SuS Hervest-Dorsten

Bauer pflügte im Gründungsjahr 1919 den Sportplatz um

Der Erste Weltkrieg war beendet, die Notjahre begannen. Aber auch die Geschichte des Fußballvereins Spiel und Sport Hervest, der 1919 gegründet wurde. Das erste Treffen der Spieler fand am 18. Juli 1919 auf dem Grundstück des Bauern Einhaus an der Ecke Glückauf-/Kaiserstraße in Hervest statt. Es war allerdings kein Fußball-Spiel, sondern ein Wettbewerb im damals ausgesprochen beliebten Ziel- und Weitschießen mit dem Ball. Beim Gegenbesuch des ersten Gegners in Drewer kam es dann zum ersten Spiel, weil die Dreweraner schon einen abgesteckten Platz hatten, den es bei SuS noch nicht gab. Der Ausgang dieser Partie ist nicht überliefert, aber dieses erste Spiel war die Keimzelle des Kicks des Vereins, der erst wesentlich später am Ellerbruch seine Heimat finden sollte.

SuS Hervest 1920

Mannschaft des SuS-Hervest-Dorsten mit Funktionären 1920 – ein Jahr nach der Vereinsgründung

Den Kanal gab es noch nicht, dafür vierteilten die Bahnstrecken Haltern–Venlo und Dorsten–Rheine den Ort. Und so, wie die Bahn die Gemeinde teilte, teilte auch eine Oppositionsgruppe den Verein, schreibt Klaus Rosenkranz in der „Dorstener Zeitung“. Denn neben dem SuS Hervest von 1919 gab es bald auch einen Club Hervest 1920, die sich nach Verhandlungsgeschick vereinigten. Nicht alle Namen der damaligen Spieler und Funktionäre sind heute noch bekannt. Überliefert sind Robert, Richard und Egon Bernhardt, Kasmierzak, Becker, Harding, Manias, Neumann, Seidel, Torresani und Bruse (siehe Foto).

80.000.000.000 Mark Porto für einen Brief

Dann kam die Inflationszeit. Als der Vereinskassierer August Dille im Herbst 1923 die Mitgliedsbeiträge einsammelte, tat er dies waschkorbweise. Wer am 27. November 1923 einen Brief von Hervest nach Dortmund schicken wollte, musste 80.000.000.000 (sprich 80 Milliarden) Mark mit zum Postamt nehmen. Die Hervester überstanden auch dieses Chaos. 1925 übernahm Wilhelm Blumenthal, der als Steiger in Hervest ganz besondere Achtung genoss, den Club als Vorsitzender. Die Verknüpfung zwischen Bergbau und Sport wurde immer enger. An der Seite von Blumenthal profilierte sich ein junger Mann namens Reinhold Bernhardt, zunächst als Fußballer auf dem Platz, später als Funktionär.

Mit Fahrrad und Zug

Sportlich wechselten die Hervester Anfang der 30er-Jahre aus der Spielgruppe Gelsenkirchen (mit Gegnern wie Erle 08, Recklinghausen 13 oder Gelsenkirchen 07) nach Westen und trafen nun auf Mannschaften wie Osterfeld 06, Olympia Bocholt, Sterkrade 06/07 oder Bocholt 1900. Mittlerweile spielte SuS in der Bezirksliga – und das war die zweithöchste mögliche Spielklasse unter der Gau-Liga. Zum besseren Verständnis: Autos gab es nicht. Was nicht mit dem Fahrrad erledigt werden konnte, wurde mit der Eisenbahn angesteuert. Fußball auf gehobenem (Bezirksliga)-Niveau verbrauchte damals einen ganzen Sonntag.

Wiederaufbau nach dem Krieg

18 Hervester Fußballer überlebten den Zweiten Weltkrieg nicht. Der Wiederaufbau des Ellerbruch-Stadions, das seit etwa 1930 die Hervester Heimat war, war die erste Aufgabe der Kicker nach dem Krieg. Ballwart Ernst Bernhardt, Bruder von Reinhold, sorgte dafür, dass Mitte 1945 erstmals wieder Jugendspiele in Hervest stattfinden konnten und sich der Fußball in Hervest wieder kontinuierlich entwickeln konnte. Ein Jahr nach dem Aufstieg in die Bezirksklasse wurde den Hervestern 1966 das Ellerbruchstadion übergeben. Vier Jahre hatte der Bau gedauert, der immer noch die Heimat der Hervester ist. Das hat die Kicker so motiviert, dass sie 1967 bis in die Landesliga aufstiegen. Es folgten Abstiege bis in die Kreisliga, doch immer wieder holten Hervester Mannschaften eine Meisterschaft. Zuletzt gelang 1988 der Sprung in die Bezirksliga. Es sollte dann aber nur noch nach unten gehen. Nach dem Abstieg in die A-Liga (1990) wurde es auch dort oft eng. 2004 klopfte Hervest noch einmal an die Bezirksliga-Tür, wurde aber nur Vizemeister. Der Abstieg in die Kreisliga B im Jahr 2006 war enttäuschend. In Hervest arbeitet man seither am Wiederaufstieg. – Der Bergbau ist zwar aus Hervest verschwunden, aber der Verein ist noch da.

2016 händeringend Vorsitzender gesucht – sonst droht ihm das Aus

In die Klemme geriet der Verein im Dezember 2016. Bei der Jahreshauptversammlung fand SuS Hervest-Dorsten keinen Nachfolger für den ausgeschiedenen 1. Vorsitzenden Christian Buschfort. Jetzt droht dem Verein im schlimmsten Fall die Abmeldung. Drei Monate Zeit räumt die eigene Vereinssatzung den Hervestern ein, um einen neuen Vorsitzenden zu finden. Andernfalls sieht sie die Streichung aus dem Vereinsregister vor. Bereits seit einem Jahr gibt es keinen 1. Vorsitzenden mehr, als Brüggemann sein Engagement eingestellt hatte. Seither überbrückt Dennis Brüggemann mit Hilfe eines früheren Vorsitzenden die Lücke als Ersatz-Vorsitzender. Bis Ende Februar/Anfang März 2017 haben er und der Verein nun Zeit, einen 1. Vorsitzenden zu finden, der den rund 180 Mitglieder starken Verein führt. Ansonsten droht dem 1919 gegründeten Verein kurz vor dem 100. Geburtstag das Aus.


Quelle:
Im Wesentlichen Auszüge aus Klaus Rosenkranz: „Das Sportporträt: Die Bernhardt und der SuS Hervest“ in DZ vom 13. Mai 2013. „Dorstener Zeitung“.

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