Keller, Unternehmensgruppe

Sechs Alten- und Pflegeheime in Dorsten und anderswo 2019 insolvent

Alten- und Pflegeheim „Haus am Kamin“  in Dorsten

Im März 2019 veröffentlichten die Medien die Nachricht, dass die „Keller Dienstleistungen und Sozialimmobilien GmbH & Co. KG“ sowie die „Alten- und Pflegeheime Familie Keller GmbH“ mit Sitz in Dorsten-Holsterhausen Insolvenz beim zuständigen Amtsgericht Essen angemeldet hatten. Die Versorgung der rund 220 Bewohner der sechs betroffenen Alten- und Pflegeheime war gesichert. Der  Insolvenzverwalter prüft Sanierungsoptionen für die Unternehmensgruppe sowie Sanierungslösungen für die Residenzen und Heime. Die Firma „Alten- und Pflegeheime Familie Keller“ ist eine mittelständische Unternehmensgruppe im teils gehobenen Ambiente in den Bereichen Seniorenpflege und Hoteldienstleistung mit einem durchschnittlichen Jahresumsatz von etwa 10 Millionen Euro. Die Qualität der Häuser wird in den Transparenzberichten der prüfenden Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDK) und des Prüfdienstes des Verbandes der Privaten Krankenversicherer als „sehr gut“ bewertet.
Neben der Senioren-Residenz Haus Horst (86 Plätze/ 109 Beschäftigte) in Kalkar führt und betreut die Unternehmensgruppe noch das Senioren-Hotel Landhaus Keller in Raesfeld (20 Plätze/26 Beschäftigte) sowie die Alten und Pflegeheime „Haus am Kamin“ (53 Plätze/47 Beschäftigte) und Haus Keller (22 Plätze/24 Beschäftigte) in Dorsten, die Mühle Keeken (24 Plätze/19 Beschäftigte) in Keeken sowie das Haus am Monreberg (20 Plätze/19 Beschäftigte) in Kalkar. Der Betrieb läuft weiter. Allerdings soll der Hotelbetrieb in der Raesfelder Einrichtung „Landhaus Keller“, ein Pflegeheim mit Hotel, eingestellt werden. Die Gemeinde Raesfeld hat sich ein Vorkaufsrecht für das Landhaus gesichert. Mit der Vorkaufsrechtssatzung nach Paragraf 25 erhält die Gemeinde die Möglichkeit, bei einem eventuellen Verkauf zu Marktpreisen Gebäude und Grundstück zu erwerben (Stand 1. August 2019).

Landhaus und Hotel Keller gehört jetzt der Gemeinde Raesfeld

Gemeinde Raesfeld hat Anfang September 2020 das Landhaus Keller aus der Insolvenzmasse für 1,16 Millionen Euro ersteigert. Die Versteigerung fand in der Essener Philharmonie statt. Das Mindestgebot lag bei 790.000 Euro. Die Gemeinde Raesfeld hat das Landhaus Keller für 1,16 Millionen bei einer Versteigerung in Essen erworben. Somit bleibt das Landhaus Keller als Hotel erhalten. Das Projekt ist bereits aus dem Insolvenzverfahren raus, denn sofort nach der Versteigerung ist der Kaufvertrag beurkundet worden. Die offizielle Übergabe des Hauses erfolgt Ende Dezember. Bis dahin muss es geräumt sein. Das Anwesen besteht aus einem  Grundstück von rund 11.151 qm nebst vorhandenem Zubehör wie Restaurationsbereich mit Tagungsräumen sowie 31 Hotelzimmer. Der Bodenrichtwert gemäß Gutachterausschuss beträgt 245 Euro pro Quadratmeter.

Raesfelder schaltete die Kommunalaufsicht ein, da kein Ratsbeschluss

Ein Erler Einwohner kritisierte, dass die Verwaltung ohne Ratsbeschluss das Hotel ersteigert hatte. Denn die Verwatung hatte Zeit genug, den Rat zu informieren dun eine Entscheidung herbeizuführen. Stattdessen begründete die Verwaltung das Mitsteigern als „Dringlichkeitsentscheidung“, was dem Erler Bürger in einem Schreiben an den Landrat Kai Zwicker kritisierte. Zudem brachte er sein Anliegen bei der Kommunalaufsicht vor und bat um zeitnahe Prüfung des Sachverhalts. Die „Dorstener Zeitung“ bat den Raesfelder Bürgermeister Andreas Grotendorst um eine Stellungnahme: Er stehe im Gespräch mit der Kommunalaufsicht. „Das Thema Keller war in vielen Rats- und Ausschusssitzungen bereits Thema“, sagt er. Das Thema Grundstücksverhandlungen sei dem nicht-öffentlichen Teil der Sitzungen zugeordnet. Ob im Rat am 31. August im nicht-öffentlichen Teil über das Landhaus Keller gesprochen worden sei, wollte Grotendorst nicht beantworten. Jeweils am Ende des nicht-öffentlichen Teils entscheide der Rat, welche Infos für die Öffentlichkeit freigegeben werde – und für diesen Punkt habe er keine Freigabe, so Grotendorst.
Per Dringlichkeitsentscheidung hatte die Gemeinde Raesfeld das Landhaus Keller ersteigert. Ein Erler schaltete die Kommunalaufsicht ein, um dies prüfen zu lassen. Das Ergebnis: Die Dringlichkeitsentscheidung war rechtens. Unklar ist weiterhin, wie es genau mit dem Landhaus Keller weitergeht. Man sei immer noch in Gesprächen mit Interessenten, hieß es zuletzt seitens der Raesfelder Verwaltung (Stand November 2020).

Landhaus Keller ist verkauft und soll zum Naturparkhotel werden

Die Gemeinde Raesfeld hat das Landhaus Keller inzwischen verkauft. Investor Tobias Brun will aus dem Landhaus ein Naturparkhotel machen. Über die Verkaufssumme gibt es keine Auskunft. Vorläufig ist in dem Gebäude eine „Pop-up-Gastronomie“ untergebracht. Eine Wiedereröffnung als Hotel wird nicht vor 2022 erwartet.

Altenheim „Haus Keller“ in Holsterhausen wird geschlossen

Das in Insolvenz befindliche Alten- und Pflegeheim „Haus Keller“ muss geschlossen werden. Im Haus Keller am Stillen Weg in Holsterhausen und der benachbarten Dependance „Haus Unterberg“ gibt es insgesamt 22 Plätze für Senioren und 24 Beschäftigte. Bewohner in der Langzeitpflege sowie alle Beschäftigten können nach Auskunft des Insolvenzverwalters im  Haus in Raesfeld untergebracht werden (Stand Januar 2020).

Siehe auch: Insolvenzen


Quellen: RP vom 19. März 2019. – DZ vom 20. Juni 2019

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