Seifert, Heribert

Als NZZ-Medienjournalist schreibt er meist kritisch über den Journalismus

Heribert Seifert 2016 in Recklinghausen

Von Wolf Stegemann. – Geboren 1948 in Dorsten; freier Journalist und daneben auch Lehrerausbilder und Herausgeber von Schulbüchern. – Er schreibt viel und über ihn wird viel geschrieben, nicht immer freundlich, sogar unfreundlich, doch setzen sie sich alle mit dem auseinander, was der gebürtige Dorstener und heutige Wahlkölner Heribert Seifert schreibt. So auch die Wochenzeitung „Die Zeit“. Die Spannbreite seiner Themen ist weit gefächert und provoziert Lob wie Ablehnung, zumal er sich  mit kritischem Stift den deutschen Journalismus selbst vornimmt, ihn seziert. So schreibt er über die „Schmuddelkinder“ der deutschen Presse, ihre freiwillige Unterwürfigkeit nicht nur der Printmedien, über den Negativ-Nationalismus, wie die Justiz in der Presse wegkommt und vor allem die Politik bei Wahlen, die als „Affentheater“ in der „Süddeutschen Zeitung“ und der „FAZ“ in ungewohntem Gleichklang vorkommen. Seifert schreibt von „partieller Unzurechnungsfähigkeit von Presse und Fernsehen“. Auch weist er auf die intellektuelle Anspruchslosigkeit des Journalismus hin. Sein Feld, auf dem er mit spitzer Feder bzw. harten Tastenanschlägen ackert, ist die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ). Seine Beiträge fordern heraus, machen nachdenklich, gleiten vielleicht da oder dort etwas zu weit nach rechts, erbosen und erfreuen. Wie auch immer: Heribert Seifert ist ein Journalist, der schreibt, was er denkt. „Denn, das muss man auch sagen, steht er nicht unter der Knute von Verlegern, sondern darf seine Ansichten veröffentlichen“, so das „Deutschlandradio Kultur“ über den Dorstener.

Er hat sich einen gewissen Bekanntheitsgrad erschrieben

Heribert Seifert, im Nachkriegs-Dorsten geboren, studierte Geschichte, Germanistik, Philosophie und Erziehungswissenschaft in Münster, Berlin und Zürich. 1974 Magister Artium. Von 1977 bis 2011 war er Lehrer am Gymnasium Petrinum in Recklinghausen, von 1980 bis 2011 Fachleiter für Deutsch am Studienseminar Recklinghausen. Er schrieb Publikationen zu bildungstheoretischen Fragen, zu Medien. Kultur und Zeitgeist, gab Schulbücher heraus und im Jahr 2000 in Köln das Buch „Lehren und Lernen in der Schule“. Er ist ständiger Mitarbeiter der „Neuen Zürcher Zeitung“, schreibt auch Beiträge für epd medien, die du-Zeitschrift für Kultur und für den Deutschlandfunk.

„Und weil er einen gewissen Bekanntheitsgrad hat“, so der Sender weiter, „ kann er das auch noch in anderen Medien. So, wie es aussieht, lebt er davon. Und seine Position erscheint besser als die eines angestellten Lohnschreibers. Nur, frei in dem, was er schreibt ist er nicht. Denn, würde ihm eine ,Entgleisung’ passieren, wie Eva Hermann, wäre er weg vom Fenster. Also achtet er sorgfältig darauf, was er schreibt, um immer noch möglichst viele zustimmende Kommentare zu erhalten. Und die erhält er, denn das Volk ist gespalten und für jede Position gibt es (mindestens) eine Gegenposition. Er kann also, weil er so radikal nicht denkt, sicher sein, auch weiter publizieren zu dürfen. Denn er lebt vom Schreiben.“

„… auch solche, die manchmal mit ungewaschenem Maul reden“

Am 13. Februar 2008 schrieb Herbert Seifert im „Politischen Feuilleton“ der NZZ unter dem Titel „Die inszenierte Meinung – Presse versus Internet“ u. a. (Auszug):

„Das aktuelle Getöse gegen das Böse, das aus dem Internet kommt, ist verlogen. Den Lautsprechern dieses Feldzugs geht es in Wirklichkeit darum, auf einem Medienmarkt, in dem ihre Zeitungen immer mehr an Glaubwürdigkeit und Aufmerksamkeit auch durch eigenes Versagen verloren haben, die alte Autorität, ihr Monopol auf Information und Deutung wieder herzustellen. Sie träumen öffentlich davon, dass ihre Blätter den Menschen wieder verbindlich sagen, was in der Welt geschehen ist und was sie davon zu halten haben. Sie wollen nicht wahrhaben, dass ein immer noch wachsender Teil des Publikums keine Lust mehr hat auf die Inszenierungen publizistischer Meisterdenker. Sie werden sich daran gewöhnen müssen, dass mit dem Internet die Grenzen der Öffentlichkeit neu gezogen worden sind und dass mehr Menschen Zutritt dazu haben, darunter auch solche, die manchmal mit ungewaschenem Maul reden. Um damit fertig zu werden, reichen die bestehenden Gesetze und die selbstkritische Aufmerksamkeit in den neuen Kommunikationsgemeinschaften schon aus. Anmaßende Vormünder dagegen, die von ,Qualität’ reden, aber eigene Macht meinen, sind überflüssig.“

Philipp Sarrasin: Heribert Seifert hat auch eine glattgekämmte Seite

Sein Arbeitsfeld

Heribert Seifert wird auch scharf kritisiert. So kommentiert Philipp Sarrasin am 16. September 2016 in der Zeitschrift „Geschichte der Gegenwart“ Seiferts Journalismus. Sarrasin lehrt Geschichte der Neuzeit an der Universität Zürich. Er ist Mitbegründer des Zentrums Geschichte des Wissens, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Internetplattform H-Soz-Kult, Herausgeber des Literaturverwaltungsprogramms Litlink und Herausgeber von Geschichte der Gegenwart. Er schreibt (Auszug):

„Doch wer ist Heribert Seifert? Seifert zeigt in der NZZ eher seine glatt­ge­kämmte Seite, um noch als ,liberal’ durch­zu­gehen. Er kann aber auch anders. Artikel von ihm erscheinen außer in der NZZ häufig in der Internet-Zeitschrift ,eigen­tüm­lich frei’ (ef), die von Polito­logen als rechts­li­beral, rechts­na­tional oder auch als rechts­ex­trem einge­stuft wird, und deren Macher um den Publi­zisten André F. Licht­schlag sich als Anarcho­ka­pi­ta­listen und Libertäre bezeichnen. Seiferts Medien-bashing, dem die NZZ regel­mäßig ihre Spalten öffnet, findet auch dort statt. Ja, ,die’ Medien – bzw., so Seifert, die ,zuneh­mend wie Verlaut­ba­rungs­or­gane einer Besat­zungs­macht agierenden Leitme­dien’ (ef, 9. Juli 2012) – sind zusammen mit der Regie­rung Merkel und der ,links­grünen Diktatur’ Zielscheibe seiner, gelinde gesagt, spitzen Feder. Seiferts jüngste Artikel auf ,eigen­tüm­lich frei’ sind zwar nur Abonnenten vorbe­halten, aber auch ältere, zugäng­liche Texte erweisen ihn gerade als jenen eifernden ,Wutjour­na­listen’, den er in den tradi­tio­nellen Medien am Werk sieht…“

Als Medienjournalist schrieb Heribert Seifert in der „Neuen Zürcher Zeitung“ kritisch auch über den „Fall Münster“. Nachdem der Dortmunder „Ruhr-Nachrichten-Verleger Lambert Lessing-Wolff im Jahre 2005 die „Münstersche Zeitung“ übernommen hatte, setzte er über Nacht die komplette Lokalredaktion der „Münsterschen Zeitung“ (MZ) vor die Tür, was als „Schwarzer Zeitungsfreitag“ in die Schlagzeilen anderer Zeitungen einging. Betroffen waren drei Stadtteilausgaben und 19 Redakteure. Heribert Seifert schrieb am 2. Februar 2007 in der NZZ: „In Münster ist die komplette Lokalredaktion einer deutschen Zeitung gegen eine neue Mannschaft ausgetauscht worden. Damit erreicht das Outsourcing, die Auslagerung journalistischer Arbeit aus den traditionellen Strukturen von Redaktion und Verlag, eine neue Dimension…“

Dem Dorstener Lyriker Zuschlag schrieb er das Nachwort

Übrigens schrieb Heribert Seifert das Nachwort zu dem 1983 erschienenen Gedichtband „Zeittassen“ des Dorstener Lyrikers Reinhard Zuschlag (Auszug): „Angst und Vereinsamung spürt man zwischen den Zeilen. Zweifel am Gang des Fortschritts unserer Zeit wird deutlich. Es bleibt in diesen dunklen Perspektiven, in der die Gegenwart ihre Zukunft schon hinter sich zu haben scheint, nur ein Rest Vertrauen auf Nischen des Menschlichen, auf ein wenig Wärme in eisigen Zeiten…“ 2016 beteiligte er sich als Mitherausgeber und Autor an dem Buch, wie das Gymnasium Petrinum in Recklinghausen die NS-Zeit von 1933 bis 1945 überstanden hat.


Quellen: Archiv LabourNet von18. Dez. 2012. – Mehrere NZZ-Beiträge zwischen 2005 und 2016. – dju-Presseerklärung vom 27. Febr. 2007. – „eigentümlich frei“ vom 9. Juli 2012. – Weitere Quellen im Text. 

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