Echt Dorsten

Slogan soll Bürgern und Fremden online mitteilen, was in Dorsten echt ist

Kommentierende Betrachtung (W. St.)  – In Dorsten ist in letzter Zeit so allerhand in Gang gesetzt worden, um die Stadt nach außen hin werbemäßig in ein besseres Licht zu stellen. So soll die Stadt auch für den Tourismus erschlossen werden. Ohne Zweifel hat Dorsten schöne Ecken und Plätze. So an der Lippe oder das viele Grün zwischen den auseinandergezogenen Stadtteilen. Doch das haben andere Städte auch. Das Problem, dass Dorsten kein Alleinstellungsmerkmal hat, mit dem die Stadt für Touristen attraktiv gemacht werden kann, ist nicht neu. Doch die Stadtverwaltung gibt nicht auf, immer wieder Neues zu entdecken, um die Stadt nach außen hin als etwas Besonderes darzustellen, Aber gibt es dieses Besondere überhaupt? Der neueste ernstgemeinte Versuch besteht darin, die Stadt – und das, was in ihr passiert – als „echt“ zu bezeichnen.

Slogan „Echt Dorsten“ bei zwei Gegenstimmen im Rat beschlossen

In Vertretung des Rates befasste sich der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Dorsten im Mai 2021 mit dem Thema. Die Marke „Echt Dorsten“ gibt es schon im Internet. Um sie für städtische Zwecke nutzen zu können, müsste die Stadt entsprechende Nutzungsrechte kaufen. Beschlussvorlage: „Die Stadt Dorsten und die städtischen Gesellschaften übernehmen die Marke ,Echt Dorsten – 11 x mehr erleben’ mit ihren Nutzungsmöglichkeiten als einheitliches Stadtmarketinginstrument“ (die 11 steht für Stadtteile). Weiter heißt es: „Es wird angestrebt, dass der Slogan auch in der Bevölkerung, bei Institutionen sowie Vereinen und Gruppen zur Anwendung kommt.“ – Mit anderen Worten: Alles, was in Dorsten passiert, von Dorstenern gemacht oder gesagt wird, im Rathaus, auf dem Sportplatz oder im Kaninchenzuchtverein ist künftig „echt Dorsten“!
In der Ausschusssitzung wurde dann der Slogan „Echt Dorsten“ bei zwei Gegenstimmen (AfD, Linke) beschlossen. Die Dorstener Verwaltung wird also den bereits von anderen als Bürger-Portal und Werbe-Portal im Internet benutzten Slogan „Echt Dorsten“ aufkaufen, um ihn zu verwenden und städtischerseits unters Volk zu bringen. Die Initiative „Echt Dorsten“ hat sich im ersten Lockdown Anfang 2020 zusammengeschlossen: die IT-Spezialisten des Dorstener Unternehmens netTrek als Impulsgeber fanden Unterstützung bei der Dorstener Wirtschaftsförderung (Windor) und dem Unternehmerverein „Sag Ja! zu Dorsten“. Und jetzt die Stadt.

Die Frage bleibt: Was kann mit „echt Dorsten“ bezeichnet werden?

Doch warum unter diesem schon für andere Zwecke gebrauchten Slogan? Und was soll in Dorsten dann mit Verwendung des Slogans echter sein, als ohne Slogan? Da muss man schon lange nachdenken, um dann doch keine passende Antwort zu finden. Wenn einer seine Tauben ausschickt, was ist daran „echt Dorsten“? Und was ist typisch Dorsten, was Touristen anlocken oder mit dem die Stadt nach außen hin brillieren könnte?

„Echt blöd“, „echt sexy“, „echt warm“, echt kalt“, „echt idiotisch“ …

Mit was kann sich Dorsten nach außen hin als „echt“ präsentieren, welches Alleinstellungsmerkmal hat Dorsten, mit dem es sich mit „echt Dorsten“ schmücken könnte? Immer wieder kommt man auf diese Frage zurück, auf die es keine zufriedenstellende Antwort gibt. Denn in Dorsten gibt es nichts, was andere Städte im weiteren Umkreis nicht auch haben – abgesehen vom Jüdischen Museum. Doch das in privater Trägerschaft befindliche Museum mit „Echt Dorsten“ zu bezeichnen, wäre verfehlt.
Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, wie oft das Adjektiv „echt“ in welchen Zusammenhängen meist vorkommt – geschrieben oder gesprochen. Meist kommt es im Zusammenhang mit einer negativen Aussage vor, aber auch mit positiven. Beispiele: „echt blöd“, „echt sexy“, „echt warm“, echt kalt“, „echt idiotisch“, „echt bescheuert“ und in der jungen Generation heißt es oft „echt krass!“


Quelle: Wolf Stegemann in Dorsten-transparent” vom 27. Mai 2021

 

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