Verbindungsstraßen

19. Jahrhundert: Der Kreis übernahm Straßen der Gemeinden

Kurkölnische Zeit. Im 18. Jahrhundert hatte das Vest keine großen Durchgangsstraßen. Zwei große Straßen führten lediglich am Vest vorbei. Im Norden war es die alte Heerstraße von Xanten nach Haltern, im Süden der Hellweg. Im Vest wurden die alte vestische Landstraße und der märkische Kohlenweg aus öffentlichen Mitteln unterhalten. Die vestische Landstraße kam vom Rhein und führte in westöstlicher Richtung durch das Vest über Osterfeld, Bottrop, Westerholt, Recklinghausen, Horneburg und Waltrop nach Lünen. Der märkische oder Gahlener Kohlenweg verband Bochum über Buer mit Dorsten. Die in der Bochumer Gegend gefundenen Kohlen wurden auf diesem Weg nach Dorsten gebracht, hier in Schiffe verladen und nach Wesel und Holland gefahren. Reine kommunikative Wege und Straßen, die von Ort zu Ort führten, hatten eine geringere Bedeutung. Gemeinden mussten Landstraßen und Wege selbst unterhalten. Straßen führten u. a. von Bottrop bis Dorsten, von Dorsten über Marl nach Recklinghausen, von Dorsten über die Grafenmühle nach Oberhausen. Die Unterhaltungskosten wurden in erster Linie aus den eingenommenen Wege- und Brückengeldern bestritten, sonst aus der Kasse der Statthalterei.

Arenbergische Zeit. 1803 kam das Vest an den Herzog von Arenberg als Entschädigung für verloren gegangene linksrheinische Gebiete. Somit ging auch die Unterhaltungspflicht der Straßen auf den Herzog über. Der in kurkölnischer Zeit tätige Wegekommissar, Hauptmann Müller, blieb bis 1808 im Amt. Dann wurde die Stelle neu besetzt. Die Unterhaltung der Straßen kostete dem Herzog im Jahre 1808 rund 800 Taler, der eine „Wege-Ordnung für das Vest Recklinghausen“ erließ. Sie regelte beispielsweise den Abstand zwischen Straßen und Hecken, das Verbot, Vieh nahe von Straßen weiden zu lassen, Hundehütten durften nicht so nahe an Straßen angebracht werden, damit die Hunde die Passanten nicht erschrecken konnten. Jeder Passant musste ein Barrieregeld bezahlen. Lediglich Personen, die der Suite des Herzogs oder des Statthalters angehörten, durften die Straßen kostenfrei benutzen, wie Regierungs-, Steuer- und Hofgerichtsräte, der Vestische Official, der Domänen-Direktor und -inspektor, alle herzoglichen Militärpersonen, ehemalige Landstände und die amtierenden Bürgermeister von Recklinghausen und Dorsten sowie reitende Posten und Stafetten. Bauern durften ihre Früchte vom Feld heimfahren ohne Wegegeld zu bezahlen. Auch der Viehtrieb zum Verkauf auf den Märkten war passagefrei. Ein berittenes oder beladenes Pferd kostete 1 Stüber, für einen beladenen Karren oder einen beladenen Reisewagen mussten 2 Stüber und für einen beladenen Gabelwagen 4 Stüber bezahlt werden.

Preußische Zeit. Der Arenberger Herzog diente schon bald als Landesherr aus, denn am 2. Februar 1811 wurde die Vest unter französischer Verwaltung mit dem Herzogtum Berg vereinigt. Knapp drei Jahre lang dauerte die Zugehörigkeit zu Frankreich. 1813 räumten die Franzosen die deutschen Gebiete, darunter das Vest, das die Preußen zusammen mit Teilen Westfalens übernahmen. Die Straßen waren in einem trostlosen Zustand. Kriegsereignisse und fehlende Wartungsarbeiten hatten Straßen und Wege zerstört, ständige Überschwemmungen von Emscher und Lippe sowie starke Regenfälle unterspülten die Straßen. Fast die Hälfte aller Wege war oft nur sechs Monate lang im Jahr nicht bzw. nur unter Gefahr passierbar.

Provinzialstraßen: Bochum bis zur Emscher (Fertigstellung 1843), Dorsten bis Sterkrade, Dorsten bis Bochum (1850 bzw. 1853), Buer bis Essen (1850), Vestische Landstraße (Ausbau in Etappen 1865, 1868,1871, 1873, Fertigstellung 1878).

Kreisstraßen: Bis 1866 waren außer den Provinzstraßen die Wege und Straßen den einzelnen Gemeinden überlassen, die wegen der zunehmenden Kostenbelastung die Straßen nicht mehr halten konnten. Deshalb fasste der Kreis Recklinghausen 1866 den Beschluss, die Gemeindewege zu übernehmen, aus denen Kreisstraßen wurden. Dennoch waren die Gemeinden im Kreis durch den Straßenbau finanziell stark belastet. Bottrop trat die über zwei Kilometer lange Plankenschemmerstraße dem Kreis ab.

Ausgebaut wurden die Straße von Bottrop zum Forsthaus Specht zur Verbindung mit der Provinzstraße Dorsten-Sterkrade (1868), die Landstraße von Marl über Polsum nach Scholven (1871), die Straße von Bottrop über Welheim nach Karnap (1872), gebaut wurde die Strecke Bottrop nach Horst (1883). Durch den Bergbau mussten die Verkehrswege stark erweitert werden. 1886 gab es im Vest zehn förderfertige Schächte, 1897 waren es schon 26. Die Zahl der Zechen betrug 13. In dieser Zeit wurden u. a. gebaut: die Strecken Buer nach Schalke, Dorsten nach Marl, Datteln bis Erkenschwick und die fast 30 Kilometer lange, größtenteils mit der Lippe gleichlaufende Ringstraße Datteln-Ahlen-Flaesheim-Sickingsmühle-Marl. Am Ende des Jahrhunderts hatte jeder größere Ort im Vest eine befestigte Straße und Anschluss an das mittlerweile entstandene Verkehrsnetz erhalten.


Siehe auch:
Straßen


Quelle:
Nach Dr. Johannes Voßmann „Die Entwicklung des Verkehrswesens im Veste Recklinghausen während des 19. Jahrhunderts“ in VZ, Band 39, 1932

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