Angeklagt und verurteilt (2020)

Kriminelle vor Gericht: Diebe, Betrüger, Sexualtäter, Einbrecher, Räuber

 

Die Mutter von fünf kleinen Kindern: Helfen oder wegsperren? Immer wieder wird eine 32-jährige Mutter von fünf kleinen Kindern wegen Betrügereien verurteilt. Ende Juni 2020 stand sie wieder vor Gericht. Helfen oder wegsperren? Wie geht man juristisch mit einer 32-jährigen Mutter von fünf Kindern im Alter von zwei bis zehn Jahren um, die immer wieder Betrügereien begeht? Die Wulfenerin fand sich vor dem Dorstener Schöffengericht wieder – auf ihrem Schoß saß ihre zweijährige Tochter. Obwohl sie unter gleich dreifacher Bewährung stand, wurde sie erneut straffällig. Sie verkaufte im Internet-Auktionshaus „Ebay“ an zwei Kunden vermeintliche Tickets für das DFB-Pokalendspiel in Berlin. Die Käufer zahlten – die Karten erhielten sie aber nie. Die Angeklagte sagte, das Geld sei noch auf ihrem Paypal-Konto, das allerdings gesperrt sei. Dann soll die 32-Jährige Kleider unter falschem Namen bestellt haben. „War ich nicht“, sagte sie. Zweimal wurde die Angeklagte außerdem von der Polizei geblitzt, mit einem Auto, welches das Kennzeichen eines anderen Halters trug. „Das Nummernschild haben wir seit Jahren, mehr weiß ich nicht.“ Erneutes Schulterzucken. „Mein Mann hat sich um solche Sachen gekümmert.“
Dabei war sie schon mal wegen des gleichen Delikts verurteilt worden. Wegen der Coronazeit musste die Wulfenerin einen ihrer Depression geschuldeten Aufenthalt in einer psychiatrischen LWL-Klinik abbrechen. Ihr Verteidiger forderte, „Gnade vor Recht“ ergehen zu lassen: Was bringt eine Haft, fragte er, die Angeklagte „wird zerbrechen, ihre Familie wird zerbrechen“. Das Schöffengericht schloss sich aber dem Antrag des Staatsanwalts an: ein Jahr Haft. Gegen das Urteil legte ihr Anwalt Berufung ein (Quelle: Michael Klein in DZ vom 26. Juni 2020).

Ein Autofahrer fühlte sich gefährdet und beleidigte Feuerwehrleute. Ein Löschtrupp der Freiwilligen Feuerwehr Dorsten war mit Blaulicht und Martinshorn auf dem Weg zu einem Einsatz. Die Verkehrssituation auf der Hervester Straße in Wulfen war dadurch wohl etwas undurchschaubar, was einen Lembecker Rentner so ärgerte, zumal er eine Vollbremsung hinlegen musste, dass er die im Einsatz befindlichen Feuerwehrleute beleidigte. Der 68-Jährige war Mitte Oktober 2019 mit dem Auto auf dem Heimweg vom Seefest in Haltern. Da kam ihm auf der Hervester Straße ein Feuerwehrwagen entgegen. Der Angeklagte glaubte, das Einsatzfahrzeug würde geradeaus fahren, doch dann bog es ab auf die Fahrbahn ab, auf der der Rentner fuhr ab und eine  Vollbremsung machen musste. Verärgert fuhr er dem Einsatzfahrzeug hinterher, um die Feuerwehrleute zur Rede zu stellen. Als er ihnen dann den Vorwurf machte, sie hätten bei der Einbiegung nicht geblinkt, was die Feuerwehrleute zurückwiesen, beschimpfte er die Feuerwehrleute: „Wie behindert seid Ihr denn?“ „Seid Ihr denn alle blöd hier?“ Vor Gericht beteuerte der Lembecker, dass er damit nur seinen Schwiegersohn meinte hätte, der zufällig als Feuerwehrmann in Einsatzfahrzeug saß, da dieser  bestätigte, dass das Feuerwehrauto wohl geblinkt hätte. Vor Gericht meinte der Rentner: „Die haben als Gruppe eine Falschaussage gemacht, da bin ich sauer geworden.“ Die als Zeugen geladenen Feuerwehrleute erklärten vor Gericht, dass sie selbst keinen Strafantrag gegen den Rentner gestellt hätten.  Der Einsatzleiter hatte die beleidigenden Worte aber im Einsatzbericht vermerkt. So stellte das Ordnungsamt der Stadt („Dienstanweisung“) Strafanzeige gegen den Lembecker. – Zunächst sollte der Rentner 300 Euro zahlen, dann wäre das Verfahren eingestellt worden. Als er das nicht wollte, bekam er einen Strafbefehl über 900 Euro. Beim Prozess kam er weitaus glimpflicher davon: Unter Verweis auf die „schwammige Beweisaufnahme“ reduzierte das Gericht die Geldbuße auf 100 Euro (Quelle: Michael Klein in DZ vom 24. Juni 2020).

Den Vater angegriffen: Sohn muss in die Psychiatrie. Der 34-jährige Angeklagte hatte beim Frühstück mit dem Messer auf seinen Vater eingestochen. Das Gericht wies ihn  Mitte Mai auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie ein. Zuletzt hatte der Dorstener sogar die Klinik, in der er sich befand, in Alarmbereitschaft versetzt. Nachdem er sich mit Messern bewaffnet in einem Raum verbarrikadiert hatte, musste ein Spezialeinsatzkommando der Polizei anrücken, um ihn zu überwältigen. Wie es heißt, wurde der 34-Jährige dabei durch ein Guckloch mit Elektroschocker-Pfeilen beschossen und so außer Gefecht gesetzt.
Unberechenbar und gefährlich: So hatte auch eine vom Gericht beauftragte Psychiaterin den Angeklagten eingestuft. Sie sprach von Schizophrenie, Verfolgungs- und Vergiftungswahn, verstärkt durch Alkohol- und Drogenkonsum. Alle bisherigen Behandlungsversuche seien fehlgeschlagen, weil der Dorstener immer wieder seine Medikamente absetze. Die seien jedoch absolut erforderlich. Genau das sieht der Angeklagte anders. Von Wahnvorstellungen will er nichts wissen. Alles sei Realität, dafür habe er Beweise. Fakt ist: Der 34-Jährige hatte immer wieder Anzeigen erstattet – sogar wegen Mordes. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten daraufhin natürlich auch ermittelt.  Allerdings gab es weder eine Vermisstenanzeige, geschweige denn eine Leiche. Ähnlich verlief es bei anderen Anzeigen und Beschuldigungen. Trotzdem: Auch vor Gericht blieb der Dorstener bei seinen Geschichten. Auch den Messerangriff auf seinen Vater am Morgen des 3. November 2019 hatte er vor Gericht nicht zugeben wollen. Er sprach stattdessen von einem Unfall. Er sei damals zum Frühstück bei seinen Eltern eingeladen gewesen, die im selben Haus wohnten. In der Küche sei es sehr eng gewesen, da müsse der Vater gestolpert und irgendwie ins Messer gefallen sein. Schwer war die Verletzung zum Glück nicht. Die Mutter, die daneben gestanden hatte, hatte später von einem „irren Blick“ ihres Sohnes gesprochen. Eine klassische Bestrafung für die Tat kam im Prozess nicht infrage. Laut Gutachten hatte sich der Dorstener aufgrund seiner schweren Erkrankung nicht mehr steuern können (Quelle: Werner von Braunschweig in DZ vom 15. Mai 2020).

Supermarkt-Manager zockt hochwertige Marken-Bekleidung ab. Drei Jahre lang ließ sich ein Projektmanager einer Supermarktkette von Herrenausstattern mit teuren Textilien beliefern – die Rechnungen zahlte er nie. Bei seinen Outfits zeigte der 48-Jährige Stil und Geschmack: Die Anzüge von „Hugo Boss“, die Schuhe von „Lloyds“, die Hosen von „Pepe Jeans“. Und auch sonst waren es zumeist hochwertige Markentextilien, die der Dorstener im Internet orderte: von Strellson, von Hilfiger, von Joop. Weniger Stil zeigt er allerdings beim Begleichen der Rechnung: nämlich gar keinen. Und das brachte dem technischen Projektmanager einer großen Supermarktkette einen dicken Strafprozess vor dem Dorstener Schöffengericht ein. Gleich 27 Betrugsdelikte listete die Anklage der Staatsanwaltschaft auf. Zumeist ließ sich der Dorstener unter falschen Angaben von Herrenausstattern Dutzende von Bekleidungsstücken liefern, bis hin zu Krawatten, Gürteln und Socken. Drei Jahre lang, für insgesamt 15.000 Euro. Was ihm nicht passte, schickte er retour. Das, was er behielt, bezahlte er jedoch nicht. Schaden insgesamt: mehr als 8000 Euro. Als Begründung seiner Straftaten gab der Pferdebesitzer und gut verdienender Mann Depressionen an: einen Schuldenberg in Höhe von 40.000 Euro, den Bruch seiner Ehe, Probleme mit der Familie, eine problematische Liebesbeziehung und seine Krebserkrankung.
Während die Staatsanwältin eine Haftstrafe in Höhe von zwei Jahren und drei Jahren forderte, appellierten seine beiden Anwälte, Milde walten zu lassen: Ansonsten könne er den finanziellen Schaden nicht wieder gutmachen, zumal sein derzeitiger Arbeitgeber trotz der begangenen Betrugstaten weiter zu dem Angeklagten steht. Das Schöffengericht ließ sich erweichen: Zwei Jahre auf Bewährung, die Schadenssumme muss er in Monatsraten in Höhe von 200 Euro abzahlen (Quelle: Michael Klein in DZ vom 21. Mai 2020).

Ehemann überfuhr seine Frau: Fahrlässige Tötung oder Mord? Auf der Zufahrt zum Parkplatz Schloss Lembeck wurde im September 2018 eine 65-jährige Bochumerin von einem Auto überrollt. Die Frau erlag ihren schweren Verletzungen. Noch am Unfallort nahm die Polizei den Ehemann der Frau fest. Ein Tötungsdelikt konnte nicht ausgeschlossen werden. Der Mann wurde später wieder freigelassen, die Ermittlungen gegen ihn gingen aber weiter. Zehn Monate nach dem tödlichen Unfall lag ein von der Staatsanwaltschaft Essen in Auftrag gegebenes Gutachten vor, das den Tatverdacht gegen den 79-Jährigen erhärtete. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ das Amtsgericht Dorsten einen Haftbefehl. Vor dem Landgericht Essen wurde ihm der Prozess gemacht. Die Staatsanwaltschaft forderte neun Jahre Haft wegen Totschlags. Das Gericht verurteilte den Ehemann allerdings lediglich wegen fahrlässiger Tötung zu drei Jahren Haft. Das wollte die Staatsanwaltschaft nichts akzeptieren und ging in Revision vor dem Bundesgerichtshof: „Die Frau ist gestürzt und lag am Boden. Das hat der Angeklagte im Rückspiegel gesehen und ist absichtlich rückwärts über den Körper gefahren.“ Anfangs war sogar von einem Mord die Rede gewesen. Der 79-jährige Angeklagte war nach der Urteilsverkündung nach mehr als sechs Monaten Untersuchungshaft wieder auf freien Fuß gekommen.
Ein Rückblick: Es war im September 2018, als der 79-Jährige sich auf dem Parkplatz von Schloss Lembeck mit seiner heimlichen Geliebten getroffen hatte. Was er nicht ahnte: Seine Ehefrau war ihm gefolgt und plötzlich an der Beifahrertür aufgetaucht. Die 65-Jährige war vom rechten Hinterrad seines schweren SUVs überrollt worden. Eine Herzkammer war gerissen. Die Frau verblutete auf dem Parkplatz.
Ein Kfz-Gutachter war zwar zu dem Schluss gekommen war, dass die 65-Jährige rückwärts überrollt worden ist. Überzeugen konnte er die Richter jedoch nicht. Sie glaubten, dass die Frau im Vorwärtsgang überfahren wurde. Sie müsse beim Anfahren zwischen Vorderrad und Hinterrad des Autos geraten sein, hieß es im Urteil. Eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs wird frühestens im September 2020 erfolgen. Sollte das Urteil des Essener Landgerichts aufgehoben werden, müssten andere Richter erneut über den Fall verhandeln (Quelle: Jörn Hartwich in DZ vom 23. Jan., 8. Febr., 27. März; Claudia Engel vom 29. Jan.)

Beziehungsdrama endet mit lebensgefährlichem Messerstich. Nach einem Streit griff eine Frau (53) zum Messer und stach ihren alkoholisierten Lebensgefährten (50) aus Notwehr nieder. Der Mann wurde lebensgefährlich verletzt – und musste sich im Juni 2020 vor Gericht.  Nach einem verbalen Streit wehrte sich die Frau in der Wohnung auf der Lindenfelder Straße in der Feldmark gegen ihren alkoholisierten Partner und verletzte ihn mit einem Messer derart schwer am Lungengewebe, dass zunächst Lebensgefahr bestand. Das Verfahren gegen die Frau wurde eingestellt, da sie in Notwehr gehandelt hatte. Doch ihr inzwischen von ihr getrennt lebender Lebengefährte wurde wegen Körperverletzung angeklagt.
Der Bauarbeiter war am Tag der Tat von einem mehrwöchigen Reha-Aufenthalt wegen eines Bandscheiben-Schadens nach Dorsten zurückgekehrt. Nach eigenen Angaben hatte er auf der mehrstündigen Zugfahrt und später am ZOB-Kiosk insgesamt sieben Flaschen Bier getrunken. Abends traf er sich mit einem Kumpel und es kamen weitere Biere hinzu – die ärztliche Blutprobe nach dem Vorfall wies 2,2 Promille aus. Wieder zu Hause, geriet er mit seiner Lebensgefährtin aneinander. Der Disput entzündete sich an einem Berg Wäsche, den die Frau hatte liegen lassen. Daher beschimpft er sie „mit Beleidigungen unter der Gürtellinie“. Ein Wort gab das andere, sie warf ihm vor, dass er weder schreiben noch lesen könne. Schließlich habe der kräftige Angeklagte ihr so an den Kopf gefasst, dass sie Angst hatte, er würde ihr das „Genick brechen“. Um sich zu wehren, ergriff sie ein Messer, das auf der Waschmaschine lag und stach zu.
Der Mann konnte sich im Gerichtsaal an nichts erinnern, er habe einen „Filmriss“ gehabt. Nach dem Vorfall war er ein paar Tage im Krankenhaus, noch heute hat er Narben, die ihn an die Stichwunden erinnern. Das Angebot der Staatsanwältin, das Verfahren gegen eine Geldbuße in Höhe von 150 Euro einzustellen, lehnte er ab – das Geld habe er nicht. Doch der von seinem Verteidiger beantragte Freispruch blieb aus: 420 Euro Geldstrafe, so lautete das Urteil (Quelle: Michael Klein in DZ vom 5. Juni 2020).

Vorgesetzter griff immer wieder in die Kasse seines Discounter-Markts. Trotz seiner jungen Jahre war der Holsterhausener bereits stellvertretender Marktleiter eines Discounters in Dorsten. Doch mit der Karriere war es vorbei, nachdem der damals 21-Jährige damit begann, immer wieder in die Filial-Kasse zu greifen. Mal erleichterte er seinen Arbeitgeber um 69 Euro, mal um 299 Euro, dann um 546 Euro. Der Schaden betrug insgesamt mehr als 2000 Euro in ein paar Wochen. Doch damit nicht genug. Vor dem Amtsgericht war der mittlerweile 26-Jährige Anfang Juni 2020 auch wegen zahlreicher Betrugsvorwurfe angeklagt.
Der Angeklagte, der inzwischen als Altenpfleger sein Geld verdiente, hatte nämlich auch über das Internet-Auktionshaus „Ebay“ zahlreiche gutgläubige Opfer geprellt. Er bot unter anderem Thermomix-Geräte an, teure Smartphones, Digital-Kameras und auch mal Tickets für das Bundesliga-Derby Borussia Dortmund gegen Schalke 04. Die Kunden überwiesen dem Dorstener das Geld, doch die angekündigte Ware erhielten sie nicht. Der Schaden betrug 13.000 Euro. Laut Anklage verschaffte sich der Angeklagte zudem bei einem Bekannten gefälschte Goldbarren, um diese für insgesamt 11.000 Euro in Pfandhäusern in Marl und Dorsten als Echtgold zu versetzen. Vor Gericht gab er an, nicht gewusst zu haben, dass sie falsch waren. Das ihm dies vor Gericht nicht widerlegt werden konnte, wurde dieser Anklagepunkt eingestellt.
Der Holsterhausener Angeklagte rechtfertigte seine Betrügereien mit seiner Spielsucht. Inzwischen hätte er bei der Caritas um Beratung nachgesucht. Auch habe ihn die Untersuchungshaft wenige Monate vor der Gerichtsverhandlung zur Besinnung gebracht, sein Leben zu ändern. Seine Lebensgefährtin habe sich nach den Vorfällen zwar von ihm getrennt, so dass er eine eigene Wohnung suchen musste, doch inzwischen versuchten die beiden, wieder miteinander auszukommen und kümmern sich gemeinsam um ihr einjährige Kind. Daher gab ihm das Schöffengericht noch einmal eine Chance: Ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung, lautete das Urteil. Die Ebay-Schadenssumme in Höhe von 13.000 Euro wird eingezogen (Quelle. Nach Michael Klein  in der DZ vom 4. Juni 2020).

Supermarkt-Räuber: Gericht schickt Dorstener in den Maßregelvollzug. Schulversager, Kokain-, Heroin-, Cannabis- und Schlafmittelkonsument seit dem 11. Lebensjahr. 15-fach vorbestrafter Krimineller. Viel Gutes über sein Leben konnte der 32-jähriger Dorstener bei seiner Gerichtsverhandlung vor dem Essener Landgericht nicht in die Waagschale werfen, als er Ende Mai 2020 u. a. wegen des Überfalls auf den Netto-Discounter an der Marler Straße Ende 2019 in Untersuchungshaft saß. Sein Leben verlief bislang überwiegend im Drogenrausch. Unter Drogen beging der Mann aus Dorsten wiederholt Straftaten. Sie waren der Motor für seine Beschaffungskriminalität.
Wegen eines bewaffneten Überfalls auf den Netto-Supermarkt und eines versuchten Überfalls auf Edeka Weierstahl auf der Hardt verurteilte ihn das Gericht zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Außerdem ordnete die Kammer auf Empfehlung eines Forensischen Psychologen Maßregelvollzug an. Weitere sechs Raubüberfälle in Dorsten bestritt er. Die konnten ihm auch nicht nachgewiesen werden.
Maßregelvollzug ist laut Erklärung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe nicht Strafvollzug und ist nicht Sicherungsverwahrung. „Maßregelvollzug leistet die fachgerechte Behandlung und sichere Unterbringung von Straftätern, die aufgrund ihrer psychischen oder Suchterkrankung das Unrecht ihrer Straftat nicht einsehen können“, heißt es in einer Erklärung des LWL.
Der Forensische Psychologe im Gerichtssaal machte klar, dass diese Form des Strafvollzugs für den Dorstener die einzige Möglichkeit sei, neue Lebenswege einzuschlagen. Mit Schulabschluss, gewünschter Maler- und Lackiererausbildung und ohne Drogenkonsum. „Eine ambulante Therapie, so wie von ihm vorgeschlagen, wird nicht reichen, seine langjährige Abhängigkeit von Suchtmitteln zu kurieren“, sagte der Experte. Es gebe aber Hoffnung, ihn in einer stationären Therapie motivieren zu können.
Staatsanwaltschaft und Gericht sahen das auch so. Und auch der Verteidiger des Angeklagten begrüßte eine Lösung, die seinem Mandanten „die Integration in ein bürgerliches Leben ermöglicht“ (Quelle: Claudia Engel in DZ vom 30. Mai 2020).

Dorstener kämpft gegen Beleidigungs-Urteil: „Das ist Rechtsbeugung“. Ein Mann aus Dorsten hatte nach seiner Verurteilung am Amtsgericht nach eigenen Angaben gegen alle Beteiligte Anzeige erstattet. Im Mai 2020 warf das Landgericht Essen am Zug. Im September 2016 soll ein Mann aus Dorsten eine Jobcenter-Mitarbeiterin beleidigt haben. Seine spätere Verurteilung wollte er jedoch nicht akzeptieren. Der 57-Jährige sprach von „Rechtsbeugung“. Jetzt ist das Landgericht Essen am Zug. Doch auch dort ging es am Montag erst mal nicht weiter. Der Prozess hatte kaum begonnen, da stellte der Angeklagte auch schon einen Befangenheitsantrag gegen den Richter. Begründung: Der Berufungsprozess gegen das erstinstanzliche Urteil dürfe gar nicht stattfinden, da noch jede Menge Ermittlungsverfahren liefen. Ein früherer Antrag auf Aussetzung des Verfahrens sei jedoch abgelehnt worden – das gehe nicht.
Der 57-Jährige will nach eigenen Angaben inzwischen jede Menge Strafanzeigen gestellt haben – gegen die Dorstener Richterin, den Amtsgerichtsdirektor, den Staatsanwalt. Sie alle hätten angeblich gegen den Grundsatz des fairen Verfahrens verstoßen. Selbst das NRW-Justizministerium sei schon eingeschaltet.
„Es muss berücksichtigt werden, unter welchen Umständen das Urteil in Dorsten zustande gekommen ist“, so der Angeklagte im Berufungsprozess. Die Staatsanwaltschaft habe zu keiner Zeit zu seinen Gunsten ermittelt, außerdem sei es einem Zeugen gestattet worden, sich seiner polizeilichen Vernehmung zu entziehen. Das sei Begünstigung. Auf seine zahlreichen Beschwerdeschreiben bekomme er jedoch keine Antworten.
Worum ging es überhaupt? Der Angeklagte war am 5. September 2016 im Dorstener Jobcenter aufgetaucht und hatte offenbar die Anfertigung von Kopien verlangt. Später soll er die Mitarbeiterin mit diesen Worten beleidigt haben: „Sie sind ein Nichts, nur eine dumme kleine Sachbearbeiterin.“
Am Dorstener Amtsgericht war der 57-Jährige dafür später zu einer Geldstrafe von 600 Euro verurteilt worden. Im Berufungsprozess will er sich nicht zu den Vorwürfen äußern. Nur so viel: „Ich will mich nicht damit abfinden, wie mit meinem Recht als Angeklagter umgegangen wird.“
Wie die Richter in zweiter Instanz den Fall sehen, ist noch nicht klar. Die wichtigste Zeugin – die Sachbearbeiterin – war trotz Zeugenladung nicht erschienen. Gegen sie wurde ein Ordnungsgeld von 150 Euro verhängt – ersatzweise drei Tage Ordnungshaft. Außerdem müssen andere Richter noch entscheiden, ob der Vorsitzende der Berufungskammer tatsächlich befangen ist. Der Prozess soll nun im Juni noch einmal neu beginnen (Quelle: Nach Jörn Hartwich in DZ vom 26. Mai 2020)

Drama um Schlachtschafe: Angeklagten „gemeingefährlich“ genannt. Sieben Zeugen, eine Professorin für Psychologie, Verteidiger, Staatsanwältin und Schöffengericht warteten am 27. Mai 2020 vergeblich im Sitzungssaal des Amtsgerichts Dorsten. Denn der Angeklagte, ein 32-jähriger Mann aus Bottrop, erschien nicht, obwohl er sich laut Anklage der Körperverletzung und Beleidigung schuldig gemacht haben soll. Am 5. Dezember 2019 war der Bottroper deswegen erstmals zum Dorstener Gericht zitiert worden. Seinerzeit musste die Richterin Wachleute anfordern, weil es im Gerichtssaal übermäßig turbulent zuging.
Weil der Angeklagte einschlägig vorbestraft ist, sollte seine Schuldfähigkeit überprüft werden. Dem hat sich der 32-Jährige allerdings entzogen. Die Professorin für Psychologie ließ er nicht an sich heran. Wegen Drogendelikten ist der Mann vorbestraft. Im Kokainrausch soll der Bottroper im August 2018 auf dem Hof eines Lembecker Landwirtes eine Körperverletzung begangen haben und ausfallend geworden sein. Der 32-Jährige hatte, wie es Brauch seiner Religionsgemeinschaft ist, drei Schlachtschafe zur Abholung auf dem Gehöft bestellt. Geschlachtet werden sollten die Tiere nach dem Mondkalender. „Es war bei der Bestellung noch nicht klar, an welchem Tag das Opferfest ist. Das geht immer nach dem Mond“, sagte der 32-Jährige bei seiner ersten Verhandlung in Dorsten. Der Landwirt aus Lembeck hatte bei der telefonischen Bestellung durch den Bottroper dessen ungeachtet einen Dienstag für die Übergabe der Tiere vermerkt. Doch der Kunde erschien am Montag.
Da er am Montag die Schafe nicht bekam, soll der Angeklagte die Landwirtin beleidigt und verletzt haben. Für die Tätlichkeiten kassierte der Kunde einen Platzverweis. Den ignorierte er zunächst, langte durchs Fenster des Kassenhäuschens auf dem Hof und zerstörte wutentbrannt ein Telefon. Daraufhin eilte der Landwirt mit einem Schlachtermesser in der Hand und blutigen Spuren auf seiner Arbeitsbekleidung seiner Schwägerin zur Hilfe. Der stürmische Auftritt des Schlachters habe ihn zutiefst erschrocken, verteidigte sich der Angeklagte in seiner ersten Verhandlung und räumte reumütig ein, dass er sich daneben benommen habe.
Das Urteil wurde in Abwesenheit des Angeklagten gesprochen. Dem Gericht reichte das Geständnis aus, ihn zu einem Jahr Haft zu verurteilen. Gegen das Urteil kann der Angeklagte Einspruch erheben. Meldet er sich nicht, wird das Urteil vollstreckt (Quelle: Claudia Engel in der DZ vom 28. Mai 2020).

Messerattacke: So haben die Richter entschieden. Die Richter haben keinen Zweifel: Der 30-jährige Dorstener ist weiter gefährlich. Der Angeklagte hatte bis zuletzt auf seine Freilassung gehofft. Doch damit war nie zu rechnen. Die Richter am Essener Landgericht haben den 30-Jährigen am 18. März auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Sechs Monate ist es her, dass der Dorstener einen Kaufland-Mitarbeiter mit einem Messer angegriffen hat. Rund acht Zentimeter drang die Klinge in den Körper des Verkäufers ein. Innere Organe wurden zwar nicht verletzt, doch das war Glück. Es war nur dem Zufall geschuldet, dass nichts Schlimmeres passiert ist, so das Gericht. Und: „Es ist auch in Zukunft mit gefährlichen Taten zu rechnen.“
Der Angeklagte litt unter paranoid-halluzinatorischen Psychosen. Er führte Selbstgespräche, wurde aus dem Nichts heraus aggressiv. Während des Prozesses war er deshalb bis zuletzt an Händen und Füßen gefesselt, zwei Wachtmeister mit Kampfmontur und Vollvisier-Helmen waren ständig direkt neben ihm. Die Gedanken des Dorsteners kreisen offenbar immer um dieselbe Sache: Er will so schnell wie möglich entlassen werden. Das Leben hatte für den Dorstener eigentlich sehr gut begonnen. Bis die Krankheit durchbrach. Der Angeklagte nahm Drogen, wurde aggressiv, randalierte in der Wohnung seiner Eltern. Und dann die Straftaten: Neben dem Messerangriff hatte der 30-Jährige auch einen Bekannten an einer Bushaltestelle in Holsterhausen verletzt und einen anderen Mann mit heißem Kaffee attackiert. Klassisch bestraft werden konnte er dafür nicht. Die Essener Richter stuften den Dorstener als komplett schuldunfähig ein. Die Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie gilt dem Schutz der Allgemeinheit (Quelle: Jörn Hartwich in DZ vom 23. März 2020).

Eifersuchtsdrama endet mit „Showdown“. Er soll seiner Frau nachgestellt und Tabletten an Kinder verteilt haben. Deshalb stellte ein 37-jähriger Dorstener seinen mutmaßlichen Nebenbuhler im März 2019 auf dem Gehweg zu den Eisenbahnbrücken über Lippe und Kanal zur Rede. Aber nicht nur das. Er soll seinem vermeintlichen Kontrahenten auf den Kopf geschlagen haben, so dass er ärztlich behandelt werden musste. Zudem stahl er ihm dabei ein Smartphon sowie 50 Euro. Der 37-Jährige kam vor das Dorstener Schöffengericht. Der Angeklagte erzählte im Gerichtssaal, er habe vor dem Vorfall zunächst „mit einigen Kumpels auf dem Platz vor „Toom“ gezecht. Dort bekam er einen Anruf mit der Nachricht, dass sich der 31-Jährige „mal wieder vor der Wohnung meiner Frau herumtreiben würde“. Mit zwei Freunden sei er dann nach Hervest gelaufen, wo sie im kleinen Park an der Ecke Halterner Straße/Glück-Auf-Straße auf den Rivalen stießen.
Bereits dort kam es zu einer derart lautstarken Auseinandersetzung, dass Nachbarn die Polizei riefen. Die Beamten konnten zunächst die Gemüter erfolgreich beruhigen. Denn anschließend machte sich das Trio zunächst einträchtig mit dem 31-Jährigen wieder auf in Richtung Stadt. Nach einiger Zeit kam es aber erneut zum Streit. Der Angeklagte räumte vor Gericht ein, den 31-Jährigen geschlagen zu haben. „Aber nicht so schlimm, dass ich ihn schwer verletzt habe.“ Das Opfer sagte aus, dass er unterwegs hingefallen sei. Daher konnte dem Angeklagten nicht nachgewiesen werden, dass die blutige Wunde durch seinen Schlag hervorgerufen worden war. Außerdem gab ein Zeuge zu Protokoll, der 31-Jährige habe ihm erzählt, dass er sich die ganze Räubergeschichte nur ausgedacht hätte, „um den anderen so richtig eins auszuwischen“.
So kam der Angeklagte vor Gericht glimpflich davon: Das Verfahren wurde  eingestellt, sobald er 60 Stunden gemeinnützige Arbeit abgeleistet hat. Ein Justizwachtmeister sorgte nach dem Richterspruch dafür, dass der 37-Jährige wohlbehalten das Gerichtsgebäude verlassen konnte. Der Geschädigte, der in der Verhandlung augenscheinlich unter Medikamenteneinfluss stand, hatte seinem Widersacher auf dem Gerichtsflur Schläge angedroht (Quelle: DZ vom 10. Febr. 2020).

Schwarzfahrer kommt erneut mit blauem Auge davon. Immer wieder wurde ein 32-jähriger Dorstener ohne Fahrkarte in den Zügen der Nordwestbahn und der Deutschen Bahn auf dem Weg nach Dortmund und retour erwischt, immer wieder hagelte es Strafanzeigen und Strafprozesse gegen den Mann. Aber immer wieder kam er mit einem blauen Auge davon – auch am 11. März 2020 gab es vor dem Dorstener Schöffengericht einen Freispruch für den Mann, der schmächtig und zusammengekauert zwischen seinem Anwalt und seinem rechtlichen Betreuer saß. Sowohl Staatsanwalt als auch das Schöffengericht hatten erhebliche Zweifel daran, dass der Beschuldigte zum Zeitpunkt der Taten schuldfähig war. Auch der beauftragte psychiatrische Gutachter aus Münster konnte keine klare Aussage treffen. Der Experte gab aber tiefe Einblicke in das Leben des Angeklagten, das geprägt war von bösen Erfahrungen und Erlebnissen. Weil die Eltern schwere Alkoholiker waren, kam der Junge bereits mit Hirnschädigungen auf die Welt. In prekären Lebensverhältnissen aufgewachsen und massiv vernachlässigt, kam er in ein Kinderheim, wo ihm Gewalt angetan wurde. Dann eine Drogensucht. Um diese zu finanzieren, prostituierte sich der Angeklagte schon in jungen Jahren mit Männern. Ein „väterlicher Freund“ tat dem Dorstener „eklige Dinge“ an, ergänzte sein Betreuer. Der Obdachlosigkeit folgten Aufenthalte wegen „psychotischer Episoden“ in stationären Kliniken, schließlich wurde er positiv auf HIV getestet.
Fast 100 Strafandrohungen für seinen Klienten hat der Betreuer seit 2012 von den Bahnbetrieben bekommen, weitere rund 20 Fälle waren vor Gericht angeklagt. Immer war der 32-Jährige im Zug nach Dortmund unterwegs, um sich dort in einem Etablissement mit Freiern oder mit Drogen-Verkäufern zu treffen. Es besteht Hoffnung, dass der Spuk ein Ende hat. Der Angeklagte hat von sich aus einen „kalten Entzug“ gemacht, muss daher nicht mehr nach Dortmund fahren und hat zudem für Bahnfahrten ein Sozialticket (Quelle: Michael Klein in DZ vom 12. März 2020).

Trainer veruntreute Team-Geld. Die C-Jugend-Spieler des Fußball-Vereins hatten sich auf ihre gemeinsame Saison-Abschlussfahrt gefreut. Es sollte wieder in den Freizeitpark Slagharen (Holland) gehen. Doch dazu kam es nicht – und so fand sich der Trainer des Nachwuchsteams als Angeklagter vor dem Dorstener Schöffengericht wieder. Der Club, der den 47-jährigen Dorstener beschäftigte, erstattete gegen den Übungsleiter nämlich Strafanzeige bei der Polizei: Die Eltern hatten bereits fast 3000 Euro für die Fahrt auf das Konto des Angeklagten überwiesen – doch der hatte die gebuchte Ausflugsfahrt abgeblasen, ohne den Eltern die Kosten zurückzuerstatten. Ihm sei es in jener Zeit „sehr dreckig gegangen“. Bei dem Mann wurde eine schwere Lungenkrankheit diagnostiziert, die zur Folge hatte, dass auch andere Organe geschädigt wurden. Deshalb sei ihm alles egal gewesen. Er wurde zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. zudem muss er den finanziellen Schaden wiedergutmachen (Quelle: Michael Klein in DZ vom 10. Januar 2020).

Siehe auch: Angeklagt und verurteilt (2019)

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