Standesamt Dorsten

Trauungen auch am Marktplatz, in der Zeche, im Schloss und auf dem Schiff

Die stellvertretende Bürgermeisterin Christel Briefs traut ein Paar im Alten Rathaus

Wer in Dorsten heiraten will, kann dies mittlerweile an Orten mit unterschiedlichem Ambiente tun: im Rathaus selbst, dann im historischen Alten Rathaus am Markt, in Schloss Lembeck, im Maschinenhaus der ehemaligen Zeche Fürst Leopold oder auf einem Schiff auf dem Kanal. Das ist für das Brautpaar lediglich eine Frage des Geschmacks und zusätzlicher Kosten. Heiraten war aber nicht immer so frei. Erst seit 1. Januar 1876 gibt es die vom Reichsgesetz vorgeschriebenen staatlichen Standesämter – übertragen auf Kommunen. In früherer Zeit wurden Geburten, lediglich kirchliche Eheschließungen und Sterbefälle nur in den von den Pfarrämtern geführten Kirchenbüchern verzeichnet. Diese Kirchenregister wurden im Laufe der Zeit trotz ihres rein kirchlichen Charakters weithin auch allgemein öffentlichen und staatlichen Zwecken dienstbar gemacht. Die Folge war, dass der Staat auf die Führung dieser Register Einfluss nahm und der staatlichen Aufsicht durch die unteren Verwaltungsbehörden unterstellte. Durch die französische Revolution wurden zwischen 1792 und 1808 zuerst in den französisch besetzen Gebieten im Rheinland, dann auch durch den napoleonischen Code Civil anderswo in Westfalen zivile Standesämter eingerichtet.

Seit 1876 gibt es ein Standesamtsgesetz für das gesamte Kaiserreich

Trauung auf dam Kanalschiff „Klabautermann“

Der Staat übernahm von den Kirchen die Trauungen, die in den Kirchen dann nur noch kirchlichen Charakter hatten. Das stattliche Gesetz über die Beurkundung des Personenstandes und die Eheschließung vom  6. Februar 1875 beginnt mit den Worten: „Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen etc. verordnen im Namen des Deutschen Reichs, nach erfolgter Zustimmung des Bundesraths und des Reichstags, was folgt…“ Es folgen 76 Paragraphen, die eine Verheiratung im Geist der damaligen Zeit regelten. Beispielsweise war nach § 33 Abs.5 die Ehe „zwischen einem wegen Ehebruchs Geschiedenen und seinem Mitschuldigen“ verboten. Und der § 35 besagte: „Frauen dürfen erst nach Ablauf des zehnten Monats seit Beendigung der früheren Ehe eine weitere Ehe schließen…“ Solche Paragrafen und das Bild des Standesbeamten selbst haben sich in den fast 150 folgenden Jahren entscheidend gewandelt. Waren früher in erster Linie der Bürgermeister oder der Dorfschullehrer als Standesbeamte ehrenamtlich tätig, so wird diese Aufgabe heute in der Regel von Verwaltungsbeamten als Staatsaufgaben wahrgenommen. Auch das Aufgabenfeld des Standesbeamten wurde im Laufe der Zeit immer umfangreicher. Seit 1. August 2001 auch Anmeldungen von Lebenspartnerschaften und ab 1. Oktober 1976 sind die „Lebenspartnerschaften“ im Rahmen der Gesetzesändereung „Ehe für alle“ den Ehen zwischen Mann udn Frau gleichgesetzt. Weitere Aufgaben sind unter anderem die Beurkundung der Vaterschaftsanerkennung, Entgegennahme von namensrechtlichen Erklärungen, Führer einer Testamentskartei u. a.

Ein Standesamt und vier Orte der Eheschließung nach Wahl

Trauung in der Maschinenhalle der Zeche

Die erste Trauung nach dem neuen und bis dahin noch nicht rechtskräftigen Reichsgesetz fand  in Dorsten am 1. Oktober 1874 im damaligen Rathaus, dem heutigen „Altes Rathaus“ am Marktplatz statt. In den Gemeinden rundum, die heute Stadtteile von Dorsten sind, hatte jedes Dorf hundert Jahre lang den Bürgermeister als Standesbeamten. Bei der Kommunalreform 1975, als die Dörfer zu Dorsten kamen, gab es nur noch einen Standesamtsbezirk. In den einzelnen Stadtteilen wurden lediglich Sprechstunden angeboten. 1999 gab es am 9. 9. – eine für Eheschließungen beliebte Zahlenkombination wie bei Briefmarkensammlern der Poststempel hatte das Dorstener Standesamt an diesem Tag 16 Trauungen zu bewältigen, die allesamt im Rathaus am Gemeindedreieck stattfanden. Mittlerweile sind die Behörden flexibler geworden und haben für das Ja-Wort des Brautpaares Orte mit einer ansprechenderen Umgebung zugelassen, allerdings zu den 130 Euro Grundkosten nur gegen Aufpreis. Lediglich für Eheschließungen im Trauzimmer im Rathaus am Gemeindedreieck werden neben den Grundkosten keine Auslagen erhoben.

Trauzimmer in Schloss Lembeck

Im Wasserschloss Lembeck wurde ein großzügiges Trauzimmer eingerichtet (Aufpreis 350 Euro); seit 1. September 2011 können sich Paare im historischen Alten Rathaus am Markt zum Aufpreis von 240 Euro trauen lassen und unter verschiedene Bestuhlungsvarianten auswählen. Wer sich in zechenindustrieller Umgebung und neben einer riesigen historischen Dampfmaschine trauen lassen will, kann sein Ja-Wort in der früheren Maschinenhalle der aufgelösten Zechengebiet Fürst Leopold geben, was 250 Euro mehr kostet. Die erste Trauung fand dort am 20. Juni 2017 statt. Wer es gerne schwankend unter den Füssen haben und einen Aufpreis in Höhe von 280 Euro zahlen will, den empfängt der Standesbeamte bzw. die Standesbeamtin auf dem Kanalschiff „Klabautermann“ im Yachthafen Hanse Marina. Dann kann das Brautpaar mit maximal elf Gästen 45 Minuten lang auf dem Kanal durch Dorstener Gebiet schippern.

Siehe auch: Altes Standesamt Wulfen

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