Funke, Cornelia

Autorin gehört zu den 100 „einflussreichsten Persönlichkeiten“ der Welt

Cornelia Funke

Cornelia Funke, 2011; Foro: dpa

Geboren 1958 in Dorsten; Kinderbuchautorin. – Die ausgebildete Sozialpädagogin arbeitete in Hamburg nachmittags mit Kindern auf einem Bauspielplatz und studierte Vormittag Buchillustration. Ihr erstes von ihr illustriertes Kinderbuch „Die große Drachensuche erschien 1988.  Mit dem Schreiben begann sie schon 1986. Sie beschreibt es, ähnlich wie das Illustrieren, als eine weitere Variante des Geschichtenerzählens. Vor der amerikanischen Verfilmung des Fantasy-Abenteuers „Tintenherz“ zog Funke im April 2005 vom ländlichen Ohlstedt im Norden Hamburgs mit ihrer Familie nach Los Angeles. Ihr Mann Rolf Frahms, gelernter Buchdrucker, der ihr stets den Freiraum fürs Schreiben geschaffen und sich nach dem Architekturstudium um Haushalt und Kinder gekümmert hatte, während sie als Geschäftsfrau die Familie ernährte, starb im März 2006 an Krebs. Cornelia Funke blieb mit den beiden Kindern Anna (geb. 1989) und Ben (geb. 1994) in ihrem Haus in Beverly Hills, das früher Faye Dunaway gehörte. Cornelia Funke charakterisiert sich selbst als Familienmensch, liebt den großen Garten, Haustiere und die Lektüre, vorzugsweise angelsächsischer Autoren.

Von der Illustratorin zur Schriftstellerin

Nach dem Motto „Warum fremde Texte illustrieren, selbst schreiben“ widmete sie sich erfolgreich der Romanschriftstellerei (erster Erfolg: „Die wilden Hühner“). Ihren internationalen Durchbruch erlebte sie allerdings erst im Jahr 2000 mit „Herr der Diebe“, einem Jugendroman um die verwaisten Geschwister Bonifazius und Prosper (FAZ). Mit einer englischen Übersetzung konnte sie einen Verlag begeistern, was einen Reporter des „Wall Street Journal“ veranlasste, die Dorstenerin mit Harry Potters englischer Erfinderin J. K. Rowlings zu vergleichen. In England waren die ersten 10.000 Hardcovers dieses Romans bereits nach einem Tag verkauft, ebenso die 40.000 Taschenbücher. In den USA war das Werk mit 75.000 Exemplaren und gleichem Erfolg erschienen. Zeitweilig versuchte Cornelia Funke auch auf Englisch zu schreiben, gab das aber wieder auf. Cornelia Funke wurde jetzt in deutschen Medien überaus bekannt. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am 6. Oktober 2012:

„Obwohl Funke zu diesem Zeitpunkt schon mehr als 40 Bücher veröffentlicht hatte und etwa eine Million Titel  mit ihrem Namen verkauft worden waren, hatte die Bestsellerliste des ,Spiegels’ sie bis dahin ignoriert.“

2003 erschien der Roman Tintenherz“, ihre Fantasiy-Ode an Brendan „Mo“ Fraser nicht nur in Deutschland, sondern unter dem Titel „Inkheart“ gleichzeitig in Amerika, England und Australien. Als Hollywood Interesser an die Verfilmung zeigte, zog sie nach Los Angeles. Auch in Deutschland erhielt sie Auszeichnungen. 2002 erhielt sie den Evangelischen Buchpreis des Deutschen Verbandes Evangelischer Büchereien. 2003 stufte die Stiftung Buchkunst „Tintenherz“ als eines der „schönsten Bücher“ ein, gleich vier ihrer Titel wurden 2004 in Hollywood verfilmt. – Im gleichen Jahr kam ihr Titel „Tintenherz“ auf Platz 11 der ZDF-Aktion „Das große Lesen“, an der sich 250.000 Zuschauer beteiligt hatten. Die Autorin ist mit Preisen und Auszeichnungen überschüttet: von der „Kalbacher Klapperschlange“ über den „Silbernen Griffel“ aus den Niederlanden bis zu dem Gandersheimer „Roswitha-Preis“ und den Kasseler „Jacob-Grimm-Preis“. Das amerikanische Magazin „Time“ kürte die Dorstener Geschichtenerzählerin neben Präsident Georg W. Bush, Apple-Gründer Steve Jobs und dem Dalai Lama zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt – als Deutsche neben dem Rennfahrer Michael Schumacher und Papst Benedikt XVI. Sie selbst versteht sich als Geschichtenerzählerin bzw. als Worterfinderin, die gerne Fragen stelle, ohne die Antworten zu liefern, weil sie sich nicht für klüger hält als ihre Leser (Stuttgarter Nachrichten vom 10. Dezember 2008). Bis 2007 wurden allein in deutscher Sprache sechs Millionen ihrer Bücher verkauft, von denen es einige auch als Bühnenfassungen gibt. Detlev Buck verfilmte 2007 mit prominenter Besetzung Cornelia Funkes zehn Jahre zuvor veröffentlichtes Buch „Hände weg von Mississippi“ (1997), in dem ein zehnjähriges Mädchen eine Stute vor dem Pferdeschlachter rettet.

Bundesverdienstkreuz für Cornelia Funke

2008 wurde der Schriftstellerin im Goethe-Institut Los Angeles, der Wahlheimat Cornelia Funkes, das Bundesverdienstkreuz verliehen. Die Gesamtauflage ihrer Bücher lag Ende 2005 bei etwas über 10 Millionen Exemplaren. 2006/07 waren die weiteren Verfilmungen ihrer Bücher „Die wilden Hühner“, „Hände weg von Mississippi“ und „Die wilden Hühner und die Liebe“ große Kino-Erfolge.

An der Einrichtung eines „Baumhauses“ im ehemaligen Dorstener Bibliotheksgebäude am Rathaus hat sich Cornelia Funke beteiligt. Ein 2010 gegründeter privater Verein will Kinder wieder mehr für das Lesen und Schreiben begeistern. Im Mai 2012 besuchte die Autorin erneut ihre Familie in Dorsten. Dabei machte das offizielle Dorsten ihr die Aufwartung. Ihr zu Ehren widmete der Dorstener Kunstverein im „Cornelia-Funke-Baumhaus“ am Rathaus eine Ausstellung mit rund 50 selbst gefertigten Buchillustrationen der Bestseller-Autorin unter dem Titel „Werwölfe, Ritter und andere Gestalten“. Die Illustrationen stammten aus dem Fundus, der 2009/2010 im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover ausgestellt war. – Mittlerweile hatte sich Cornelia Funke in der Liste der „Bestseller des Jahrzehnts“ (Spiegel)  gleich drei Plätze gesichert: „Tintenwelt”-Trilogie ist in den Top 20 des Jahrzehnts komplett vertreten.

Schreibwerkstatt mit Gesamtschülern in Wulfen

2012 war Cornelia Funke mehrmals in ihrer Heimatstadt. Nachdem sie schon dem Gymnasium Petrinum und dem Gymnasium St. Ursula einen Besuch abgestattet hatte, war Cornelia Funke, die inzwischen in Los Angeles lebt, im Oktober 2012 zu Gast an der Gesamtschule Wulfen. Die Autorin hatte Schüler der sechsten Klasse zu einer Schreibwerkstatt eingeladen und ihnen aus ihren Büchern vorgelesen.

In „Tintenherz“ geht es auch um Bücher

Cornelia Funke hat selbst nicht geglaubt, dass dieses Buch derart viele Leser begeistern wird. Das schreibt die Autorin im Vorwort des neu aufgelegten Romans „Tintenherz“. Über fünf Millionen Mal wurde der erste Band der Tintenwelt-Trilogie weltweit verkauft, seitdem die Geschichte über Meggie und ihren Vater Mo am 15. September 2003 erstmals in die deutschen Buchläden kam. Bücher spielen auch die Hauptrolle in dieser Geschichte, bei der sich Meggie wundert, warum der Vater ihr nicht vorlesen mag. Doch Mo kann Figuren aus Büchern herauslesen, während echte Menschen darin verschwinden. Die Jubiläumsausgabe hat Funke um drei zusätzliche Erzählungen aus der Tintenwelt und um alternative Umschlagentwürfe erweitert – nicht unbedingt ein Muss für alle Funke-Fans, aber ein besonderes Liebhaberstück. Die Hollywood-Verfilmung, bei der sich Funke eingebracht hatte, stieß allerdings wegen „Überladung“ in vielen Medien nicht auf positive Kritiken. Das war ihr eine Warnung. Die FAZ zitiert sie: „An Leidenschaft hat es damals bestimmt nicht gefehlt. Die Charaktere waren aber zu komplex.“

Ihre in 40 Sprachen übersetzten Bücher erreichten bis jetzt eine Auflage von über 20 Millionen. Neben neuem Schreiben bestimmen Lesereisen und Schulprojekte ihren Alltag. „Das Traurige am Berühmtsein ist“, sagt sie der FAZ, „dass man viele Menschen kennenlernt, die das Leben bereichern, aber keine Zeit hast, die Verbindungen auch zu pflegen.“

2015 erhielt die Bestsellerautorin Cornelia Funke „Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis“. Die mit 12.800 Euro dotierte Auszeichnung ehrt die weltbekannte Erzählerin für „herausragende literarische Leistungen“, so der preisstiftende Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Münster. Die Jury befand, Funkes Werke seien ein Plädoyer für die Macht der Fantasie, die in die Leser in die Lage versetzt, „selbst widrigste Lebensumstände zu meistern“. Funke erlangte mit Büchern wie „Herr der Diebe“, der „Tintenwelt“-Trilogie und der „Spiegelwelt“-Serie große Popularität. Ihre Geschichten wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt.

Mit „Geisterreiter“ erstmals ein Funke-Buch als Kinderoper inszeniert

Aus ihrem Buch „Geisterreiter“ soll erstmals eine Kinderoper entstehen, die am 3. Dezember 2017 am Theater Bonn uraufgeführt werden wird. In den darauffolgenden Spieltzeiten wird das Stück am Theater Dortmund und an der Rheinoper zu sehen sein. Im Mittelpunkt steht Jon Whitcroft, der an seiner neuen Schule eine gesprenstische Begegnung erlebt. Dazu Cornelia Funke: „Wenn man wirklich Kinder verführen möchte, sich so einer immer bedrohteren Kunstform wie der Oper zu nähern, dann muss man das auch wirklich mit dem bestmöglichsten Zauber tun.“

Werke (Auswahl): „Die große Drachensuche oder Ben und Lisa fliegen aufs Dach der Welt“ (1988), „Potilla und der Mützendieb“ (1992; auch als CD und Theaterstück, Uraufführung 2004 vom Theater Oberhausen), „Käpt’n Knitterbart und seine Bande“ (1993; mit Folgebänden), „Gespensterjäger auf eisiger Spur“ (1993; mit Folgebänden), „Die wilden Hühner auf Klassenfahrt“ (1993; mit Folgebänden, verfilmt 2006), „Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel“ (1994; Uraufführung 2007 vom Musical Ensemble der Stadt Hamm und adaptiert von der Augsburger Puppenkiste), „Zwei wilde kleine Hexen“ (1994), „Zottelkralle, das Erdmonster“ (1994; Uraufführung 2008 am Deutschen Theater in Göttingen), „Kleiner Werwolf“ (1996), „Drachenreiter“ (1997), „Prinzessin Isabella“ (1997), „Hände weg von Mississippi“ (1997, verfilmt 2007), „Das verzauberte Klassenzimmer“ (1997), „Dicke Freundinnen“ (1998), „Igraine Ohnefurcht“ (1998), „Verflixt und zugehext“ (1998; Bilderbuch), „Das Piratenschwein“ (1999), „Herr der Diebe“ (2000; „The Thief Lord“ 2002, England/USA, verfilmt 2006, als Theaterstück Uraufführung 2007 an der Waldbühne Hessen), „Der verlorene Wackelzahn“ (2000; Bilderbuch), „Mick und Mo im Wilden Westen“ (2000; Erstlese-Reihe; 2002 in engl. Sprache), „Tintenherz“ (2003; auch als Theaterstück, Uraufführung 2004 am Schauspielhaus Hannover und Musical, Uraufführung 2006 am Jungen Theater Bonn, verfilmt 2008), „Die Glücksfee“ (2003; zusammen mit Sybille Hein), „Lilli und Flosse“ (2004), „Kein Keks für Kobolde“ (2004; auch als MC und CD), „Geschichten aus der Schule“ (2004), „Der wildeste Bruder der Welt““ (2004; illustriert von Kerstin Meyer), „Mick und Mo im Weltraum“ (2004), „Von Drachen, Rittern und Piraten“ (2005), „Rosannas großer Bruder“ (2005; illustriert von Jacky Gleich), „Tintenblut“ (2005; Uraufführung 2006 am Schauspielhaus in Hannover), „Tintentod“ (2007; auch als Theaterstück, Uraufführung 2008 am Schauspielhaus Hannover), „Anna-Geschichten“ (2007), „Wo das Glück wächst“ (2008; zusammen mit Regina Kehn), „Das Monster vom blauen Plaenten“ (2008; illustriert von Barbara Scholz), „Gespensterjäger“ (2009), „Der verlorene Engel“ (2009), „De Gallinis Ferocibus“ (2009, Editio Latina von „Die Wilden Hühner“), „Riesengroßes Hexenpech“ (2010), „Reckless. Steinernes Fleisch“ (2010, Roman), „Geisterritter“ (2011 mit Illustrationen von Friedrich Hechelmann, Uraufführung 2012 am Thalia Theater Hamburg, Regie Christina Rast), „Reckless. Lebende Schatten“ (2012, mit  Illustrationen von Funke, 31. Oktober 2012: Uraufführung am Staatsschauspiel Dresden; Schauspielhaus: „Reckless II – Lebendige Schatten“, Regie: Sandra Strunz, „Das Goldene Garn“, Band 3, Fortsetzungsband der Reckless-Serie (2015). „Drachenreiter. Die Feder eines Greifs“, Dressler-Verlag Hamburg (2016 in einer Startauflage von 100.000 Exemplaren).

Auszeichnungen u. a.: „Kalbacher Klapperschlange“ (1998), „La vache qui lit“ (1998), „Wildweibchenpreis“ (2000), „Heidelberger-Jubiläums-Leander“ (2000), Auswahlliste Deutscher Jugendliteraturpreis (2001), Preis der Jury der jungen Leser (2001), Evangelischer Buchpreis (2002), Mildred L. Batchelder Award (2003), Booksense Award (2003), Corine Internationaler Buchpreis (2003), Nordstemmer Zuckerrübe (2003), Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar (2004), Literaturpreis des Bundes Deutscher Schriftsteller (2004), Auszeichnung als „einflussreichste Deutsche der Welt“ durch das „Time Magazine“ (2005), Bundesverdienstkreuz am Bande (2008), Roswitha-Preis (2008), „Bambi“ in der Kategorie Kultur (2008). Jacob-Grimm-Preis Kassel (Kulturpreis deutsche Sprache, 2009), „Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis“ (Münster 2015).

Literatur u. a.: „Mein Leben – Cornelia Funke“ (2007, Arte), Hildegunde Latsch: „Cornelia Funke. Spionin der Kinder“ (2008), „Deutschland, deine Künstler“ (ARD-Porträt, 2008).

Mitgliedschaften: Schirmherrin der Hilfsorganisation „exilio, Hilfe für Flüchtlinge und Folteropfer e.V.“, Mitglied der Greenpeace-Initiative „Autorinnen für die Urwälder“, Schirmherrin  „Baumhaus Dorsten“.


Siehe auch:
Literaten, lebend

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