Schuknecht, Franz

Als Heimatforscher mit der Stadt Dorsten stets eng verbunden

Geboren 1923 in Gelsenkirchen-Horst; Lehrer und Heimatforscher. – Dorsten und die Herrlichkeit haben den in Bad Driburg lebenden Pensionär seit seinem Studium in Münster  nie losgelassen. Davon zeugt eine Reihe Veröffentlichungen im Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck und Dorsten, im Vestischen Kalender, in der Vestischen Zeitschrift und in anderen Periodika sowie in eigenständigen Veröffentlichungen und Vorträgen. Mit wissenschaftlicher Akribie und Verbundenheit zur Stadt hat sich Schuknecht um die Aufarbeitung der Dorstener Geschichte verdient gemacht.

Mit Ehrenplaketten der Städte Bad Driburg und Dorsten ausgezeichnet

..... Schuknecht

Dr. Franz Schuknecht; Pressebild

Von 1931 bis 1942 verbrachte er seine Kindheit und Jugend in Dorsten und legte 1942 am Gymnasium Petrinum die Reifeprüfung ab. Nach Rückkehr aus dem Krieg studierte Franz Schuknecht bis 1950 Deutsch, Erdkunde und Geschichte in Münster, legte 1951 die Prüfung für das Lehramt an Gymnasien ab und wurde mit der Arbeit „Ort und Flur in der Herrlichkeit Lembeck“ zum Dr. phil. promoviert. Nach der Referendarzeit war er von 1953 bis 1960 Lehrer am Gymnasium Clementinum für Priester-Spätberufene in Bad Driburg und von 1961 bis 1986 Schulleiter des Städtischen Gymnasiums Bad Driburg. 1971 wurde er zum Bezirksdirektor der Gymnasien in den Kreisen Höxter und Paderborn gewählt. Er ist Inhaber der Ehrenplakette der Stadt Bad Driburg. Franz Schuknecht ist seit 1955 verheiratet und hat vier Kinder. Im Grußwort des 2011 erschienenen Buches „Dorsten und die Herrlichkeit Lembeck. 2000 Jahre Geschichte an der Lippe“ (Verlag für Regionalgeschichte) schrieb Bürgermeister Lambert Lütkenhorst:

„Wir Dorstener haben noch gar nicht erkannt, wie viel uns der Forschungsdrang dieses Mannes an Vergessenem zurückgegeben hat. Den Machern dieses Buches sei gedankt, dass sie die an vielen Stellen verstreuten Veröffentlichungen zusammenführen und uns so ermöglichen, mit Dr. Franz Schuknecht in die Vergangenheit der Stadt Dorsten abzutauchen und die umliegenden Bauerschaften und Dörfer an der Lippe im Spiegel der Geschichte zu betrachten.“

Allerdings mag der Leser seiner heimatkundlichen Schriften den Eindruck haben, dass er mit der nationalsozialistischen Zeit in Dorsten sehr vorsichtig umgegangen ist. Zum Beispiel hat er den Wulfener Heimatverein in den Jahren 1933 bis 1945 so gut wie frei von nationalsozialistischem Gedankengut und Handeln erkärt, was belegbar nicht war. Dr. Schuknecht erwarb sich insbesondere Verdienste durch die Erforschung und Darstellung der Geschichte der Römer in Holsterhausen, des Hauses Hagenbeck, der Reichshöfe und des Lebensraums der Menschen an der Lippe. Bei der Feierlichkeit zum 725-Jahresfest der Stadt Dorsten hielt Franz Schuknecht 1976 den Festvortrag und sprach 2001 im Schlaunschen Saal von Schloss Lembeck über die 800-jährigen Beziehungen der Stadt. – Ende 2011 verlieh ihm der Stadtrat für sein auf Dorsten bezogenes Lebenswerk die selten vergebene Stadtplakette in Gold.

Veröffentlichungen (Auswahl): Topographie und Genese der Stadt Dorsten. Vestische Zeitschrift (VZ) 52, 5-31. Wege und Ziele siedlungskundlicher Untersuchungen im südwestlichen Münsterland. VZ 53, 5-26. Die Entdeckung des römischen Lagers in Dorsten-Holsterhausen. VZ 54, 17-20. Gladbeck. Wandlung einer vestischen Gemarkung. VZ 54, 56-72. Die „villa Durstine“ – Zum Centenarium der Geschichtsschreibung in Dorsten. VZ 86/87, 7-28. Das Vogteigericht und die sogenannten „Reichshöfe“ im Vest Recklinghausen. VZ 88/89, 17-57. Die Dorstener Lippetalung als geschichtlicher Lebensraum. Ein Beitrag zur Geschichte der Erschließung in den vorindustriellen Epochen. VZ 90/91, 17-52. Neue Beiträge zur älteren Geschichte der Stadt Dorsten. Zum 750. Jubiläum der Verleihung des Stadtrechts. VZ 97/98, 131-157. Die strategische Nutzung der Römerlager in Dorsten-Holsterhausen. VZ 103, 5-23. Die Stifterin Imeza in Xanten und die Cappenberger Fälschung. Eine kritische Auseinandersetzung mit neuen Thesen zur Stifterin des vestischen Oberhofs Dorsten. VZ 104, 5-13. Zur Identität der Frau Imeza im Stift Xanten. Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 203, 23-34.

…und seine Kinder

Mit Franz Schuknechts Tochter Annette besuchte Pfarrer Matthias Overath von der evangelischen Martin-Luther-Gemeinde in Dorsten-Holsterhausen eine Schulklasse am Bad Driburger Gymnasium. Die mittlerweile verstorbene Wissenschaftlerin promovierte zum Thema „Untersuchungen zum Einfluss der Fütterung auf den Harn-pH-Wert und die renale Mineralstoffausscheidung bei der Katze“ (1991). Ihr Bruder Dr. Ludger Schuknecht(geb. 1962) gilt als Bundeskanzlerin Merkels „Super-Ökonom“, wie die Neue Westfälische am 20. November 2012 titelte. Studiert hat Ludger Schuknecht, in München, Konstanz und Washington.  Im Jahr 2011 hat Finanzminister Wolfgang Schäuble Ludger Schuknecht zum Leiter der Grundsatzabteilung seines Ministeriums gemacht. Vorher war Ludger Schuknecht fiskalpolitischer Abteilungsleiter der Europäischen Zentralbank. Er stand im Finanzministerium der Bundesrepublik für die Sparpolitik in Europa – und war deshalb 2018 auf Kollisionskurs mit der SPD. Nach F.A.Z.-Informationen ist nun ein neuer Job für den Schäuble-Mann gefunden. Jetzt trennen sich die Wege von Finanzminister Olaf Scholz und Ludger Schuknecht. Der Ökonom wechselt im Herbst 2018 zur Industrieländerorganisation OECD, wo er Stellvertreter von Generalsekretär Angel Gurría wurde. Der überzeugte Marktwirtschaftler war von Wolfgang Schäuble von der Europäischen Zentralbank ins Finanzministerium geholt worden, wo er ihm als Chefvolkswirt diente.

Eingegangener Kommentar von Dr. Franz Schuknecht zur Herausgabe
dieses Dorsten-Lexikons vom 25. Juni. 2021 um 10:34 Uhr

Sehr geehrter Herr Stegemann, zu Ihrem Dorsten-Lexikon gratuliere ich. Die zahlreichen Zuschriften und Kommentare sind eine erfreuliche Anerkennung für Ihre Initiative und Mühe. – Wie viele der Leser bin ich „per Zufall“, d. h. anlässlich einer bestimmten Suche auf diese Kommentarseite gestoßen. Seit Erscheinen des neuen „Atlas westfälischer Städte“ vor einigen Monaten bin ich wieder mit dem Thema Dorsten beschäftigt, dem ich seit meiner Jugend verbunden bin. Heute schreibe ich Ihnen an meinem 98. Geburtstage und bitte Gott, dass er mir die Zeit zur Fertigstellung schenkt. Ihnen wünsche ich viel Freude mit diesem anregenden reichen Thema. Dr. Franz Schuknecht

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