa am Kneipensterben sehen könne. „Wir verlieren das Lebendige.“ Dies biete politisch denjenigen ein Feld, die möglichst einfache Lösungen anböten. Dem will Bernd Caspar Dietrich eine künstlerische Position gegenüberstellen: „Nur wenn du eine Position einnimmst, kannst du auf jemanden zugehen.“

Hoher Berg und „Kälberstall“ künstlerisches Experimentiergeld

2018 trafen sich dort zur „Kunst im Kälberstall“ Gästen, um ein Experimentierfeld der Kunstrichtung ZERO zu erleben. Von Mittag bis Mitternacht zeigten Künstler zwölf Stunden lang Arbeiten aus den 50er- und 60er-Jahren zum Beispiel von Otto Piene, Heinz Mack oder Günther Uecker die zu aktuellen Werken moderner Werke  in Kontrast gesetzt wurden. Die Gäste kamen auch von weither nach Gahlen, aus Nord- und Süddeutschland gleichermaßen. Natürlich zeigte Mitgastgeber Bernd Caspar Dietrich auch seine farbigen und beweglichen Scheibenexponate. So lädt der aRTPARK jedes Jahr zu vermischten musikalischen und literarischen Kunst- und Naturveranstaltungen zum Hohen Berg in Gahlen ein. Mitte 2020 zeigte die Künstlerin Ruta Jusionyte skulpturalen Wesen. Zur Ausstellungseröffnung reiste die in Litauen geborene und bei Paris lebende Künstlerin nach Gahlen. Ihre skulpturalen Wesen vereinen tierisches Aussehen mit menschenähnlichen Manieren oder umgekehrt. „Ich möchte das animalische Innere des Menschen darstellen und die Ängste davor nehmen“, so die Künstlerin. Unter anderem zeigt sie eine Wolfsskulptur, bis dahin nicht wissend, dass der Ausstellungsort Schermbeck Revier der Wölfin „Gloria“ ist.

Bilder-Kaleidoskop mit verrücktem Ausstellungstitel

Mit einem humorvollen Happening verabschiedete sich der aRTPARK Hoher Berg Ende September in die Winterpause. Und mit dem wohl verrücktesten Ausstellungstitel bislang: „Er liebt Fußball, sie liebt Rommé – sie liebt Fußball, er liebt Rommé. Und was liebt Es? Es liebt sich. Sich selbst? (…)“. Juliane Hundertmark, Marcus Jansen und Max Uhlig sind die bekannten und preisgekrönten Maler, die bei diesem Wochenend-Happening ein Bilder-Kaleidoskop schafften. Philosophie-Professor Jürgen Gedinat erklärte mit einer humorvollen Betrachtung den reichlich merkwürdigen Ausstellungstitel erklären. Mit wuchtigen Pinselstrichen arbeitete der renommierte Dresdener Maler Max Uhlig, Jahrgang 1937. Ganz offen provozieren die Figuren der Berliner Malerin Juliane Hundertmark, Jahrgang 1971, mit gemalten Kommentaren („to disappear behind me“) und entlarven in behaglichem Wohnzimmerambiente dunkle Gedanken: „Dark time“. Ganz ohne Kopf und ohne Gesicht präsentieren sich zwei Arbeiten des amerikanischen Künstlers Marcus Jansen, laut Documenta-Macher Manfred Schneckenburger „einer der wichtigsten amerikanischen Maler seiner Generation“.

Siehe auch: Hella Sinnhuber
Siehe auch: Bernd Caspar Dietrich


Quellen: Ralf Pieper in DZ vom 26. Juni 2020. – B. Fehmer in DZ vom 20. März 2019. – Berthold Fehmer in DZ vom 22. Sept. 2020.

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