Mitte machen – Dorsten 2020

Integriertes Innenstadtkonzept: Ideen, Projekte und Bürgerbeteiligung

Aufgeklappte Stadtmitte, ein künstlerisch verzeichnetes Foto von Peter Koerber

Die aufgeklappte Stadtmitte von Dorsten, ein künstlerisch versetztes Foto von Peter Koerber (siehe obiges Foto)

Nach dem Stadtumbau in Barkenberg und dem Projekt Soziale Stadt Hervest möchte Dorsten ein drittes, großes Städtebauförderprogramm auf den Weg bringen: Unter dem Motto „Wir machen Mitte – Dorsten 2020. Das integrierte Innenstadtkonzept“ sollen die Altstadt und angrenzende Quartiere auf der Hardt und in der Feldmark untersucht und mit Bürgerbeteiligung Projekte und Konzepte für eine nachhaltige Stärkung entwickelt werden. Die Verwaltung rechnet damit, dass mit Projektförderung und privaten Investitionen ein zweistelliger Millionenbetrag in die Aufwertung der Altstadt fließt. Obwohl noch gar nicht fest steht, wie und ob sich die Ideen nachhaltig realisieren lassen, reden Kommunalpolitiker öffentlich von einem „Meilenstein der Stadtentwicklung“ und einem „Leuchtturmprojekt“. Bleibt zu hoffen, dass die Finanzierung dem Leuchtturm Dorsten nicht den Strom abstellt.
Das Integrierte Handlungskonzept Dorsten-Mitte ist Grundlage für den konkreten Förderantrag. Es soll bis zum Sommer 2016 ausformuliert und in den politischen Gremien der Stadt zur Diskussion gestellt werden. Die Bürgerinnen und Bürger sollen sich an der Entwicklung des Konzepts und später auch an der Umsetzung intensiv beteiligen. Möglichkeit zur Mitwirkung waren eine interaktive Seite, auf der Vorschläge gemacht werden konnten, eine Bürgerwerkstätte sowie Stadtspaziergänge insbesondere für Jugendliche.

Wohnsituationen, Wasser- und Freiflächen

Problemthemen in der Innenstadt sind beispielsweise die Wohnsituation in der unmittelbaren Altstadt, , die Aufwertung der Innenhöfe und oder das Bahnhofsumfeld sein. Neben den vielen Bürgern bekannten Problemlagen lassen sich darüber hinaus an vielen Orten Potenziale für neue Nutzungs- und Gestaltungsmöglichkeiten erkennen. Diese zum Teil versteckten Potenziale finden sich im gesamten Untersuchungsraum.
Anknüpfungspunkte für eine vielfältige und attraktive Stadtgestaltung bieten – für Bewohner und Besucher gleichermaßen – auch die vielen Wasser- und Freiflächen rund um die Altstadt. Ihre Lage an Wesel-Datteln-Kanal und Lippe sowie das Schölzbach-System sind ganz besondere Raummerkmale.
Über die räumlichen Handlungsschwerpunkte hinaus sollen in dem Prozess „Wir machen Mitte – Dorsten 2020“ die Wege und Ziele für eine nachhaltige Stadtentwicklung diskutiert werden. Hier spielen vor allem die Themen altersgerechte, klimafreundliche und gesunde Stadt eine wichtige Rolle.

In der im Frühjahr 2015 begonnenen Diskussion über eine zukunftsfähige Stadtgestaltung waren alle Akteure gefragt. Bürgerinnen und Bürger, Vereine und Institutionen, Unternehmer und Kaufleute konnten im direkten Austausch mit der Stadt ihre Anregungen, Ideen und Wünsche in den Prozess einbringen. Das Dortmunder Büro plan-lokal unterstützte die Stadt Dorsten bei der Erstellung des Konzepts und bei den geplanten Veranstaltungen, deren Mitarbeiter ab März einmal in der Woche im den Räumen des „Fundbüro für Stadtideen“ in der Ursulastraße 9 für Fragen und Anregungen zur Verfügung standen.

Ideen können im Fundbüro abgegeben werden

Wer kreative Ideen und Anregungen hatte, sie gut fand, konnte sie im „Fundbüro für Stadtideen“ abgeben. Dort wurden sie gesammelt und auf Umsetzbarkeit für das städtische Projekt „Wir machen Mitte – Dorsten 2020“ geprüft. Übrigens ist das „Fundbüro“ selbst eine Idee für dieses „integrierte Innenstadt-Projekt“, für das die Stadt seit März 2015 Dorstens Bürger zu Beteiligung aufrief. Als Innenstadt gelten die Altstadt und die angrenzenden Stadtteile Feldmark und Hardt. Ein externes Planungsbüro in Dortmund unterstützt die Stadt bei diesem Vorhaben. Auf der Website der Stadt wird erklärt, was ein „integriertes Innenstadtkonzept“ ist.

„Das integrierte Innenstadtkonzept ist ein Instrument zur Beantragung von Fördermitteln. Mit Hilfe der Städtebauförderung ist es möglich, in einem Zeitraum von etwa fünf Jahren verschiedene Projekte zur Stärkung und Aufwertung von Stadträumen umzusetzen und bürgerschaftliches Engagement zu fördern. Ähnlich wie im Stadtteil Hervest könnten zukünftig auch in Dorsten-Mitte Projekte aus verschiedenen Themenbereichen realisiert werden – vorausgesetzt, die Stadt Dorsten wird durch Land, Bund und EU mit Fördermitteln unterstützt.“

Land signailisiert Förderung – „Wir machen Mitte“ auf einem guten Weg

Das Fundbüro sammelte einen Monat lang Ideen, um die Konzeption „Dorsten 2020“  erstellen zu können, von der die Stadt hofft, dass das Land sie gut findet und finanziell fördern wird. 72 Ideen wurden eingebracht, davon 60 in Erwägung gezogen. Die meisten Anregungen wurden zu den Themenfeldern „Stadtgestaltung“ und „Tourismus, Freizeit und Naherholung“ gegeben, über 30 Kommentare zu den Ideen geschrieben und mehr als 1.000 Bewertungen „finde ich auch“ und „finde ich nicht“ zu den Ideen abgegeben (Stand Oktober 2015). Abspecken mussten die Lokalpolitiker bereits. Ursprünglich hatten Verwaltung und Politik ein Gesamtpaket von 40 Millionen Euro geschnürt. Für eine Stadt, die ihre Finanzen durch höhere Parkgebühren aufbessern muss, eine vielleicht abenteuerliche Finanzplanung, auch wenn der städtische Anteil an dem mittlerweile reduzierten Finanzpaket in Höhe von nunmehr 32 Millionen Euro nur noch 4,4 Millionen Euro betragen soll. Fördergelder werden von der EU, vom Bund und Land erwartet, falls diese mitmachen. Unter den 60 Projekten sind in der Planung bzw. im Gespräch: die Umgestaltung des gesamten West- und Südwalls zu einer Promenade, der Umbau des Platzes Essener Tor und des Stadteingangs Klosterstraße, eine komplette Neupflasterung der Fußgängerzöne, die Umgestaltung des Bahngofsumfelds inklusive Abriss der Unterführung, die Bebauung des Lippetals mit Wohnhäusern. Für die planerische Schaltzentrale des Projekts „Wir machen Mitte – Dorsten 2020“ soll am Bahnhof ein Pavillon (Container) aufgestellt werden, der mit 185 Quadratmetern 300.00 bzw. 400.000 Euro kosten würde. Wegen der hohen Kosten eines solchen Containers und aufgrund von Protesten ist die Stadt wieder davon abgerückt und macht sich Gedanken, das Stadtteilbüro räumlich anderweitig unterzubringen. Weitere Teilprojekte: Qualifizierung Treffpunkt Altstadt, Umnutzung des Euroquarz-Gebäudes, ökologische Optimierung des Schölzbachs, Integration des St. Elisabeth-Krankenhauses, Umbau Passage Franziskanerkloster, Umbau Georgsplatz, Planetenufer am Kanal, Umgestaltung Freizeitgelände Maria Lindenhof, Aufwertung Gebäudekomplex Petrinum/VHS/Bibliothek, Konzeption Bereich Lippe-Insel, Aktivierung der Dorstener Innenhöfe, modellhafte Entwicklung des Johannes-Quartiers, Umbau und Umnutzung des Bahnhofsgebäudes.

Berücksichtigung der Interessen von Jugendlichen

Im Zuge des Beteiligungsprozesses zur Erstellung des integrierten Innenstadtkonzepts wurde auf einer Wiese zwischen Lippe und Kanal der „Lippe-Polder-Park“ errichtet, ein „Sehnsuchtsort Stadt am Wasser“, ein Ort der Kommunikation und der kulturellen Erlebnisse und eine Stadtteilzeitung in Kooperation mit dem Gymnasium Petrinum herausgegeben. Auch fanden so genannte „Projekt-Hearings“ im Alten Rathaus statt, die Ideen bewerteten. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Beteiligung und der Interessen-Berücksichtigung von Jugendlichen. Dazu dienten auch Streifzüge durch die Innenstadt und ein Workshop, an denen auch Schulklassen teilnahmen. Bei anschließenden Treffen zur „Konzeptwerkstatt“ im Alten Rathaus wurden dann Meinungen ausgetauscht und über Ergebnisse diskutiert. In sechs Arbeitsgruppen diskutierten die Bürger die Themen: Verkehr, Bahnhof, Leben und Arbeiten, Tourismus – Freizeit – Naherholung, Freiraum sowie Stadtgestaltung. Viele Ideen und Anregungen, die dabei entstanden sind, erweiterten die bereits lange Vorschlagsliste aus der Online-Beteiligung.

Befürwortungs- und Ablehnungssignale vom Land

Das Land als Fördergeber hat weitere Anträge aus Dorsten für das Projekt 2020 aus Mitteln des NRW-Programms „Soziale Stadt“ grundsätzlich anerkannt. Als positives Signal möchte das Land, dass auf dem ehemaligen Schulgelände der Johannesschule an der Marler Straße die soziale Wohnraumförderung erweitert und die Fußgängerzone modernisiert werde. Die  Projekte „Online-City“ und „Attraktivierung des Schölzbachtals“ sind allerdings mit dem Programm „Soziale Stadt“ nicht förderungsfähig. Das Land schlug andere Forderprogramme dafür vor (Bezirksregierung Münster, Umweltministerium). Gleiches gilt für die Sanierung des Bahnhofsgebäudes.

City-Manager soll die Innenstadt ökonomisch mitgestaltet

Im Juli 2016 wurde von der Stadt ein „City-Management“ eingerichtet, das sich im künftigen Stadtteilbüro etablieren soll. Nach einer Ausschreibung übernahm die Dortmunbder Agentur StadtRaumKonzept GmbH das Dorstener „City-Management“. Zuständig ist darin als „City-Manager“ Christoph Krafczyk (37), der nun den ökonomischen Bereich der Entwicklung der Dorstener Innenstadt mitgestaltet. Das „City-Management“ leitet die Geschicke des Stadtumbausprogramms „Dorsten 2020 – Wir machen Mitte“ und betreut auch den Altstadtfonds, in dem es bis zu 200.000 Euro für Projekte in der Innenstadt zu Verfügung stehen (50 % Förderung, also bis 400.000 Euro). Christoph Kratczyk absolvierte 2008 den Master of Science mit dem Thema „Stadt- und Regionalentwicklungsmanagement“. Für ihn wird an der Gahlener Straße 9 ein Stadtteilbüro eingerichtet, von dem an drei Tagen in der Woche die Innenstadtentwicklung im Bereich des Einzelhandels koordiniert werden soll.  Ziel soll es u. a. sein, den Bedarf an Gewerbeflächen zu ermitteln.

Altstadtfonds zur Unterstützung von privaten Projekten 2016 gestartet

Im Rahmen der Innenstadterneuerung „Wir machen Mitte“ startete im Herbst 2016 der „Fonds zur Stärkung der Altstadt“. Mit diesem Fördertopf werden jährlich bis zu 50.000 Euro zur Verfügung gestellt für private Ideen, die im öffentlichen Raum umgesetzt werden oder der Öffentlichkeit zu Gute kommen. Der Fonds richtet sich vor allem an Privatpersonen, Vereine, Initiativen oder Interessengemeinschaften, die ein nachhaltiges und bleibendes Projekt umsetzen wollen. Dies können zum Beispiel kleinere Bauprojekte sein, atmosphärische Beleuchtungen, Gestaltungs- oder Kunstaktionen.
Die Kosten werden in der Regel zur Hälfte mit einem Zuschuss unterstützt – das heißt, jeder privat eingesetzte Euro kann mit Hilfe des Fonds verdoppelt werden. Spender und Sponsoren können auch Geld in diesen Fonds einzahlen, ohne ein eigenes Projekt zu haben. Ihr Geld würde dann einem anderen Vorhaben zu Gute kommen und ebenfalls durch den Fonds verdoppelt. Ob ein Projekt gefördert wird, entscheidet ein Beirat, der gebildet wird aus Akteuren, die in der Innenstadt tätig sind. Erste Treffen dazu gab es bereits, Interessenten, die in diesem Beirat mitwirken wollen, können sich aber auch noch melden.
Christoph Krafczyk vom Citymanagement Dorsten-Mitte ist Ansprechpartner für alle, die ein Projekt umsetzen und einen Antrag auf Förderung aus dem Fonds stellen möchte. Bei ihm sind alle Unterlagen zum Altstadtfonds erhältlich, er erläutert das Verfahren und hilft bei der Antragstellung. Der Citymanager ist auch Ansprechpartner für alle, die sich im Beirat zum Altstadtfonds engagieren möchten.

Konzept zur Attraktivierung des Schölzbachs und seiner Nebengewässer

Ein Projekt im Rahmen des Innenstadtkonzeptes „Wir machen Mitte“ ist die ökologische Optimierung des Schölzbachtales und Attraktivierung des Schölz­bachtals. Hierzu soll ein „Konzept zur naturnahen Entwicklung von Fließgewässern“ (KNEF) erarbeitet werden. Zur Beurteilung der Bestandssituation soll in der Zeit von Oktober 2016 bis Januar 2017 das Gewässer einschließlich deren Zuläufe begangen werden. Die im Rahmen des Konzepts entwickelten Maßnahmenkataloge gelten dann als Leitlinie für jegliche Art von Maßnahmen an dem Gewässer.

Bewilligtes Projekt berücksichtigt die sozialen Belange der Einwohner

Anfang September 2016 bewilligte die das Land über die Bezirksregierung Münster der Stadt eine Zuwendung in Höhe von 702.000 Euro für das Teil-Projekt „Soziale Stadt“ im Rahmen des Handlungskonzepts „Wir machen Mitte –Dorsten 2020“. Mit dem Projekt „Soziale Stadt“ soll u. a. der öffentliche Raum attraktiv gestaltet, Wohnungsbestände dem demografischen Wandel angepasst und klimaschädliche Emissionen beim Energieverbrauch reduziert werden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 878.200 Euro. 20 Prozent dieser Kosten muss die Stadt aufbringen, das sind 176.200 Euro.
Ein Stadterneuerungsprogramm soll die Altstadt nicht nur städtebaulich erneuern, sondern auch soziale Belange der Bewohner berücksichtigen. Das Land NRW hat im September 2016 Geld für das Konzept „Dorsten hält zusammen … für ein Leben ohne Armut und Ausgrenzung“ bewilligt. Das Projekt soll die Situation benachteiligter Gruppen verbessern: Kinder, Jugendliche und Familien mit oder ohne Migrationshintergrund, die keine Arbeit oder Ausbildung haben und vom „normalen“ sozialen Leben ausgeschlossen sind. Wissenschaftler sollen nun das Konzept einer „integrierenden Sozialplanung“ entwickeln. Dafür sind rund 116.000 Euro vorgesehen, wovon das Land rund 923.000 Euro übernimmt. Die restlichen 20 Prozent, das sind 23.2000 Euro, muss die Stadt bezahlen.

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