Lingen, Rudolf

Sedisvakantisten-Pater spricht dem Papst den Katholizismus ab

Geboren 1967 in Recklinghausen; Theologe. – Dass der sich selbst so nennende und in Dorsten wohnende Sadisvakandisten-Pater Rudolf Hermann Lingen Ende März 2008 vom Amtsgericht Dorsten wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe in Höhe von 600 Euro verurteilt  wurde, ist nur ein unwesentlicher Teil seiner Biografie. Weit wesentlicher sind die religiösen, dogmatischen und kirchenrechtlichen Thesen, mit denen der Theologe, der 1996 von einem „Titularbischof von Constantia“ geweiht worden sein will, öffentlich streitet – und somit auch vor Gericht. Bei der erwähnten Verurteilung hatte ihn das Gericht vermindernde Schuldfähigkeit zugestanden, als ein zur Verhandlung zugezogener Psychiater als Gutachter den Verdacht auf eine „paranoide Persönlichkeitsstörung“ äußerte.

Lingen als selbst bezeichneter „Internet-Missionar“ mehrmals vor Gericht

Rudolf Hermann Lingen

Rudolf Hermann Lingen

Im Mai 2011 stand Lingen erneut vor dem Schöffengericht beim Amtsgericht Dorsten. Die Staatsanwaltschaft warf ihm Amtsanmaßung in 27 Fällen aus den Jahren 2008 und 2009 vor, weil er sich „Pater der römisch-katholischen Kirche“ genannt hatte. In seiner 20-minütigen Verteidigungsrede versuchte der Angeklagte, der als „Systemadministrator“ in der Arzt-Praxis seiner Schwester arbeitet, darzulegen, dass er sich nichts habe zuschulden kommen lassen. Lingen: „Sie müssen mir beweisen, dass der Ratzinger-Verein die richtige Heilslehre hat.“ Die Hauptverhandlung wurde vertagt, weil ein Gutachter klären sollte, ob der Ritus, mit dem Rudolf Hermann Lingen 1996 geweiht wurde, auch dem römisch-katholischen Ritus entsprach. Da die Bezeichnungen „Priester“ oder „Pater“ nicht geschützt sind, geht es bei der Verhandlung lediglich um den Zusatz „römisch-katholische Kirche“. Beispielsweise lautet Lingens Schlussgrußformel bei Briefen (Internet) an die Staatsanwaltschaft so: „Mit gebührender Achtung, Rudolf Hermann Lingen, römisch-katholischer Priester, Befürworter der Todesstrafe.“

Lingen: Derzeitiger Papst kein gültiger Amtsträger

Rudolf Hermann Lingen bezeichnet sich selbst als „Internet-Missionar“, weil er sein „Priesteramt“ von zu Hause aus betreibt. Er ist ein sedisvakandischer Priester und tritt als solcher im Internet als PRHL auf, wobei das P für Pater steht. Er kritisiert die Internet-Präsenz der römisch-katholischen Amtskirche. Den Vatikan bezeichnet er als „V2“-Sekte. Der Begriff Sedisvakantismus (von lat.: sedes Sitz; vacans leer) bezeichnet die Auffassung, dass es aktuell keinen rechtmäßigen Papst gebe. Im Unterschied zu einer natürlichen Sedisvakanz des Heiligen Stuhls durch Ableben oder Rücktritt eines Papstes unterstellen Sedisvakantisten eine außerordentliche Sedisvakanz, indem behauptet wird, dass der gerade amtierende Papst kein gültiger Amtsträger sei.

Öffentliche Proteste gegen Wirken der Professoren Küng und Drewermann

Rudolf Hermann Lingen studierte Theologie gleich nach seinem Wehrdienst in Bochum und war 1987/88 Priesterkandidat für das Bistum Essen. Zu dieser Zeit gab es aus den Reihen der deutschen konservativen Priesterkandidaten, zu denen auch Lingen zählte, verschiedentlich öffentliche Proteste gegen das Wirken von Professoren wie Hans Küng und Eugen Drewermann. Danach wurde Lingen als Seminarist in Chur (Schweiz) aufgenommen. Dort gewann er die Überzeugung, dass die Amtskirche nicht mehr katholisch, sondern eine Sekte sei, empfing 1996 von dem ehemaligen alt-römischen Bischof Georg Schmitz die Priester-Weihe und nennt sich seither Pater, obwohl er keinem Orden angehört. Eine zeitlang feierte er öffentlich in einer im staatlichen Besitz befindlichen Kapelle in Herne die tridentinische Messe. Lingen ist auch ein Gegner des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Liturgiereform, der Ökumene mit nicht-katholischen Christen und Andersgläubigen. Er verurteilt auch die innerhalb der Amtskirche als konservativ geltenden Bewegungen wie das Opus Dei, die Priesterbruderschaft St. Petrus sowie die außerhalb der Amtskirche agierende Priesterbruderschaft St. Pius X. – Lingen beschäftige des Öfteren die Gerichte und wurde auch zu Gefängnisstrafen verurteilt. Obwohl er ein radikaler Gegner des Nationalsozialismus ist, ist der Priester auch für den Holocaust-Revisionismus bekannt. Er veröffentlichte, dass die „Tagebücher der Anne Frank“ gefälscht seien.

Verbot der Homosexualität

2012 forderte Lingen via Youtube, seiner eigenen Website und teilweise auch über kreuz.net seine Forderung, Homosexualität zu verbieten und erinnerte dabei an die einhellige Ablehnung der Homosexualität in der katholischen Lehre sowie an das Strafgericht über Sodom. Wenn er auch nicht direkt Strafe für Homosexuelle fordert, so schreibt er dennoch: „Deshalb sollte es jedem erlaubt sein, sowohl offen Homosexualität abzulehnen, als auch offen der Kriminalisierung und Bestrafung von Homosexualität zuzustimmen.“


Quellen:
Michael Klein in DZ vom 1. April 2008. – Nach Homepage von Lingen (2010). – Nach Wikipedia, Online-Enzyklopädie (2011).

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