Sack, Gustav

Wichtiger frühexpressionistischer Romancier und Dichter

1885 in Schermbeck bis 1916 bei Finta Mara/Rumänien; Schriftsteller, Dramatiker, Lyriker. – Auch wenn er kein Dorstener war, so gebührt ihm in diesem Lexikon ein Platz genauso wie dem Bildhauer Lehmbruck. Denn Gustav Sack, der seine Werke auch unter dem Pseudonym Ernst Schahr veröffentlichte, gehörte zu den interessantesten frühexpressionistischen Schriftstellern, der erst in den 1990er-Jahren eine angemessene öffentliche Würdigung erfuhr. Der Weg aus der Schermbecker Vergessenheit war vor allem dem Lehrer und Journalisten Helmut Scheffler zu verdanken, der seit jener Zeit über Schermbecker Belange für die Dorstener Ausgabe der „Ruhr-Nachrichten“ („Dorstener Zeitung“) schreibt. Scheffler, der schon Anfang der 1980er-Jahre auf die Bedeutung des Schermbecker Dichters hinwies, über ihn im Selbstverlag veröffentlichte („Gustav Sack. Leben und Werk des Schermbecker Dichters im Spiegel der Literatur“, 2 Bände, 1985 und 1991), hatte damals keinen leichten Stand in Schermbeck. Als er beim Gemeinderat beantragte, eine Straße nach dem Dichter Gustav Sack zu benennen, bekam er nicht nur von Bürgermeister Krass und den Gemeindepolitikern mehrheitlich eine Abfuhr, sondern auch vom damaligen Kulturredakteur der Ruhr-Nachrichten, Wolf Stegemann, der in einem ablehnenden Kommentar dazu bissig bemerkte, dass es bereits viele Sackgassen gäbe, sicherlich auch in Schermbeck. – Inzwischen  gibt es in Schermbeck eine Gustav-Sack-Straße.

Erst späte Würdigung in seiner Heimatgemeinde Schermbeck

Gustav Sack

Gustav Sack als Soldat im Ersten Weltkrieg

Diese damalige ablehnende Kritik war ungerechtfertigt. Denn Gustav Sack gehört zu den wichtigsten Vertretern der expressionistischen Literatur. Nachdem seine Frau Paula nach seinem frühen Soldatentod im Ersten Weltkrieg 1916 Werke von ihm veröffentlichte, horchte der zeitgenössische Literaturbetrieb auf. Aber nur kurz, danach wurde Sack vergessen. Dennoch befassten sich so unterschiedliche Autoren wie Erich Maria Remarque, Ernst Jünger, Thomas Mann und Theodor Adorno mit ihm und apostrophierten Sacks Literatur als wichtige in der Frühphase des 20. Jahrhunderts. Sein Nachlass liegt im Deutschen Literaturarchiv in Marbach. Das kleine Heimatmuseum in Schermbeck hat ihm im ersten Stock eine kleine sehenswerte Ausstellung eingerichtet, die über sein Leben und Werk informiert. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) würdigte 2011 den frühexpressionistischen Autor mit einer „Gesammelten Werkausgabe“. Damit gebe es jetzt die erste vollständige und textkritische Werkausgabe des „radikalen literarischen Außenseiters“, war vom LWL zu hören.

Wie Schermbecker ihre Straße benennen

Faksimile Gustav Sacks

Faksimile Gustav Sacks

Gustav Sack wurde am 28. Oktober 1885 als Sohn eines aus Ostpreußen stammenden Volksschullehrers in Schermbeck geboren. Über seine Schermbecker Zeit  hat sich Gustav Sack an mehreren Stellen seines Werkes „Ein verbummelter Student“ geäußert. In dem Buch befasste  er sich auch damit, wie die Schermbecker ihre Straßen benennen:

„In einem flachen Kessel am Niederrhein liegt zwischen waldigen und heidigen Höhen ein Dorf, dessen Signum ein kurzer klobiger Backsteinturm ist und dessen Hauptstraße kurz und gut die Mittelstraße heißt, und die wird zu beiden Seiten begleitet von der Kaffeestraße und Kirchstraße und ist mit ihnen verbunden durch mehrere Sträßlein, deren offizielle Namen man nur in dem heimatkundlichen Unterricht der Schule hört; später vergisst man sie und bezeichnet die Sträßlein nach irgend einem irgendwie hervorstechenden Anwohner. Die Bewohner aber neigen ein wenig zum Kretinismus und haben insbesondere vor ihren Nachbarn einen eigentümlichen hämischen und bissigen Witz voraus – sonst leben sie wie diese in den Tag und wissen nichts von der transzendenten Idealität der Zeit, der Verneinung des Willens, dem Pathos der Distanz und wären so glücklich wie ihr Vieh, wenn sie eben nicht den hämischen Witz hätten und so eingefleischte Ebenbilder ihres Gottes wären.“

Der Dichter fiel 1916 in Rumänien als Leutnant

Gustav Sack besuchte das Gymnasium in Wesel und begann sein Studium der Germanistik, Naturwissenschaften und Biologie 1906 in Greifswald, Münster und Halle und beendete es 1910 ohne Abschluss. In München versuchte er vergeblich, Anerkennung als Schriftsteller zu finden. Im Juli 1914 heiratet er Paula Harbeck. Bei Kriegsausbruch 1914 weilte Sack in der Schweiz und verweigerte zunächst den Kriegsdienst, kehrte im September 1914 nach Deutschland zurück und wurde zum Militär eingezogen. Er fiel 1916 in Rumänien als Leutnant.

Werke (Auswahl): Ein verbummelter Student, Roman, S. Fischer 1917; – Ein  Namenloser, Roman, S. Fischer 1919; – Gesammelte Werke (2 Bände), S. Fischer 1920: – Paralyse, Fink 1971; – Die drei Reiter, Gedichte 1913-1914, Ellermann 1958; – Prosa. Briefe. Verse, Langen-Müller-Verlag 1963; – Gustav-Sack-Lesebuch, zusammengestellt und mit einem Nachwort versehen von Walter Gödden (= Nylands Kleine Westfälische Bibliothek; 2), Köln 2002: – Armer alter Narrensang, ausgewählte Gedichte, Norderstedt 2010; Walter Gödden, Steffen Stadthaus (Hrsg): „Gustav Sack: Gesammelte Werke“, Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen Band 47, Aisthesis, 2011, 662 Seiten, 48 Euro.


Siehe auch:
Literaten, verstorben

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