Dietrich, Bernd Caspar

Vielleicht ein Beuys: Starke Kunst und ein alkoholschwaches Teufelchen

Bernd Caspar Dietrich bei der Herstellung eines “Metamorphosen”-BIldes; Foto:privat

Von Wolf Stegemann – Geboren 1957 in Ellenburg/Sachsen; Maler, Aktionskünstler. – In Dorsten hat der heute in Gahlen lebende Spuren aus den 1990er-Jahre hinterlassen, als er in Altwulfen wohnte, verheiratet war und sich noch Bernd Dietrich-Heßbrügge nannte. Ateliers hatte er damals zeitweilig im Lembecker Ateliercafé Gerda Zuleger und danach im geräumigen früheren Ex-„Walker’s Club“ am Südwall in der Innenstadt, ein „begehbarer Kunstraum für alle“. Ende der 1990er-Jahre verzog er nach Schermbeck, nahm als Honorarprofessor eine Lehrtätigkeit am Alberta College of Art & Design in Calgary (Kanada) auf sowie an der dortigen Universität. In Dorsten war er zusammen mit seiner Partnerin Hella Sinnhuber im Jahr 2000 Initiator und Gründungsmitglied des Dorstener Kunstvereins „Virtuell-Visuell“ sowie des „Kunst Kompakt“-Festivals von 1999 bis 2002. Zuletzt machten er und die Kulturwissenschaftlerin  und Journalistin Hella Sinnhuber mit der Kreation des Wein-Mixgetränks „Bodden Bowle auf dem Mond“, das mit dem Markennamen „Teuflisch lecker“, das die eigens von Dietrich als geschäftsführender Gesellschafter und von Sinnhuber als Unternehmerin gegründete Gesellschaft produziert und vertreibt. Von Bernd C. Dietrich und seiner Partnerin kreiert, ist es natürlich keine normales Fünf Prozent-Getränk, sondern eine flüssige Skulptur – und somit ein Kunstprojekt.

Sandbilder – eine große Ausstellung in Dorsten

Bernd DietrichBernd C. Dietrich studierte an der Hochschule für Bildende Kunst in Göttingen und an der Kunstakademie Düsseldorf und spezialisierte sich danach auf Sandmalerei. In seinem geräumigen Haus am Markeneck in Altwulfen lud er im Jahr mehrmals zu Ateliertagen ein, zeigte dort und in seinem Atelier in der Altstadt seine Kunst und die anderer. Wolf Stegemann schrieb damals in den „Ruhr Nachrichten“:

„Dietrichs Bilder und auch seine damals entstandenen Sandbilder sind nicht einfach zu erschließen, zeigen aber auch, dass er mit seinem Handwerkszeug Sand, Farbe, Pinsel, Knochenleim, großformatige Leinwand und feinen Gerätschaften bestens umzugehen weiß. Es sind lesbare Chiffren für Mensch und Natur, die Bernd C. Dietrich in seinen Bildern offenbart. Seine Themen im  Spannungsfeld von Denken und Malen sind gewöhnlich; die Art, wie er sie umsetzt, ausgesprochen ungewöhnlich, vielleicht etwas anachronistisch anmutend. Das macht den besonderen Reiz der Bilder Heßbrügges aus. Seine Bilder sind sowohl alltagsbegleitend, weil uns das Thema Mensch und Natur, Erdigkeit in Farben und Inhalt, nicht mehr loslässt, und zum anderen sind sie wie ein Buch, dessen Kapitel gelesen werden müssen, um es zu verstehen. So gesehen lassen sich die Werke Heßbrügges als visuelle Bewusstseinsbilder deuten, die das breite Spektrum der Facetten ausleuchten, die mitentscheidende Fixpunkte in Heßbrügges Werk sind.“

Im Sand der Ostsee: Kunst der Natur aussetzen – ein neuer Prozess

Sandbild-Porträt

Sandbild-Porträt

In Dorsten und im Ostseebad Zingst machte Dietrich(-Heßbrügge) durch internationale Kunst-Aktionen von sich reden. Nicht alles, was er gut anfing und gut durchdachte, ging auch so aus. Es fehlte oft am Geld, große und wichtige Kunst-Aktionen durchzuführen. Am Strand von Zingst bearbeitete der Dorstener mehrere 10 Quadratmeter große Leinwände, auf denen mit Sand, Knochenleim und Farbe „Sandbilder“ entstanden waren, die er dann dem salzigen Ostseewasser überließ. Das Wasser schaffte es allerdings nicht, seine Bilder ganz abzuwaschen. Ein Naturprozess als Kunst. Weitere Aktionen mit Kunst und Natur schlossen sich an, wie die „Arkadischen Gärten“ im Brandenburg-Pavillon der EXPO. Eine fragile Homage an die Rokoko-Gärten von Sanssouci. Eine Kunstaktion gegen Video-Installationen und Computer-Animationen in der Kunst.

„Bodden-Bowle“-Mixgetränk: eine „flüssige Skulptur“?

Logo "teuflisch lecker"

Bodden Bowle “teuflisch lecker”, Logo

Seine 2005 kreierten „flüssigen Skulpturen“, wie er und seine Partnerin Hella Sinnhuber das „Bodden Bowle“-Mixgetränk nennen und es über ihre gegründete Firma „Teuflisch Lecker“ vertreiben, passt sich ein in den beruflichen Lebenslauf Bernd Caspar Dietrichs zwischen Sachsen und dem Rheinland, zwischen Westfalen und der Ostsee. Um das Geheimnis der Bowle verstehen zu können, muss man einige Jahre zurückschauen auf seine ungewöhnlichen Kunstaktionen am Ostsee-Bodden (Bucht). Die Leichtigkeit dieses Symposiums und die tolle Atmosphäre des Ereignisses wollte er in einem Getränk einfangen. Mit Hilfe einer Kelterei unweit von Fulda entwickelte er seine „Bodden Bowle“, von der mittlerweile gut 200.000 Flaschen (über den Fachhandel) verkauft wurden. Alle Einnahmen haben er und Sinnhuber re-investiert – in Werbemittel und Merchandisingprodukte mit dem markanten Teufelchen. Nachdem „Bodden Bowle“ mittlerweile überall in Norddeutschland Fuß gefasst hatte, sollen auch die Westfalen und Rheinländer auf den teuflisch leckeren Geschmack kommen.

Spiegel-Kubus in Neunkirchen-Vluyn

Auf dem Gelände eines umgebauten Bauernhofs in Neunkirchen-Vluyn errichtete Bernd. C. Dietrich ein großes Kunstwerk einen über drei Meter hohen Spiegel-Kubus. Das Glas besteht vor allem aus Sand und  Siliziumdioxid. Der Künstler will mit diesem fast fünf Tonnen schweren Kunstwerk auf den Wert dieses Rohstoffs hinweisen. Der Spiegel-Kubus soll der Anfang eines kleinen Skulpturenparks sein. An der handwerklichen Seite des Projekts waren Dorstener Handwerker beteiligt (siehe nachfolgendes Foto).

Spiegel-Kubus in ......

Bedeutende Ausstellung 2018 in Karlsruhe

Die Düsseldorfer Galerie Kellermann zeigte Bernd Caspar Dietrich im Februar 2018 in Halle 3 der Karlsruher Kunstmesse „art karlsruhe“ unter dem Motto Klassische Moderne und Gegenwartskunst. Der Dorsten/Schermbecker Künstler befindet sich dabei in guter Gesellschaft. Zu dem Thema wurden mit ihm noch David Gerstein, Jörg Immendorff, Marcus Jansen, Christian Jouhet, Markus Lüpertz, Heinz Mack, Stephan Marienfeld (Skulpturenplatz), A. R. Penck, Otto Piene, Christoph Pöggeler, Erich Reusch, Gérard Stricher, Janusz Trzebiatowski, Günther Uecker.

Dietrich stiftet Werke und will 125.000 Euro für Frauenhäuser erzielen

Selbst NRW-Minister Herbert Reul war begeistert: Bernd Casper Dietrich stiftete über 100 Kunstwerke im Verkaufswert von 125.000 Euro für Frauenhäuser, für Frauen also, die Opfer von Gewalt wurden. Der erste fünfstellige Betrag wurde mit dem Verkauf von 33 Siebdrucken Mitte Dezember 2020 bereits eingenommen. Die Aktion soll bis 2015 laufen. „Es ist eine sensationelle Idee, Kunst zur Verfügung zu stellen und damit gegen Gewalt zu Felde zu ziehen“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul anlässlich der Vorstellung der Werke in Düsseldorf. Dort schenkte Bernd Casper Dietrich insgesamt 99 Siebdrucke seines Bilds „Metamoephose ORANGE 25“ an die jährlich stattfindende Aktion „Zonta says No“, die Spenden für Frauenhäuser in ganz Deutschland sammelt. Der Minister ist Schirmherr für die Aktion im Rahmen des internationalen „Orange the world“-Tages, an dem der Frauen und Mädchen gedacht wird, die Opfer von Gewalt wurden. Orange-farbig ist auch das Herz des von Bernd Casper Dietrich gespendeten Bildes. Das Original im Format 150 x 140 Zentimeter ist mit Glas, Zement und Pigmenten auf Leinwand gestaltet. Durch die Verwendung von Phosphor und Lichtpigmenten bekommt das Werk eine besondere Wirkung – bei Tageslicht, bei UV-Licht und beim Nachglühen im Dunkeln. Das Original-Kunstwerk wird in der Düsseldorfer Galerie Kellermann versteigert, Mindestgebot 21.500 Euro.

Siehe auch: aRTPARK Hoher Berg
Siehe auch: Hella Sinnhubert


Quellen: Wolf Stegemann „Visuelle Bewusstseinsbilder beleuchten breites Spektrum“ in Ruhr-Nachrichten vom 21. Februar 1998. – Angela Schumann-Philipp „Für richtige Kunst braucht es kein 100-Quadratmeter-Atelier“ in Ruhr Nachrichten vom 1. September1998. – Michael Klein „Begehbarer Kunstraum als kulturelle Begegnungsstätte“ in Dorstener Zeitung vom 8. Juli 2000. – Klaus Nikolai „Gahlener Bowle im Reichstag“ in Rheinische Post vom 30. Juli  2007. – Michael Klein: „Spieglein, Spieglein auf dem Land“ in Dorstener Zeitung vom 30. August 2014. – M. Klein in DZ vom 14. Dez. 2020.

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