Durchreise des Landesherrn

Kurfürst Maximilian Friedrich wurde am 17. Mai 1783 in Dorsten empfangen

Das „Dorstener Wochenblatt“ veröffentlichte in seiner Beilage „Concordia – Blätter zur Belehrung“ am 11. März 1793 einen Bericht über die Durchreise des Dorstener Landesherrn Maximilian Friedrich, Reichsgraf von Königsegg-Rot(h)enfels, Kurfürst und Erzbischofs von Köln und zugleich Bischof von Münster am 17. Mai 1783. Ein Jahr später starb er. Der Kurfürst war auf der Reise nach Münster. Hier die wörtliche Wiedergabe des Artikels von 1793:

Mit Postillon und vestischer Bürgerschaft zu Pferd in Dorsten empfangen

Der Churfürst langte Vormittag disseit des Rohrflusses zu Oberhausen als den Vestischen Grentzen an, also Höchstdieselbe von den Löblichen Vestischen Ritterschafts-Deputirten, Höchst Dero Geheimen Rath und Vestischen Jägermei­ster, Grafen Clemens August von Merveldt, dann Höchst Dero Cammerhern Frey­herren von der Reck zu Ulenbrock unterthänigst gehorsamst empfangen wurden, und das in der Vestischen Haupt-Stadt Dorsten von Löbl[licher] Ritterschaft angeord­netes und von gemeldten Deputirten unterthänigst anerbottenes Mittagmahl mit den gnädigsten Ausdrückungen auf- und anzunehmen geruheten.

Münzen mit dem Konterfei des Landesherrn

Zwey Stunden von Dorsten an dem sogenannten blassen Kamp stunde der Vestische Postmeister Rive mit einigen blasenden Postillons, und einem Escadron der Dörstischen Bürgerschaft zu Pferd, diese zertheilten sich bey Höchster Ankunft Ihro Churfürstlichen Gnaden in zwey Brigaden, und begleiteten Höchstdieselbe unter stets anhaltendem Schall zwey vorreitender Trompetern, und ebengemeldeten Postillons bis auf einen Steinwurf vor der Stadt Dorsten, allwo die Studenten bey dem von ihnen aufgerichteten und mit verschiedenen sinnreichen Versen und Jahrzahlen ausgezierten Schwib- und Triumph-Bogen, mit ihren fliegenden Fahnen unterthänigst aufwarteten. Das Städtische Junggesellen-Corps unter Anführung des Majoren Lugge nebst einer ausgesuchten und wohlexercirten Grenadier-Compagnie mit fliegenden Fahnen und klingendem Spiel fiengen allhier an zu dem Zug zu stossen, und selben in Bewunderungswürdiger Ordnung zu schließen.

An dem Stadt-Tor wurde der Theureste Landes-Fürst von dasigem Clero und Stadts-Rath unterthänigst demüthigst bewillkommet; und geschähe der Zug weiter durch die Stadt, allwo die Straßen mit verschiedenen Schwib- und Triumph-Bögen ausgezieret, und durch eine doppelte Hecke der unterm Gewehr mit Ihren Fahnen und klingendem Spiel paradirenden Bürgerschaft besetzt waren. Bey der Behausung des Hof-Rathen auch dasigen Richtern und Vestischen Ritterschafts-Syndici Jungeblodt fanden sich der Vestische Stadthalter Graf von Nes­selrode mit gesamter Vestischer Ritterschaft und allen Beambten ein, um ihre unterthänigst-gehorsamste Devotion zu bezeigen, und die behörende Bewillkomms-Complimenten abzulegen, welche Ihro Churfürstliche Gnaden mit besonderer Gnad und Milde zu verdanken und zu beantworten geruheten.

Mittagessen, Kanonenschüsse und lautes Vivat-Geschrei der Bürger

Obelisk des Kurfürsten auf dem Bonner Marktplatz

Nach eingenommenen Mittagsmahl, wehrend welchem das Knallen des groben und kleinen Kanonenschüsse, der Schall der Trompeten, und das freudige Vivat-Geschrey gar nicht aufgehört, zu Höchstdieselbe mit oberwehnten Aufzug auswärts der Stadt bis an den Lippstrohm begleitet, und wäre der Raum des dortigen Ufers bey nahe zu klein, alle Zuschauer zu fassen, die die sehnlichste Begierde. ihren Gnädigsten Landes-Fürsten und Herren zu sehen dorthin gezogen und versamm­let hatte. Da abseiten eines Hochwürdigen Dom-Capituls zu Münster und dasiger Rit­terschaft abgesendete Deputirte Herr von Spiegel zum Diesenberg und Canstein, Dom-Capitular, Vice-Dom. und Cantor, Hochfürstl. Münsterisch Geheimer und Kriegs-Rath, auch weltlicher Hof-Richter, Herr von Böselager zu Eggermühlen Dom-Capitular und Churcöllnischer Geheimer-Rath, sodann Herr Graf von Merveld, Churcöllnischer Geheimer Rath, Vestischer Jägermeister, und Hochfürstl. Münsterischer Oberkuchel-Meister und Freyherr von Twickel zu Havixbeck, Hochfürstl. Münsterischer Geheimer Rath und Droste der Aemter Rheine und Bever­gern, welche allschon in Dorsten zu vorerwehnten Mittagsmahl gezogen gewesen, warteten auf dieser Seite des Lippstrohms, (weilen die stehende Brücke zu Dorsten bey vorgewesenen leidigen Krieg abgebrochen, und noch nicht wieder zu stand ge­kommen) um Ihro Churfürstl. Gnaden bei Betrettung des Hochstifts Münsteri­schen Bodens die unterthänigst treugehorsamste Devotion abzulegen.

Dankreden vor der Weiterreise und wieder viel Vivat-Geschrei

Alle Pastores und Geistliche der Münsterischen umliegenden Ortschaften fan­den sich alldorten mit ihren Pfarrgenossen ein, und hatten sich die Unterthanen von sieben benachbarten Dorfschaften mit fliegenden Fahnen und klingendem Spiel in einer doppelten Reyhe unterm Gewehr gestellt, um Ihrem theuresten Landes-Vatter unterthänigst aufzuwarten. Nach verschiedenen und mannigfaltig sinnreich ausgesonnenen mildest angehörten und verdanckten Anreden, begaben sich Ihro Churfürstl. Gnaden in Dero Reise-Wagen, und setzten unter ohnzahlbar wiederholten Vivat Geschrey Dero Reise auf Dülmen fort…

Maximilian Friedrich, Reichsgraf von Königsegg-Rot(h)enfels war von 1761 bis 1784 Erzbischof von Köln und damit Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches sowie Erzkanzler für dessen italienische Nation. Er war auch Fürstbischof von Münster. Geboren wurde er 1708 in Köln, er starb 1784 in Bonn. In seine Zeit fallen bedeutende Reformen im Sinn der katholischen Aufklärung. Sein Interesse an der Regierungstätigkeit, vor allem Bautätigkeit, ließ mit dem Alter nach, was später zur abschätzigen Beurteilung seiner Regierungszeit führte. Er unterhielt im fortgeschrittenen Alter eine Beziehung zur Tänzerin Isabella Barbieri.

Siehe auch: Landesherren von Dorsten
Siehe auch: Landesherren der Herrlichkeit
Siehe auch: Maximilian Franz von Österreich

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