Wolfsland Schermbeck

Rückkehr der Wölfe nach Westfalen und auch in die Dorstener Gegend

Rückkehr der Wölfe nach Nordrhein-Westfalen

Das erste Wolfsrudel war im Jahr 2000 in Sachsen entdeckt worden. Seitdem sind Rudel und Einzelwölfe nach Westen gewandert. Mitte Januar 2015 wurde durch DNA-Spuren an einem gerissenen Schaf festgestellt, dass ein Wolf in den äußersten Winkel Nordrhein-Westfalens, nach Stemwede im Kreis Minden-Lübbecke in Ostwestfalen, zurückgekehrt war. In NRW gibt es seit 2009 zehn Wolfsnachweise (Stand: Mai 2016), davon fünf allein 2016. Darunter 2009 im Kreis Höxter. 2015 jener bei Minden, 2015 nahe Siegen. Genau dort, wo vor 180 Jahren der letzte Wolf in diesem Bereich, das an Niedersachsen grenzt, erschossen worden war. Im April 2016 riss bei Rösrath (Rheinland) ein Wolf zwei Ziegen. Es handelte sich nachweislich um einen in einem Rudel bei Cuxhaven geborenen Jungwolf, der bereits im März 2016 in den westfälischen Kreisen Lippe und Warendorf aufgetaucht war. Bauern bzw. Schäfer erhalten für ein von einem Wolf gerissenes Schaf eine Entschädigung aus Steuermitteln. Allerdings nur dann, wenn er aufgrund der DNA-Spuren über ein Labor nachweist, dass es ein Wolf war. Wölfe genießen in NRW den höchstmöglichen Artenschutz. Ende 2015 brachte das Lupus-Institut für Wolfsmonitoring und -forschung neue Zahlen heraus. Gesichtet wurden 31 Rudel (400 Tiere) sowie acht Wolfspaare mit Aussicht auf Nachwuchs. Der Naturbund begleitet mit 500 „Wolfsbotschaftern“ eines Managements für ganz Deutschland.

LANUV bestätigte Wolfsnachweise im Bereich Schermbeck

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) hat drei weitere Wolfsnachweise im Bereich des Wolfsgebiets Schermbeck bestätigt. Die genetischen Untersuchungen von Speichelproben zeigen, dass ein Wolf im September in Dinslaken und im Oktober 2018 in Hünxe ein bzw. zwei Schafe getötet hat. Bewiesen sei nun auch, dass elf Damtiere im Oktober 2018 in einem Wildgehege in Dinslaken ebenfalls von einem Wolf getötet wurden. Der zwei Meter hohe Knotengeflechtzaun wies laut LANUV geeignete Durchschlupfmöglichkeiten für den Wolf auf. In allen drei Fällen wurde somit ein Wölf als Verursacher identifiziert. Ob es immer ein und dasselbe Tier war, wird derzeit noch geklärt. Die betroffenen Tierhalter wurden über die Förderrichtlinie Wolf des Umweltministeriums entschädigt. Die „Förderrichtlinie Wolf“ ist Teil des nordrhein-westfälischen Wolfmanagements und sieht Entschädigungsleistungen für gerissene Nutztiere vor, wenn dafür nachweislich ein Wolf verantwortlich ist.

Dorstener Zeitung: „War es wirklich ein Wolf?“

Unter dieser Schlagzeile berichtete die „Dorstener Zeitung“ am 23. April 2016, dass zwei Tage zuvor, an einem Donnerstag gegen 8.45 Uhr, auf der Malberger Straße in Schermbeck-Damm ein Wolf die Straße überquert und dann in einem Waldstück verschwunden sein soll. Das wollte ein Schermbecker Malermeister aus seinem Auto heraus beobachtet haben. Die Jägerschaft des Schermbecker Hegerings beschäftigte sich intensiv mit der Beobachtung und versuchte, die Spur aufzunehmen. Ohne Erfolg. Dennoch warnte sie die Bevölkerung vor dem menschenscheuen Tier und riet, gelassen zu sein und keine Angst zu haben!

Wolf biss Kind: Anzeige gegen Naturwildpark Granat in Haltern

Wölfe im Park Granat in Haltern; Foto: privat

Eine Familie aus Dortmund zeigte im September 2016 den Betreiber des Naturwildparks Granat in Haltern an, da ein Wolf ein Kind gebissen hatte. Der Fünfjährige brach sich einen Finger und erlitt eine Fleischwunde. Die Eltern waren der Meinung, dass das Gehege nicht ausreichend gesichert war. Eine Kette, die verhindern sollte, dass Besucher den Wölfen zu nahe kommen, habe auf dem Boden gelegen. – Nach dem Fund von Biss-Wunden an einem toten Hirsch auf dem Truppenübungsplatz Senne im Kreis Lippe haben Experten erneut einen Wolf in NRW nachgewiesen. Speichelproben erhaben, dass das Tier aus einem Rudel bei Cuxhaven stammt. Damit gelang nach Sichtungen in Bad Oynhausen, Lemgo und Brilon innerhalb von drei Tagen im Februar 2017 die vierte Bestätigung, wie dpa meldete. Im Februar 2018 will eine Dorstener Autofahrerin in der Dämmerstunde auf der Straße nahe der Hervester Lippebrücke einen Wolf gesehen haben. Experten halten das durchaus für denkbar. Allerdings bekommt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) in Recklinghausen pro Jahr etwa 200 Hinweise aus ganz NRW. Nur in ganz wenigen Fällen ist ein Nachweis überhaupt möglich. So auch in dem Fall der Autofahrerin.

Einzelgänger riss drei Schafe in Bricht/Schermbeck

Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW (MULNV) rief am 1. Oktober 2018 offiziell das „Wolfsgebiet Schermbeck“ aus und bestätigte, dass es bis Ende Oktober 2018 insgesamt 16 nachgewiesene Übergriffe gegeben hat. Der jeweils aktuelle Stand kann über das Portal www.wolf.nrw.de abgerufen werden. Im April 2018 riss ein Wolf drei Nolana-Schafe eines Hobbyzüchters aus Bricht/Schermbeck. Das bestätigte das Senckenberg Forschungsinstitut nach Untersuchung der gerissenen Tiere. Im August riss ebenfalls ein Wolf in Gahlen ein Schaf. Das zuständige Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) bestätigte, dass ein Wolf die Schafe gerissen hatte. Bei einem am 30. August 2018 in Gahlen gefundenen toten Schaf wurden Speichelproben genommen, anhand derer das Senckenberg Forschungsinstitut erneut die Wölfin mit der Kennung „GW954f“ aus der niedersächsischen Wolfsrudel bei Schneverdingen individualisieren konnte. Wegen der jüngsten Häufung von Nachweisen dieser Wölfin, die in der Zeitung bereits mit dem Namen „Gloria von Wesel“ genannt wird, wird das Wolfsmonitoring im Kreis Wesel intensiviert. Im Einzelnen handelt es sich dabei um zwei tote Schafe am 19. August, fünf tote und zwei verletzte Schafe am 28. August und zwei tote Schafe am 30. August. Aufgrund der jüngsten Häufung von Wolfsnachweisen wird das Wolfsmonitoring im Kreis Wesel verstärkt. Geplant ist der Einsatz von Wildkameras in Absprache mit den betreffenden Waldbesitzern und Jagdrevierinhabern. Das tote Schaf, das am 2. November auf der Weide der Familie Pannenbäcker an der Bestener Straße lag, ist von einem Wolf gerissen worden. Das steht fest. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) bestätigt den Wolfsnachweis. Allerdings ist noch nicht klar, ob es sich um die Wölfin „Gloria von Wesel“  handelt. Bislang wurden seit April 2018 in Schermbeck, Gahlen, Hünxe und Kirchhellen dreizehn Vorfälle detailliert aufgelistet. Innerhalb von fünf Monaten, Mitte April bis Mitte September, wurden 28 Schafe gerissen beziehungsweise verletzt. Laut Auskunft des LANUV können Betroffene über die Förderrichtlinien Wolf des Umweltministeriums eine Entschädigung für die gerissenen Tiere sowie angefallenen Tierarztkosten erhalten. Die aktuelle „Förderrichtlinie Wolf“ ist Teil des nordrhein-westfälischen Wolfmanagementplans und sieht Entschädigungsleistungen für gerissene Nutztiere vor, sofern ein Wolfsnachweis erfolgt ist. Ein Wolfsrudel benötigt etwa 200 Quadratkilometer Waldfläche. Das ausgewiesene Wolfsgebiet Schermbecks ist 985 Quadratkilometer groß. Das Wölfe Menschen angreifen, ist äußerst selten. In den letzten 20 Jahren seit dem Auftreten des Wolfes in Deutschland hat es noch keinen Angriff auf einen Menschen gegeben. – Mitte Dezember 2018 wurden sechs Schafe eines Schäfers an der Schwarzen Heide in Kirchhellen gerissen und mehrere weitere Tiere schwer verletzt, obwohl sie mit Zäunen und Hütehunden gesichert waren. Ob es sich dabei um einen Wolf bzw. mehrere Wölfe oder konkret um Schermbecker Wölfin gehandelt hatte, muss noch untersucht werden.

Ein Wolf hat trotz Elektrozaun in Hünxe 2019 wieder Schafe gerissen

Mitte Juni 2019 hat ein Wolf am Hohen Wardweg in Hünxe wieder Schafe gerissen. Der Eigentümer entdeckte sechs verletzte Schwarzkopf-Schafe. Ein Schaf wurde durch einen Kehlbiss getötet. Von einem Schaf wurden beide Keulen zur Hälfte gefressen. Die Wolfsrisse erfolgten 165 Meter von einem Wohngebäude entfernt. Die Herde war durch einen 90 Zentimeter hohen Stromzaun geschützt. Die Stromspannung auf dem Zaun betrug 6600 Volt. Die Einzäunung wurde nicht untergraben. Nur wenige Tage später wurden in Hünxe zwei weitere Schafe tot gebissen und und drei verletzt. Ob es wirklich die Wölfin war, wird erst die DNA-Analyse in einigen Wochen zeigen. Für den Schäfer steht aber schon fest, dass unter den jetzigen Bedingungen eine Weidetierhaltung nicht mehr mit dem Tierschutzgesetz vereinbar sei. Im Jahr 2018 gab es im Kreis Wesel laut 15 Fälle, in denen ein Wolf nachweislich Nutztiere gerissen hat. Im Kreis Recklinghausen gab es im gleichen Zeitraum einen Fall in Dorsten.

„Gloria von Wesel“ wird allmählich zur Problemwölfin

Mitte Dezember 2019 wurde auf der Weide am Wohnhaus des Züchters Kurt Opriel am Hohen Wardweg in Hünxe wieder ein Schaf gerissen. Aus seiner Herde wurden zwischen dem 23. September und 24. Dezember 2019 zehnmal Schafe getötet oder verletzt, obwohl Zäune und Elektrodrähte seine Herde besser geschützt haben, als die Förderrichtlinien es verlangen. Beim morgendlichen Rundgang entdeckte Kurt Opriel am 24. Dezember 2019 gegen 6.30 Uhr auf der hofnahen Weide ein totes Schaf. Etwa 40 niederrheinische Tierhalter zeigten Ende Dezember 2019 Solidarität mit dem Hünxer Schafhalter Kurt Opriel, in dessen Schafherden ein Wolf inzwischen zum zehnten Male ein oder mehrere Schafe gerissen hat.

Schäfer will die Wölfin Glorie erschießen lassen

Ein Schäfer stellte Anfang Januar 2020 den Antrag auf Tötung der Wölfin Gloria (Kennung GW954f), da er bei acht Übergriffen der Wölfin 18 Schafe verloren hatte. Der Kreis Wesel hat das Landesumweltamt NRW eingeschaltet. Es soll die bisherigen Schafsrisse fachlich bewerten. Noch Ende September 2019 hatte das NRW-Umweltministerium erklärt, die umstrittene Wölfin sei kein Problemwolf.

Es könnte sich Wolfsnachwuchs einstellen

Möglich ist, dass es irgendwann im Wolfsland Schermbeck Nachwuchs gibt. Die zwei sich hier niedergelassenen jungen Wölfinnen müssen nur noch einen Rüden finden. Die Paarungszeit der Wölfe ist im Januar und Februar. Nachwuchs könnte dann theoretisch Anfang oder Mitte Mai kommen. Das Wolfsgebiet umfasst rund 950 Quadratkilometer der Kreise Kleve, Wesel, Borken und Recklinghausen, der Städte Bottrop und Oberhausen. 2009 gab es den ersten Nachweis eines einzelnen durchziehenden Wolfes in NRW, nachdem die Art hier 180 Jahre lang als ausgestorben galt (dpa).

Ein Wolf streifte erstmals auch durch die Kirchheller Heide

Erstmals tauchte nach rund hundert Jahren Mitte 2019 in der Kirchheller Heide wieder ein Wolf auf. Die Kirchheller Heide liegt mitten im Revier der Wölfin „Gloria“, dem Wolfsgebiet Schermbeck. Seit ihrem Auftauchen in Schermbeck-Bricht 2018, konnten bislang immer nur Spuren im Gebiet gefunden werden. Dass der Wolf auch die Kirchheller Heide aufsucht, zeigt, dass es sich bei der waldreichen Region im Herzen der Metropole Ruhr nicht nur um ein beliebtes Erholungsgebiet, sondern auch um einen attraktiven Lebensraum für das seltene Säugetier handelt, schätzt der Regionalverband Ruhr (RVR) den Aufenthalt eines Wolfes im Kirchheller Gebiet ein, der Besuchern  Tipps gibt, wenn sie einem Wolf begegnen: Man sollte nicht versuchen, sich dem Wolf zu nähern, ihn anzufassen oder zu füttern. Auch sollte man nicht panisch weglaufen, da so der Jagdinstinkt des Tiers geweckt wird. Am besten bleibt man stehen und wartet ab, bis sich der Wolf zurückzieht. Wer selbst den Abstand zum Wolf vergrößern möchte, sollte nur sehr langsam rückwärtsgehen. Man kann den Wolf auch vertreiben, indem man laut auf sich aufmerksam macht, etwa durch Händeklatschen oder lautes Sprechen.

Junger Hirsch durch Kehlenbiss getötet

Im September 2019 wurde auf dem umzäunten Gelände im Gahlener Aap ein junger Hirsch durch Kehlenbiss getötet, was 30 Meter von einem Wohnhaus entfernt durch Fressmerkmale auf einen Wolfsriss hindeutet. Bei den allermeisten bisherigen Wolfsrissen im Raum Gahlen-Hünxe-Kirchhellen hat die Behörde die Wölfin „Gloria“ als „Täterin“ ausgemacht.

Ostern 2020: Wölfe haben Hirsch in Hünxe attackiert

Hat sich Wölfin „Gloria“ einen Begleiter zugelegt? Am Ostersamstag 2020 hat die Wölfin mit einem Artgenossen in Hünxe einen Hirsch attackiert. Davon gibt es ein Video. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) hat den Nachweis von zwei Wölfen im Wolfsgebiet Schermbeck bestätigt. Direkt vor dem Wohnzimmerfenster einer Familie am Hohen Wardberg in Hünxe spielten sich die Jagdszenen ab: An einem Zaun stand ein Hirsch, zwei Wölfe versuchen immer wieder, an seine Läufe zu gelangen. Doch der Hirsch wehrt sich mit den Vorderläufen, kann die beiden Wölfe immer wieder zurückdrängen. Laute Schreie einer Anwohnerin vertreiben die beiden Wölfe schließlich. Dem Hirsch gelang, offenbar nur leicht verletzt, die Flucht. Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) hat die Aufnahmen geprüft. Die Identität sei beiden Wölfe ist nicht bekannt, hieß es am Mittwoch in der offiziellen Mitteilung des LANUV. Vermutlich handele es sich bei einem Wolf um die im Wolfsgebiet Schermbeck heimische Wölfin GW954f, im Volksmund „Gloria“ genannt. In diesem Wolfsgebiet sei bisher kein zweites Individuum genetisch nachgewiesen worden. Wölfe leben in festen Paaren, die in der Regel lebenslang bestehen. Nach bundesweit vereinbartem Monitoringstandard ist von einem Paar auszugehen, wenn zwei geschlechtsreife Wölfe (Rüde und Fähe) über mindestens vier Wochen gemeinsam in einem Territorium nachgewiesen werden.

Förderverein Schafshaltung fordert die Bewaffnung der Schäfer

Mit den im westlichen und östlichen Westfalen und in Hünxe von Wölfen gerissenen Schafen ist für den Förderverein der Deutschen Schafshaltung eine rote Linie überschritten. Der Verein fordert die Bewaffnung der Schäfer, um im Notfall einen Schuss in die Luft abgeben zu können. Seit Anfang Oktober ist NRW offiziell Wolfsland, nachdem genetische Befunde und Beobachtungen darauf hingewiesen hatten, dass eine Wölfin im Kreis Wesel heimisch geworden ist. Jetzt ist die Sorge bei den Schäfern groß. Schon zuvor hatten sie vor der Ansiedlung eines Wolfes gewarnt. Aber spätestens, nachdem in Dinslaken zehn Stück Damwild gerissen worden sind, wollen viele, dass die Wölfin „entnommen“, wird, wie es in der Behördensprache heißt. Das bedeutet, dass sie getötet werden soll. In Dinslaken soll die Wölfin über einen zwei Meter hohen Zaun geklettert sein. Der Schafzuchtverein NRW fordert das Erlegen der Wölfin, der allerdings die Bewaffnung von Schäfern ablehnt. Derzeit (Ende 2018) gibt es eine 80-prozentige Förderung für Präventionsmaßnahmen der Schafzüchter durch das Land. Die sollen auf 100 Prozent gesteigert werden. Laut Schafsberaterin der Landwirtschaftskammer NRW gibt es landesweit etwa 40.000 Schafe, davon im Kreis Wesel knapp 10.000. Dazu kommen noch 850 Ziegen.

Wölfin „Gloria“ kommt nicht auf die Abschussliste, sie darf weiterleben

Nach abschließender Prüfung hat der Kreis Wesel als zuständige Naturschutzbehörde in Abstimmung mit dem Umweltministerium entschieden, dem Antrag auf Entnahme und Vergrämung, sprich sie abzuschießen, der als „Gloria“ bekannten Wölfin nicht stattzugeben. Nach Auffassung des Kreises Wesel und des NRW-Umweltministeriums stellt die konsequente Anwendung von Herdenschutzmaßnahmen eine zumutbare Alternative dar. Wölfe sind gemäß Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Dieser Schutz ergibt sich aus zwei europarechtlichen Vorgaben. Danach dürfen Wölfe in Europa nur im Ausnahmefall und nach besonderer Prüfung durch die Behörden „entnommen“ werden. „Bundesweite Untersuchungen bestätigen: Einen 100-prozentigen Schutz gegen Wolf-Übergriffe auf Weidetiere gibt es nicht“, heißt es in einer Stellungnahme des Kreises. „Durch eine korrekte und flächendeckende Anwendung von Herdenschutzmaßnahmen lässt sich aber eine Reduzierung von Wolfsübergriffen auf Nutztiere erreichen.“

Petition zum Schutz des Wolfes fand bislang 1800 Unterstützer

Zwei Schermbeckerinnen setzen sich für eine Lösung ein, die sowohl den  Wolfsschützern als auch den Landwirten entgegenkommt. Tanja Brodel und Heike Brietsche-Ilsemann wandten sich mit ihrem Anliegen an das NRW-Umweltministerium, an Umweltschutzorganisationen, den Landrat des Kreises Wesel sowie an die Fraktionen im Kreistag. „Unserer Meinung nach kann Natur- und Umweltschutz nicht nur dann gelten, wenn dieser für uns als Menschen ohne Belastungen einhergeht“, heißt es darin. „Etwas nur dann schützen zu wollen, wenn es uns dient, alles andere aber buchstäblich auszumerzen, kann sicher nicht als Vorbild dienen.“ Zudem starteten sie eine Online-Petition, die bereits mehr als 1800 Menschen unterzeichneten (Stand: Anfang August 2019. Seit 2017 wurden nach Angaben der NRW-Landesregierung insgesamt 53.192 Euro nach den Förderrichtlinien Wolf ausgezahlt. 43.528 Euro entfallen auf Präventionsmaßnahmen, 9.664 auf Entschädigungszahlungen. Im Wolfsgebiet Schermbeck wurden in diesem Zeitraum elf Anträge auf Entschädigungen gewährt und 76 Anträge auf Präventionsmaßnahmen. Sieben Anträge auf Präventionsmaßnahmen im Wolfsgebiet Schermbeck wurden abgelehnt. Dabei handelte es sich um Anträge von Herdenschutzmaßnahmen für nicht berücksichtungsfähige Tierarten wie Schweine, Rinder oder Alpakas.

Zwei Wölfe bei Schermbeck beobachtet – sind sie ein Paar?

Nach der Sichtung zweier Wölfe im April 2020 bei Schermbeck fehlen weitere Beweise, ob es sich bei den Tieren um ein Paar handelt. Wahrscheinlich handele es sich bei dem zweiten, zuvor dort nicht nachgewiesenen Tier um einen Rüden. Da von dem Tier kein genetisches Material vorliegt, ist dies eine Annahme. Auch die Identität und Herkunft des zweiten Tieres ist noch unbekannt. Da Wölfe in ihrem Revier außer dem eigenen Rudel keine fremden Artgenossen dulden, ist aber die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um ein männliches Tier handelt, das vom weiblichen Wolf geduldet wird, so Experten. In NRW gibt es zwei weitere Wolfsgebiete in der Eifel bei Aachen und der Senne bei Bielefeld. Nachweise für die Anwesenheit der jeweiligen Wölfe fehlen aber seit Monaten. Auch in einem Ende 2019 ausgewiesenen Verdachtsgebiet im Oberbergischen Land gab es zuletzt keine Hinweise. Am 1. Mai begann das neue Wolfsmonitoringjahr, in dem der Bestand der Tiere bundesweit erfasst wird.

Weiter Streit um den Wolf: Angstmacherei oder sachliche Aufklärung?

Wölfe können Menschen angreifen und direkt oder indirekt Unfälle verursachen. Wer das sagt, kläre sachlich auf, sagt das Bürgerforum Gahlen, und schüre keineswegs Angst. Damit weist die Arbeitsgruppe Wolf des Bürgerforums Gahlen den Vorwurf der Nabu-Kreisgruppe Wesel zurück, Angst beim Thema Wolf schüren zu wollen. Dem Bürgerforum sei an sachlicher Aufklärung und an einem Gegengewicht zur „vorherrschenden Verharmlosung“ des Wolfes sowie am Schutz des Menschen vor dem Wolf. Experten nennen hauptsächlich vier Gründe, warum Wölfe Menschen angreifen: Tollwut, Habituation, Provokation und stark veränderte Lebensräume. Vor allem die Provokation durch freilaufende Hunde beim Spaziergang Hund und Mensch könnte den Wolf anregen, aggressiv zu werden. Allerdings ist das eine theoretische Überlegung. Wölfe gewönnen sich zwangsläufig sehr schnell an den Menschen, mit dem sie den Lebensraum teilen, und nicht bejagt oder vertrieben werden. Dann zeigen sie keine Scheu und Aggressivität, so Experten. Nach wie vor fordert das Bürgerforum „umgehend die Entnahme der beiden Wölfe…“

Bundesweit gibt es mittlerweile 105 Wolfsrudel und etliche Einzelgänger

In Nordrhein-Westfalen haben sich seit 2018 drei Wölfe angesiedelt. Die Gebiete liegen weit voneinander entfernt in der Region um Schermbeck nördlich des Ruhrgebiets, in der Eifel und in der Senne bei Bielefeld. Bundesweit sind inzwischen 105 Wolfsrudel, 25 Wolfspaare sowie 13 sesshafte Einzelwölfe erfasst. Das Raubtier kommt vor allem in Ostdeutschland und in Niedersachsen vor. In NRW leben die Wölfe bislang alleine. Es ist möglich, dass sich auch ein Rudel ansiedelt.

Neue Regeln: Wölfe dürfen zum Schutz von Weidetieren getötet werden

Wölfe dürfen zum Schutz von Schafen und anderen Weidetieren in Deutschland künftig frühzeitiger abgeschossen werden. Der Bundestag beschloss am Donnerstag ein entsprechendes Gesetz, auf das sich die große Koalition nach monatelangem Streit verständigt hatte. Demnach soll ein Abschuss auch dann möglich sein, wenn zum Beispiel unklar ist, welcher Wolf genau eine Schafherde angegriffen hat. Die Maßnahmen sollen wirtschaftliche Schäden für Bauern und Hobbyschäfer abwenden und auch Verunsicherung in vielen Dörfern entgegenwirken. Bei 639 Übergriffen von Wölfen im Jahr 2018 sind bundesweit 2067 Nutztiere gerissen worden. Für die Neuregelungen stimmten in namentlicher Abstimmung 361 Abgeordnete, 275 Parlamentarier lehnten sie ab (dpa)

Siehe auch: Wolfsberater
Siehe auch: Wolfsjagden im Vest (Essay)


Quellen: DZ vom 23. April und 21. Nov. 2018, vom 1. Aug. 2019, vom 16. April und 9. Mai und 30. Juni 2020.

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