Brennereien

Der Schwerpunkt des Brennereigewerbes lag im Dorstener Raum

Brennerei .......................

Brennerei Böckenhoff an der Kirchhellener Allee (1976); Heute steht dort das Seniorenheim „Hotel am Kamin“

Das Brennerei- und Brauereigewerbe (siehe Brauereien) beruhte ausschließlich auf heimischer Agrarproduktion. Während die Brauerei mehr im östlichen Teil des Vestes betrieben wurde, lag der Schwerpunkt des vestischen Brennereigewerbes im Dorstener Raum, wo die Branntweinausfuhr zum Teil in Form des Schmuggels nach Holland eine Rolle spielte.

In den 1780er-Jahren wurde in Dorsten die größte und modernste Brennerei des Vests errichtet. Sie erzeugte die doppelte Menge an Branntwein wie die nächst kleinere, und sie destillierte die reife Maische und den Rohbranntwein in verschiedenen Kesseln, während die übrigen Brennereien beide Arbeitsvorgänge im selben Kessel vornahmen. In der Französischen Zeit von 1811 bis 1814 gab es in Lembeck und in Altschermbeck jeweils eine Branntweinbrennerei. Später kamen in Wulfen, Hervest, Erle und Lembeck noch weitere kleinere dazu, die sich mit der Zeit vergrößerten. Im Jahre 1841 gab es eine Brennerei von Raesfeld auf dem Gut Hohenkamp, Tüshaus, Vennhoff und Brunn in Deuten, Böckenhoff in Erle (besteht noch), Brüggemann in Üfte, Einhaus und Schulte Tenderich in Hervest sowie Cosanne resp. Meinert in Lembeck. 1871 wurde die Kornbrennerei Mergen in Wulfen gegründet. Die Brennereien auf Gut Hohenkamp und Tüshaus in Deuten waren die größten und zahlten im Jahr 2.000 bis 2.500 Taler Maischsteuer. Im Vergleich dazu zahlten die kleineren Brennereien (Brüggemann, Einhaus, Cosanne, Schulte Tenderich) 60 bis 250 Taler im Jahr.

Neun Brennereien in Dorsten und in der Herrlichkeit

Bis 1870 waren in Dorsten, Hervest und Holsterhausen neun Brennereien in Betrieb, darunter die Branntweinbrennereien und Likörfabriken von Franz-Josef de Weldige-Cremer und Ludwig Humperdinck. Dies waren meist Zwergbetriebe, die nicht das ganze Jahr hindurch produzierten. Neben dem einfachen Kornbranntwein wurde auch Wacholder und Aniswasser erzeugt, als Rohstoff diente fast ausschließlich Getreide. Als die Konkurrenz des so genannten bayerischen Bieres nach 1850 zunahm, bewirkte dies auch einen Rückgang des Branntweinverbrauchs. Daher ging die Anzahl der Brennereien bis 1900 auf vier zurück; 1970 waren nur noch zwei Brennereien in Betrieb: Böckenhoff an der Kirchhellener Allee wurde 1976 abgebrochen und im selben Jahr die Kornbrennerei Bövingloh am Westwall, um für den Neubau des Kaufhauses Woolworth Platz zu machen.

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