Waldsiedlung Holsterhausen

200 Wohnungen halfen in den 1950er-Jahren die Wohnungsnot zu lindern

In den Amtsbezirk Hervest-Dorsten sind in den ersten fünf Jahren nach er Währungsreform 1948 etwa 10 Millionen DM Landesmittel als Darlehen für den sozialen Wohnungsbau geflossen, außerdem über 4 Millionen DM Hypotheken durch die Kreissparkasse. Damit konnte der Wiederaufbau der kriegszerstörten Häuser in der Stadt Dor­sten bereits zu einem großen Teil durchgeführt werden. In den Landgemeinden waren nur in Wulfen und Erle nennenswerte Bombenschäden eingetreten, die ebenfalls fast ganz wieder behoben werden konnten. Neben den Wiederaufbau­maßnahmen konnte Anfang der 1950er-Jahre in steigendem Umfang notwendiger Wohnraum durch Neubau geschaffen werden. Wahrend in den Landgemeinden das Eigenheim vor­herrschte, war in den Randgebieten der Stadt, besonders in den Stadtteilen Her­vest und Holsterhausen der Mietwohnungsbau in Reihenhäusern mit­bestimmend. Einen erheblichen Anteil am Wohnungsbau im Stadtgebiet stellten die Bau­maßnahmen dar, die mit den so genannten Kohleabgabemitteln finanziert wurden und für Bergarbeiter bestimmt waren. Seit Kriegsende hatte die Zeche über 1.000 Woh­nungen geschaffen. Als umfangreichstes Projekt in der Mitte der 1950er-Jahre die Waldsiedlung in Hol­sterhausen gebaut worden.

Bau der Waldsiedlung in Holsterhausen 1953

Bau der Waldsiedlung in Holsterhausen 1953

Rohbauten vorm Winter 1953 fertig gestellt

Am Söltener Landweg, zwischen dem Blauen See und der Heinrichstraße, ent­standen Wohnungen für über 200 Bergmannsfamilien. Seit Ende August 1953 wühlten die Bagger die Baugruben aus, fuhren Kipperfahrzeuge die Erdmassen zur neuen Dorstener Lippebrücke. Steine, Kalk, Zement und anderes Baumaterial wurde an­gefahren. Anfang September begannen sechs Baufirmen im Auftrag von zwei Be­treuungsgesellschaften mit den Bauarbeiten, um noch vor Einbruch des Winters den größten Teil der Häuser im Rohbau fertig gestellt zu haben. In schöner Auflockerung verteilten sich die zweigeschossigen Doppelhäuser über das ganze Siedlungs­gelände; im Erdgeschoß wohnte der Siedler, im Obergeschoß der Einlieger. Die Wohnungen hatten drei Zimmer, Kochküche und Bad, selbstverständlich ist auch ein Stall; denn der Bergmann liebte Hühner, Tauben und Schweine, denn er brauchte sie zum Überleben, die Tauben zum Vergnügen.

Siedlung wurde schnell fertiggestellt

Durch das herrliche Wetter des Spatherbstes 1953 begünstigt, wuchsen die Bauten außerordentlich schnell aus dem Boden. Laufkräne, Förderbänder, Mischmaschinen beschleunigten das Arbeitstempo. Ein Rad griff in das andere, nirgends entstand Leerlauf, den Maurern folgten die Zimmerleute, Klempner und Dachdecker. Die 200 Wohnungen der „Waldsiedlung“ konnten die damalige Wohnungsnot nicht beheben, wohl aber lindern.

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