Umsonst und in den Wiesen

Musikfestival in Wulfen-Barkenberg lockte einmal 20.000 Besucher an

Veranstaltung in den Wiesen

„Woodstock“-Atmosphäre in den Barkenberger Wiesen

„Umsonst und in den Wiesen“ war ein Musikfestival der Alternativ-Kultur in Wulfen, das ab 1983 jugendlichen Dorstenern „einen Hauch von Woodstock-Atmosphäre auf dem Gelände des ehemaligen Bauernhofs Rottmannshof in Barkenberg bescherte“, wie Michael Klein in der Dorstener Zeitung schrieb. Gründer waren Bernhard Schlusemann und Martin Kesten. Ähnliche Festivals gab es damals in Marl („Bauernhof-Festival“), in Castrop-Rauxel („Bullshit-Festival“) und anderswo. Es war die Zeit, in der auch die Öko- und politische Protestbewegungen sowie Hausbesetzungen stattfanden (siehe Altes Standesamt Wulfen, Hausbesetzung am Alten Postweg).

Für das Festival „Umsonst und in den Wiesen“ stellte die evangelische Kirchengemeinde Wulfen die alte Scheune des Rottmannshofs zur Verfügung. Nebenan im Bauernhof gründeten zeitgleich sechs junge Leute eine Kommune: Ulrike, Ali, Georg, Susanne hießen sie und eben Martin Kesten und Bernhard Schlusemann. Zwei Tage sollte die Premieren-Ausgabe dauern, die am 27./28. August 1983 stattfand. 500 Leute kamen zu den Konzerten der Fool’s Band, der Nordstadtband, Kukumare oder der Big Diddys Dickdarm Big Band.

20.000 Liter Bier brachten 50.000 DM ein, damals ein großer Betrag

Ankündigungsplakat

Ankündigungsplakat

Im Jahr darauf ging das „Umsonst und in den Wiesen“-Festival drei Tage über die Bühne. Unter anderem Capt’n Henry, Madrugada, Surgeon und Salsa Piccante bildeten das musikalische Line-Up, dazu kam die Experimentelle Theatergruppe der Gesamtschule Wulfen. Die besondere Festival-Atmosphäre sprach sich schnell herum. Sogar aus dem Ausland trampten Musik-Fans nach Barkenberg und schlugen dort ihre Zelte auf. 1998 aber kam die Zäsur. „Grobschnitt“ hieß die bekannte deutsche Rock-Band, die dafür sorgte, dass 10.000 Fans nach Wulfen-Barkenberg pilgerten. Mit dem Umsatz von 20.000 Litern Bier kamen beträchtliche Einnahmen in Höhe von 50.000 DM zusammen, die für die Gagen der Band verwendet wurden. Bevor diese ausgezahlt werden konnten, gab es noch eine Aufregung. Denn das Geld, in einer Plastiktüte unter einem Küchentisch aufbewahrt, war plötzlich weg. Es fand sich später bei einem betrunkenen Mitarbeiter wieder.

Das „Umsonst und in den Wiesen“-Festival konnte 1990 zwar noch einmal mit Zeltinger als Top-Act für Furore sorgen, wurde dann aber nicht mehr gut angenommen, als die Veranstaltung nicht mehr umsonst war und draußen auf den Wiesen stattfand, sondern Eintritt kostete und drinnen stattfand.


Quelle:
Nach Michael Klein „Umsonst und in den Wiesen“ in DZ vom 30. Dezember 2011.

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