Jenke, Gerhard

Betriebsleiter des Kalksandsteinwerks Holsterhausen stürzte 1968 vom Dach

1912 in Mittelsteine/Schlesien bis 1968 in Dorsten; Maschinenbau-Ingenieur, Leiter des Kalksandsteinwerkes Holsterhausen im Emmelkamp, das zu den „Coesfelder Kalksandsteinwerken“ gehörte. – Geleitet hatte er das Werk neun Jahre lang, wohnte mit seiner Familie in unmittelbarer Nähe des Werkes, das damals noch zu Altschermbeck gehörte und somit zum Amt Hervest-Dorsten, aber nicht zur Stadt Dorsten. 1968 erlitt er einen tödlichen Betriebsunfall: nach einem heftigen Sommergewitter in der vorausgegangenen Nacht inspizierte er zusammen mit einem Mitarbeiter am 2. August 1968 frühmorgens die Schäden auf den großen, mit Eternit gedeckten Dachflächen der Werksgebäude. Dabei rutschte er auf der nach dem Regen noch glitschigen Dachfläche aus und stürzte sechs Meter in die Tiefe.

Bestattet auf dem Holsterhausener Waldfriedhof

Nach der Schule, die er in Mittelsteine im Kreis Neurode besuchte, machte er ein Praktikum in einer Maschinenfabrik und Eisengießerei in Glatz, studierte von 1931 bis 1934 Maschinenbau an der „Technischen Lehranstalt für Maschinenwesen“ in Görlitz (entspricht heute einer Technischen Universität). 1934/35 gehörte er dem Kraftfahrlehrkommando (Tarnbezeichnung für die im Aufbau befindlichen Panzerregimente) des Heeres in Zossen an, heiratete und arbeitete ab 1936 als Maschinenbauingenieur bei Siemens & Halske in Berlin. Von 1941 bis 1945 war er als „Technischer Kriegsverwaltungsinspektor“ bei der Wehrmacht und u. a. in Nordafrika eingesetzt. Nach dem Krieg fand er von 1949 bis 1951 eine Anstellung beim Kalksandsteinwerk in Honerdingen/Fallingbostel, danach war Gerhard Jenke bis 1954 Mitarbeiter in der Konstruktionsabteilung für Baumaschinen der Atlas-Werke-Bremen und baute mehrerer Kalksandsteinwerke bis zur Inbetriebnahme auf. 1959 kam er nach Dorsten bzw. Altschermbeck und übernahm die Betriebsleitung des Kalksandsteinwerks in der Gemarkung Emmelkamp, die 1975 zu Dorsten-Holsterhausen kam. Drei Tage nach einem Betriebsunfall verstarb Gerhard Jenke am 5. August 1968 mit 55 Jahren im St. Elisabeth-Krankenhaus in Dorsten und wurde auf dem Waldfriedhof Holsterhausen bestattet.

Von 1959 bis 1968 erweiterte und modernisierte er den Betrieb

Gerhard Jenke erweiterte und modernisierte das Dorstener Kalksandsteinwerk, einem von drei Standorten der „Rüskamp Kalksandsteinwerke“ in „Dorsten-Freudenberg“, so die offizielle Adressierung des Unternehmens. Er bekam viele Ehrungen der Berufsverbände und der Politik, war bei der Firmenleitung in Coesfeld äußerst angesehen und bei seinen Mitarbeitern in Dorsten sehr beliebt, nicht nur wegen seiner Fachkenntnisse und seinem Geschick, diese in die Praxis umzusetzen, sondern auch in seiner freundlichen Art, was seine Zeugnisse übereinstimmend aussagen. Bei seinem unerwarteten Tod hinterließ er neben seiner Frau Anita drei Kinder: Dr. Jürgen Jenke (1947), Brigitte verheiratete Labruguiere (1949) und Claudia Jenke (1966). Aus der ersten Ehe stammte sein Sohn Werner Jenke (1936-2016), der als Kapitän von Bremen aus zeitlebens auf allen Weltmeeren unterwegs war. Die Familie zog im Sommer 1972, als Claudia schulpflichtig wurde, nach Hannover und damit zurück in die Nähe der alten Heimat.

Beerdigung am 10. August 1968, Waldfriedhof Holsterhausen; Foto: Adrian

Wie beliebt und bekannt der heute ziemlich vergessene Gerhard Jenke in Dorsten und darüber hinaus war, belegen auch die vielen Beileidsschreiben, die seine Frau erhalten hatte. Darunter sind bekannte Dorstener Familien und Politiker ebenso wie Wirtschaftsunternehmen, auch viele auch Nordrhein-Westfalen sowie Verterter von Landes- und Bundesverbänden. Das Haus der Familie lag in unmittelbarer Nähe des Kalksandsteinwerkes. Die Trauerfeier fand auf Wunsch der Familie im Haus statt. Um den Weg der großen Trauergesellschaft vom Wohnhaus über die Borkener Straße und über den Tüshausweg zum Friedhof sicher zu stellen, musste von der Polizei eine Fahrspur der Borkener Straße für den langen Trauerzug vorübergehend gesperrt werden. Nach der Beisetzung wurden alle Teilnehmer zum Trauerkaffee ins Hotel Humbert in Wulfen eingeladen. Um den Transport der vielen Trauergäste vom Waldfriedhof nach Wulfen und zurück zu organisieren, wurden zwei Busse im Pendelverkehr eingesetzt.

 

Siehe auch: Kalksandsteinwerk Holsterhausen

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