Wolfsland Schermbeck

Rückkehr der Wölfe nach Westfalen und auch in die Dorstener Gegend

Rückkehr der Wölfe nach Nordrhein-Westfalen

Das erste Wolfsrudel war im Jahr 2000 in Sachsen entdeckt worden. Seitdem sind Rudel und Einzelwölfe nach Westen gewandert. Mitte Januar 2015 wurde durch DNA-Spuren an einem gerissenen Schaf festgestellt, dass ein Wolf in den äußersten Winkel Nordrhein-Westfalens, nach Stemwede im Kreis Minden-Lübbecke in Ostwestfalen, zurückgekehrt war. In NRW gibt es seit 2009 zehn Wolfsnachweise (Stand: Mai 2016), davon fünf allein 2016. Darunter 2009 im Kreis Höxter. 2015 jener bei Minden, 2015 nahe Siegen. Genau dort, wo vor 180 Jahren der letzte Wolf in diesem Bereich, das an Niedersachsen grenzt, erschossen worden war. Im April 2016 riss bei Rösrath (Rheinland) ein Wolf zwei Ziegen. Es handelte sich nachweislich um einen in einem Rudel bei Cuxhaven geborenen Jungwolf, der bereits im März 2016 in den westfälischen Kreisen Lippe und Warendorf aufgetaucht war. Bauern bzw. Schäfer erhalten für ein von einem Wolf gerissenes Schaf eine Entschädigung aus Steuermitteln. Allerdings nur dann, wenn er aufgrund der DNA-Spuren über ein Labor nachweist, dass es ein Wolf war. Wölfe genießen in NRW den höchstmöglichen Artenschutz. Ende 2015 brachte das Lupus-Institut für Wolfsmonitoring und -forschung neue Zahlen heraus. Gesichtet wurden 31 Rudel (400 Tiere) sowie acht Wolfspaare mit Aussicht auf Nachwuchs. Der Naturbund begleitet mit 500 „Wolfsbotschaftern“ eines Managements für ganz Deutschland.

LANUV bestätigte Wolfsnachweise im Bereich Schermbeck

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) hat drei weitere Wolfsnachweise im Bereich des Wolfsgebiets Schermbeck bestätigt. Die genetischen Untersuchungen von Speichelproben zeigen, dass ein Wolf im September in Dinslaken und im Oktober 2018 in Hünxe ein bzw. zwei Schafe getötet hat. Bewiesen sei nun auch, dass elf Damtiere im Oktober 2018 in einem Wildgehege in Dinslaken ebenfalls von einem Wolf getötet wurden. Der zwei Meter hohe Knotengeflechtzaun wies laut LANUV geeignete Durchschlupfmöglichkeiten für den Wolf auf. In allen drei Fällen wurde somit ein Wölf als Verursacher identifiziert. Ob es immer ein und dasselbe Tier war, wird derzeit noch geklärt. Die betroffenen Tierhalter wurden über die Förderrichtlinie Wolf des Umweltministeriums entschädigt. Die „Förderrichtlinie Wolf“ ist Teil des nordrhein-westfälischen Wolfmanagements und sieht Entschädigungsleistungen für gerissene Nutztiere vor, wenn dafür nachweislich ein Wolf verantwortlich ist.

Dorstener Zeitung: „War es wirklich ein Wolf?“

Unter dieser Schlagzeile berichtete die „Dorstener Zeitung“ am 23. April 2016, dass zwei Tage zuvor, an einem Donnerstag gegen 8.45 Uhr, auf der Malberger Straße in Schermbeck-Damm ein Wolf die Straße überquert und dann in einem Waldstück verschwunden sein soll. Das wollte ein Schermbecker Malermeister aus seinem Auto heraus beobachtet haben. Die Jägerschaft des Schermbecker Hegerings beschäftigte sich intensiv mit der Beobachtung und versuchte, die Spur aufzunehmen. Ohne Erfolg. Dennoch warnte sie die Bevölkerung vor dem menschenscheuen Tier und riet, gelassen zu sein und keine Angst zu haben!

Wolf biss Kind: Anzeige gegen Naturwildpark Granat in Haltern

Wölfe im Park Granat in Haltern; Foto: privat

Eine Familie aus Dortmund zeigte im September 2016 den Betreiber des Naturwildparks Granat in Haltern an, da ein Wolf ein Kind gebissen hatte. Der Fünfjährige brach sich einen Finger und erlitt eine Fleischwunde. Die Eltern waren der Meinung, dass das Gehege nicht ausreichend gesichert war. Eine Kette, die verhindern sollte, dass Besucher den Wölfen zu nahe kommen, habe auf dem Boden gelegen. – Nach dem Fund von Biss-Wunden an einem toten Hirsch auf dem Truppenübungsplatz Senne im Kreis Lippe haben Experten erneut einen Wolf in NRW nachgewiesen. Speichelproben erhaben, dass das Tier aus einem Rudel bei Cuxhaven stammt. Damit gelang nach Sichtungen in Bad Oynhausen, Lemgo und Brilon innerhalb von drei Tagen im Februar 2017 die vierte Bestätigung, wie dpa meldete. Im Februar 2018 will eine Dorstener Autofahrerin in der Dämmerstunde auf der Straße nahe der Hervester Lippebrücke einen Wolf gesehen haben. Experten halten das durchaus für denkbar. Allerdings bekommt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) in Recklinghausen pro Jahr etwa 200 Hinweise aus ganz NRW. Nur in ganz wenigen Fällen ist ein Nachweis überhaupt möglich. So auch in dem Fall der Autofahrerin.

Einzelgänger riss drei Schafe in Bricht/Schermbeck

Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW (MULNV) rief am 1. Oktober 2018 offiziell das „Wolfsgebiet Schermbeck“ aus und bestätigte, dass es bis Ende Oktober 2018 insgesamt 16 nachgewiesene Übergriffe gegeben hat. Der jeweils aktuelle Stand kann über das Portal www.wolf.nrw.de abgerufen werden. Im April 2018 riss ein Wolf drei Nolana-Schafe eines Hobbyzüchters aus Bricht/Schermbeck. Das bestätigte das Senckenberg Forschungsinstitut nach Untersuchung der gerissenen Tiere. Im August riss ebenfalls ein Wolf in Gahlen ein Schaf. Das zuständige Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) bestätigte, dass ein Wolf die Schafe gerissen hatte. Bei einem am 30. August 2018 in Gahlen gefundenen toten Schaf wurden Speichelproben genommen, anhand derer das Senckenberg Forschungsinstitut erneut die Wölfin mit der Kennung „GW954f“ aus der niedersächsischen Wolfsrudel bei Schneverdingen individualisieren konnte. Wegen der jüngsten Häufung von Nachweisen dieser Wölfin, die in der Zeitung bereits mit dem Namen „Gloria von Wesel“ genannt wird, wird das Wolfsmonitoring im Kreis Wesel intensiviert. Im Einzelnen handelt es sich dabei um zwei tote Schafe am 19. August, fünf tote und zwei verletzte Schafe am 28. August und zwei tote Schafe am 30. August. Aufgrund der jüngsten Häufung von Wolfsnachweisen wird das Wolfsmonitoring im Kreis Wesel verstärkt. Geplant ist der Einsatz von Wildkameras in Absprache mit den betreffenden Waldbesitzern und Jagdrevierinhabern. Das tote Schaf, das am 2. November auf der Weide der Familie Pannenbäcker an der Bestener Straße lag, ist von einem Wolf gerissen worden. Das steht fest. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) bestätigt den Wolfsnachweis. Allerdings ist noch nicht klar, ob es sich um die Wölfin „Gloria von Wesel“  handelt. Bislang wurden seit April 2018 in Schermbeck, Gahlen, Hünxe und Kirchhellen dreizehn Vorfälle detailliert aufgelistet. Innerhalb von fünf Monaten, Mitte April bis Mitte September, wurden 28 Schafe gerissen beziehungsweise verletzt. Laut Auskunft des LANUV können Betroffene über die Förderrichtlinien Wolf des Umweltministeriums eine Entschädigung für die gerissenen Tiere sowie angefallenen Tierarztkosten erhalten. Die aktuelle „Förderrichtlinie Wolf“ ist Teil des nordrhein-westfälischen Wolfmanagementplans und sieht Entschädigungsleistungen für gerissene Nutztiere vor, sofern ein Wolfsnachweis erfolgt ist. Ein Wolfsrudel benötigt etwa 200 Quadratkilometer Waldfläche. Das ausgewiesene Wolfsgebiet Schermbecks ist 985 Quadratkilometer groß. Das Wölfe Menschen angreifen, ist äußerst selten. In den letzten 20 Jahren seit dem Auftreten des Wolfes in Deutschland hat es noch keinen Angriff auf einen Menschen gegeben. – Mitte Dezember 2018 wurden sechs Schafe eines Schäfers an der Schwarzen Heide in Kirchhellen gerissen und mehrere weitere Tiere schwer verletzt, obwohl sie mit Zäunen und Hütehunden gesichert waren. Ob es sich dabei um einen Wolf bzw. mehrere Wölfe oder konkret um Schermbecker Wölfin gehandelt hatte, muss noch untersucht werden.

Es könnte sich Wolfsnachwuchs einstellen

Möglich ist, dass es irgendwann im Wolfsland Schermbeck Nachwuchs gibt. Die zwei sich hier niedergelassenen jungen Wölfinnen müssen nur noch einen Rüden finden. Die Paarungszeit der Wölfe ist im Januar und Februar. Nachwuchs könnte dann theoretisch Anfang oder Mitte Mai kommen. Das Wolfsgebiet umfasst rund 950 Quadratkilometer der Kreise Kleve, Wesel, Borken und Recklinghausen, der Städte Bottrop und Oberhausen. 2009 gab es den ersten Nachweis eines einzelnen durchziehenden Wolfes in NRW, nachdem die Art hier 180 Jahre lang als ausgestorben galt (dpa).

Förderverein Schafshaltung fordert die Bewaffnung der Schäfer

Mit den im westlichen und östlichen Westfalen und in Hünxe von Wölfen gerissenen Schafen ist für den Förderverein der Deutschen Schafshaltung eine rote Linie überschritten. Der Verein fordert die Bewaffnung der Schäfer, um im Notfall einen Schuss in die Luft abgeben zu können. Seit Anfang Oktober ist NRW offiziell Wolfsland, nachdem genetische Befunde und Beobachtungen darauf hingewiesen hatten, dass eine Wölfin im Kreis Wesel heimisch geworden ist. Jetzt ist die Sorge bei den Schäfern groß. Schon zuvor hatten sie vor der Ansiedlung eines Wolfes gewarnt. Aber spätestens, nachdem in Dinslaken zehn Stück Damwild gerissen worden sind, wollen viele, dass die Wölfin „entnommen“, wird, wie es in der Behördensprache heißt. Das bedeutet, dass sie getötet werden soll. In Dinslaken soll die Wölfin über einen zwei Meter hohen Zaun geklettert sein. Der Schafzuchtverein NRW fordert das Erlegen der Wölfin, der allerdings die Bewaffnung von Schäfern ablehnt. Derzeit (Ende 2018) gibt es eine 80-prozentige Förderung für Präventionsmaßnahmen der Schafzüchter durch das Land. Die sollen auf 100 Prozent gesteigert werden. Laut Schafsberaterin der Landwirtschaftskammer NRW gibt es landesweit etwa 40.000 Schafe, davon im Kreis Wesel knapp 10.000. Dazu kommen noch 850 Ziegen.

Siehe auch: Wolfsberater
Siehe auch: Wolfsjagden im Vest (Essay)


Quellen: DZ vom 23. April und 21. Nov. 2018

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