Palmenstreit 2017 in Barkenberg

Stadt will 50 Jahre altes Grünkonzept in privatem Anwesen exekutieren

Andreas Türpe vor seinem mediterran anmutenden Anwesen am Gecksbach; Foto: Bludau (DZ)

W. St. – Meterhohe Palmen und Niedriggewächse säumen eine Villa am Barkenberger Gecksbach, in der sich die Familie Türpe seit zwei Jahren ein mediterranes Idyll geschaffen hat. Anwohnern ist der Anblick wohl zu „griechisch“. Sie vermissen deutsche Gewächse und meldeten dies der Stadtverwaltung. Mit Berufung auf eine vor 50 Jahren erlassene Pflanzverordnung, als Barkenberg in weiten Teilen nur auf dem Papier existierte, wurde die Verwaltung bürokratisch aktiv. Denn in ihrer Pflanzverordnung steht, dass nur deutsche Gewächse gepflanzt werden dürfen. Mit einem solchen Aktivwerden der Stadtverwaltung war eigentlich nicht zu rechnen, meinte eine Kritikerin etwas schnippisch, denn bei Klagen über verschmutzte und mit Unkraut überwuchernde städtische Wege und Gründstücksgrenzen bliebe die Verwaltung oft schulterzuckend inaktiv. Ein Gang durch die Straßen der Stadt bezeuge dies. Doch im Falle des gepflegten Grundstücks eines Bürgers am Gecksbach, an dessen Grenze mediterrane Pflanzen anstatt heimisch-deutsche stehen, machte die Verwaltung dem Hausbesitzer Ärger.

Bemängelte Randbepflanzung; Foto: Radio Vest

Denn neben dem Verstoß gegen vorgeschriebene Pflanzgebote wurde nun auch amtlicherseits festgestellt, dass der Hauseigentümer außerhalb der Grundstückmauer neben seinem eigenen Pflanzstreifen noch einige Zentimeter des städtischen Pflanzstreifens am Rande des öffentlichen Wegs zur Verschönerung durch Pflanzen ohne Wissen der Verwaltung in Anspruch nahm. Bürgermeister Tobias Stockhoff eilte höchstpersönlich mit einem Vertreter des städtischen Grünflächenamts zum Ort des Geschehens, um mit dem Hauseigentümer, der erst vor zwei Jahren von Raesfeld nach Dorsten zugezogen war, dessen Verstoß gegen die städtische Pflanzordnung in Augenschein zu nehmen. Dabei wurde festgestellt, dass Andreas Türpe ohne Erlaubnis der Stadt auch noch die an der Grundstücksgrenze vorhanden gewesenen heimischen Gewächse entfernt hatte. Andreas Türpe hatte in den städtischen Gewächsen eigentlich nur wucherndes Unkraut gesehen. Laut „Dorstener Zeitung“ hatte die Verwaltung für dieses nun aufgedeckte Gesamtvergehen bereits einen Namen: „Griechische Anpassung im öffentlichen Raum.“ Das heimische Strauchwerk und die Bepflanzungen seien „ohne jede Rücksprache entfernt und durch Palmen ersetzt worden“. Und wie sieht es jetzt aus? „Auf einem schmalen Streifen vor der schneeweißen Mauer“, so die „Dorstener Zeitung“, „stehen neben Kleingehölz, Kirschlorbeer und Rhododendron auch einige Palmen auf städtischem Grund und Boden“.

Stadt besteht offensichtlich auf Entfernung der Palmen

Obwohl sechs Palmen entlang der Mauer nur zwischen 20 und 40 Zentimeter auf städtischem Grund stehen, müssen zwei entfernt und vier verschoben werden. Dies zerstöre das „einheitlich schöne Bild“, so die DZ. Auch wenn der Bürgermeister dies ähnlich sieht, so meinte er in der Zeitung, dass es sich hier um die Einhaltung von demokratisch beschlossenen Vorgaben handele und er habe der Familie Türpe Unterstützung angeboten, „damit das öffentliche Begleitgrün entsprechend den Vorgaben des Stadtrates wiederhergestellt werden kann“. Andreas Türpe sieht dies allerdings anders und lässt sich in der „Dorstener Zeitung“ zitieren: „Ich werde aufgefordert, alles, was ich im Vorgarten gemacht habe und was den meisten Nachbarn Freude bereitet, wieder kaputtzumachen, weil ich irrtümlich eine falsche Annahme getroffen habe. Das finde ich nicht gerecht und demotiviert mich.“

Ein Bürgerentscheid soll Klarheit schaffen: Palmen ja oder nein

Wer wiehert denn da? Ah, der Amtsschimmel!

Bei Facebook-Nutzern stieß das Verhalten der Stadt im „Dorstener Palmenstreit“ ganz überwiegend auf teils spöttisches Unverständnis. „Was sich vor der Grundstücksmauer von Familie Türpe abspielt, ist an Irrsinn kaum zu überbieten. Da wird ein mediterraner Pflanzenfreund, der guten Gewissens Tausende Euro in die Verschönerung der Gecksbach-Siedlung investiert hat und nebenbei eine Fläche pflegt, die ihm gar nicht gehört, angeschwärzt, weil Palmen keine einheimischen Gewächse und im hochgelobten Grünkonzept [für die einst geplante Bergbaustadt] nicht vorgesehen sind.“ Schlagzeilen in der Tageszeitung lauteten u.a.: „ Stadt dultet in Barkenberg keine Willkür“ , „Grünkonzept eckt an“ oder „Ein Richtungskampf zwischen Alt- und Neubürgern“.

Palmen zwischen Kanal und Mercaden in Dorsten erlaubt?

Jetzt will die Stadt mit dem Rechtsverfahren eines „Bürgerentscheids“ Klarheit schaffen, wie streng das 50 Jahre alte Grünkonzept aus den 1960er-Jahren, als Barkenberg noch im Aufbau war, gelegt werden soll. Allerdings dürfen daran nur Einwohner Barkenbergs teilnehmen. – Ende Juli erschien in der „Dorstener Zeitung“ ein Artikel über die Eröffnung einer Gastronomie in Mercaden, übertitelt mit „Das Mercafé eröffnet am Sonntag: Unter Palmen den Kanalblick genießen“. Darunter ist ein Bild zu sehen, wie die drei Inhaber unter einer übermannshogen Palme sitzen. Wohlgemerkt in Außenbereich. In der Altstadt scheint es kein Grünkonzept zu geben. Wenn also ein Grünkonzept für Barkenberg notwendig erscheint, dann sollte der Stadtrat von sich aus ein moderneres beschließen, das den veränderten Verhältnisse in Barkenberg (bereits bewohnt, besiedelt, bepflanzt) entspricht.


Quellen: Stefan Diebäcker in „Dorstener Zeitung“ vom 21. und 28. Juni 2017. – Claudia Engel in DZ vom 29. Juni 2017. – Radio Vest vom 5. Juli 2017.

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone