Altstadtfest und andere

Es erinnert mit Feuerwerk an die Stadtwerdung im Jahr 1251

Altstadtfest mit Feuerwerk in den 1980er-Jahren

Feuerwerk zum Altstadtfest 1986; Foto: Wolfgang Krüger

Von Wolf Stegemann – Als Erinnerung an die Verleihung der Stadtrechte am 1. Juni 1251 feiert die Stadt seit 1978 jedes Jahr am ersten Wochenende im Juni das auch von der Kaufmannschaft unterstützte Altstadtfest auf dem Marktplatz. Aktueller Anlass war 1978 die Einweihung der Fußgängerzone, die neben dem Marktplatz auch die Essener, die Recklinghäuser und die Lippestraße einschloss. Mit klassischen Konzerten und Popmusik, Straßentheater, Kleinkunst, Altstadtschwoof, Gauklern, Trödelmarkt, Feuerwerk u. ä. feierte die Bevölkerung drei Tage lang. Als Organisator federführend war das Kulturamt der Stadt. In den letzten Jahren wurde die Organisation von der Stadt an eine Dorstener Event-Firma vergeben. Seither werden Stimmen immer lauter, auch im Rat der Stadt, den kulturellen Anspruch der Altstadtfeste in den Vordergrund wieder mehr hevorzuheben. 2014 gab es wieder Kritik. Im Mittelpunkt des Altstadtfestes stand natürlich wieder der Umsatz von Alkohol, über den Absperrungen und ein Sicherheitsdienst wachte. Denn der Alkohol musste gekauft werden. Mitbringen eigener Getränke war weder auf dem Marktplatz noch am Platz der deutschen Einheit erlaubt. Natürlich wolle er Geld verdienen, zitierte ihn die DZ am 3. Juni 2014. „Deshalb ist es auch nicht gestattet, eigene Getränke mitzubringen.“ Zäune und Sicherheitsdienst bezweckten hatten aber auch n och einen  anderen Zweck. Der Veranstalter Thomas Hein in der DZ: „Manche Menschen fühlen sich dann einfach sicherer!“

Kommentierende Betrachtung: zurück zur Kultur

Suchte man beispielsweise im Jahre 2011 im Internet unter „Stadtfest“ das Dorstener Altstadtfest und klickte es an, dann sprang einem ein dicker und fetter Hamburger vors Gesicht mit dem City Deal-Hinweis, jetzt 90 Prozent sparen. Und so nebenbei las man, dass 2011 das Dorstener Altstadtfest vom 3. bis 5. Juni in der Altstadt und im Industriepark-Ost stattfindet.
Es bräuchte keinen visuellen Hamburger im Internet gegeben zu haben, um wissen zu machen, dass die einst mit kulturellem Anspruch behafteten Dorstener Altstadtfeste seit Jahren zu einem „Fress- und Sauffest“ verkommen sind, wie es allenthalben von klagenden Besuchern zu hören ist, von denen sich immer mehr dem traditionellen Festbesuch verweigern. Dem Umsatz schadet das wohl kaum, wohl aber dem Image. Eine Fressbude reiht sich an die andere und über allem steht ein Dunst von Zwiebeln, gebratenem Giros, thüringischen Rostbratwürsten, in Fett gebackenen Teigbällchen, von Kartoffelpuffern und gebratenen Hähnchen. Geruch mögen die einen sagen, Gestank die anderen.

Kunst und Kultur kamen abhanden

Vor etlichen Jahren, als das städtische Kulturamt noch Organisator des Altstadtfestes war, war es noch durchdrungen von kulturellen Ansprüchen, denen es auch gerecht geworden ist. Da sah man tagsüber und abends Gaukler und Zauberer auf den Straßen, Kleinkunst da und dort, kurzweilige Unterhaltung mit Spaß, Freude und auch festlichem Tiefgang. Die Stadt gehörte an diesen Tag des Altstadtfestes allen Bürgern. Marktplatz und Straßen waren allen Bürgern und Besuchern offen. Keine Gitter trennten oder schlossen aus.
Seit Jahren ist dies anders. Die Stadt vergab die Organisation des Altstadtfestes dem privaten Interevent-Unternehmer Thomas Hein. Seitdem fehlen kulturelle Ansprüche. Dorstener dürfen bei gewissen Veranstaltungen des Altstadtfestes nicht mehr ihren Marktplatz betreten, es sei denn, sie zahlen Geld. Große Gitter und schwarz gekleidete stämmige Security-Männer mit russischem Akzent versperren ihnen den Marktplatz, fassen sie mitunter auch unsanft an, wenn sie den Aufforderungen, wieder zu verschwinden, wenn sie keine Einlasskarte haben, nicht schnell genug nachkommen oder sich über die Zutrittsberechtigung in eine Diskussion einlassen wollen. Darüber gibt es immer wieder Klagen.

Ständige Klagen über Absperrung und Abzocke

Klagen gab und gibt es auch immer wieder von Gastronomie-Betrieben auf dem Marktplatz, die am Altstadtfest und anderen Festen, die jener Interevent-Manager veranstaltet, zusätzlich zu dem, was sie für ihre Bestuhlung auf dem Marktplatz an die Stadt zahlen müssen, nochmals kräftig zur Kasse gebeten werden. Für die drei Tage Altstadtfest 2012 waren das 10 Euro pro Tag und Stuhl.  Dass darüber Beschwerden geführt wurden, ist nachzuvollziehen.

Der Marktplatz gehört den Bürgern

Dorsten zeigt sich in seinen Tourismus-Broschüren immer stolz auf die Tradition der alten Stadt, der Hanse-Stadt, auf ihre Gastfreundlichkeit, ihre Feste und Sehenswürdigkeiten, auch auf ihre Kultur. Die „Dorstener Interessengemeinschaft Altstadt“ (DIA), deren Vorsitzender Thomas Hein ist, fördert dieses Image der Freundlichkeit. Doch sollte sich Gastfreundschaft auch bei Festen nicht nur aufs Essen und Trinken mit Musik beschränken. Dazu gehört mehr. Und noch eins: Der Marktplatz gehört weder der Verwaltung noch einem Unternehmer, sondern traditionell den Bürgern. Mit diesem Argument verhinderten beispielsweise die Altstadtschützen vor Jahren erfolgreich eine Bepflanzung des Marktplatzes, die von der Verwaltung diskutiert wurde. Den Bürgern sollte der Aufenthalt auf „ihrem Marktplatz“ ohne Wenn und Aber zu allen Zeiten und Veranstaltungen offen sein – auch ohne Eintrittsgeld und Taschenkontrollen. – Altstadtfeste 2013, 2014, 2015, 2016, 2017 wie gehabt.

Alle Jahre wieder: Auch 2018 Lärm, Dreck und Sauferei

Wieder gab es nach offiziellem Veranstaltungsschluss wieder nächtliche Randale in der Innenstadt, Unrat und besoffenes Herumkrakeelen – wie in jedem Jahr beim Altstadtfest. Innenstadtbewohner weisen auch immer wieder darauf hin, dass die Innenstadt ein Wohngebiet sei. Der von der Stadt beauftragte Veranstalter, interevent Thomas Hein,  meinte in der Lokalzeitung dazu, dass dafür Polizei und Ordnungsamt zuständig sei. Er habe für den Sicherheitsdienst 7000 Euro ausgegeben und den Müll wegräumen lassen. Seine Bilanz: „So ein ruhiges Altstadtfest hatten wir noch nie.“

Hein hört auf – Dorsten braucht wohl neuen Organisator für Großevents

Die Stadt Dorsten muss sich für das Altstadtfest und weitere Großveranstaltungen möglicherweise einen neuen Organisator suchen. Der Vorsitzende der Dorstener Interessengemeinschaft Altstadt (DIG), Thomas Hein, hört auf. Er hatte mit seiner Agentur Interevent im Auftrag der DIA jahrelang zum Beispiel das historische städtische Altstadtfest und „Dreams On Ice“ (Schlittschuhbahn auf dem Marktplatz) organisiert. Auch die Bierbörse wird von Interevent veranstaltet.

Mit „Dr. Schlotmann & Friends“ übernimmt ein neues Team die Feste

Thomas Hein, dessen Firma „Interevent GmbH“ bislang die drei Dorstener Stadtfeste „Dorsten is(s)t mobil“, „Altstadtfest“ und „Herbstfest“ organisierte, will dies nach 20 Jahren nicht mehr tun. Hein begründete dies in der „Dorstener Zeitung“ mit einem „Interessenskonflikt“, aber auch damit, dass er mit diesen Festen kein Geld verdiene. Doch nicht die Stadt mit ihrer neuen „Stadtagentur“ übernimmt die Organisation im Auftrag der „Dorstener Interessengemeinschaft Altstadt“ (DIA), sondern der Dorstener Zahnarzt Dr. Luca Schlotmann mit seiner Gruppe, die sich „Dr. Schlotmann & Friends“ nennt. Hervorgetan hat sie sich bereits 2018, als sie auf dem „Platz der Deutschen Einheit“ auf dem sogenannten sommerlichen „Stadtstrand“ wochenlang die Fußball-WM für Zuschauer bei Musik und Getränken übertrug. Da allerdings die Deutsche Nationalmannschaft früh aus der WM flog, gab es keine großen Einnahmen für die Gruppe. DIA-Vorsitzender Hein wird weiterhin die umsatzstarken Dorsten-Feiern „Bierbörse“ (August), während dieser der Alkohol in Strömen fließt, und „Dreams on Ice“ über Weihnachten/Neujahr am Markt sowie sie „Eisstockmasters“ (November/Dezember) auf dem Marktplatz weiter organisieren.

2019 neu organisiert: Laut Lokalzeitung „stimmte einfache alles“

Beim 2019 erstmals vom Zahnarzt Luca Schlotmann und seinem Orga-Team  organisierten Altstadtfest „stimmte einfach alles“. Dies zumindest nach Ansicht der „Dorstener Zeitung“ vom 3. Juni 2019. „Wir sind glücklich zu sehen, wie viel Spaß die Menschen hier haben“. Sogar das Wetter spielte mit.“ Bewährtes und Neues ergaben eine Mischung aus  Chorsingen, Kinderflohmarkt, Kinderfunpark, Feierabendmarkt, Hüpfburgen, Bunggee-Springen, Kinderkarussell. Auf der Marktplatzbühne die Florians und DeeJay Plus Stimmungshöhepunkte. Vor der Bühne wurde ausgelassen getanzt und getrunken.

Neu Feierabendmarkt: Berufstätige können nach Feierabend einkaufen

In den Sommermonaten findet ab Mai 2019 in Dorsten in den Abendstunden einmal monatlich ein „Feierabendmarkt“ statt. Neben „klassischen“ Ständen gibt es auch verschiedene Angebote mit Speisen und Getränken. Mit dem „Feierabendmarkt“ sollen zukünftig auch Berufstätige die Möglichkeit haben, nach dem Feierabend noch Frischwaren einzukaufen. Veranstalter ist wieder das Team um Luca Schlotmann. Ganz neu ist die Idee nicht. In den Jahren 2015 und 2016 gab es schon einen „langen Donnerstag“ für den Wochenmarkt in der Altstadt, der ab 18 Uhr eigentlich in einen Feierabendmarkt mit zusätzlichen Angeboten münden sollte. Doch das Interesse der anliegenden Gastronomen war zu gering.

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