Garczyk, Eckhard

Seine Heimatstadt betrachtete er stets mit kritischem Wohlwollen

Eckhard Garczyk 1987 beim Ehepaar Keller im Emmelkamp (Zeitungsbild RN)

Eckhard Garczyk (r.) 1996 am Seniorenheim  mit Heinz-Josef und Margret Keller (Zeitungsbild RN)

1935 in Dorsten bis 2006 in Berlin; Redakteur und Filmemacher. – Der gebürtige Dorstener, der als Junge Stuka-Pilot werden wollte und spätere Redaktionsleiter für Soziales (ab 1968) beim Bayerischen Rundfunk wurde, gehörte 1946 zum ersten Schülerjahrgang am Gymnasium Petrinum nach dem Krieg, machte 1955 das Abitur und studierte bis 1963 Philosophie, deutsche Philologie und Zeitungswissenschaft in München. Sein Studium 501-Geschwindiskeitskontrolle-mobiles System.Andre Karwath (2)schloss er mit der Promotion über den Philosophen und Theologen Schleiermacher ab und wurde  Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk, den er 1981 verließ, um als freier Autor und Filmemacher für diverse ARD-Sender zu arbeiten (bis 2005). 1994 ging er nach Berlin und traf dort ehemalige Mitschüler des Dorstener Gymnasiums: Walter Stecher, Godehart Lindgens und Dieter Rüter. E. Garczyk galt als einer, der genau hinschaute und die Probleme der Sozialschwachen, der Außenseiter und Behinderten in der Leistungsgesellschaft stets mit Respekt und ohne Verletzung der Menschenwürde darstellte. Sein Vater Franz Garczyk war Drahtweber bei den Dorstener Drahtwerken und seine Mutter Teppichflechterin.

Adolf- Grimme-Preis für den Drahtweber Rolf Piechotta

Oft brachte er eigenes Erleben in seine Filmarbeit ein. In „Die Siebentagewoche des Drahtwebers Rolf Piechotta” widersetzt sich der Protagonist widerspenstig seinem Vorgesetzten. Nach sieben Tagen ist er wieder arbeitslos. Garczyk drehte in den Dorstener Drahtwerken, wo es sein Vater zum Werkmeister gebracht hatte. Eckhard Garczyk kannte daher das Unternehmen, in dem er auch als Schüler sein Taschengeld aufbesserte. Für diesen g-garczyk-Titelseite mit FotoFilm bekam Eckhard Garczyk 1974 den renommierten Adolf-Grimme-Preis. In einem weiteren Film mit Dorstener Bezug setzte sich Eckhard Garczyk 1981 mit dem Bürgertum seiner Heimatstadt auseinander. In „Jeder hat sein Nest im Kopf“ machte er dokumentarisch kleinstädtischen Gesellschaftsmief und fragwürdig Überkommenes an den Traditionen der Altsstadtschützen fest, was bei vielen von ihnen nicht gut ankam. Dazu Eckardt Garczyk: „Es gibt nicht nur ein Dorsten, sondern deren mindestens zwei, das Dorsten der Bürger und das Dorsten der Arbeiter. Altstadt und südwestliche Vorstadt hier, die Zechensiedlungen nördlich der Lippe dort“ (siehe Schützenfeind). In einer Filmreportage für den WDR über die Pflegeversicherung drehte 1996 Garczyk auch im Seniorenheim am Stillen Weg in Holsterhausen; seine Mutter war damals im Seniorenheim „Haus am Kamin“ in Dorsten untergebracht. Dort wurde der Filmemacher und Journalist zu dem Thema angeregt und persönlich berührt. Weitere Dokumentarfilme und dokumentarische Spielfilme (Auswahl): 1970 „Abiturienten“ (Drehbuch, mit Rolf Becker und Christiane Hammacher u. a.), 1999 „Ich brauch Freiheit – aus dem Leben eines Handlungsreisenden“ (ARD), 2004 „Das Wendland“ (Reihe: Bilderbuch Deutschland).

Romanhandlung spiel unverkennbar in Dorsten

Garczyks dritte Auseinandersetzung mit Dorsten findet in seinem 2006 fertig gestellten Roman „Einem unbekannten Gott” statt, den er mit 70 Jahren schrieb, dessen Thema ihn aber schon Jahrzehnte bewegte. In diesem Buch nennt er Dorsten nicht mit Namen, gleichwohl ist Dorsten erkennbar. Es ist die Geschichte eines 17 Jahre alten Jungen in den 1950er-Jahren in einer zerbombten Kleinstadt am Rande des Ruhrgebiets. Es gibt einen lebendigen Markt mit einem alten Rathaus, das die Kriegsbomben „wunderlicherweise” verschont hatten, dahinter eine „aufbetonierte” Kirche, zwei Gymnasien – das Johanneum (Petrinum) für Jungs, die Mädchenschule der Arminen (Ursulinen) und weitere Unverkennbarkeiten. Der Verein für Orts- und Heimatkunde Dorsten ließ das bis dahin unveröffentlichte Buch 2010 in einer geringen Auflage drucken. – Eckhard Garczyk erkrankte an Krebs und starb 2006 in Berlin, wo er seit  Mitte der 1990er-Jahre wohnte.


Siehe auch:
Literaten, verstorben


Quellen:
Wolf Stegemann in RN vom 16. Mai 1996. – Ludger Böhne in WAZ vom 20. Januar 2010.

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